{"id":13672,"date":"2010-05-23T00:00:00","date_gmt":"2010-05-23T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13672"},"modified":"2010-05-23T00:00:00","modified_gmt":"2010-05-23T00:00:00","slug":"13672","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/05\/13672\/","title":{"rendered":"Es kracht in der EU"},"content":{"rendered":"<p>  Merkel und Co. nutzen griechische Schuldenkrise f&#252;r nationalistische   Hetze<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die Bundesregierung sperrte sich lange gegen Hilfen der Europ&#228;ischen   Union (EU) an Griechenland. Dabei geriet sie nicht nur mit Griechenland,   sondern auch mit Frankreich und anderen L&#228;ndern in Konflikt. Es ging um   unterschiedliche Interessen, aber auch um das Sch&#252;ren von Nationalismus   und Ressentiments im Vorfeld der NRW-Wahl.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein, Plochingen bei Stuttgart<\/i><\/h4>\n<p>  Griechenland befindet sich in einem Teufelskreis: Die harten   Sparma&#223;nahmen w&#252;rgen die Wirtschaft ab. Um trotzdem die Defizit-Ziele   (f&#252;r dieses Jahr eine Begrenzung von 13,6 auf 8,7 Prozent des   Bruttoinlandsprodukts) zu erreichen, sind noch mehr Sparma&#223;nahmen n&#246;tig.   Die w&#252;rgen die Wirtschaft noch mehr ab.<\/p>\n<p>  Also machen Regierungen das, was sie in der Krise die ganze Zeit machen:   Der Aufschwung wurde seit rund einem Vierteljahrhundert durch   Verschuldung k&#252;nstlich verst&#228;rkt. Die Krise zeigte, dass die   Schuldenpyramide instabil wurde, also versuchte man, ihr durch steigende   staatliche Verschuldung eine breitere Basis zu verleihen, um sie noch   h&#246;her bauen zu k&#246;nnen. Aber manche Staaten waren schon so verschuldet   und wirtschaftlich schwach, dass sie ebenfalls an Verschuldungsgrenzen   stie&#223;en. Ihre Kreditw&#252;rdigkeit wurde herabgestuft, sie konnten Kredite   auf dem Kapitalmarkt nur mit hohen Risikoaufschl&#228;gen bekommen.<\/p>\n<p>  Was tun? Die st&#228;rkeren Staaten leihen sich Geld zu niedrigen Zinsen auf   dem Kapitalmarkt und verleihen es an Krisenl&#228;nder weiter &#8211; zu Zinsen,   die h&#246;her sind, als sie zum Beispiel die Bundesrepublik auf dem   Kapitalmarkt zahlen muss, aber niedriger als sie L&#228;nder wie Griechenland   zahlen m&#252;ssten.<\/p>\n<p>  Die EU-Staaten einigten sich, zusammen mit dem Internationalen   W&#228;hrungsfonds (IWF) zu diesen Konditionen Griechenland bei Bedarf bis zu   45 Milliarden Euro zur Verf&#252;gung zu stellen: Deutschland 8,4 Milliarden,   Frankreich 6,3 und so weiter.<\/p>\n<h4>  Heftige Konflikte in der EU<\/h4>\n<p>  Eigentlich war also alles ganz einfach. Aber bevor Kanzlerin Angela   Merkel diesem Ergebnis zustimmte, brach sie in der EU einen Konflikt vom   Zaun, der die finanziellen Schwierigkeiten Griechenlands wochenlang   versch&#228;rfte. Sie forderte, dass nicht die EU-Staaten, sondern nur der   IWF einspringen solle. Frankreich und andere L&#228;nder meinten, das w&#252;rde   einer Bankrotterkl&#228;rung Europas gleichkommen, wenn es seine Probleme   nicht intern l&#246;sen k&#246;nne. Deutschland forderte, Kredite an Griechenland   sollten zu Marktzinsen erfolgen. Aber dann k&#246;nnte Griechenland sich das   Geld gleich auf dem Kapitalmarkt leihen. In beiden Fragen musste sie   schlie&#223;lich nachgeben. Bundesfinanzminister Wolfgang Sch&#228;uble (CDU) will   die M&#246;glichkeit schaffen, dass L&#228;nder aus dem Euro aussteigen k&#246;nnen,   was jedoch alle anderen L&#228;nder ablehnen.