{"id":13678,"date":"2010-05-06T15:00:00","date_gmt":"2010-05-06T15:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13678"},"modified":"2010-05-06T15:00:00","modified_gmt":"2010-05-06T15:00:00","slug":"13678","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/05\/13678\/","title":{"rendered":"Generalstreik in Griechenland &#8211; alle R&#228;der stehen still"},"content":{"rendered":"<p>  Millionen Menschen befanden sich im Streik, Hunderttausende auf den   Stra&#223;en.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am 5. Mai 2010 demonstrierten allein in Athen 150.000 bis 200.000   Menschen gegen das Sparpaket der PASOK-Regierung unter Ministerpr&#228;sident   Papandreou, in Thessaloniki waren es 50.000, in Patras 20.000 und in   Heraklion 10.000. Nachdem bereits am Tag zuvor Teile der   Staatsangestellten in den Streik getreten sind, folgte ihnen der   Gro&#223;teil aller Besch&#228;ftigten im Land. &#220;ber drei Millionen Streikende   lie&#223;en die Schulen und L&#228;den geschlossen, die Produktion stand still,   kein Flugzeug &#252;berquerte das Land.<\/p>\n<h4>  <i>von Ren&#233; Kiesel, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  W&#228;hrend das griechische Parlament seit Dienstag &#252;ber die Verabschiedung   des Sparpaketes ber&#228;t und heute verabschiedet, traten selbst die   Angestellten des Parlaments und die Journalisten in den Ausstand. Alle   Gewerkschafts- und linken Organisationen hatten an diesem Tag zu einem   24-st&#252;ndigen Generalstreik aufgerufen. Es war eine der gr&#246;&#223;ten   Demonstrationen in den letzten Jahren, die in mehreren Z&#252;gen durch die   Hauptstadt Griechenlands zog. Neben der KKE-nahen Gewerkschaftsfront   PAME hatte auch der gem&#228;&#223;igtere Gewerkschaftbund PSEE (private   Wirtschaft), dessen Vorsitzender selbst PASOK-Mitglied ist, einen Zug   mit mehreren zehntausend TeilnehmerInnen in Richtung Parlament formiert.   Ebenso der Dachverband des &#246;ffentlichen Dienstes ADEDY.<\/p>\n<h4>  Wut bricht sich Bahn<\/h4>\n<p>  Nachdem das Land in den Wochen nach der Verk&#252;ndung der geplanten   Sparma&#223;nahmen wie paralysiert war, folgte gestern der Aufschrei der   Massen gegen sich verschlechternde Lebens- und Einkommensverh&#228;ltnisse.   Die massiven K&#252;rzungen bei den L&#246;hnen und die Erh&#246;hung der   Mehrwertsteuer bedeuten f&#252;r viele GriechInnen einen Einkommensverlust   von bis zu 30 Prozent. Bei einem durchschnittlichen Lohn von 800 &#8364; und   einer Durchschnittsrente von 500 &#8364; sind diese Einschnitte katastrophal.   In der Eurozone das Schlusslicht bei den L&#246;hnen bildend, sind die Preise   f&#252;r Lebensmittel und Produkte so hoch wie in Deutschland.<\/p>\n<p>  Der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis spricht von &#8222;einem   letzten Aufb&#228;umen&#8220;, bevor die Sparma&#223;nahmen durchgesetzt werden. Heute   ist die b&#252;rgerliche Presse voll von Meldungen &#252;ber den tragischen Brand   einer Bank, bei der 3 Angestellte ums Leben kamen. Diese geh&#246;rten sicher   nicht zu den Spekulanten, die versuchen, ihre Profite weiter in die H&#246;he   zu treiben.<\/p>\n<p>  Die Gewerkschaft der Bankbesch&#228;ftigten (OTOE) hat f&#252;r den heutigen 6.   