{"id":13646,"date":"2010-04-28T00:00:00","date_gmt":"2010-04-28T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13646"},"modified":"2010-04-28T00:00:00","modified_gmt":"2010-04-28T00:00:00","slug":"13646","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/04\/13646\/","title":{"rendered":"18 Millionen boykottieren Kopfsteuer"},"content":{"rendered":"<p>  Vor 20 Jahren wurde die Kopfsteuer in Gro&#223;britannien verhindert und das   Ende der Thatcher-Regierung eingel&#228;utet<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Demonstrationen und vor allem der Massenboykott mit rund 18 Millionen   Beteiligten waren Anfang der 1990er Jahre wichtiger Bestandteil f&#252;r den   Erfolg des Widerstands gegen die englische Kopfsteuer (Poll Tax).   Mittels der Kopfsteuer sollte die Arbeiterklasse Gro&#223;britanniens f&#252;r die   neoliberale Politik der damaligen Tory-Regierung herhalten und kr&#228;ftig   geschr&#246;pft werden.<\/p>\n<p>  Die britische Schwesterorganisation der SAV, die Socialist Party (damals   &quot;Militant&quot;), spielte eine wichtige Rolle bei der Organisation der   Massenproteste und -boykotts, die letztlich sogar zum Sturz der   verhassten Premierministerin Margaret Thatcher f&#252;hrten. Anders als zum   Beispiel AnarchistInnen argumentierten, waren aber hierbei nicht die   &quot;gewaltt&#228;tige Ausschreitung gegen die Kopfsteuer&quot; entscheidend.<\/p>\n<p>  Dokumentiert ist hier ein Artikel von Louise James, erschienen im   Dezember 1990 in der Militant International Review, dem Magazin der   britischen Schwesterorganisation der SAV, welches heute Socialism Today   hei&#223;t. James kommentiert als eine der damals f&#252;hrenden Aktivistinnen der   britischen Vereinigung gegen die Kopfsteuer die Aussage von den   AnarchistInnen, die die Gewalt w&#228;hrend der Ereignisse im M&#228;rz als   &#8222;positiven und konstruktiven Beitrag des Widerstands&#8220; bezeichneten. Der   Artikel ist ein wichtiger Beitrag auch zur Frage, welche Kampfmethoden   den Klassenkampf voran bringen k&#246;nnen.<\/p>\n<h2>  Zur Bedeutung der Demonstration am 31. M&#228;rz 1990 und dem Ende der   neoliberalen Regierung Thatchers<\/h2>\n<p>  Die Demonstration der britischen Vereinigung gegen die Kopfsteuer im   M&#228;rz, an der sich &#252;ber 200.000 Menschen beteiligten, war ein Schock f&#252;r   die herrschende Klasse Gro&#223;britanniens.<\/p>\n<p>  Die wachsende Wut &#252;ber die Kopfsteuer hatte sich in einer k&#228;mpferischen   englandweiten Massendemonstration ausgedr&#252;ckt, die von dem Labour   Party-Vertreter Tony Benn zu dieser Zeit als &#8222;die gr&#246;&#223;te seit hundert   Jahren&#8220; bezeichnet wurde. In den vorhergehenden zwei Monaten hatten   lokale Widerstandskomitees, die sogenannten Anti-Poll Tax Unions (APTU),   bereits &#252;ber 6.000 &#246;ffentliche Versammlungen und Demonstrationen   organisiert, w&#228;hrend die &#246;ffentliche Unterst&#252;tzung von Thatchers   Tory-Regierung zusammenbrach.<\/p>\n<p>  Nicht &#252;berraschend war das Vorgehen der Torys, die mit einer &quot;Rote   Socken&quot;-Kampagne Panik zu sch&#252;ren versuchten und behaupteten, dass der   Protest gegen die Kopfsteuer von SozialistInnen instrumentalisiert sei,   besonders von Militant (heute Socialist Party, britische   Schwesterorganisation der SAV), die damals eine marxistische Str&#246;mung in   der Labour Party war.