<\/p>\n<p>  Eine Pleite Griechenlands w&#252;rde Deutschland extrem treffen. Der   griechische Staat schuldet deutschen Banken 43 Milliarden Euro.   Griechenland w&#252;rde Spanien und Portugal mit sich in den Abgrund ziehen,   die bei deutschen Banken 300 Milliarden Euro Schulden haben, vielleicht   auch weitere L&#228;nder. Das internationale Finanzsystem st&#228;nde wieder am   Abgrund. Daher wussten alle, dass die Bundesregierung ihre Drohungen   nicht wahr machen durfte.<\/p>\n<h4>  An Griechenland wird ein Exempel statuiert<\/h4>\n<p>  Die Drohungen sollten zum einen maximalen Druck auf Griechenland   aus&#252;ben, seine Finanzprobleme in erster Linie durch Sozialkahlschlag im   eigenen Land zu l&#246;sen (weniger Geld durch Waffenk&#228;ufe in der BRD zu   verplempern, fordert Merkel nie) und nur im &#228;u&#223;ersten Notfall auf Hilfe   von au&#223;en zur&#252;ckzugreifen. Dabei geht es nicht nur um Griechenland   selbst, sondern auch um seine Beispielwirkung auf andere L&#228;nder.<\/p>\n<p>  Zum anderen ist Hilfe f&#252;r Griechenland innenpolitisch unpopul&#228;r. Die   Bev&#246;lkerung hat seit anderthalb Jahren die Erfahrung gemacht, dass die   Regierung immer bei den Falschen schnell mit Hilfe bei der Hand ist, und   ist daher misstrauisch. Zudem betreiben Union, FDP und Medien seit   Monaten eine nationalistische Hetzkampagne gegen Griechenland. Indem mit   &#132;griechischer Mentalit&#228;t&#147; erkl&#228;rt wird, was eine Folge der Widerspr&#252;che   des kapitalistischen Systems ist, sollen die wirklichen Zusammenh&#228;nge   vertuscht werden (einschlie&#223;lich der Rolle der deutschen   Export&#252;bersch&#252;sse, die einen Export wirtschaftlicher Probleme bedeuten).   Die Kehrseite ist, dass Hilfen f&#252;r Griechenland, wenn sie aus   kapitalistischer Sicht unumg&#228;nglich werden, dann W&#228;hlerstimmen kosten   k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Keine L&#246;sung<\/h4>\n<p>  So m&#252;hsam das Hilfspaket f&#252;r Griechenland war, Stabilit&#228;t schafft es   keine. Das zeigte sich am 19. April, als die Verschiebung eines Treffens   mit EU und IWF um zwei Tage, weil der Flugverkehr noch vulkanbedingt   behindert war, die Zinsen f&#252;r griechische Staatsanleihen wieder auf neue   H&#246;hen trieb.<\/p>\n<p>  Und schlie&#223;lich: Soziale Konflikte lassen sich nicht unbegrenzt durch   Staatsverschuldung abfedern. Die Grenze kommt in Griechenland fr&#252;her als   in Deutschland oder den USA. Aber auf die Dauer gibt es nur die   Alternative, dass wir die Zeche f&#252;r die kapitalistische Krisenl&#246;sung   zahlen oder die Krise sozialistisch l&#246;sen und den Kapitalismus beerdigen   &#8211; in Griechenland, der BRD und weltweit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Merkel und Co. nutzen griechische Schuldenkrise f&#252;r nationalistische<br \/>\n      Hetze\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44,46],"tags":[225],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13672"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13672"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13672\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13672"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13672"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13672"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}