{"id":13665,"date":"2010-05-29T00:00:00","date_gmt":"2010-05-28T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13665"},"modified":"2012-07-18T15:18:43","modified_gmt":"2012-07-18T13:18:43","slug":"13665","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/05\/13665\/","title":{"rendered":"Demokratieabbau und Datensammlung"},"content":{"rendered":"<p>  &#8211; eine Bedrohung f&#252;r die Arbeiterbewegung<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>&#8222;Paragraf 1: Vereine, welche durch sozialdemokratische,   sozialistische und kommunistische Bestrebungen den Umsturz der   bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung bezwecken, sind zu   verbieten.&quot; So lautet der erste Satz des ersten Paragrafen aus dem so   genannten Sozialistengesetz von 1878. Die &quot;bestehende Staats- oder   Gesellschaftsordnung&quot;, die man nicht umst&#252;rzen durfte, war damals das   Kaiserreich.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Georg K&#252;mmel, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Rund 130 Jahre sp&#228;ter sind in Deutschland eine Reihe von Gesetzen in   Kraft, die die demokratischen Freiheiten einschr&#228;nken. Im vergangenen   Jahrzehnt wurden viele Gesetze diesbez&#252;glich erweitert oder neu   eingef&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Gesetze, die die Meinungs- und Versammlungsfreiheit betreffen, wurden   versch&#228;rft. Die Befugnisse von Polizei und Verfassungsschutz wurden   ausgedehnt. Viele, vorher verbotene, Ma&#223;nahmen der Bespitzelung wurden   legalisiert. Das betrifft Art und Umfang der &#220;berwachung unserer   Telefon-, E-Mail- und Internet-Kommunikation. Lauschangriffe und   Video&#252;berwachung &#8211; selbst innerhalb der eigentlich grundgesetzlich   gesch&#252;tzten Wohnung &#8211; wurden erm&#246;glicht. Die Erfassung, Speicherung und   Zentralisation von Daten &#252;ber Personen und Organisationen wurden   ausgeweitet.<\/p>\n<p>  Die Begr&#252;ndung f&#252;r jede Ma&#223;nahme lautet: &quot;Kampf gegen Terrorismus und   gegen Kriminalit&#228;t&quot;. Aber werden die vorgegebenen Ziele tats&#228;chlich   erreicht? Richten sich die Ma&#223;nahmen wirklich in erster Linie gegen   Terroristen und Kriminelle? Wenn nein, gegen wen sind sie dann gerichtet?<\/p>\n<p>  Welche Positionen sollten SozialistInnen einnehmen? Viele Gesetze muss   man einfach ablehnen und deren Aufhebung fordern. Aber eine Aufhebung   aller Kontrollen an Flugh&#228;fen zu fordern, kann zum Beispiel auch keine   L&#246;sung sein.<\/p>\n<h4>  Ziel des Demokratie-Abbaus<\/h4>\n<p>  Die meisten Gesetzes&#228;nderungen wurden mit dem &quot;Kampf gegen den   Terrorismus&quot; begr&#252;ndet. Fast zehn Jahre nach der Verabschiedung der   ersten &quot;Anti-Terror-Gesetze&quot; hat die potenzielle Gefahr von   Terrorattentaten in Deutschland nicht ab-, sondern zugenommen. Dies   h&#228;ngt insbesondere mit den Bundeswehreins&#228;tzen im Ausland, speziell in   Afghanistan, zusammen. Damit &quot;Deutschland&quot; (besser gesagt die   herrschende Klasse in diesem Land) im Konflikt mit anderen Staaten um   &#246;konomische Interessen und geostrategischen Einfluss mithalten und   weiterkommen kann, m&#252;ssen immer wieder unschuldige ZivilistInnen ihr   Leben lassen. Das sch&#252;rt Wut und Verzweiflung und erleichtert es   religi&#246;sen Fanatikern, Anh&#228;nger f&#252;r ihre wahnsinnigen Attentate zu   gewinnen.<\/p>\n<p>  Als Konsequenz aus dieser Entwicklung hat man aber nicht etwa die   Bundeswehreins&#228;tze beendet, sondern ausgeweitet. W&#228;hrend man vorgibt, in   Afghanistan f&#252;r demokratische Freiheiten zu k&#228;mpfen, werden hierzulande   gleichzeitig demokratische Grundrechte eingeschr&#228;nkt.