<\/p>\n<p>  Es wurde au&#223;erdem versucht, Militant f&#252;r die gewaltt&#228;tigen   Ausschreitungen verantwortlich zu machen, die im Anschluss an die   Demonstration am 31. M&#228;rz 1990 stattfanden. Aber wer hatte eigentlich   mit der Gewalt angefangen? Bewiesen ist heute, dass die Polizei w&#228;hrend   und nach der Demonstration planm&#228;&#223;ig die Demonstration und f&#252;hrende   AktivistInnen angriff. Bei der Anmeldung der Demonstration getroffene   Vereinbarungen zwischen der Vereinigung gegen die Kopfsteuer und der   Polizei wurden von dieser gebrochen.<\/p>\n<p>  Ohne Angabe eines Grund wurden die Sammelstellen f&#252;r die anreisenden   DemonstrantInnen ge&#228;ndert, so dass OrdnerInnen aus dem Umland nicht den   vereinbarten Treffpunkt erreichen und sich so auch nicht koordinieren   konnten. Die Polizei missachtete Vereinbarungen was Sitzblockaden   w&#228;hrend der Proteste anging. Stattdessen nahmen Polizeikr&#228;fte die   Blockaden als Anlass um DemonstrantInnen zu provozieren und zu   attackieren. Dass war der Grund f&#252;r die Eskalation, die selbst die   Polizei &#252;berraschte. Aus der Gegenwehr aus den Reihen der Demonstration   entwickelten sich ernsthaftere Zusammenst&#246;&#223;e mit den Polizeieinheiten   und schlie&#223;lich Ausschreitungen in den Stra&#223;en mit Pl&#252;nderungen von   Gesch&#228;ften.<\/p>\n<p>  Bezeichnenderweise wurde direkt nach den Demonstration eine   Meinungsumfrage in Auftrag gegeben, in der behauptet wurde, dass   Militant und andere anarchistische Gruppen (!) hinter der Gewalt stecken   w&#252;rden, und bei der gefragt wurde, ob die Regierung nicht rechtliche   Ma&#223;nahmen gegen solche Gruppen ergreifen solle. Das beteiligte   Meinungsforschungsintitut weigerte sich Auskunft dar&#252;ber zu geben, in   wessen Auftrag diese Umfrage durchgef&#252;hrt wurde. Die Tory-Regierung   stritt jedenfalls vehement ab, dass sie der Auftraggeber war.<\/p>\n<p>  Hatten die Herrschenden also geplant, den 31. M&#228;rz als Anlass zu nehmen,   weitergehende Ma&#223;nahmen gegen die F&#252;hrung der Bewegung ergreifen zu   k&#246;nnen? Zweifellos. So f&#252;hrte doch das Vorgehen der Polizei (das unter   dem Decknamen &#8222;Operation Carnaby&#8220; lief) zu einer beispiellosen   Verhaftungswelle. Insgesamt wurden &#252;ber 500 Menschen verhaftet. Es   folgten fr&#252;hmorgendliche Hausdurchsuchungen in den Wohnungen f&#252;hrender   AktivistInnen der Bewegung gegen die Kopfsteuer in Islington, Hackney   und den East Midlands.<\/p>\n<p>  Aber der Versuch der Torys, die Bewegung durch das Provozieren   gewaltt&#228;tiger Ausschreitungen von ihrem Kurs abzubringen ging eindeutig   nach hinten los. Eine Umfrage, die von der Zeitung The Sundy   Correspondent im April 1990 ver&#246;ffentlicht wurde zeigte, dass dreimal so   viel Befragte den Torys die Schuld f&#252;r die Gewalt in die Schuhe schob   als der Labour Party. Zu viele Menschen waren bereits von der Kampagne   gegen die Kopfsteuer angesteckt, als dass die &quot;Rote Socken&quot;-Kampagne der   Torys h&#228;tte Fr&#252;chte tragen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die Kampagne f&#252;r einen Boykott der Kopfsteuer, die Auftrieb durch die   Gr&#246;&#223;e der Demonstration vom 31. M&#228;rz bekommen hatte, gewann immer mehr   an Unterst&#252;tzung.<\/p>\n<p>  Die aus der St&#228;rke der Bewegung erwirkte Unf&#228;higkeit Margaret Thatchers   die Kopfsteuer einzuf&#252;hren war entscheidender Grund daf&#252;r, dass sie als   Premierministerin ihren Hut nehmen musste.<\/p>\n<p>  Die gewaltt&#228;tigen Zusammenst&#246;&#223;e und die Pl&#252;nderungen, die am Ende der   Demonstration stattfanden, sind von verschiedenen &quot;anarchistischen&quot;   Gruppierungen dazu benutzt worden, eine theoretische Rechtfertigung der   Gewalt als Kampfmittel gegen die Kopfsteuer voranzutreiben. Es erschien   ein politisches Magazin mit dem Titel &#8222;Die Poll Tax Ausschreitungen: 10   Stunden, die den Trafalgar Square ersch&#252;tterten&#8220;, die in Randgruppen der   Bewegung gegen die Kopfsteuer verbreitet wurde.