{"id":13676,"date":"2010-05-08T00:00:00","date_gmt":"2010-05-07T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13676"},"modified":"2012-06-13T17:25:03","modified_gmt":"2012-06-13T15:25:03","slug":"13676","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/05\/13676\/","title":{"rendered":"Ein Schritt nach links."},"content":{"rendered":"<p>  Der LINKE-Programmentwurf aus marxistischer Sicht<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Programmkommission der Partei DIE LINKE hat einstimmig einen Entwurf   f&#252;r ein Parteiprogramm vorgelegt, der nun in der Mitgliedschaft   diskutiert und im Jahr 2011 beschlossen werden soll. Unmittelbar nach   Ver&#246;ffentlichung des Entwurfs &#228;u&#223;erten VertreterInnen des rechten   Parteifl&#252;gels deutliche Kritik. Im Mittelpunkt der Kritik stehen die   Eigentumsfrage und die in dem Text aufgestellten Voraussetzungen f&#252;r   eine Regierungsbeteiligung der Partei.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich ist der Entwurf im Vergleich zu den bisher g&#252;ltigen   Programmatischen Eckpunkten ein Schritt nach links. Trotzdem bleibt er   deutlich hinter den Anspr&#252;chen an ein modernes sozialistisches Programm   in Zeiten der gr&#246;&#223;ten kapitalistischen Weltkrise seit achtzig Jahren   zur&#252;ck. In einigen Fragen konkreter politischer Positionsbestimmungen   und Forderungen f&#228;llt er sogar hinter bisherige Beschl&#252;sse der Partei   DIE LINKE zur&#252;ck. Ein genauer Blick lohnt sich also.<\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic<\/i><\/h4>\n<p>  &#8222;Wir wollen dazu beitragen, dass aus passivem Unmut aktive Gegenwehr   wird.&#8221;; &#8222;Wir wollen eine Gesellschaft des demokratischen Sozialismus   aufbauen&#8221;; &#8222;Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts geht es um die Frage von   Sozialismus oder Barbarei, wie sie schon Rosa Luxemburg hundert Jahre   zuvor gestellt hat&#8221;; &#8222;Wir streben eine Ver&#228;nderung der Macht- und   Eigentumsverh&#228;ltnisse an&#8221; &#8211; solche Aussagen machen den Programmentwurf   zu einem Text, der einen sozialistischen Anspruch formuliert. Anders als   die Programmatischen Eckpunkte sind einige Grundaussagen eindeutig:   nicht der Neoliberalismus wird f&#252;r Krisen und soziale Probleme   verantwortlich gemacht, sondern das kapitalistische System selbst (auf   eine gewisse Inkonsequenz in dieser Frage wird dieser Artikel noch   eingehen) und demokratischer Sozialismus wird als eine zu erk&#228;mpfende   alternative Gesellschaft pr&#228;sentiert, die andere Macht- und   Eigentumsverh&#228;ltnisse erfordert, als die heute bestehenden.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die Programmatischen Eckpunkte noch ein B&#252;ndnis mit progressiven   Unternehmern forderten, spricht der Programmentwurf von einer   Klassengesellschaft und bringt eine deutliche Orientierung auf die   lohnabh&#228;ngige Bev&#246;lkerung zum Ausdruck.<\/p>\n<p>  Fragen nach &#246;ffentlichem und gesellschaftlichem Eigentum und der   Steuerung der Wirtschaft werden aufgeworfen und relativ weitgehende   Bedingungen an eine Beteiligung der Partei an Regierungen aufgestellt.<\/p>\n<p>  Insgesamt tr&#228;gt das Programm einen linksreformistischen Charakter. Es   formuliert vage ein sozialistisches Ziel, ohne jedoch eine genaueres   Bild davon darzulegen, was unter Sozialismus verstanden wird und wie   Sozialismus erreicht werden kann. Der Text stellt zwar die Behauptung   auf, dass der Kampf f&#252;r linke Reformprojekte gleichzeitig f&#252;r das   sozialistische Ziel wirkt. Tats&#228;chlich bleibt er aber &#252;berall, wo er   konkret wird, im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise und des   kapitalistischen Systems. Die von ihm aufgestellten Forderungen werden   nicht verstanden als Mittel zur Mobilisierung der Arbeiterklasse f&#252;r den   Sturz des Kapitalismus, sie sprengen nicht den kapitalistischen Rahmen,   sind also keine &#220;bergangsforderungen im marxistischen Sinne, sondern er   erweckt immer wieder den Eindruck, dass durch linke Reformprojekte der   Charakter der kapitalistischen Gesellschaft verbessert werden kann,   Krisen verhindert werden k&#246;nnen, soziale und demokratische Rechte   dauerhaft erreicht werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Trotzdem stellt sich f&#252;r Linke in der Partei DIE LINKE die Aufgabe, die   antikapitalistischen Aussagen und die weitgehenden Reformforderungen   gegen die Kritik von der Parteirechten zu verteidigen und gleichzeitig   die Programmdebatte zu nutzen, um ein wirklich sozialistisches Programm   einzufordern und eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie ein solches   aussehen kann. Auch wenn das eigentlich die Erarbeitung eines   alternativen Programmentwurfs n&#246;tig machen w&#252;rde, w&#228;re dies aufgrund der   in der Partei existierenden Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse kontraproduktiv. Eine   Einheitsfront mit linksreformistischen Kr&#228;ften in der Partei zur   Verteidigung des sozialistischen Anspruchs des Programms ist sinnvoll.   