{"id":13667,"date":"2010-06-04T00:00:00","date_gmt":"2010-06-04T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13667"},"modified":"2010-06-04T00:00:00","modified_gmt":"2010-06-04T00:00:00","slug":"13667","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/06\/13667\/","title":{"rendered":"Konzerne im Crash-Test"},"content":{"rendered":"<p>  Autoindustrie auf Talfahrt<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die weltweite Automobilproduktion erreichte vor drei Jahren ihren   bisherigen H&#246;hepunkt. Das Jahr 2007 markierte zugleich das Ende des   letzten Aufschwungszyklus. Von 2001 bis 2007 stieg die PKW-Produktion um   30 Prozent. Drastisch ausgeweitet wurden auch die Kapazit&#228;ten, die   selbst in den Boomjahren nie v&#246;llig ausgelastet waren. Deshalb droht   jetzt ein gewaltiger Abbau &#8211; auf Kosten von Besch&#228;ftigten und ganzen   Regionen.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Johannes Burczyk, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Obwohl die Produktionskapazit&#228;ten von 2008 bis 2009 weltweit um zwei   Millionen Einheiten reduziert wurden &#8211; vor allem in den USA, wo es mit   R&#252;ckendeckung der F&#252;hrung der Autoarbeiter-Gewerkschaft (UAW) zur   Stilllegung mehrerer Fabriken kam -, wuchs die &#220;berkapazit&#228;t weiter an.   2009 wurden nur noch 56 Millionen Autos produziert, ein R&#252;ckgang um 17   Millionen gegen&#252;ber 2007. Da es aber im selben Jahr noch immer weltweite   Kapazit&#228;ten zum Bau von 86 Millionen Einheiten gab, erreichte die   &#220;berkapazit&#228;t einen neuen H&#246;hepunkt.<\/p>\n<p>  Selbst wenn die Prognosen eintreten sollten, die von einer relativen   Belebung des PKW-Marktes in den n&#228;chsten Jahren ausgehen, wird sich an   diesem Problem strukturell nichts &#228;ndern. Heute werden sogar schon   wieder neue Produktionsst&#228;tten errichtet. Und mit der Anarchie des   kapitalistischen Wirtschaftens werden neue Krisen vorbereitet.<\/p>\n<h4>  Einbruch des US-Marktes<\/h4>\n<p>  Auff&#228;llig ist die international sehr ungleiche Entwicklung in der   Autoindustrie. Eindeutige Verlierer sind zur Zeit die US-amerikanischen   Konzerne. Selbst in den Aufschwungsjahren sank die Produktion in den USA   st&#228;ndig, seit 2007 gab es nochmal einen R&#252;ckgang der Produktion um 30   Prozent. General Motors (GM) und Chrysler entgingen nur durch staatliche   Intervention der Pleite.<\/p>\n<h4>  Ausnahme China<\/h4>\n<p>  Den mit Abstand st&#228;rksten Zuwachs gab es in China. Seit 2001 stiegt die   dortige Produktion von 2,3 Millionen Einheiten auf &#252;ber zehn Millionen   im letzten Jahr. Selbst seit Beginn der Krise konnte der Output um   weitere 18 Prozent gesteigert werden. Ein gro&#223;er Teil dieser Produktion   geht allerdings auf das Konto &#246;rtlicher Niederlassungen japanischer,   amerikanischer und europ&#228;ischer &#150; dabei vor allem deutscher &#150; Konzerne.   Bislang gelang es der chinesischen Regierung nicht, ihr Vorhaben   umzusetzen, aus den &#252;ber 70 nationalen Produzenten wettbewerbsf&#228;hige   Global Player zu bilden. Allerdings konnten nationale Hersteller, die   &#252;berwiegend das untere Preissegment bedienen, ihren Marktanteil auf &#252;ber   25 Prozent ausbauen. Mittlerweile ist China, auch auf Grund staatlicher   Subventionen beim Kauf von Neuwagen, bezogen auf die Absatzzahl der   gr&#246;&#223;te Automarkt der Welt. Wertm&#228;&#223;ig liegt er aber, wegen geringerer   Kosten und durchschnittlich kleinerer Fahrzeuge, noch hinter den M&#228;rkten   von Europa und Nordamerika.<\/p>\n<p>  Die weitere Erschlie&#223;ung des chinesischen Marktes und der ASEAN-Staaten   ist eine der zentralen Strategien der deutschen Autokonzerne.<\/p>\n<h4>  Daimler<\/h4>\n<p>  Die gr&#246;&#223;ten Probleme der deutschen Autobauer hat gegenw&#228;rtig Daimler   (der krisengesch&#252;ttelte Opel-Konzern ist eine Tochter von GM). Der   Konzernumsatz sank von 101 Milliarden Euro 2007 auf 78 Milliarden 2009.   Unterm Strich stand im letzten Jahr ein Verlust von 2,6 Milliarden. Die   Ums&#228;tze gingen auf allen traditionellen Absatzm&#228;rkten stark zur&#252;ck   (minus 21 Prozent in Westeuropa, minus 17 Prozent in den USA).   &quot;Insgesamt gab es beim Konzernabsatz einen deutlichen R&#252;ckgang um ein   Viertel auf 1,6 Millionen Fahrzeuge&quot; (SPIEGEL Online vom 14. April). Nur   in China und wenigen anderen Staaten konnten Absatzsteigerungen erzielt   werden. Der Umsatz in China hat sich seit 2007 auf 4,3 Milliarden Euro   mehr als verdoppelt.