<\/p>\n<p>  Produziert wurde die Brosch&#252;re von einem anarchistischen Verlag, der   ACAB-Presse. Die Schrift sollte angeblich eine Sammlung individueller   Zuschriften sein, die dem ACAB-Verlag in den Wochen nach dem 31. M&#228;rz   1990 anonym zugesandt worden sein. Wahr ist das allerdings nicht. Viele   der zw&#246;lf Autoren der Streitschrift sind Mitglieder anarchistischer   Gruppen. W&#228;hrend der besagte Verlag f&#252;r sich in Anspruch nahm &#8222;die   andere Seite der Geschichte beleuchten&#8220; zu wollen (in Gegensatz also zu   dem, was die b&#252;rgerlichen Massenmedien verbreiteten), wurden die   Mitglieder der lokale Widerstandskomitees, obwohl diese das R&#252;ckgrat des   Boykotts der Kopfsteuer darstellten, erst gar nicht gefragt.<\/p>\n<p>  &#220;berraschen sollte dies nicht. Die gro&#223;e Mehrheit der an den Proteste   gegen die Kopfsteuer Beteiligten w&#252;rden nicht mit den Aussagen des   Magazin der ACAB-Presse &#252;bereinstimmen, die zum Beispiel behauptet, dass   die Bewegung &#8222;nur &#252;ber einen Weg weiter nach vorne kommen k&#246;nne&#8220;,   n&#228;mlich &#8222;&#252;ber die extreme Gewalt, eine Reihe eskalierenden   Konfrontationen mit &quot;ArbeiterInnen&quot; [diese Anf&#252;hrungsstriche setzten die   Verfasser selber, L.J.] und dem Staat, vor allem der Polizei.&#8220; Sie   w&#252;rden es guthei&#223;en, dass der Londoner Convent Garden sowie &#8222;der ganze   Stra&#223;enzug zerst&#246;rt wurde. &#220;berall Glassplitter, Banken und Gesch&#228;fte   zerst&#246;rt, eine wahre Orgie der Zerst&#246;rung und Pl&#252;nderung&#8220;, &#8222;das war der   kr&#246;nende Abschluss des Tages.&#8220;<\/p>\n<p>  In der Brosch&#252;re &#8222;Die Poll Tax Ausschreitungen: 10 Stunden, die den   Trafalgar Square ersch&#252;tterten&#8220; wurden nicht nur Pl&#252;nderungen und Gewalt   gelobt, sondern das als einen &#8222;positiven und konstruktiven Beitrag f&#252;r   den Kampf gegen die Kopfsteuer und den aktuellen Klassenkampf an sich&#8220;   bezeichnet. Ungeachtet dessen, wie wenig Unterst&#252;tzung solche Ideen   finden, sollten sich MarxistInnen konsequenterweise die Frage stellen,   ob Pl&#252;nderungen und gewaltt&#228;tige Eskalationen mit der Polizei eine   ernsthafte Perspektive f&#252;r den Kampf gegen den Sozialabbau ist.<\/p>\n<h4>  Die Hintergr&#252;nde der Boykott-Kampagne<\/h4>\n<p>  Die ACAB-Press argumentierte, dass &#8211; wenn es keine gewaltsamen   Ausschreitungen gegeben h&#228;tte &#8211; die Demonstration nicht mehr   Aufmerksamkeit bekommen h&#228;tte als &#8222;ein paar Zeilen in der Zeitung oder   eine kurze Erw&#228;hnung in den Fernsehnachrichten&#8220;. Stimmt es, dass &#8211; wie   die AnarchistInnen behaupten &#8211; die Leute, die an der Demonstration   teilgenommen haben, die Kopfsteuer bezahlt h&#228;tten, wenn es keine gro&#223;e   Aufmerksamkeit durch die Medien gegeben w&#228;re? Nat&#252;rlich nicht!<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich widersprachen sich hier die AnarchistInnen selber, wenn sie   in der Brosch&#252;re schrieben: &#8222;Erinnert ihr euch noch an die Demonstration   gegen die Kopfsteuer in Glasgow im April 1989? &#220;ber 20.000 Menschen   kamen, und trotzdem wurden die Proteste von der Presse weitgehend   ignoriert.&#8220;<\/p>\n<p>  Hatten die ACAB-Autoren denn nicht mitbekommen, dass der Boykott der   Steuer weiterging, obwohl keine Steine geschmissen wurden oder Gesch&#228;fte   angez&#252;ndet wurden?