MarxistInnen sollten aber versuchen m&#246;glichst konkrete &#196;nderungsantr&#228;ge   in die Debatte einzubringen und f&#252;r Mehrheiten f&#252;r diese zu k&#228;mpfen, um   den Entwurf &#8216;nach links&#8217; zu ver&#228;ndern.<\/p>\n<p>  Vor allem aber darf die Programmdebatte nicht losgel&#246;st von der   tats&#228;chlichen Politik der Partei gef&#252;hrt werden. Die reale Entwicklung   der Partei entspricht nicht dem Programmentwurf (siehe Artikel auf Seite   2). Teil der Debatte muss sein, dass die programmatischen Aussagen und   Grunds&#228;tze auch in die Praxis umgesetzt werden &#8211; das w&#252;rde einen   Austritt aus Sozial- und Stellenabbau betreibenden Landesregierungen   genauso bedeuten, wie die Durchf&#252;hrung von Kampagnen f&#252;r die &#220;berf&#252;hrung   bestimmter Konzerne in &#246;ffentliches Eigentum oder f&#252;r die   30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich zur Bek&#228;mpfung der   Massenarbeitslosigkeit.<\/p>\n<h4>  Analyse des Kapitalismus und der Krise<\/h4>\n<p>  Auf den ersten Blick ist der Programmentwurf ein wohltuender Fortschritt   im Vergleich zu vielen Texten der politischen Linken und   globalisierungskritischen Bewegung, denn er spricht vom Kapitalismus &#8211;   und nicht nur vom Neoliberalismus &#8211; als Ursache von Krisenprozessen und   sozialer Ungleichheit. So hei&#223;t es in der Pr&#228;ambel des Texts:   &#8222;Grenzenloser Reichtum f&#252;r die oberen Zehntausend, Entw&#252;rdigung f&#252;r   immer mehr Arme und sinkender Wohlstand f&#252;r die gro&#223;e Mehrheit sind   nicht Ergebnis der Globalisierung, sondern des globalen Kapitalismus.&#8221;   Gedanke wird im Entwurf jedoch nicht konsequent fortgef&#252;hrt. An anderen   Stellen wird doch der Neoliberalismus zur Problemursache erkl&#228;rt. So zum   Beispiel nur wenige S&#228;tze sp&#228;ter ebenfalls in der Pr&#228;ambel: &#8222;Die   Neoliberalen haben die Interessen der Konzernchefs und Verm&#246;gensbesitzer   zur politischen Leitlinie erhoben.&#8221; die VertreterInnen des Kapitalismus,   egal ob sie neoliberale oder andere wirtschaftspolitischen Ans&#228;tze   vertraten, haben immer die Interessen der Kapitalisten zur Leitlinie   ihrer Politik erhoben. Zu anderen Zeiten sind sie nur aufgrund der   St&#228;rke bzw. der Politik der Arbeiterbewegung zu mehr Konzessionen   gezwungen worden. Noch deutlicher wird die fehlerhafte Analyse des   gegenw&#228;rtigen Kapitalismus im zweiten Kapitel, wo es hei&#223;t: &#8222;Die   neoliberale Politik hat durch Deregulierung, Liberalisierung und   Privatisierung die Wurzeln f&#252;r die gegenw&#228;rtige Krise gelegt (&#8230;).&#8221;   Tats&#228;chlich jedoch ist der Neoliberalismus eine Folge krisenhafter   Prozesse der kapitalistischen Produktionsweise, die nach dem Ende des   Nachkriegsaufschwungs zu Beginn der 1970er Jahre keine ausreichenden   profitablen Anlagem&#246;glichkeiten f&#252;r das angesammelte Kapital in der   G&#252;terproduktion fand und deshalb auf die Finanzm&#228;rkte dr&#228;ngte,   Profitabilit&#228;t durch Deregulierung und gesteigerte Ausbeutung der   Lohnabh&#228;ngigen steigern und neue Anlagem&#246;glichkeiten durch   Privatisierung erschlie&#223;en wollte. Die Wurzeln der Krise liegen also   gerade nicht in &#8222;Deregulierung, Liberalisierung und Privatisierung&#8221;,   sondern deren Wurzeln liegen in der dem Kapitalismus immanenten Tendenz   zur &#220;berakkumulation von Kapital und damit von Krisen, also in der   kapitalistischen Produktionsweise selbst. Die &#196;ra des deregulierten   Kapitalismus war Folge der ersten weltweiten Wirtschaftskrise nach dem   Zweiten Weltkrieg zu Beginn der 1970er Jahre (verst&#228;rkt durch   Niederlagen der Arbeiterbewegung wie dem Sturz der Allende-Regierung in   Chile 1973 und der Restauration kapitalistischer Verh&#228;ltnisse in den   b&#252;rokratischen Planwirtschaften Osteuropas und der Sowjetunion zu Beginn   der 1990er Jahre). Gleichzeitig war die exzessive Steigerung dieser   Tendenz in den letzten zwanzig Jahren ein Mittel, das den Ausbruch einer   Weltwirtschaftskrise hinaus z&#246;gerte &#8211; jedoch nur um viel tiefere Krisen   vorzubereiten &#8211; ein dem Kapitalismus eigenes Prinzip, das schon Karl   Marx erkl&#228;rte. So geschehen seit dem Sommer 2007.