<\/p>\n<h4>  Heuchelei<\/h4>\n<p>  Die ganze Heuchelei zeigt sich beim Umgang des Staates mit den   Neo-Nazis. Das brutalste Terrorregime in der Geschichte war die   Nazi-Herrschaft in Deutschland. Wenn deren politische Nachfolger heute   wieder Aufm&#228;rsche veranstalten, nutzen Polizei und Justiz auch die so   genannten Anti-Terror-Gesetze oder legen schon zuvor vorhandene   Regelungen weiter aus &#8211; aber nicht gegen die Nazis, sondern gegen   AntifaschistInnen. Video-Aufnahmen der DemonstrantInnen durch die   Polizei sind l&#228;ngst g&#228;ngige Praxis. Einkesselung und stundenlange   Freiheitsberaubung sind Demo-Alltag.<\/p>\n<p>  Als Anfang des Jahres Nazis zu der Gro&#223;demonstration in Dresden   aufriefen, wurden Hausdurchsuchungen vorgenommen, Plakate beschlagnahmt   und eine Internetseite gesperrt &#8211; Ziel dieser Aktionen von Polizei,   Staatsanwalt und Landeskriminalamt waren wieder nicht die Nazis, sondern   B&#252;ro, Plakate und Website des B&#252;ndnisses &quot;Dresden Nazifrei&quot;, weil dieses   dazu aufrief, den Nazi-Aufmarsch zu blockieren.<\/p>\n<p>  Die Kamera&#252;berwachung an &#246;ffentlichen Pl&#228;tzen und in Bahnen wird st&#228;ndig   ausgeweitet, angeblich zum Schutz vor Kriminalit&#228;t. Die selben   Politiker, die der Installation neuer Kameras zustimmen, beschlie&#223;en   K&#252;rzungen bei der Stra&#223;enbeleuchtung und bei Frauenh&#228;usern, in die sich   Frauen vor h&#228;uslicher Gewalt fl&#252;chten k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Es ist auch statistisch erwiesen, dass Vandalismus und Kriminalit&#228;t   jeweils zunehmen, wenn Jugendzentren in &quot;Problembezirken&quot; geschlossen   werden. Das h&#228;lt unsere angeblichen K&#228;mpfer gegen Kriminalit&#228;t aber   nicht davon ab, auch hier weiter zu k&#252;rzen.<\/p>\n<p>  Das beliebteste Argument, um die Bespitzelung im Internet zu   rechtfertigen, ist der Kampf gegen Kinderpornografie. Nat&#252;rlich m&#246;chte   jeder, dass alles Erdenkliche gegen dieses abscheuliche Verbrechen   unternommen wird. Aber wenn es um &quot;kirchliche W&#252;rdentr&#228;ger&quot; geht, die   Kinder missbraucht oder den Missbrauch vertuscht haben, dann gibt es   keine Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen, sondern &quot;Runde Tische&quot;   mit Beteiligung derjenigen, die zur Vertuschung beigetragen haben.<\/p>\n<p>  Das sind nur ein paar Beispiele f&#252;r die Doppelz&#252;ngigkeit derer, die   st&#228;ndig nach neuen Gesetzen rufen. Offensichtlich verbergen sich hinter   den Gesetzen andere Ziele als die in den Vordergrund gestellten.<\/p>\n<h4>  Interessengegensatz<\/h4>\n<p>  Wenn man verstehen will, welche gegens&#228;tzlichen Interessen in der Frage   von demokratischen Rechten aufeinander prallen, ist es hilfreich, sich   die Situation dort anzuschauen, wo die Gegens&#228;tze in unserer   Gesellschaft unmittelbar sichtbar sind: in den Betrieben. Wir erinnern   an die Skandale bei Lidl, Bahn, Telekom. Warum wurden dort Besch&#228;ftigte   heimlich gefilmt, Versammlungen belauscht, E-Mail-Verkehr durchleuchtet?   Doch wohl um Proteste zu unterbinden, um die Bildung von Betriebsr&#228;ten   zu verhindern, oder um Vorw&#228;nde f&#252;r den Rauswurf von Angestellten zu   finden, die mutig f&#252;r ihre und die Rechte ihrer KollegInnen eintreten.   Auch die Vorst&#228;nde der Bahn erz&#228;hlten in der &#214;ffentlichkeit etwas von   &quot;Korruptionsbek&#228;mpfung&quot;. Tats&#228;chlich wurden bei der Bahn aber E-Mails,   in denen KollegInnen zur Teilnahme am Streik aufgerufen wurden, gel&#246;scht.