{"id":13674,"date":"2010-05-05T00:00:00","date_gmt":"2010-05-05T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13674"},"modified":"2010-05-05T00:00:00","modified_gmt":"2010-05-05T00:00:00","slug":"13674","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/05\/13674\/","title":{"rendered":"Gro&#223;britannien vor den Wahlen"},"content":{"rendered":"<p>  B&#252;ndnis von Gewerkschaftern und Sozialisten tritt an. Interview mit   Hannah Sell<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Hannah Sell ist stellvertretende Generalsekret&#228;rin der Socialist   Party (Schwesterorganisation der SAV in England und Wales). Mit ihr   sprach Sascha Stanicic<\/i><\/p>\n<h4>  Die Wahlen am 6. Mai scheinen sehr offen zu sein. Was ist das   wahrscheinlichste Ergebnis?<\/h4>\n<p>  Egal, welches Wahlergebnis es geben wird, die neue Regierung wird   schwach sein und wenig Unterst&#252;tzung in der Gesellschaft genie&#223;en. Die   letzten Umfragen weisen auf die Wahrscheinlichkeit einer   Minderheitsregierung der konservativen Tories hin, aber es ist unm&#246;glich   eine Vorhersage zu treffen. Die drei gr&#246;&#223;ten kapitalistischen Parteien &#8211;   die Tories, New Labour und die Liberaldemokraten &#8211; liegen in den   Umfragen nah beieinander. Einige Umfragen sehen die Liberaldemokraten   vor New Labour. Sollte das der Fall sein, w&#228;re das ein einmaliges   Ereignis in der Nachkriegsgeschichte. Das w&#252;rde den Kollaps der letzten   Reste historischer Verbindungen der Arbeiterklasse mit Labour   repr&#228;sentieren. Die Liberaldemokraten sind, wie die Tories und New   Labour, eine kapitalistische Partei, die sich f&#252;r &quot;harte K&#252;rzungen&quot; bei   den &#246;ffentlichen Ausgaben ausspricht. Trotzdem haben sie sich in den   erstmals in Gro&#223;britannien stattfindenden Fernsehdebatten so   pr&#228;sentiert, als seien sie anders als die &quot;zwei gro&#223;en&quot; Parteien.<\/p>\n<h4>  Viele Arbeiterinnen und Arbeiter erinnern sich noch an die   Tory-Regierung unter Thatcher und ziehen in Erw&#228;gung Labour zu w&#228;hlen,   um eine Wiederholung davon zu verhindern. Was denkst Du dar&#252;ber?<\/h4>\n<p>  Wir verstehen, warum einige Arbeiter mit der Faust in der Tasche Labour   w&#228;hlen werden, um eine R&#252;ckkehr der Tories zu verhindern. Der brutale   Klassenkrieg, den Thatcher gegen die Arbeiterklasse f&#252;hrte, ist in das   Ged&#228;chtnis von Arbeiterinnen und Arbeitern eingebrannt. Und es ist wahr,   dass die Tories schneller K&#252;rzungen bei den &#246;ffentlichen Ausgaben   durchsetzen wollen, als New Labour oder die Liberaldemokraten. Die   Tories wollen sechs Milliarden Pfund im ersten Haushaltsjahr k&#252;rzen,   w&#228;hrend New Labour ein Jahr damit warten will. Aber da alle Parteien   &#252;bereinstimmen, dass innerhalb von vier Jahren sechzig Milliarden Pfund   gek&#252;rzt werden m&#252;ssen, ist der Unterschied nicht bedeutend. Alistair   Darling, der Finanzminister von New Labour, hat gesagt, dass seine   Partei &#8222;tiefere und h&#228;rtere K&#252;rzungen als Thatcher&#8220; umsetzen werde. Egal   welche Partei an die Macht kommt, wir werden K&#252;rzungen im &#246;ffentlichen   Dienst in einem Ausma&#223; sehen, wie es sie seit den 1920er Jahren nicht   mehr gab.<\/p>\n<h4>  Die Socialist Party tritt mit anderen Kr&#228;ften gemeinsam in der TUSC   (Gewerkschaftlich- und sozialistisches B&#252;ndnis) an. Kannst Du uns   erkl&#228;ren, was TUSC repr&#228;sentiert und was das Ziel des B&#252;ndnisses ist?<\/h4>\n<p>  Die Trade Union and Socialist Coalition (TUSC) hat sich zusammengefunden   um in 42 Wahlkreisen in Schottland, England und Wales Kandidatinnen und   Kandidaten aufzustellen. TUSC tritt gegen alle K&#252;rzungen im &#246;ffentlichen   Dienst ein. Das B&#252;ndnis argumentiert auch f&#252;r eine sozialistische   Ver&#228;nderung der Gesellschaft. TUSC-Kandidaten haben finanzielle und   aktive Unterst&#252;tzung von Orts- und Regionalverb&#228;nden der   Eisenbahnergewerkschaft (RMT), der Gewerkschaft der feuerwehrleute   (FBU), der Gewerkschaft der Kommunikationsbesch&#228;ftigten (CWU) und   anderen erhalten. Au&#223;erdem hat der nationale Vorstand der RMT zwanzig   TUSC-Kandidaten offiziell unterst&#252;tzt.<\/p>\n<p>  TUSC ist ein bescheidener Schritt, aber dieser hat ein wichtiges   Potenzial, in Richtung des Aufbaus einer politischen   Interessenvertretung der Arbeiterklasse. Au&#223;erdem hilft das B&#252;ndnis den   Boden zu bereiten f&#252;r die massiven K&#228;mpfe gegen K&#252;rzungen, die nach den   Wahlen n&#246;tig werden.