{"id":13634,"date":"2010-04-02T00:00:00","date_gmt":"2010-04-01T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13634"},"modified":"2012-05-15T15:01:27","modified_gmt":"2012-05-15T13:01:27","slug":"13634","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/04\/13634\/","title":{"rendered":"Die AKL und der Programmentwurf der LINKEN"},"content":{"rendered":"<p>  Bericht von der Konferenz  der Antikapitalistischen Linke (AKL) in   Neubrandenburg<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  W&#228;hrend sich der Richtungsstreit in der LINKEN kurz vor ihrem Rostocker   Bundesparteitag immer weiter zuspitzt und ihre Regierungsvertreter in   der Debatte &#252;ber das neue Grundsatzprogramm das Nein der Partei zu   Sozial- und Stellenabbau offen in Frage stellen, bleibt der linke   Parteifl&#252;gel eher blass und defensiv.<\/p>\n<h4>  <i>von Heino Berg, G&#246;ttingen<\/i><\/h4>\n<p>  Auch beim Bundestreffen der Antikapitalistischen Linken, das am 26.\/27.3   im mecklenburgischen Neubrandenburg mit knapp 80 TeilnehmerInnen   stattfand, pr&#228;gte zun&#228;chst die Suche nach innerparteilichen Kompromissen   das Bild. Nicht nur den Referenten aus anderen Str&#246;mungen, darunter   Michael Schlecht und Eva Bulling-Schr&#246;ter, die im bayrischen   Landesverband durch die Ausgrenzung von Sozialisten bekannt geworden   ist, fehlte der antikapitalistische &#8222;Biss&#8220;, den die Mitglieder von einer   linken Partei mitten in der Weltwirtschaftskrise eigentlich erwarten   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Auch Thies Gleiss, der erst vor wenigen Wochen die AKL-Spitze wegen   ihrer Unterst&#252;tzung f&#252;r Gesine L&#246;tzsch und Klaus Ernst als   Parteivorsitzende &#246;ffentlich attackiert hatte, &#252;berraschte das Publikum   zun&#228;chst mit der Aufforderung, den neuen Programmentwurf nicht von links   zu kritisieren. Im Publikum, aber auch bei der Abgeordneten Sevim   Dagdelen sowie den beiden Vertretern der SAV auf der Veranstaltung stie&#223;   diese Taktik auf Widerspruch. Der Programmentwurf enthalte zwar richtige   Aussagen zum Grundwiderspruch zwischen Arbeit und Kapital und zur   Notwendigkeit sozialistischer Alternativen, die man gegen das Sperrfeuer   des rechten Parteifl&#252;gels um Ramelow und Barsch verteidigen m&#252;sse. Dies   k&#246;nne aber nicht durch Stillhalten oder gar durch die Zustimmung zu   Halbheiten oder Formelkompromissen erreicht werden. Die Vertreter der   SAV wiesen au&#223;erdem darauf hin, dass sich Sozialisten in der LINKEN   nicht auf eine abstrakt-theoretische Debatte &#252;ber das Grundsatzprogramm   beschr&#228;nken d&#252;rften. Papier sei geduldig &#8211; und die Bev&#246;lkerung w&#252;rde   Parteien, gerade nach den Erfahrungen mit der SPD, die sich in ihrem   Hamburger Programm ja auch auf den Sozialismus beruft, nicht in erster   Linie an ihren programmatischen Versprechungen, sondern an ihrer   politischen Praxis in Regierungen, Parlamenten und auf der Stra&#223;e   beurteilen.<\/p>\n<p>  Im Verlauf der Konferenz und in ihren Arbeitsgruppen wurde an vielen   Punkten &#196;nderungsbedarf zum Programmentwurf festgestellt: Die   Abschlusserkl&#228;rung erw&#228;hnt dazu unter anderem das &#8222;Verbot der   Geheimdienste, das Verbot von Leiharbeit, die Abschaffung der   Residenzpflicht und das generelle Verbot von Massenentlassungen&#8220;.   Au&#223;erdem m&#252;sse ins Programm aufgenommen werden, dass &#8222;deutsches Milit&#228;r   nicht ins Ausland geh&#246;rt&#8220; und dass der Austritt Deutschlands aus der   Nato nicht von Bedingungen, also der Schaffung eines kollektiven   Sicherheitssystems unter Einschluss Russlands&#8220; abh&#228;ngig gemacht werden   d&#252;rfe.<\/p>\n<p>  In der f&#252;r gesellschaftliche &#196;nderungen entscheidenden Eigentumsfrage   sei &#8222;unbedingt die Klarstellung n&#246;tig, dass sich &#246;ffentliches Eigentum   auf alle Gro&#223;betriebe (und nicht nur auf den Finanzsektor und die   Daseinsvorsorge) erstrecken muss&#8220;.