<\/p>\n<h4>  BMW<\/h4>\n<p>  Die Entwicklung bei BMW ist &#228;hnlich, wenn auch nicht so dramatisch: Von   2007 bis 2009 sank der Umsatz um sechs auf 50 Milliarden Euro. Der   Absatz ging in Deutschland, dem wichtigsten Markt f&#252;r BMW, um 4,6, in   den USA um &#252;ber 20 Prozent zur&#252;ck. Die einzige Ausnahme, wie auch bei   Daimler, sind die M&#228;rkte in China, Hongkong und Taiwan. Im Gegensatz zu   Daimler konnte BMW im letzten Jahr einen Gewinn von 413 Millionen Euro   erzielen.<\/p>\n<h4>  Volkswagen<\/h4>\n<p>  Als einziger deutscher Autokonzern konnte VW auch im letzten Jahr, bei   einem um etwa zehn Prozent gesunkenen Umsatz, den Absatz an   Kraftfahrzeugen auf 6,3 Millionen steigern und seinen Weltmarktanteil   auf 11,3 Prozent ausbauen.<\/p>\n<p>  Bedeutendster Absatzmarkt bleibt Westeuropa, wo der Absatz, stark   bedingt durch die Abwrackpr&#228;mie, nur um zwei Prozent zur&#252;ck ging. Das   st&#228;rkste Wachstum entfiel auch bei VW auf China. Dort wurden 2009 1,4   Millionen Autos verkauft, in Deutschland 1,2 Millionen.<\/p>\n<p>  Unter dem Dach VW befindet sich eine breite Palette unterschiedlicher   Marken: von Skoda &#252;ber Audi bis zur Luxusmarke Bentley k&#246;nnen   unterschiedliche K&#228;uferschichten weltweit bedient werden. Da das   Unternehmen breit aufgestellt ist und hohe St&#252;ckzahlen produziert, kann   VW bislang als ein Gewinner im internationalen Konkurrenzkampf   eingestuft werden. Allerdings auch nur als relativer Gewinner &#8211; trotz   aller Erfolge gab es auch bei VW einen deutlichen Gewinneinbruch von   &#252;ber 80 Prozent!<\/p>\n<h4>  Konzernstrategien<\/h4>\n<p>  Sind die deutschen Konzerne auch verschieden von der Krise betroffen, so   &#228;hneln sich ihre Strategien, um ihre Profitkrise in den Griff zu   bekommen: Alle setzen auf den verst&#228;rkten Aufbau von Produktionsanlagen   in den Wachstumsm&#228;rkten (Indien, China, Russland und andere). Als   &quot;global food print&quot; wird dies von Daimler bezeichnet.<\/p>\n<p>  Der Druck auf die Zulieferer, deren Rolle immer bedeutender wird &#8211; sie   liefern von der Schraube bis hin zu Forschungsergebnissen -, billiger zu   produzieren, wird steigen.<\/p>\n<h4>  Rationalisierungen<\/h4>\n<p>  Die Kooperation von Daimler mit Renault-Nissan wurde vereinbart, um   Synergieeffekte zu nutzen und mit weniger Besch&#228;ftigten mindestens die   gleiche Menge an G&#252;tern zu produzieren. Mit Fusionen und Aufk&#228;ufen in   der Autoindustrie stehen Rationalisierungen im gro&#223;en Stil an.<\/p>\n<p>  Generell setzen alle Konzerne auf eine weitere Prekarisierung der   Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse durch die Ausweitung von Leih- und   Zeitarbeit. So waren beim Vorreiter BMW bis zu 35 Prozent der   Besch&#228;ftigten im Leipziger Werk Leiharbeiter. Bei Daimler musste die   Belegschaft allein im letzten Jahr K&#252;rzungen von fast zwei Milliarden   Euro einstecken. Weiterer Lohnraub droht mit der Anwendung der   tariflichen Kurzarbeit.<\/p>\n<h4>  Co-Management beenden<\/h4>\n<p>  Die F&#252;hrung der IG Metall erweist sich einmal mehr als verl&#228;sslicher   B&#252;ndnispartner der Konzernvorst&#228;nde: &quot;Wenn wir eine Krisensituation in   der Automobilindustrie haben, setzt das (&#8230;) Arbeitskampfma&#223;nahmen enge   Grenzen&quot;, meint IG-Metall-Chef Bertold Huber in der &quot;Zeit&quot; und   unterwirft damit die Interessen der Lohnabh&#228;ngigen denen der Konzerne   und deren &quot;Standort Deutschland&quot;.<\/p>\n<p>  Um Arbeitspl&#228;tze und Einkommen zu verteidigen, ist in den Gewerkschaften   ein Bruch mit Sozialpartnerschaft und Standortpatriotismus notwendig.   Und um den &#246;kologischen Wahnsinn des Individualverkehrs zu stoppen und   eine gesellschaftlich sinnvolle Form von Mobilit&#228;t, nicht zuletzt durch   den massiven Ausbau &#246;ffentlicher Verkehrsmittel, zu schaffen, muss an   die Stelle der heutigen Konzernherrschaft eine demokratisch geplante   Wirtschaft, eine sozialistische Gesellschaft, treten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Autoindustrie auf Talfahrt\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10],"tags":[225],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13667"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13667"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13667\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13667"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13667"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13667"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}