<\/p>\n<h4>  Welche Ergebnisse erwartete Ihr und was w&#252;rdet Ihr als einen Erfolg   bezeichnen? Und welche Auswirkungen hat die Sorge von manchen Arbeitern   vor einer Tory-Regierung auf das Wahlergebnis von TUSC und auch der   Socialist Party bei den gleichzeitig stattfindenden Kommunalwahlen?<\/h4>\n<p>  Wir wissen, dass bei diesen Wahlen viele Arbeiter mit uns inhaltlich   &#252;bereinstimmen, aber trotzdem Labour w&#228;hlen, um die Tories zu stoppen.   Das wird wahrscheinlich auch Auswirkungen auf die Kommunalwahlen haben,   die ja am selben Tag wie die Parlamentswahlen stattfinden werden. Bei   diesen k&#228;mpft die SP darum vier ihrer f&#252;nf Stadtratssitze zu verteidigen.<\/p>\n<p>  Wir erwarten keine gro&#223;en Stimmergebnisse. Trotzdem ist TUSC jetzt schon   ein Erfolg, weil es eine wichtige Schicht von Gewerkschaftern aktiviert   hat. Au&#223;erdem wurden Hunderttausende mit sozialistischen Ideen erreicht.<\/p>\n<h4>  Wie sieht es mit der Bedrohung durch die Britische Nationalpartei (BNP)   aus?<\/h4>\n<p>  Die rechtsextreme und rassistische BNP hat bei den Europawahlen fast   eine Million Stimmen gewonnen und ihre zwei ersten Europaabgeordneten   erreicht. Diesmal wollen sie ihren ersten Parlamentsabgeordneten und die   Kontrolle &#252;ber den Stadtrat von Barking in Ost-London erreichen. Selbst   wenn sie das nicht erreichen, sind sie eine wachsende Gefahr bei Wahlen.   Die Gebiete, in denen die BNP-Ergebnisse am meisten gestiegen sind,   waren fr&#252;her Hochburgen von Labour. Wir hatten dreizehn Jahre eine   Labour-Regierung, die im Interesse der Superreichen gehandelt hat. Zum   Beispiel besitzen die reichsten zehn Prozent der Bev&#246;lkerung heute 237   mal so viel, wie die &#228;rmsten zehn Prozent. Das ist der h&#246;chste Anteil   aller industrialisierten St&#228;dte weltweit. Da ist es kein Wunder, dass   ein Teil von Arbeitern aus Wut und Verzweiflung seinen Protest mit einer   Stimme f&#252;r die BNP ausdr&#252;ckt. Um die BNP zu schlagen, brauchen wir   Demonstrationen und Proteste &#8211; aber auch eine positive politische   Alternative, eine wirkliche Arbeiterpartei, die die Interessen aller   Arbeiterinnen und Arbeiter vertritt, unabh&#228;ngig von ihrer Nationalit&#228;t.   TUSC ist ein Schritt zur Bildung einer solchen Partei.<\/p>\n<h4>  Es gab eine Welle von Streiks und betrieblichen K&#228;mpfen von britischen   Arbeiterinnen und Arbeitern in den letzten ein, zwei Jahren. Warum   konzentriert Ihr Eure Aktivit&#228;ten zum Aufbau von Widerstand in der   Arbeiterklasse nicht darauf?<\/h4>\n<p>  Die Streikaktionen sind sehr wichtig und sie repr&#228;sentieren das   Wiedererwachen der industriellen Arbeiterklasse zum ersten mal nach   zwanzig Jahren. Ein Anzeichen f&#252;r die existierende Wut zeigte sich auch   daran, dass die Streikaktionen der Regierungsangestellten und der   British Airways Besch&#228;ftigten bis zur Ausrufung der Parlamentswahl   anhielten. Die RMT wollte w&#228;hrend des Wahlkampfes einen Streik   durchf&#252;hren, aber die Anti-Gewerkschaftsgesetze wurden genutzt, um den   Streik zu verbieten. Die Anti-Gewerkschaftsgesetze wurden in den letzten   Jahren wiederholt zu diesem Zweck genutzt und der Kampf f&#252;r ihre   R&#252;cknahme bzw. sie in bestimmten Situationen auch zu brechen wird immer   wichtiger. Der Verlauf der Ereignisse nach den Wahlen ist nicht genau   vorherzusehen, aber es ist klar, dass es zu K&#228;mpfen und Bewegungen, vor   allem im &#246;ffentlichen Dienst, kommen wird, die alles bisherige in den   Schatten stellen werden. Sogar Dave Prentis, der rechte Vorsitzende von   UNISON (Gewerkschaft des &#246;ffentlichen Dienstes), sagte, dass es zu eine   Welle von K&#228;mpfen nach den Parlamentswahlen geben wird. Wir f&#252;hren eine   Kampagne f&#252;r eine gewerkschaftliche Massendemonstration gegen alle   K&#252;rzungen bei &#246;ffentlichen Ausgaben als einem ersten Schritt zu einem   eint&#228;gigen Streik im &#246;ffentlichen Dienst.<\/p>\n<p>  Aber, so wichtig die betrieblichen K&#228;mpfe auch sind, so werden   Arbeiterinnen und Arbeiter doch nur eingeschr&#228;nkt k&#228;mpfen k&#246;nnen, wenn   sie keine politische Interessenvertretung haben. Das haben alle   Aktivistinnen und Aktivisten der k&#252;rzlich stattfindenden K&#228;mpfe   verstanden, denn sie alle unterst&#252;tzen die TUSC.<\/p>\n<\/p>\n<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      B&#252;ndnis von Gewerkschaftern und Sozialisten tritt an. 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