<\/p>\n<h4>  Datenschutz im Betrieb?<\/h4>\n<p>  Demn&#228;chst soll ein neues Gesetz zum Thema Datenschutz im Betrieb   verabschiedet werden. Nat&#252;rlich behauptet Innenminister Thomas de   Maizi&#232;re (CDU), sein Gesetzentwurf zum Datenschutz im Betrieb diene   Besch&#228;ftigten und Eigent&#252;mern gleicherma&#223;en. Tats&#228;chlich wird es, wenn   es durchkommt, den Chefs einen weiten Ermessensspielraum geben und   Ma&#223;nahmen legalisieren, die jetzt noch verboten sind oder sich in einer   gesetzlichen Grauzone bewegen. Heimliche Video&#252;berwachungen von   Besch&#228;ftigten w&#228;ren dann erlaubt, wenn konkrete Verdachtsmomente   vorliegen, wonach der Arbeitnehmer etwa gestohlen haben soll. &#220;ber die   konkreten Verdachtsmomente entscheidet jedoch zun&#228;chst einmal der Chef.   Selbst die Ortung der Besch&#228;ftigten anhand von Handys oder mittels GPS   w&#228;re nach dem neuen Gesetz in bestimmten F&#228;llen erlaubt.<\/p>\n<p>  Zur Korruptionsbek&#228;mpfung und zur Durchsetzung von Firmenregeln d&#252;rfen   Arbeitgeber Besch&#228;ftigten-Daten verwenden, soweit dies erforderlich und   verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig sei. Umgekehrt d&#252;rfen die Besch&#228;ftigten aber nicht den   E-Mail-Verkehr vom Chef &#252;berwachen; selbst wenn sie den konkreten   Verdacht haben, dass er sie zum Beispiel mit einer angedrohten   Betriebsverlagerung &#252;ber den Tisch ziehen will.<\/p>\n<h4>  Wessen Staat?<\/h4>\n<p>  Der Interessengegensatz zwischen Besch&#228;ftigten und Eigent&#252;mern im   Betrieb ist ein Klassengegensatz. Dieser findet seine Entsprechung in   der Gesellschaft. Dieser Staat ist in erster Linie und in letzter   Konsequenz der Staat der Bosse und Banker. F&#252;r die &quot;Sicherheitsgesetze&quot;   gilt das gleiche wie f&#252;r die Steuergesetzgebung. Sie werden geschrieben   und angewandt im Interesse der Besitzenden, der Kapitalisten.<\/p>\n<p>  &#220;ber Tausende von F&#228;den sind die Spitzen des Staatsapparates (ob   Verwaltung, Justiz, Polizei, Geheimdienste oder Armee) mit der   Kapitalistenklasse verbunden: durch gemeinsame Herkunft, Ausbildung und   soziales Umfeld (vom Villenviertel &#252;ber die Eliteschule bis zum   Golfclub). Die Karrieren vom Tellerw&#228;scher zum Million&#228;r gibt es in   amerikanischen TV-Serien. Im echten Leben sind sie h&#246;chstens eine   seltene Ausnahme, die die Regel best&#228;tigt: Funktionstr&#228;ger in Wirtschaft   und Gesellschaft werden sorgf&#228;ltig ausgew&#228;hlt und gef&#246;rdert. Auch auf   viele Politiker wird gezielt Einfluss genommen, bestimmte Karrieren   bewusst vorangetrieben; mittels Privilegien wird permanent auf sie   eingewirkt, aber auch in Form von Parteispenden gr&#252;ndlich &quot;nachgeholfen&quot;.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich erf&#252;llen Polizei und Justiz unterschiedliche Aufgaben. Nicht   immer geht es dabei um gegens&#228;tzliche Klasseninteressen. Etwa, wenn die   Polizei einen Verkehrsunfall aufnimmt oder zu schnelles Fahren ahndet.   