<\/p>\n<p>  Die Bewegung gegen die Kopfsteuer konnte sich weiter entwickeln,   ungeachtet dessen, wie die Medien Informationen hier&#252;ber verbreiteten.   In Schottland hatten die b&#252;rgerlichen Medien die Boykott-Kampagne drei   Jahre lang ignoriert. Aber das Totschweigen der Kampagne hatte nicht   verhindern k&#246;nnen, dass sie sich weiter nach England und Wales   ausbreiten konnte. Die Bewegung hatte sich ihre Strukturen geschaffen   und Wege gefunden, wie die eigenen Informationen verbreitet werden   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die Demonstration am 31. M&#228;rz 1990 wurde vorbereitet von 1.500 lokalen   Widerstandskomitees, die &#252;ber eine Million Flugbl&#228;tter und 100.000   Plakate verf&#252;gten. Die Demonstration in London wurde allein von der   Bewegung gestemmt.<\/p>\n<p>  Die t&#228;glichen Aktivit&#228;ten, wie das Verteilen von Flugbl&#228;ttern in   Briefk&#228;sten, Anti-Repressionsarbeit und anderes bestimmten die St&#228;rke   der Kampagne. Diese Aspekte finden in der anarchistischen Brosch&#252;re kaum   Beachtung. Stattdessen wird behauptet, dass<\/p>\n<p>  die Berichte &#252;ber die gewaltsamen Ausschreitungen im Fernsehen geholfen   h&#228;tten, die Boykottkampagne anzukurbeln. Wie das? Welche Botschaft   wurden den Menschen denn &#252;ber die TV-Berichte vermittelt? Dass wir um   erfolgreichen Widerstand organisieren zu k&#246;nnen, Druck auf die   Gewerkschaften aus&#252;ben m&#252;ssen, damit diese uns unterst&#252;tzen? Dass es   notwendig ist, dass die Leute selbst aktiv werden und auch bleiben, dass   es regelm&#228;&#223;ige Treffen der Bewegung vor Ort braucht, dass eigenes   Material (Flugbl&#228;tter, Poster etc.) produziert werden muss? Wohl eher   nicht. Im Gegensatz zu einer gut organisierten Boykottkampagne sind   gewaltsame Ausschreitung keine effektive Methode f&#252;r den Kampf gegen die   Kopfsteuer. Die Eskalationen im Anschluss an die Demonstration ist eine   Explosion von angestauter Frustration, von Wut und Verzweiflung gewesen.   Und kein kollektiver Kampf mit einer klaren Strategie.<\/p>\n<p>  Unsere anarchistischen Autoren bestreiten all das nat&#252;rlich. Die   Ereignisse nach der Londoner Demonstration waren &#8211; so behaupten sie &#8211;   ein kollektiver Kampf, ein &#8222;organisierter Aufstand&#8220; gewesen. Ein Autor   erkl&#228;rt k&#252;hn, dass &#8222;wir mit der Gewalt anfingen und stolz darauf sind.   Aktiv etwas tun, statt nur passiv daneben zu stehen. So sollte der 30.   M&#228;rz 1990 in Erinnerung bleiben, nicht als ein Tag der Polizeigewalt,   sondern unserer Gewalt.&#8220; Was f&#252;r ein Unsinn. Nat&#252;rlich, einige Wenige   sind mit der Absicht auf die Demonstration gegangen, eine Konfrontation   mit der Polizei anzuzetteln, so wie die ACAB-Autoren berichteten. Ein   Autor beschrieb seine Haltung zu Beginn der noch friedlichen   Demonstration so: &#8222;nur dumm zusehen (!), schauen, was so der Tag so   bringen wird, verachtungsvoll den Geschehnissen gegen&#252;ber, bis dann   unsere Erwartungen doch noch &#252;bertroffen wurden.&#8220; Noch hatten unser   beobachtender Zyniker und seine Freunde nichts mit dem Geschehen der   Demonstration zu tun. Dies wird auch von einem anderen Autor   unbeabsichtigt best&#228;tigt, der &#8211; gerade den Kennington Park erreichend &#8211;   von dem Treffpunkt der AnarchistInnen berichtet: &#8222;Als wir dort ankamen,   standen nur 150 unserer Leute dort.&#8220;<\/p>\n<p>  Militant erkl&#228;rte die tats&#228;chliche Situation direkt nach den   Ereignissen. Wenn eine Art von organisierter St&#246;rung der Demonstration   stattgefunden hatte, dann kam diese aus den oberen R&#228;ngen der Polizei.   