<\/p>\n<p>  Dem Programmentwurf ist sein Kompromisscharakter deutlich anzumerken.   Richtige Aussagen wechseln sich mit vagen Allgemeinpl&#228;tzen und dann   wieder systemimmanenten Positionen ab. So wird zwar richtig konstatiert,   dass &#8222;die lange Nachkriegsperiode wirtschaftlichen Aufschwungs eine   Ausnahme war&#8221; der Kapitalismus seit den 1970er Jahren zu seiner   Normalit&#228;t zur&#252;ck kehrte. Aber trotzdem zieht sich durch den Entwurf der   Gedanke, dass diese Normalit&#228;t kapitalistischer Krisen, des Anwachsens   der Massenerwerbslosigkeit und sozialer Ungleichheit durch eine andere   Politik im Rahmen des Kapitalismus wieder zur&#252;ckgedr&#228;ngt werden kann.   Letztlich ist dem Programmentwurf die alte sozialdemokratische (gemeint   ist hier die Sozialdemokratie vor hundert Jahren) Trennung in ein   Minimal- und Maximalprogramm inne &#8211; Kampf f&#252;r Reformen im Rahmen des   kapitalistischen Systems jetzt und Vertagung des Kampfes f&#252;r eine   sozialistische Ver&#228;nderung der Gesellschaft auf eine unbestimmte   Zukunft. Dies wird in folgendem Zitat deutlich: &#8222;Als erster Schritt ist   ein grundlegender Richtungswechsel der &#246;konomischen und   gesellschaftlichen Entwicklung notwendig, ein sozial-&#246;kologischer Umbau.   Die nachhaltige &#220;berwindung der wirtschaftlichen Krise und   Massenarbeitslosigkeit, der sozialen Krise und der Energie- und   Klimakrise erfordert eine andere Wirtschaftsordnung, die nicht mehr vom   Streben nach maximalem Profit beherrscht wird.&#8221;<\/p>\n<p>  Diese Aussage sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Der   hier genannte &#8222;erste Schritt&#8220; vollzieht sich offensichtlich vor und   losgel&#246;st von der &#8211; f&#252;r eine nachhaltige Entwicklung n&#246;tigen   -Ver&#228;nderung der Wirtschaftsordnung. Mitten in der gr&#246;&#223;ten   Weltwirtschaftskrise seit 80 Jahren und in einer Zeit, in der klar ist,   dass die Klimaver&#228;nderung die menschliche Zivilisation grundlegend   bedroht &#8211; in einer Zeit, in der gerade diese Wirtschaftskrise dazu   f&#252;hrt, dass die kapitalistischen Regierungen ihre ohnehin halbherzigen   Bem&#252;hungen zur Eind&#228;mmung der Temperatursteigerung einschr&#228;nken,   propagiert der Programmentwurf also einen &#8222;grundlegenden   Richtungswechsel&#8221; und &#8222;sozial-&#246;kologischen Umbau&#8221; im Rahmen der &#8222;nach   maximalem Profit strebenden&#8220; kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Dieser   wird offensichtlich f&#252;r m&#246;glich erachtet, er k&#246;nne nur nicht nachhaltig   sein. Konsequent zu Ende gedacht, hei&#223;t das die M&#246;glichkeit einer   wirtschaftlichen Stabilit&#228;ts- oder sogar Aufschwungperiode des   Kapitalismus zu sehen, denn eine solche w&#228;re f&#252;r einen   sozial-&#246;kologischen Umbau ja Voraussetzung.<\/p>\n<h4>  Reform oder Revolution?<\/h4>\n<p>  Aus diesem Gedanken, der auf einer fehlerhaften Analyse des Kapitalismus   und seiner Krisenursachen basiert, folgert dann die Orientierung auf   eine Reformpolitik im Rahmen des Kapitalismus. Nun spricht nat&#252;rlich   nichts dagegen im Rahmen des Kapitalismus f&#252;r Reformen zu k&#228;mpfen.   MarxistInnen sind die vehementesten VerfechterInnen f&#252;r den Kampf um   unmittelbare Verbesserungen f&#252;r die Lage der Arbeiterklasse, der   Benachteiligten und Entrechteten. Es gibt keinen Widerspruch zwischen   dem Kampf um unmittelbare Reformen und dem Kampf um eine revolution&#228;re   &#220;berwindung des Kapitalismus. Schon Rosa Luxemburg beantwortete die   Frage &#8220;Sozialreform oder Revolution?&#8221; mit einem eindeutigen Kampf f&#252;r   Reform und Revolution. 1899 schrieb sie: &#8222;Kann denn die Sozialdemokratie   (damals verstand die SPD sich noch als marxistische und revolution&#228;re   Arbeiterpartei, deren Mitglied Luxemburg war, Anmerkung des Autors)   gegen die Sozialreform sein? Oder kann sie die soziale Revolution, die   Umw&#228;lzung der bestehenden Ordnung, die ihr Endziel bildet, der   Sozialreform entgegenstellen? Allerdings nicht. F&#252;r die Sozialdemokratie   bildet der allt&#228;gliche praktische Kampf um soziale Reformen, um die   Besserung der Lage des arbeitenden Volkes noch auf dem Boden des   Bestehenden, um die demokratischen Einrichtungen vielmehr den einzigen   Weg, den proletarischen Klassenkampf zu leiten und auf das Endziel, auf   die Ergreifung der politischen Macht und Aufhebung des Lohnsystems   hinzuarbeiten. F&#252;r die Sozialdemokratie besteht zwischen der   Sozialreform und der sozialen Revolution ein unzertrennlicher   Zusammenhang, indem ihr der Kampf um die Sozialreform das Mittel, die   soziale Umw&#228;lzung aber der Zweck ist.