Die Kernaufgabe staatlicher Organe zeigt sich aber, wenn es zu einer   direkten Auseinandersetzung in der Gesellschaft kommt, wenn sich die   Damen und Herren Kapitalisten politisch oder wirtschaftlich bedroht   f&#252;hlen. Zum Beispiel verschafft die Polizei dann Streikbrechern mit   Gewalt Zugang zum Betrieb, damit sie den Streik unterlaufen k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Der Staat ist parteiisch<\/h4>\n<p>  In letzter Instanz fungieren die Staatsorgane zur Wahrung und   Durchsetzung b&#252;rgerlicher Interessen. So nimmt es nicht Wunder, dass der   Bundesgrenzschutz w&#228;hrend des IG-Metall-Streiks um die 35-Stunden-Woche   1984 die Niederschlagung von Arbeitsk&#228;mpfen trainieren lie&#223;. Oder dass   fast alle Schmierer und Geschmierten im Flick-Skandal vor etwa 25   Jahren, bei dem es um viele Millionen ging, ungeschoren davon kamen und   das Verfahren gegen Helmut Kohl eingestellt wurde &#8211; obwohl er damals vor   Gericht eine Falschaussage machte. Immer wieder kommt es auch zu   Urteilen wie beim Streik der Lokf&#252;hrer 2008, als die Arbeitsniederlegung   im G&#252;ter- und Fernverkehr vom Arbeitsgericht in Chemnitz verboten wurde   &#8211; also gerade in den Bereichen, wo es Bahn und Wirtschaft am wirksamsten   getroffen h&#228;tte.<\/p>\n<p>  Auch die Studierenden mussten bei ihren Protesten Ende des vergangenen   Jahres die Erfahrung machen, dass die Polizei nicht nur dazu da ist, um   bei den Demos den Verkehr zu regeln. Sp&#228;testens als H&#246;rs&#228;le besetzt   wurden, ging die Polizei gewaltsam gegen die StudentInnen vor. Dabei   ging es denen, die die Polizei geschickt hatten, nicht um den H&#246;rsaal,   sondern um den symbolischen Akt. Wenn heute Studierende einen H&#246;rsaal in   Besitz nehmen statt sich gn&#228;dig von der Uni-Leitung die Nutzung eines   Raumes gestatten zu lassen, dann k&#246;nnte das zu einem Vorbild f&#252;r die   Belegschaft einer von Schlie&#223;ung bedrohten Fabrik werden. Da geht es   dann schnell um die Eigentumsverh&#228;ltnisse in diesem Lande und die m&#252;ssen   laut Grundgesetz schlie&#223;lich gesch&#252;tzt werden &#8211; auch mit polizeilicher   Gewalt. Das Recht auf ein menschenw&#252;rdiges Leben, ebenfalls im   Grundgesetz verankert, sch&#252;tzt die Polizei aber nicht.<\/p>\n<h4>  Demokratische Rechte wurden erk&#228;mpft<\/h4>\n<p>  Die Gesetze und die Institutionen zur Durchsetzung derselben sind also   nicht gleicherma&#223;en im Interesse aller B&#252;rger da. Die demokratischen   Rechte, die wir heute haben &#8211; beispielsweise das Streik-, Versammlungs-   oder Demonstrationsrecht &#8211; wurden uns nicht geschenkt. Sie mussten von   der Arbeiterbewegung erk&#228;mpft werden. &#220;brigens ging das nur, indem die   Arbeiterbewegung sich nicht an die jeweils bestehenden, undemokratischen   Gesetze gehalten hat. H&#228;tte man immer das Streikverbot befolgt, dann   h&#228;tten wir es heute noch.<\/p>\n<p>  Das Problem ist, dass die Arbeiterbewegung in ihrer Gesamheit die   Gefahr, die durch den Demokratieabbau entsteht, noch gar nicht erkennt.   Bisher ist es ja auch nur eine kleine Minderheit, die jemals in   Konfrontation mit der Polizei oder dem Versammlungsgesetz geraten ist   und die heutige F&#252;hrung ist sowieso total angepasst. Die zahlreichen   Gesetze, die die Befugnisse von Polizei und Geheimdiensten ausweiten und   die politischen Rechte einschr&#228;nken, sind aber nicht so sehr auf die   derzeitige Situation gem&#252;nzt.<\/p>\n<h4>  Gesetze f&#252;r morgen<\/h4>\n<p>  Wir leben nicht in der Zeit nach der Krise, sondern in einer   krisenhaften Zeit. Die politisch und wirtschaftlich Herrschenden in   diesem Lande wissen, dass die Kosten dieser und kommender Krisen bezahlt   werden m&#252;ssen. Das Motto der Protestbewegung ist: &quot;Wir zahlen nicht f&#252;r   Eure Krise&quot;; das Motto der Kapitalisten lautet &#228;hnlich, aber   entgegengesetzt: &quot;Wir zahlen nicht f&#252;r unsere Krise&quot;. Deshalb werden sie   den Lebensstandard der breiten Masse der Bev&#246;lkerung in den n&#228;chsten   Monaten und Jahren weiter angreifen. Und weil dies harte Angriffe sein   werden, wird es auch harten Widerstand dagegen geben.