Es war &#8222;der Einsatz von Polizeipferden, die Tatsache, dass Fahrzeuge mit   80 km\/h in die Menge fuhren, dass Einsatz-Hundertschaften der Polizei   auf unschuldige und friedliche DemonstrantInnen losgelassen wurden, was   Teile der Demonstration, speziell Jugendliche, ziemlich w&#252;tend machte&#8220;   (Militant vom 6. April 1990). Viele Jugendliche riskierten ihre   k&#246;rperliche Unversehrheit um die Polizei auf der Demonstration   zur&#252;ckzuschlagen. Hinter diesem Aufstand steckte nat&#252;rlich keine   bewusste Planung dieser Jugendlichen. Das liegt auch in der Natur eines   Aufstandes. Er ist keine bewusste Aktion, sondern der Ausdruck von   Verzweiflung und Frustation. Diese verr&#252;ckte Tatsache wurde auch von   einem der AnarchistInnen festgestellt. Selbst sie waren gezwungen   zuzugeben, dass &#8222;es unter den Leuten Widerstand gegen den Angriff (auf   den Polizeibus) gab. Einige Leute versuchten die Angreifenden   aufzuhalten&#8220;, versucht der Autor seine Handlungen zu rechtfertigen. Er   tut das nicht mit einer genauen Erkl&#228;rung, was mit der Strategie von   &quot;eskalierender Konfrontation&quot; und Pl&#252;nderung erreicht werden sollte,   sondern durch eine zwar korrekte, aber komplett abstrakte Bezugnahme auf   die Frage, warum &#8222;eine ganz sch&#246;n gro&#223;e Menge der Leute die Polizei   verdammt noch mal hasst.&#8220;<\/p>\n<p>  Der Hass, &#8222;gen&#228;hrt von der grunds&#228;tzlichen Benachteiligung, von dem   Gef&#252;hl der Schw&#228;che aus der Marginalisierung heraus, von Verzweiflung,   von den vergangenen Erfahrungen mit den Gesetzesh&#252;tern&#8230; all das   dr&#252;ckte sich in Aggression, Hass, Frustration und Machtlosigkeit aus und   verschmolz zu einer Lawine der Wut. Es ging um das Gef&#252;hl des   individuell erfahrenen erniedrigenden Daseins im Kapitalismus.&#8220; All dem   ist nat&#252;rlich zuzustimmen. Aber es umschifft den wahren Kern der Sache.   Wie k&#246;nnen solche gewaltsame Ausschreitungen zu einem Ende dieses   &#8222;erniedrigenden Daseins im Kapitalismus&#8220; f&#252;hren?<\/p>\n<p>  Gewaltsame Ausschreitungen sind keine Methode des bewussten Kampfes,   sondern f&#252;hren in die Einbahnstra&#223;e. Auch wenn wir verstehen, wieso   Teile der Jugend randalieren, &#228;ndert das nichts an dieser Tatsache.   Gerade solche, die anstreben, dieses Gesellschaftssystem zu &#252;berwinden,   k&#246;nnen das Geschehene nicht einfach begr&#252;&#223;en, sondern sind in der   Verantwortung zu sagen, welche Kampfmethoden die Klasse vorw&#228;rts bringen   und welche in die Irre f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Gewaltsame Unruhen sind kein &#8222;positiver Beitrag&#8220; um eine Boykottkampagne   mit Massenbeteiligung zu organisieren. Massenhafter Boykott einigt die   Klasse in der konkreten Aktion, w&#228;hrend individuelle &#8222;heroische&#8220; Taten   das nicht verm&#246;gen.<\/p>\n<p>  Der selbe Autor, der davon spricht, &#8222;wie er mit der Gewalt begann&#8220; und   dabei fast vor Stolz platzt, erkl&#228;rt, wie er f&#252;r einige Stunden &#8222;direkt   mit der Staatsgewalt konfrontiert&#8220; wurde und wie er dann &#8222;nach Hause&#8220;   schlenderte und sich zur&#252;ck &#8222;in den mich willkommen hei&#223;enden Komfort   von Normalit&#228;t, einem gepflegten Bad und Bett&#8220; fallen l&#228;sst.<\/p>\n<p>  Als Person mag es dem zitierten Autor gelingen, sich aus dem   Klassenkampf zur&#252;ckzuziehen, wenn es ihm passt. Aber die Aufgabe, eine   Massenkampagne zu organisieren, besteht weiterhin. Die NichtzahlerInnen   vor den GerichtsvollzieherInnen zu verteidigen, Lohnzur&#252;ckhaltungen und   andere Repressalien zu verhindern, muss kollektiv organisiert werden.   