<\/p>\n<p>  Auch in der Regierungsfrage verlangt die <a href=\"http:\/\/www.antikapitalistische-linke.de\/article\/227.abschlusserklaerung-der-konferenz-der-antikapitalistischen-linken.html\">Abschlusserkl&#228;rung<\/a>   eine Versch&#228;rfung der Haltelinien, ohne die die AKL &#8222;einem   Parteiprogramm nicht zustimmen&#8220; k&#246;nne, weil dies den &#8222;politischen   Selbstmord der Partei bedeuten w&#252;rde&#8220;. In der endg&#252;ltigen Fassung des   Schlussdokuments wird jetzt nicht nur ein programmatisches Bekenntnis zu   diesen Bedingungen, sondern auch deren &#8222;Einhaltung&#8220; verlangt &#8211; ohne   allerdings die Schlussfolgerung, also den Austritt aus den   Landesregierungen in Berlin und Brandenburg offen auszusprechen.   Erg&#228;nzungsvorschl&#228;ge von SAV-Mitgliedern, in denen dies gefordert wurde,   weil diese Koalitionen mit prokapitalistischen Parteien in   offensichtlichem Widerspruch zum Ausschluss von Personal- und   Sozialabbau stehen, wurden nicht in die Abschlusserkl&#228;rungen aufgenommen.<\/p>\n<p>  Diese mangelnde Konsequenz kennzeichnet auch das taktische Vorgehen der   AKL in der Vorbereitung des Bundesparteitags in Rostock. Dort wird es ja   noch gar nicht um das Parteiprogramm und eventuelle &#196;nderungen daran   gehen. Wenn die AKL und die Sozialistische Linke &#8211; im Gegensatz   beispielsweise zum G&#246;ttinger Kreisverband &#8211; in Rostock auf Antr&#228;ge zur   Regierungsfrage verzichten, bleibt unklar, wie die LINKE als   Gesamtpartei zum Sozial- und Stellenabbau in diesen Landesregierungen   steht. Dies w&#252;rde die Glaubw&#252;rdigkeit der LINKEN und damit auch ihre   Chancen im NRW-Wahlkampf schwer belasten.<\/p>\n<p>  Beim Neubrandenburger AKL-Treffen standen keine Antr&#228;ge f&#252;r Rostock auf   der Tagesordnung &#8211; obwohl in der Einladung mit Hinweis auf die   Antragsfristen das Gegenteil angek&#252;ndigt worden ist. Wenn die   Parteilinke den entscheidenden Konflikten ausweicht bzw. keine   demokratische Entscheidung der Delegierten dar&#252;ber herbeif&#252;hren will, um   die (Personal)Kompromisse in der Parteif&#252;hrung und die Zugest&#228;ndnisse an   AKL-Vertreter wie Sarah Wagenknecht nicht in Frage zu stellen, dann   droht der Regierungsfl&#252;gel die Schlacht um die Zukunft der Partei zu   gewinnen, bevor sie wirklich begonnen hat. Auch der Umstand, dass   ausgerechnet die AKL-Vertreterinnen in der Programmkommission, also   Sarah Wagenknecht und Nele Hirsch, ihre Teilnahme an der   Neubrandenburger Tagung abgesagt hatten, wirft die Frage auf, welche   Haltung sie zu den beschlossenen &#196;nderungsw&#252;nschen f&#252;r das   Parteiprogramm und zur Regierungsfrage einnehmen werden.<\/p>\n<p>  Im &#246;ffentlichen Teil der Brandenburger Tagung wurden die   Meinungsverschiedenheiten innerhalb der AKL, die in der Debatte &#252;ber   ihre Haltung zur neuen Parteif&#252;hrung zum Ausdruck gekommen sind,   weitgehend ausgeblendet. Um der Parteilinken in den bevorstehenden   Auseinandersetzungen &#252;ber das Programm und eine eventuelle   Regierungsbeteiligung in NRW wieder mehr Gewicht zu verschaffen, ist &#8211;   wie es SAV-Mitglieder in ihrem <a href=\"\/?p=13528\">Offenen   Brief an die AKL<\/a> vorgeschlagen haben &#8211; eine str&#246;mungs&#252;bergreifende   Vernetzung aller Linken notwendig, die innerhalb und au&#223;erhalb der   Partei f&#252;r sozialistische Perspektiven und eine klare Oppositionspolitik   eintreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bericht von der Konferenz  der Antikapitalistischen Linke (AKL) in<br \/>\n      Neubrandenburg\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[29],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13634"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13634"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13634\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13634"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13634"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13634"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}