<\/p>\n<p>  Die meisten Gesetze, die vorgeblich zur Bek&#228;mpfung von Terrorismus und   Kriminalit&#228;t ge&#228;ndert oder neu geschaffen wurden, lassen sich dann zur   Bespitzelung und Einsch&#252;chterung von linken AktivistInnen oder zum   Verbot und zur Aufl&#246;sung von Demonstrationen einsetzen.<\/p>\n<p>  Die in der DDR und in der Sowjetunion herrschende B&#252;rokratenkaste hatte   Angst vor der eigenen Bev&#246;lkerung und deshalb einen monstr&#246;sen   &#220;berwachungsstaat geschaffen. Der Abbau demokratischer Rechte und der   Ausbau staatlicher &#220;berwachung zeigt, dass auch die Kapitalisten   zunehmend Angst um ihre Macht haben. Zu Recht f&#252;rchten sie, dass die   Emp&#246;rung &#252;ber das bestehende Wirtschafts- und Gesellschaftssystem   wachsen wird.<\/p>\n<p>  In der vor uns liegenden Zeit m&#252;ssen wir nicht nur unsere Arbeitspl&#228;tze   und Einkommen, sondern auch unsere demokratischen Rechte verteidigen und   die Rechte zur&#252;ckerobern, die uns in den letzten Jahren bereits genommen   wurden. Teil dieser Aufgabe ist es, in den Gewerkschaften, in der LINKEN   und in linken Organisationen eine Debatte &#252;ber den Charakter des Staates   und seine eigentlichen Interessen anzusto&#223;en.<\/p>\n<h4>  &#214;ffentliche Kontrolle<\/h4>\n<p>  Die technischen M&#246;glichkeiten der elektronischen Datenerfassung und   -speicherung stellen enorme Chancen, aber auch eine enorme Gefahr dar.   Solange sie in den H&#228;nden einer kleinen Minderheit in der Gesellschaft   sind, entfalten sich nicht so sehr ihre M&#246;glichkeiten, sondern vielmehr   ihre Gefahren. Gerade weil sie allumfassend sind, weil sie alle Bereiche   und Teile der Gesellschaft erfassen, schreit ihre Natur geradezu nach   gesellschaftlicher Kontrolle.<\/p>\n<p>  Es ist ein nicht zu untersch&#228;tzendes Problem, dass Konzerne (wie   Facebook und Google) eine gigantische Menge von Informationen &#252;ber uns   sammeln und dar&#252;ber verf&#252;gen. Eine Handvoll Vorstandsmitglieder, die von   niemandem gew&#228;hlt und von niemandem kontrolliert werden (h&#246;chstens von   ein paar Aktion&#228;ren), halten eine gewaltige Machtf&#252;lle in ihren H&#228;nden.   Und es ist eine nicht zu untersch&#228;tzende Bedrohung, dass Richter,   Staatsanw&#228;lte, Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, die nicht von unten   demokratisch gew&#228;hlt und kontrolliert, sondern von oben ernannt werden,   dass diese Personen und Institutionen &#252;ber immer weiterreichende   Befugnisse verf&#252;gen.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die demokratischen Rechte entschieden verteidigt werden m&#252;ssen,   m&#252;ssen auch die &#196;ngste der Menschen vor Terrorismus und Kriminalit&#228;t   ber&#252;cksichtigt werden.<\/p>\n<h4>  Sicherheit in die H&#228;nde der Besch&#228;ftigten!<\/h4>\n<p>  Wie man dabei im Einzelfall vorgeht, welche L&#246;sungen man anstrebt,   m&#252;sste man unter den Betroffenen diskutieren und entscheiden. Ein   Beispiel: Die Kontrollen an den Flugh&#228;fen kann man nicht ersatzlos   streichen. Das gr&#246;&#223;te Interesse an gut funktionierenden Kontrollen haben   aber insbesondere die, die mit jedem Flugzeug mitfliegen: das   Kabinenpersonal und die Piloten. Sie k&#246;nnten aus ihren Reihen &#8211; unter   Einbeziehung von VertreterInnen der Passagiere oder   Verbraucherorganisationen &#8211; ein Komitee w&#228;hlen, das Vorschl&#228;ge zur   Sicherheit erarbeitet und deren Umsetzung kontrolliert. Die Kontrollen   selber d&#252;rfen nicht in den H&#228;nden von privaten Firmen liegen, die ihre   Besch&#228;ftigten schlecht ausbilden und schlecht bezahlen.