Unser &#8222;Held&#8220;, der seinen Teil zur Demonstration beigetragen hat, geht   nach Hause, ohne irgendetwas bewegt zu haben.<\/p>\n<p>  Vielleicht ist dieser Held doch nicht so &#8222;heldenhaft&#8220;, wie er meint.   Viele der ACAB-Berichte beschreiben, was die Autoren bei den   Pl&#252;nderungen so alles geklaut haben. Einer schrieb sogar, wie er in ein   Musikgesch&#228;ft ging und den Rolladen herunter riss um dann zu sehen, dass   nichts da war, was er gebrauchen konnte. Ein Anderer hatte etwas mehr   Gl&#252;ck. Er erkl&#228;rt, dass ein Gesch&#228;ft f&#252;r Sonnenbrillen angegriffen wurde   und eine &#163;150 teure Georgio Armani-Brille geklaut wurde, was die   Randalierer &#8222;nicht nur w&#252;tend, sondern auch cool aussehen lie&#223;en&#8220;. Ist   so etwas wirklich Teil des Weges, eine Massenbewegung aufzubauen? Und   wenn ja, wie viele Sonnenbrillen m&#252;ssen eigentlich geklaut werden, damit   die Bewegung gegen die Kopfsteuer die Regierung zu Fall bringt?<\/p>\n<h4>  Zu den wirklichen Traditionen der Arbeiterbewegung<\/h4>\n<p>  An einem Punkt versuchen die Autoren die Ereignisse vom 31. M&#228;rz in eine   &#8222;sehr lange und ehrenhafte Tradition gewaltt&#228;tigen Kampfes gegen den   Staat und die Bosse&#8220; und in ihre Tradition von Unruhen seit 1981 zu   setzen. W&#228;hrend sie dann die Unruhen in Toxteth erw&#228;hnen, vergessen sie   interessanterweise &#8211; neben den Chartisten*, dem Generalstreik 1926, den   Bergarbeiter-Streiks von 1974 und 1984-85 &#8211; den Kampf der Liverpooler   Ratsversammlung von 1983-85.<\/p>\n<p>  M&#246;glicherweise weil ein Vergleich zwischen den tats&#228;chlichen Ergebnissen   der Unruhen in Toxteth mit den erreichten Resultaten des Kampfes in   Liverpool &#8211; mit Militant an der Spitze &#8211; ein vernichtendes Argument   gegen die Idee der Ausschreitung als &#8222;der einzige Weg nach vorne&#8220; w&#228;re.   Die Toxtether Unruhen erreichten f&#252;r die Menschen in Liverpool 500   befristete Sommer-Jobs auf dem Internationalen Garten-Festival. Zu dem   wurden ein paar B&#228;ume in der Umgebung von Toxteth von Michael Heseltine   (dem Tory-Umweltminister) eingepflanzt. Im Gegensatz dazu f&#252;hrte der   Massenkampf organisiert durch den sozialistischen Rat der Stadt   Liverpool zu dem Resultat, dass 5.000 &#246;ffentliche H&#228;user gebaut &#8211; 1.000   davon in der Umgebung von Toxteth &#8211; 1.000 Arbeitspl&#228;tze im Rat gerettet,   1.000 weitere &#246;ffentliche Arbeitspl&#228;tze geschaffen, Auszubildende   &#252;bernommen und mit der Gewerkschaft L&#246;hne und Rechte, Kinderg&#228;rten und   Sportanlagen vereinbart wurden. Der Kampf hierf&#252;r ber&#252;hrte jeden in   Merseyside.<\/p>\n<p>  Die AnarchistInnen vergleichen die M&#228;rz-Unruhen mit dem Generalstreik   von 1926. Der Generalstreik war die gr&#246;&#223;te Bewegung der britischen   Arbeiterklasse, der nur an dem Totalausfall der F&#252;hrer des   Gewerkschaftsbunds scheiterte, die nicht die Entschlossenheit der   ArbeiterInnen voran bringen und mit einer k&#228;mpferische Strategie und   einem Programm bewaffnen wollten.<\/p>\n<p>  Es war ein sehr bewusster Kampf mit Millionen von beteiligten   ArbeiterInnen, deren Aktionskomitees f&#252;r einen bestimmten Zeitraum ganze   St&#228;dte kontrollierten und den Bossen tats&#228;chlich die Macht aus den   H&#228;nden rissen. Es war eine &#228;u&#223;erst disziplinierte Bewegung mit   Arbeiterkomitees, die vom Transport bis zur Kontrolle &#252;ber die   Verteilung von Lebensmitteln alles selber organisierten. Die   Aktionskomitees forderten die ArbeiterInnen nicht auf, die L&#228;den zu   pl&#252;ndern oder untereinander um die beste Beute zu k&#228;mpfen. Sie   organisierten die Versorgung f&#252;r die Massen und in vielen F&#228;llen auch   eigene &#8222;friedlichen Streikposten&#8220;, um sporadische Pl&#252;nderungen zu   stoppen.