&#8220;<\/p>\n<p>  Dieses Zitat wird von ReformistInnen in der Partei DIE LINKE gerne   benutzt, um die Bejahung von Reformpolitik mit Rosa Luxemburgs   revolution&#228;rer Autorit&#228;t zu begr&#252;nden. Doch in dieser Aussage der   bedeutenden Revolution&#228;rin, steckt viel mehr als nur eine Zustimmung zum   Kampf um Reformen. Vor allem stecken zwei Gedanken in diesem Zitat, die   dem Programmentwurf v&#246;llig fremd sind: erstens der Gedanke des   &#8222;proletarischen Klassenkampfs&#8220; und zweitens die Verbindung vom Kampf um   Reformen mit dem Kampf zur &#8222;Ergreifung der politischen Macht&#8221;. Letzteres   wurde von der revolution&#228;ren Arbeiterbewegung in den 1920er und 1930er   Jahren als Kampf um &#220;bergangsforderungen definiert &#8211; Forderungen, die   die unmittelbaren Bed&#252;rfnisse der Arbeiterklasse zum Ausdruck bringen,   deren Erk&#228;mpfung aber &#252;ber den Rahmen kapitalistischer Verh&#228;ltnisse   hinaus gehen und die Machtfrage auf die Tagesordnung setzen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Es ist heute m&#246;glich, trotz Wirtschaftskrise, Verbesserungen f&#252;r die   Arbeiterklasse zu erreichen. Aber Voraussetzung daf&#252;r ist eine   Zuspitzung des Klassenkampfes, also Massenmobilisierung. Ohne den Druck   von der Stra&#223;e und aus den Betrieben wird auch die linkeste   Parlamentsfraktion nichts ausrichten k&#246;nnen. Aber wof&#252;r k&#228;mpfen? In der   heutigen Phase des kapitalistischen Niedergangs hat sich der   Konkurrenzkampf zwischen Konzernen und Staaten so zugespitzt, dass auch   relativ begrenzte Reformforderungen in einem Ma&#223;e in die Profitraten   eingreifen, dass sie auf den erbitterten Widerstand der   Kapitalistenklasse und ihrer Regierungen sto&#223;en. Deren Programm besteht   ja nicht einmal in minimalen Verbesserungen des Lebensstandards, sondern   in den sch&#228;rfsten Angriffen auf denselben seit Ende des Zweiten   Weltkriegs. Wirkliche Verbesserungen, wie die Reduzierung des   Renteneinstiegsalters auf 60 Jahre oder eine allgemeine   Arbeitszeitverk&#252;rzung bei Lohn- und Personalausgleich auf 30 Stunden &#8211;   Mindestvoraussetzungen um die Massenerwerbslosigkeit zu bek&#228;mpfen &#8211;   sprengen unter den gegebenen Bedingungen die Grenzen des Systems und   w&#252;rden vom Kapital nur zugestanden, wenn es seine Macht und Profite   grundlegend gef&#228;hrdet s&#228;he. So wie der Achtstundentag in Deutschland   eine Folge der Novemberrevolution war.<\/p>\n<p>  Dies gilt umso mehr angesichts der drohenden &#246;kologischen Katastrophe.   Wir haben einfach keine Zeit, auf eine sozial-&#246;kologische Wende im   Rahmen des Kapitalismus zu hoffen, denn eine solche w&#228;re ein direkter   Widerspruch zu den im Kapitalismus letztlich alles bestimmenden   Profitinteressen der Banken und Konzerne. Nun mag man darauf entgegnen,   dass wir gerade aufgrund der drohenden &#246;kologischen Katastrophe keine   Zeit haben, auf die sozialistische Revolution zu warten. Stimmt. Aber es   geht ja auch nicht darum, zu warten, sondern den Kampf um soziale und   &#246;kologische Verbesserungen in aller Konsequenz zu f&#252;hren, nicht die   Grenzen der kapitalistischen Sachzw&#228;nge dabei zu akzeptieren und ihn in   eine Verbindung zum Kampf f&#252;r die sozialistische Umgestaltung der   Gesellschaft zu setzen. Um letzteres zu tun, muss man sozialistische   Propaganda betreiben und die Entwicklung von sozialistischem Bewusstsein   bef&#246;rdern. Das allerdings wird von kaum einem LINKE-Politiker betrieben.<\/p>\n<p>  Der Programmentwurf verzichtet leider darauf den Gedanken des   Klassenkampfes zu formulieren, ja selbst darauf die   au&#223;erparlamentarische Bewegung (was ja letztlich nichts anderes ist, als   eine Umschreibung des Klassenkampfs) in den Mittelpunkt der Aufgaben der   Partei zu r&#252;cken. Und der Text verzichtet darauf, die Reformforderungen   in einen systemsprengenden Rahmen zu stellen, denn er macht keine   Vorschl&#228;ge zum Aufbau tats&#228;chlicher Gegenmacht durch eine   Selbstorganisation der Arbeiterklasse in Komitees, R&#228;ten oder anderen   Organen. Die demokratischen Vorstellungen des Entwurfs lassen sich mit   &#8222;Parlamentarismus plus Volksentscheid&#8221; zusammen fassen. Die geforderten   Wirtschafts- und Sozialr&#228;te sollen keine Machtorgane, sondern   Kontrollorgane mit Vetorecht sein.<\/p>\n<p>  Vor allem aber verl&#228;sst der Entwurf des Rahmen der kapitalistischen   Logik nicht, wenn er konkrete Politik formuliert. Hierf&#252;r ist das beste   Beispiel die Haltung zu Massenentlassungen und Betriebsschlie&#223;ungen.   