Mai zum landesweiten Streik aufgrund des Todes ihrer KollegInnen   aufgerufen. Die Gewerkschaft gibt dem Management der Bank und der   Polizei die Schuld an der Trag&#246;die. Das Management hatte den   Besch&#228;ftigten mit K&#252;ndigung gedroht, sollten sie sich an dem   Generalstreik beteiligen. Au&#223;erdem wurde die sonst &#252;bliche   Vorgehensweise gebrochen, Banken, die an solchen Demonstrationsrouten   liegen, aus Sicherheitsgr&#252;nden zu schlie&#223;en. Auch habe es nach Berichten   eines Bankangestellten keine ausreichenden Flucht- und   Brandschutzvorrichtungen gegeben. W&#228;hrend die b&#252;rgerlichen Medien davon   berichten, dass die Feuerwehr durch autonome Demonstranten am Einsatz   behindert worden sei, berichten Demonstrationsteilnehmer, dass die   Polizei solche Demonstranten angegriffen hatten, die versuchten das   Feuer zu l&#246;schen und in das Geb&#228;ude zu gelangen, um den dort   Eingeschlossenen zur Hilfe zu kommen.<\/p>\n<p>  Medien versuchen nun die Todesf&#228;lle in den Mittelpunkt der   Berichterstattung zu stellen und dadurch von den eigentlichen Zielen der   Massenproteste abzulenken. Vereinzelt wird aber auch davon berichtet,   dass sich Faschisten unter die DemonstrantInnen mischten, um   Gewaltexzesse zu provozieren.<\/p>\n<p>  Es waren vor allem Jugendliche, die den radikaleren Teil der   Demonstrationen bildeten und die versuchten, das Parlament zu st&#252;rmen,   wobei sie mit Tr&#228;nengas und Kn&#252;ppeln von der Polizei zur&#252;ckgedr&#228;ngt   wurden. Vor allem die Jugend ist von der weltweiten Wirtschaftskrise mit   am st&#228;rksten betroffen. Dort vereint sich die Perspektivlosigkeit   angesichts drohender Arbeitslosigkeit, Niedrigstl&#246;hnen und immer   schlechtere Bildung mit der Suche nach Alternativen und der Wut auf ein   System, das ihnen keine Zukunft bieten kann.<\/p>\n<p>  Die kontraproduktive Wirkung solcher Brandanschl&#228;ge und terroristischer   Aktionen f&#252;r die Arbeiterbewegung hat sich gestern auch in Athen   gezeigt, als die Todesf&#228;lle Regierung und Staat eine Gelegenheit boten,   vom eigentlichen Thema abzulenken und mit versch&#228;rfter Repression gegen   die linken Bewegungen vorzugehen.<\/p>\n<h4>  Kein Ruhen in Sicht<\/h4>\n<p>  Dies war bereits der dritte Generalstreik in diesem Jahr und angesichts   der sozialen Verwerfungen, die das von der Regierung forcierte Sparpaket   hervorrufen wird, wird dieser nicht der letzte gewesen sein. Doch jetzt   m&#252;ssen weitere Schritte unternommen werden, die einen Weg aufzeigen, wie   man die griechische Regierung durch den Druck der Massen zwingen kann,   die K&#252;rzungen zur&#252;ckzunehmen. Xekinima (Schwesterorganisation der SAV\/   CWI Griechenland), die auch im B&#252;ndnis der Radikalen Linken SYRIZA aktiv   ist, wirft die Forderung nach einem 48-st&#252;ndigen Generalstreik und   rotierenden Massenstreiks in verschiedenen Wirtschaftsbranchen auf.<\/p>\n<p>  Ein gro&#223;en Problem bei einem gemeinsamen Kampf, der in der Lage w&#228;re die   kapitalistische griechische Regierung zu st&#252;rzen ist das Fehlen einer   sozialistischen Massenpartei, die auf der Grundlage eines marxistischen   Programms steht. Immer noch ist die griechische Linke tief gespalten, so   hielten die KKE und die Gewerkschaftsfront PAME gestern Kundgebungen von   den restlichen Gewerkschaften getrennt ab. Xekinima fordert von KKE und   SYRIZA eine Einheitsfront im Kampf gegen die Angriffe der Regierung.<\/p>\n<p>  Selbst die Ma&#223;nahmen der PASOK-Regierung, die bei einem Sitzverh&#228;ltnis   von 160 zu 140 im Parlament verabschiedet werden d&#252;rften, werden den   drohenden Staatsbankrott nur herausz&#246;gern. Auch die deutschen   &#8222;Notkredite&#8220; von &#252;ber 22 Mrd. &#8364;, &#252;ber die der Bundestag morgen   entscheiden will, werden keine Verbesserung f&#252;r die Mehrheit der   Bev&#246;lkerung darstellen. Die internationale Finanzspritze durch die EU   und den Internationalen W&#228;hrungsfonds (IWF) dient vor allem dazu, den   griechischen Staat in die Lage zu versetzten, weiterhin Zinsen und   Tilgungsraten zu zahlen. Und mit Sicherheit auch ausstehende   Waffenlieferungen durch franz&#246;sische und deutsche R&#252;stungsunternehmen.   