<\/p>\n<p>  Diese Besonderheit wurde in allen Generalstreiks wiederholt, die   j&#252;ngsten, aber nicht die letzten, waren die sowjetischen Bergleute, die   sich letzten Sommer in Arbeiterkomitees organisiert hatten und mit einem   Alkoholverbot die Disziplin der Bewegung zeigten. Im Gegensatz dazu   scheint der Alkohol f&#252;r unsere anarchistischen Freunde allerdings ein   Problem zu sein. Ein Autor kritisierte einige befreundete   MitstreiterInnen, die so &#8222;blau&#8220; waren, dass sie &#8222;nicht richtig Steine   werfen konnten.&#8220; Diese Ermahnung wird feierlich durch die redaktionelle   Einf&#252;gung des Hinweises &#8222;Praktische Tipps&#8220; f&#252;r Randalierer   unterstrichen, einschlie&#223;lich des Ratschlags: &#8222;Sauft euch bitte nicht so   zu!&#8220; Leider wird sechs Seiten sp&#228;ter dann von einem anderen Autor,   vermutlich einem der Angetrunkenen ein &#8222;magisches Ger&#228;usch von   zerschlagenen Glas&quot; beschrieben, woraufhin &quot;die Alarmanlage losgeht, die   innerhalb von wenigen Minuten wieder ausgeht&quot; und es schlie&#223;lich &#8211; was   f&#252;r eine Freude &#8211; &#8222;Alkohol f&#252;r alle!&#8220; gibt. Das soll eine Fortf&#252;hrung   der Traditionen des Generalstreiks sein?<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich verunglimpfen diese Leute die echten Traditionen des   Anarchismus, der fr&#252;her auch eine Basis in Teilen der Arbeiterklasse   hatte. Im revolution&#228;ren Barcelona der fr&#252;hen Tagen des Spanischen   B&#252;rgerkriegs stellte die anarchistische CNT Einsatzgruppen, um mit   Pl&#252;nderern fertig zu werden. Die Autoren der Kopfsteuer-Unruhen aber   haben sicherlich nichts mit den echten Traditionen des Kampfes der   Arbeiterklasse zu tun.<\/p>\n<p>  Ihre Verachtung f&#252;r die organisierte Gewerkschaftsbewegung offenbart   sich, wenn sie argumentieren, dass &#8222;alle Fotografen, alle TV-Crews, alle   Journalisten legitime Zielscheiben&#8220; sind. Komisch, dass BETA, die   Gewerkschaft von Filmteams, die einzige englische Gewerkschaft ist, die   der Boykottkampagne angeschlossen ist und dass die NUJ einer der wenigen   Gewerkschaften ist, welche den Boykott unterst&#252;tzt. Ist das Steinwerfen   auf Menschen eine wirkliche Methode mit der sie glauben   Gewerkschaftsmitglieder &#252;berreden k&#246;nnen mitzumachen, obwohl diese sich   der Zusammenarbeit mit polizeilichen Ermittlungen zu verweigern   versuchen? In Wirklichkeit ist der Streik von Gewerkschaften der einzige   Weg, um die Pressefreiheit vor gerichtlichen Anordnungen zu verteidigen,   welche Fotogafen anweisen soll ihre Filme bei der Polizei abzugeben.   Aber ein Ziegelstein gegen den Kopf ist viel schneller &#8211; und es braucht   ja auch nur einen &quot;Helden&quot;, der dies tut.<\/p>\n<h4>  Die Reflexion nach der Demonstration<\/h4>\n<p>  Die Autoren zeigen noch gr&#246;&#223;ere Feindseligkeit gegen&#252;ber einer anderen   Methode der organisierten Arbeiterklasse &#8211; dem Reflektieren und offenen   Diskutieren in der (Arbeiter-)Bewegung. Der Vorschlag von Militant, dass   eine gro&#223; angelegte, gemeinsame Diskussion der Widerstandskomitees der   Bewegung zu den Ereignissen organisiert werden sollte, ist f&#252;r die   AnarchistInnen der Beweis, dass Militant &#8222;grunds&#228;tzlich&#8220; gegen die sich   wehrende Arbeiterklasse handelt. Was f&#252;r ein &quot;Beweis&quot; soll das sein?   