Hierzu wird an verschiedenen Stellen des Entwurfs Position bezogen. Im   dritten Kapitel werden Belegschaftsabstimmungen im Falle von   Massenentlassungen und Betriebsschlie&#223;ungen gefordert (ohne jedoch zu   sagen, ob diese bindend sein sollen). Dies wird dann im vierten Kapitel   relativiert. Nun sollen Massenentlassungen nur in solchen Unternehmen,   die nicht insolvenzgef&#228;hrdet sind verboten werden bzw. soll die   Belegschaft ein Vetorecht erhalten. Offener kann man kaum erkl&#228;ren, dass   man die Gesetze von Markt und Profitwirtschaft in letzter Konsequenz   akzeptiert &#8211; und damit auch die Folgen der kapitalistischen Krise.   Abgesehen davon, dass diese nun einmal zur historischen Funktion hat   Kapital zu vernichten (also Insolvenzen hervorzubringen) um einen neuen   Akkumulationszyklus auszul&#246;sen, ist es heute ein leichtes f&#252;r gro&#223;e   Unternehmen durch Ausgr&#252;ndungen die nicht profitablen Gesch&#228;ftsbereiche   in die Insolvenz zu treiben.<\/p>\n<h4>  Welche Produktionsweise?<\/h4>\n<p>  An diesem Beispiel zeigt sich auch die letztlich   systemimmanent-reformistische Art, wie der Programmentwurf die   Eigentumsfrage aufwirft. Die Parteirechte ist gegen die relativ vielen   Forderungen zur &#220;berf&#252;hrung privater Unternehmen in &#246;ffentliches bzw.   gesellschaftliches Eigentum Sturm gelaufen. So sagte der th&#252;ringische   Landeschef Bodo Ramelow: &#8220;Mir gef&#228;llt nicht, wenn einige Leute von uns   herumschreien nach dem Motto: Alles, was nicht bei drei auf dem Baum   ist, wird verstaatlicht.&#8221;<\/p>\n<p>  Zur Eigentumsfrage formuliert der Entwurf: &#8222;In einer solidarischen   Wirtschaftsordnung, wie DIE LINKE sie anstrebt, haben verschiedene   Eigentumsformen Platz: staatliche und kommunale, gesellschaftliche und   private, genossenschaftliche und andere Formen des Eigentums.(&#8230;)   Strukturbestimmende Gro&#223;betriebe der Wirtschaft wollen wir in   demokratische gesellschaftliche Eigentumsformen &#252;berf&#252;hren und   kapitalistisches Eigentum &#252;berwinden. Auf welche Bereiche, Unternehmen   und Betriebe sich die demokratische Vergesellschaftung erstrecken und in   welchen &#246;ffentlichen oder kollektiven Eigentumsformen (staatliches oder   kommunales Eigentum, Genossenschaften, Belegschaftseigentum) sie sich   vollziehen soll, muss im demokratischen Prozess entschieden werden.   (&#8230;) Die Daseinsvorsorge, die gesellschaftliche Infrastruktur, die   Finanzinstitutionen und die Energiewirtschaft geh&#246;ren in &#246;ffentliche   Hand und m&#252;ssen demokratisch kontrolliert werden. Sie d&#252;rfen nicht nach   dem Profitkalk&#252;l privater Unternehmer gef&#252;hrt werden.&#8220;<\/p>\n<p>  Es ist ein Fortschritt im Vergleich zu fr&#252;heren Parteidokumenten, dass   der Programmentwurf eine relativ gro&#223;e Betonung auf die Ver&#228;nderung der   Eigentumsverh&#228;ltnisse legt. Dies hilft, das kapitalistische System   insgesamt in Frage zu stellen und antikapitalistisches Bewusstsein zu   entwickeln. Die Formulierungen sprengen jedoch letztlich nicht den   Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise und geben keine   Vorstellung, wie eine sozialistische Wirtschaftsordnung aussehen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Dies gilt erstens weil es v&#246;llig unklar bleibt, was mit   strukturbestimmenden Gro&#223;betrieben gemeint ist. Die m&#228;chtigste Branche   in Deutschland ist die Automobilbranche. Die Autoproduktion h&#228;ngt eng   mit der Umweltfrage zusammen, hier bestehen auch die gr&#246;&#223;ten   &#220;berkapazit&#228;ten und aus kapitalistischer Sicht enormer Bedarf   Arbeitspl&#228;tze zu vernichten und Betriebe zu schlie&#223;en. Eine   sozialistische Antwort auf die Krise der Autoindustrie w&#228;re die   Forderung nach Verstaatlichung der gesamten Branche unter demokratischer   Kontrolle und Verwaltung von gew&#228;hlten VertreterInnen der Belegschaften,   Gewerkschaften und &#214;ffentlichkeit und die Erstellung eines Planes zur   Umstellung der Produktion auf &#246;kologische Fahrzeugproduktion und andere   sinnvolle G&#252;ter. Das wirft sofort die Frage notwendiger Investitionen in   &#246;kologische Zukunftstechnologien auf. Eine solche herkuleske Aufgabe   kann nicht durch Genossenschaften oder Belegschaftseigentum erreicht   werden, da es gesamtgesellschaftlicher Kooperation, Planung und   Investitionen bedarf. Deshalb ist hier Verstaatlichung die einzig   realistische Alternative. Kein Wort davon im Programmentwurf der LINKE.   Zur Eigentumsfrage muss es konkrete Antworten geben: Verstaatlichung   aller gro&#223;en Banken, Versicherungen und Konzerne unter demokratischer   Kontrolle und Verwaltung durch gew&#228;hlte VertreterInnen aus der   arbeitenden Bev&#246;lkerung!