<\/p>\n<p>  Die Verantwortung f&#252;r die Zutrittskontrollen zu anderen Bereichen des   Flughafens (Flugzeughallen, Rollfeld und so weiter) k&#246;nnten ebenfalls   die dort Besch&#228;ftigten organisieren. Heute kann es passieren, dass Leute   unter dem Vorwand der &quot;Sicherheit&quot; gar nicht eingestellt oder entlassen   werden, weil ihre gewerkschaftlichen Aktivit&#228;ten dem Chef der   Sicherheitsfirma nicht in den Kram passen. Nach der   &quot;Luftsicherheits-Zuverl&#228;ssigkeits&#252;berpr&#252;fungsverordnung&quot; kann die   Luftsicherheitsbeh&#246;rde n&#228;mlich Informationen &#252;ber einen Bewerber und   auch bereits eingestellte Personen einholen &#8211; und zwar unter anderem aus   polizeilichen Staatsschutzdateien, bei Verfassungsschutz und   Bundesnachrichtendienst sowie bei der Stasi-Unterlagen-Beh&#246;rde. Es kann   also passieren, dass jemand, der sich 2003 aus Protest gegen den   Irak-Krieg an einer Blockade des Frankfurter Flughafens beteiligt hat,   keinen Job bei einem Paketdienst auf dem Gel&#228;nde des Flughafens bekommt.<\/p>\n<h4>  Gegenwehr<\/h4>\n<p>  Die Geschichte der Arbeiterbewegung zeigt, dass staatliche Repression   Massenproteste verz&#246;gern, aber nicht dauerhaft verhindern kann. Doch in   dem Ma&#223;e, wie Gewerkschaften und linke Organisationen den Abbau   demokratischer Rechte heute zulassen, in dem Ma&#223;e steigt auch der Preis,   den die Arbeiterbewegung im Kampf f&#252;r deren R&#252;ckeroberung bezahlen muss.   Die Berufsverbote der siebziger Jahre hatten zur Folge, dass viele ihren   eigentlichen Beruf nicht aus&#252;ben konnten und noch mehr Menschen Angst   hatten, sich politisch zu organisieren. Ein solches Klima erleichtert es   der Regierung wiederum, ihre Politik des Sozialabbaus durchzusetzen.<\/p>\n<p>  Wir d&#252;rfen uns nicht einsch&#252;chtern lassen. Es gilt, die sozialen   Bewegungen und die Jugendproteste zu st&#228;rken. In den Gewerkschaften   brauchen wir eine andere F&#252;hrung, die entschlossen k&#228;mpft. Die   antikapitalistischen Kr&#228;fte innerhalb und au&#223;erhalb der LINKEN m&#252;ssen   dem Kampf gegen Sozial- und Demokratieabbau eine sozialistische   Perspektive geben. Auf diese Weise kann effektiv Widerstand organisiert,   k&#246;nnen undemokratische Gesetze &#252;berwunden werden. So wie es bei den   &quot;Sozialistengesetzen&quot; vor &#252;ber hundert Jahren der Fall war.<\/p>\n<p>  Letztendlich muss der kapitalistische Staatsapparat aus dem Weg ger&#228;umt   werden, denn er ist in letzter Instanz ein Instrument in den H&#228;nden der   Herrschenden zur Aufrechterhaltung dieser ungerechten und unsozialen   Gesellschaft. Das erfordert eine Umgestaltung der Gesellschaft zu einer   sozialistischen Demokratie. Um endg&#252;ltig Schluss damit zu machen, dass   eine kleine, radikale Minderheit die gro&#223;e Mehrheit der Gesellschaft   unterdr&#252;ckt und &#252;berwacht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8211; eine Bedrohung f&#252;r die Arbeiterbewegung\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[77,84],"tags":[270,225],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13665"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13665"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13665\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13665"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13665"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13665"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}