Einer der f&#252;hrenden Aktivisten der Bewegung gegen die Kopfsteuer, Steve   Nally schlug auf ITN News vor &#8222;unsere eigenen internen Untersuchungen   der Ereignisse zu organisieren, wenn n&#246;tig an die &#214;ffentlichkeit zu   gehen und eingeschleuste Provokateure der Polizei beim Namen zu nennen&#8220;<\/p>\n<p>  Eine Reflexion und breit angelegte Diskussion der Arbeiterbewegung ist   nichts Neues. Denn, wie sonst, um noch einmal die Worte der ACAB-Presse   wiederzugeben, kann &quot;die andere Seite der Geschichte&quot; aufgedeckt werden?   Wie k&#246;nnen Lehren aus den Ereignissen f&#252;r zuk&#252;nftige Demonstrationen   gezogen werden, wie kann man besser ger&#252;stet in die Verhandlungen mit   der Polizei gehen &#8211; au&#223;er durch eine vollst&#228;ndige Bewertung der   Ereignisse vom 31. M&#228;rz in der gesamten Bewegung? Zweifellos gab es   verdeckte Ermittler als Provokateure auf der Demonstration, wie von   einem der Autoren sogar bezeugt. Ganz abgesehen von einigen provokativen   Aktionen der uniformierten Polizei!<\/p>\n<p>  Wie konnten sie unentdeckt der Bewegung eindringen? Wir sollten der   Sache mit den Provokationen nachgehen, wogegen sich die AnarchistInnen   aussprechen. Tun sie das vielleicht deshalb, weil sie Angst haben, dass   die meisten Anti-Kopfsteuer-AktivistInnen ihre Aktionen nicht von denen   der Provokateure unterscheiden k&#246;nnen?<\/p>\n<p>  Das ist der Schl&#252;ssel zu der Sache. Eine Untersuchung m&#252;sste eine   Pr&#252;fung der Perspektiven, Programme, Strategie und Taktik der   verschiedenen politischen Str&#246;mungen innerhalb der   Anti-Kopfsteuer-Bewegung nach sich ziehen und daraus eine Debatte   er&#246;ffnen. Militant w&#228;re zuversichtlich, dass unser politischer Ansatz,   der in der Anti-Kopfsteuer-Kampagne bisher vorherrschte, jeder Pr&#252;fung   standhalten kann. Unsere Strategie und Taktik haben, trotz der   vollst&#228;ndigen Ablehnung der Boykottkampagne durch die offiziellen   F&#252;hrerInnen der Arbeits- und Gewerkschaftsbewegung, die Kampagne soweit   gebracht, an der heute ein Erfolg der Bewegung greifbar ist.<\/p>\n<p>  F&#252;r die Autoren von ACAB sind offene Debatten und Diskussionen   irritierend. W&#228;hrenddessen zeigen sie offen ihre Verachtung f&#252;r die   Disziplin und den demokratischen Aufbau einer organisierten Bewegung.   Ein Autor bezeichnet seine &quot;solidarische&quot; Methode des Debattierens als   &#8222;linken Abschaum zusammenschlagen&#8220;.<\/p>\n<p>  Eine offene Diskussion w&#252;rde sie dazu zwingen ihre Strategie von   Krawallen und Pl&#252;nderungen und einer &quot;Serie von eskalierenden   Konfrontationen mit der Polizei&quot; als den &#8222;einzigen Weg nach vorn&#8220; zu   verteidigen. Eine wirkliche Antwort auf die brennenden Fragen der   Strategie einer Bewegung haben sie nicht.<\/p>\n<p>  *Die Chartisten waren eine politische Reformbewegung in Gro&#223;britannien   Anfang des 19. Jahrhunderts, die u.A. die Zulassung von Gewerkschaften,   Arbeitsverk&#252;rzung und bessere Arbeitsbedingungen sowie eine Ausweitung   des Wahlrechts forderten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Vor 20 Jahren wurde die Kopfsteuer in Gro&#223;britannien verhindert und das<br \/>\n      Ende der Thatcher-Regierung eingel&#228;utet\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90,92],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13646"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13646\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}