<\/p>\n<p>  Ebenso muss gefordert werden, dass niemand seinen Arbeitsplatz aufgrund   von Insolvenzen, also aufgrund der Krisenhaftigkeit und des   Konkurrenzprinzips des Kapitalismus, verliert. Betriebe, die Pleite   machen, sollten verstaatlicht werden und durch staatliche Investitionen   in einen Plan sinnvoller und &#246;kologischer Produktion integriert werden.   Verzichtet man auf solche Forderungen, akzeptiert man die Marktgesetze   und zeigt keinen &#220;bergang hin zu einer sozialistischen   Wirtschaftsordnung auf. Dass der Programmentwurf darauf letztlich   verzichtet, wird an vielen Formulierungen deutlich, wo es immer wieder   darum geht, Kapitalmacht und Marktdominanz einzuschr&#228;nken und nicht zu   abzuschaffen.<\/p>\n<p>  Da sind dann Aussagen f&#252;r eine Wirtschaftssteuerung eher als Widerspruch   im Text zu verstehen, denn als Bekenntnis zu einer demokratischen   geplanten sozialistischen Wirtschaftsordnung.<\/p>\n<h4>  Europa<\/h4>\n<p>  Ein weiterer deutlicher Hinweis darauf, dass der Programmentwurf keinen   &#220;bergang zum Sozialismus formuliert sind die Aussagen zur Europapolitik,   wo es ein deutliches Bekenntnis zur EU gibt. Diese wird im vierten   Kapitel sogar f&#252;r unverzichtbar erkl&#228;rt. Alle Forderungen zu einer   Demokratisierung der EU beziehen sich auf diese EU der kapitalistischen   Staaten und ihre Institutionen von Europ&#228;ischer Zentralbank bis   Europaparlament. Aufgabe eines sozialistischen Programms w&#228;re es   einerseits zu analysieren, dass die EU ein Projekt der   Kapitalistenklassen Europas ist, ihre Konkurrenzsituation auf dem   Weltmarkt gegen&#252;ber den USA und dem ostasiatischen Block um Japan zu   st&#228;rken und gleichzeitig die verschiedenen Arbeiterklassen der   europ&#228;ischen Staaten zu disziplinieren, indem Angriffe auf EU-Ebene   beschlossen werden und sich die nationalen Regierungen f&#252;r nicht   zust&#228;ndig erkl&#228;ren. Zweitens ginge es darum, darauf hinzuweisen, dass   der Kapitalismus strukturell unf&#228;hig ist, den Nationalstaat zu   &#252;berwinden und die Spannungen innerhalb der EU im Verlauf des   Niedergangs des Kapitalismus zunehmen werden, wie wir zur Zeit schon   beobachten k&#246;nnen. Auf ein demokratisches Zusammenwachsen der   europ&#228;ischen Staaten auf kapitalistischer Grundlage zu hoffen ist eine   Utopie. Deshalb sollte der kapitalistischen Europ&#228;ischen Union nicht der   Nationalstaat, sondern eine freiwillige sozialistische F&#246;deration der   Staaten Europas entgegengestellt werden &#8211; also die Systemfrage auf die   Tagesordnung gesetzt werden.<\/p>\n<p>  &#196;hnlich verh&#228;lt es sich mit der NATO, deren Aufl&#246;sung zwar gefordert   wird, die dann aber durch &#8220;ein kollektives Sicherheitssystem unter   Beteiligung Russlands&#8221; ersetzt werden soll. Was genau das sein soll und   warum dann nicht die Aufnahme Russlands in die NATO gefordert wird,   bleibt dem Leser verborgen. Tats&#228;chlich transportieren solche   Forderungen jedoch nur die Illusion im Rahmen des Kapitalismus k&#246;nne   durch Abkommen und Vertr&#228;ge Frieden garantiert werden. Kapitalismus ist   aber eine Garantie f&#252;r Kriege und Militarismus. Abkommen und Vertr&#228;ge   sind immer nur Ausdruck bestimmter Kr&#228;ftekonstellationen und Interessen   und nichts mehr wert, wenn diese sich &#228;ndern. Diese Erfahrung musste   schon Stalin machen, als Hitler die Wehrmacht auf Moskau marschieren   lie&#223;, obwohl ein Nichtangriffspakt bestand. Dieser hatte nicht den   Angriff verhindert, aber die Arbeiterklasse weltweit in   Orientierungslosigkeit gest&#252;rzt, weil das so genannt sozialistische   Russland mit Nazi-Deutschland paktierte.<\/p>\n<p>  In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass der Programmentwurf   nicht in allen Fragen einen Schritt nach links darstellt. So spricht er   sich gegen Kampfeins&#228;tze der Bundeswehr aus, wo die Programmatischen   Eckpunkte noch ein Ende aller Milit&#228;rinterventionen der Bundeswehr im   Ausland forderten.<\/p>\n<p>  Auch die Forderung zum Renteneinstiegsalter beschr&#228;nkt sich auf eine   Ablehnung der Rente ab 67, wo die Eckpunkte noch ein Einstiegsalter von   60 Jahren formulierten.<\/p>\n<p>  Weitere konkrete Forderungen, die zur Diskussion gestellt und ge&#228;ndert   werden m&#252;ssen sind unter anderem der Verzicht darauf die Aufl&#246;sung der   Geheimdienste zu fordern, die Forderung nach &#8222;mehr Besch&#228;ftigung&#8220; bei   Arbeitszeitverk&#252;rzung statt der Forderung nach vollem Personalausgleich   oder auch die Forderung nach einem existenzsichernden Mindestlohn, was   die Frage aufwirft, ob die ebenfalls geforderte &#8222;bedarfsdeckende und   sanktionsfreie Mindestsicherung&#8220; nicht existenzsichernd oder der   Mindestlohn nicht &#252;ber dieser liegen soll.