Jeder Cent daf&#252;r soll von der Bev&#246;lkerung abgepresst werden &#8211; nicht nur   in Griechenland &#8211; sondern international.<\/p>\n<h4>  F&#252;r ein Europa der ArbeiterInnen<\/h4>\n<p>  Denn nicht nur in Griechenland, auch in anderen L&#228;ndern Europas, wie   Spanien, Portugal und Italien, schwebt der drohende Staatsbankrott &#252;ber   den K&#246;pfen der Menschen. Auch in diesen L&#228;ndern haben die Regierungen   bereits angek&#252;ndigt, bereits geplante Sparma&#223;nahmen vorzuziehen und   umzusetzen. Auch dort regt sich Widerstand gegen Verschlechterungen.<\/p>\n<p>  Das Schwierige an Staatsschulden ist, dass gro&#223;e, international t&#228;tige   Banken als Gl&#228;ubiger dahinter stehen. Diese denken nicht im Traum daran,   auf einen Cent zu verzichten. Internationale Hilfspakete, die Staaten   zur Zahlungsf&#228;higkeit verhelfen sollen, werden selbstverst&#228;ndlich nicht   von den Banken gezahlt, sondern von der Bev&#246;lkerung &#8211; europaweit,   weltweit.<\/p>\n<p>  Im Falle Griechenlands ist einer der deutschen Gl&#228;ubigerbanken die HRE   (Hypo Real Estate), die durch Spekulationen und der Krise in wanken   geraten ist. An dieser beteiligt sich der Staat bereits mit Milliarden   auf Steuergeldern. Die L&#246;sung kann also nicht sein, dass diese Banken   &#8222;zahlen&#8220;, sondern die Profiteure m&#252;ssen zahlen &#8211; europaweit, weltweit.<\/p>\n<p>  Das Kapital ist international organisiert, wir m&#252;ssen es auch sein.   Gerade jetzt ist es n&#246;tig, die Proteste &#252;ber L&#228;ndergrenzen hinweg zu   verbinden und gemeinsam gegen jeden Angriff zu k&#228;mpfen. Der DGB sandte   Solidarit&#228;tserkl&#228;rungen nach Griechenland, sowie VertreterInnen, um auf   den Kundgebungen aufzutreten. Es gab gestern eine Protestaktion vor dem   Bundeskanzleramt, die von Attac und dem B&#252;ndnis &#8222;Wir zahlen nicht f&#252;r   eure Krise&#8220; organisiert wurde.<\/p>\n<p>  Doch dies kann nur der Anfang sein. Was wir brauchen sind Massenparteien   der Arbeiterinnen und Arbeiter, Jugendlichen, der Mehrheit der   Bev&#246;lkerung. Eine Massenpartei, die konsequent mit einem marxistischen   Programm die Interessen der Mehrheit vertritt und sich gegen die   Herrschaft des Kapitals wendet. Nur so ist es m&#246;glich, die Macht des   Kapitals zu brechen, Konzerne und Banken zu enteignen, Verm&#246;gen zu   konfiszieren und unter demokratische Kontrolle zu stellen. Nur die   internationalisierte Bewegung kann die Regierungen zwingen,   Schuldenzahlungen einzustellen.<\/p>\n<p>  Deshalb besitzt die Forderung eine uneingeschr&#228;nkte G&#252;ltigkeit &#8211; Gegen   das Europa der Banken und Konzerne &#8211; F&#252;r ein Europa der Arbeiterinnen   und Arbeiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Millionen Menschen befanden sich im Streik, Hunderttausende auf den<br \/>\n      Stra&#223;en.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13678"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13678"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13678\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13678"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13678"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13678"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}