<\/p>\n<h4>  Geschichtsverst&#228;ndnis und Stalinismus<\/h4>\n<p>  Der Programmentwurf versucht die Partei DIE LINKE in eine   Traditionslinie zu stellen, die so widerspr&#252;chlich ist, wie die Partei   selber: &#8222;Die USPD, die KPD und linkssozialistische Bewegungen geh&#246;ren   heute ebenso zum historischen Erbe der LINKEN wie die Geschichte der   Sozialdemokratie.&#8220;<\/p>\n<p>  Die SPD wird f&#252;r die Zustimmung zu den Kriegskrediten im August 1914   kritisiert, sicher aber positiv auf Willy Brandts Au&#223;enpolitik bezogen   und dann das Jahr 1999 als Beginn der Entt&#228;uschung mit &#8222;Rot-Gr&#252;n&#8220;   genannt. Diese Terminierung dient offensichtlich dazu den ersten   Finanzminister der Schr&#246;derregierung vom Herbst 1998 bis M&#228;rz 1999 aus   der Kritik zu nehmen &#8211; Oskar Lafontaine. Gleichzeitig beinhaltet diese   Aussage aber den Verzicht auf eine Kritik an der SPD unter dem   Parteivorsitzenden Lafontaine in den Jahren 199x bis 1998 &#8211; Jahre in   denen die Partei die kapitalistische Restauration in Ostdeutschland mit   betrieben hat (auch wenn Lafontaine sich ein anderes Tempo des Prozesses   w&#252;nschte) und eine weitgehende Rechtsentwicklung durchmachte, die nicht   zuletzt die Zustimmung zur faktischen Abschaffung des Asylrechts und   Sozialabbau in vielen L&#228;ndern und Kommunen beinhaltete.<\/p>\n<p>  Der Text enth&#228;lt eine Absage an den Stalinismus und bezeichnet die DDR   doch als eine Form von Sozialismus. Stalinismus also als eine Spielart   von Sozialismus und nicht als ein Widerspruch dazu? Der Programmentwurf   versagt in dem Versuch die Geschichte der deutschen Linken   aufzuarbeiten, weil er versucht etwas zu vers&#246;hnen, was nicht zu   vers&#246;hnen ist.<\/p>\n<p>  Da wird die Vereinigung von KPD und SPD zur SED vordergr&#252;ndig kritisch   kommentiert, ohne jedoch deutlich auszusprechen, dass schon die Gr&#252;ndung   der DDR auf der Ausschaltung jeglicher Formen sozialistischer   Arbeiterdemokratie basierte. Der Mangel an Demokratie, B&#252;rokratismus und   &#246;konomische Ineffizienz in der DDR werden kritisiert, aber nicht   ausgesprochen, was daf&#252;r die Ursachen waren: die Macht einer abgehobenen   und privilegierten b&#252;rokratischen Kaste, die in einem   Interessenwiderspruch zur Masse der Bev&#246;lkerung stand und eine   sozialistische Entwicklung der DDR verhinderte. Da f&#228;llt auf, dass der   Text keinen positiven Bezug zur linken Opposition gegen die SED-Diktatur   vor 1989 enth&#228;lt.<\/p>\n<p>  In diesem Zusammenhang ist auch der unkritische Bezug zu den aktuellen   Entwicklungen in Lateinamerika zu hinterfragen. Die antineoliberalen   Ma&#223;nahmen der Regierungen in Venezuela, Bolivien und anderen Staaten   m&#252;ssen von allen Linken unterst&#252;tzt werden. Das ist aber nicht   gleichzusetzen mit einer Bezugnahme auf die Entwicklung in diesen   Staaten als Orientierungspunkt f&#252;r sozialistische Politik. Insbesondere   die B&#252;rokratisierung des venezolanischen Staates und der Verzicht darauf   einen konsequenten Bruch mit kapitalistischen Verh&#228;ltnissen zu   betreiben, sollten auch in der Partei DIE LINKE kritisch diskutiert   werden.<\/p>\n<h4>  Regierungsbeteiligung<\/h4>\n<p>  Die Formulierungen im Programmentwurf zur Frage der   Regierungsbeteiligung wurden von VertreterInnen des rechten   Parteifl&#252;gels scharf kritisiert. Zurecht sagte der Bundestagsabgeordnete   Jan Korte der &#8222;tageszeitung&#8220;: &#8222;Wenn man diesen Satz eins zu eins nimmt,   d&#252;rfte die Linkspartei in Brandenburg und Berlin nicht regieren.&#8220;.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich werden viele der von der Partei linken (und zum Teil aus der   WASG stammenden) aufgestellten Bedingungen f&#252;r eine   Regierungsbeteiligung erw&#228;hnt: F&#246;rderung des angestrebten   Richtungswechsels in Politik und Gesellschaft, reale Verbesserungen der   Lebensbedingungen, Abkehr vom Neoliberalismus Politikmodell, keine   Privatisierungen, Sozial- oder Arbeitsplatzabbau, keine   Kriegsbeteiligung und Kampfeins&#228;tze der Bundeswehr, Durchsetzung eines   gesetzlichen Mindestlohns und Kampf gegen Lohndumping.<\/p>\n<p>  Schaut man sich die Formulierungen genau an, ist aber unklar, ob sich   diese Bedingungen tats&#228;chlich auf alle Ebenen parlamentarischer   Zusammenarbeit &#8211; also Kommune, Land und Bund &#8211; beziehen oder doch nur   auf die Bundesebene. F&#252;r letztere Interpretation spricht zumindest diese   Aussage: &#8220;Den unterschiedlichen M&#246;glichkeiten politischen Wirkens auf   kommunaler, Landes- und Bundes- und europ&#228;ischer Ebene tragen wir in   unserer Politik Rechnung. Entscheidend f&#252;r die Durchsetzung eines   Politikwechsels ist dabei die landespolitische Ebene.&#8221; k&#246;nnen   regierungsfreundlich Kreis- und Landesverb&#228;nde daraus lesen, dass in   L&#228;ndern und Kommunen andere Bedingungen gelten k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Das Grundproblem der Aussagen zur Regierungsfrage ist jedoch, dass diese   in keinen Zusammenhang zur sozialistischen Ver&#228;nderung der Gesellschaft   gesetzt werden. Es wird keine Absage an die Idee erteilt, zusammen mit   prokapitalistischen Parteien den Kapitalismus zu verwalten. Es wird   keine Bilanz der Erfahrung von Regierungsbeteiligung in   Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg und der Tolerierung einer   SPD-Mindesheitsregierung in Sachsen-Anhalt gezogen. Es wird nicht   ausgef&#252;hrt, dass der Platz einer sozialistischen Partei vor allem in den   sozialen und Klassenk&#228;mpfen ist und nicht in Regierungen. Letztlich   w&#252;rden die gew&#228;hlten Formulierungen, wenn sie denn angewendet werden,   zwar Regierungsbeteiligungen mit SPD und Gr&#252;nen ausschlie&#223;en, das wird   aber nicht offen ausgesprochen und so der Eindruck erweckt, die   aufgestellten Bedingungen seien mit prokapitalistischen Parteien   umzusetzen. Die T&#252;r zu einer Politik des kleineren &#220;bels, die DIE LINKE   in Widerspruch zu den Interessen der Arbeiterklasse und in Kollision mit   Gewerkschaften und sozialen Bewegungen bringen wird, bleibt so offen und   wird nicht zugesto&#223;en (mehr dazu siehe Kasten auf Seite 6).<\/p>\n<h4>  Welches Programm f&#252;r die LINKE?<\/h4>\n<p>  Diese Kritik am Programmentwurf ist aus marxistischer Sicht angestellt.   Bedeutet das, dass die SAV ein konsequent marxistisches Programm f&#252;r DIE   LINKE vorschl&#228;gt? Wir haben in den letzten Jahren immer erkl&#228;rt, dass   wir f&#252;r die Bildung einer neuen Arbeiterpartei eintreten und f&#252;r unsere   Mitarbeit keine programmatischen Bedingungen stellen, so lange diese   Partei k&#228;mpferisch und konsequent die Interessen der abh&#228;ngig   Besch&#228;ftigten und anderen benachteiligten Bev&#246;lkerungsgruppen vertritt.   Wir waren davon &#252;berzeugt, dass die Erfahrungen in K&#228;mpfen und die reale   kapitalistische Entwicklung eine solche Partei zu einem sozialistischen   Programm dr&#228;ngen werden. In verzerrter Form ist der Programmentwurf eine   Best&#228;tigung dieser Annahme, denn sein deutlich linkerer Charakter ist   vor allem Ausdruck der tiefen kapitalistischen Weltkrise und der   Erfahrungen der letzten Jahre. Trotzdem ist uns bewusst, dass ausgehend   von dem R&#252;ckgang sozialistischen Bewusstseins in der Arbeiterklasse in   den letzten zwei Jahrzehnten eine breite Arbeiterpartei vor allem auch   ein Ort der Debatte &#252;ber das f&#252;r die Verteidigung von Arbeiterinteressen   n&#246;tige Programm w&#228;re. Wir bringen deshalb marxistische Analysen und   Programmatik in die Programmdebatte ein, sind aber der Meinung, dass DIE   LINKE auf der Basis eines allgemein formulierten sozialistischen   Aktionsprogramms erfolgreich aufbauen und die Anforderungen der   aktuellen Periode meistern kann. Dieses sollte eine klare Absage an den   Kapitalismus und die ihm innewohnenden Strukturen von Privateigentum an   Banken und Konzernen, Markt und Konkurrenz formulieren, den Klassenkampf   und die Selbstorganisation der Lohnabh&#228;ngigen und der Jugend als   zentrale Aufgabe der Partei formulieren, die internationale Solidarit&#228;t   der Arbeiterklasse propagieren und jeder Beteiligung an Mitverwaltung   der kapitalistischen Klassenherrschaft eine Absage erteilen. Auf einer   solchen klar antikapitalistischen und prosozialistischen Basis k&#246;nnte   eine Programmdebatte eine tats&#228;chliche Einladung an Parteimitglieder,   AktivistInnen, ArbeiterInnen und Jugendliche zur Debatte &#252;ber eine   sozialistische Zukunft und deren Ausgestaltung und Erk&#228;mpfung sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der LINKE-Programmentwurf aus marxistischer Sicht\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[29],"tags":[270,257],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13676"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13676"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13676\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13676"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13676"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13676"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}