{"id":13632,"date":"2010-03-31T15:00:00","date_gmt":"2010-03-31T15:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13632"},"modified":"2010-03-31T15:00:00","modified_gmt":"2010-03-31T15:00:00","slug":"13632","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/03\/13632\/","title":{"rendered":"Der Terroranschlag von Moskau"},"content":{"rendered":"<p>  F&#252;r Arbeitereinheit gegen Terror, Unterdr&#252;ckung, Rassismus und   Kapitalismus<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &#220;ber 80 Menschen starben bei den Bombenexplosionen in der Moskauer   U-Bahn am 29. M&#228;rz 2010. Der Anschlag f&#252;hrte nicht nur zu einer Trag&#246;die   bei der gr&#246;&#223;tenteils Besch&#228;ftigte, die auf dem Weg zur Arbeit waren,   get&#246;tet wurden. Der Anschlag soll Angst verbreiten und wird   weitreichende soziale und politische Konsequenzen haben.<\/p>\n<h4>  <i>Zusammenfassung eines Artikels von Igor Yasin und Rob Jones aus Moskau<\/i><\/h4>\n<p>  Die Menschen in Moskau sind schockiert und entsetzt. Viele fordern   Rache. Ebenso gibt es zum Beispiel Wut auf Taxifahrer, die ihre Preise   verzehnfachten, um aus der zeitweiligen Schlie&#223;ung der Metro Profit zu   schlagen. Es gibt auch Forderungen, diesen Anschlag nicht zu   &#8216;politisieren&#8217;. Das ist teilweise verst&#228;ndlich. Denn die russischen   Beh&#246;rden und Regierung sind nicht bekannt daf&#252;r, dass sie Verantwortung   &#252;bernehmen, sondern solche Ereignisse schnell dazu nutzen, ihre eigene   Position zu st&#228;rken. Doch, um den Terroranschlag zu verstehen, muss man   die politischen Hintergr&#252;nde verstehen.<\/p>\n<h4>  Wachsendes Chaos<\/h4>\n<p>  Die Wirtschaftskrise f&#252;hrt in Russland zur Zeit zu steigenden Preisen,   Lohnsenkungen und Verz&#246;gerungen bei Lohnauszahlungen. Tausende Menschen   haben begonnen in St&#228;dten wie Archangelsk, Orel und Kaliningrad, trotz   Polizeirepression, zu demonstrieren. Die soziale Basis der Regierung   wird schw&#228;cher, die Regierungspartei hat bei den letzten Wahlen weniger   Stimmen erreicht, als erwartet. Vor diesem Hintergrund werden die   Anschl&#228;ge das Gef&#252;hl, dass die russische Gesellschaft ins Chaos ger&#228;t   verst&#228;rken<\/p>\n<p>  Die Debatten im Internet zur Frage, wer hinter dem Anschlag steckt,   benennen drei m&#246;gliche Optionen: islamische Fundamentalisten,   Rechtsextremisten oder der russische Geheimdienst. Es &#252;berrascht nicht,   dass einige Menschen denken, der Staat k&#246;nnte f&#252;r den Anschlag   verantwortlich sein. Schlie&#223;lich wird allgemein angenommen, dass der   Inlandsgeheimdienst FSB hinter den schrecklichen Anschl&#228;gen in Moskau im   Jahr 1999 steckte. Diese gaben dem Regime damals den Vorwand den zweiten   Krieg gegen Tschetschenien zu beginnen und waren eine Hilfe f&#252;r Putin,   die damaligen Pr&#228;sidentschaftswahlen zu gewinnen.<\/p>\n<p>  Die Videoaufnahmen aus der Metro scheinen aber darauf hinzuweisen, dass   die Anschl&#228;ge in dieser Woche von Selbstmordattent&#228;terinnen ausgef&#252;hrt   wurden. Die Medien gehen davon aus, dass es sich bei ihnen um so   genannte &#8216;schwarze Witwen&#8217; handelte &#8211; Frauen aus dem Nordkaukasus, die   in den brutalen von Russland gef&#252;hrten Kriegen ihre Ehem&#228;nner, S&#246;hne   oder andere Familienmitglieder verloren haben und seitdem von   politischen Islamisten angeworben wurden.<\/p>\n<h4>  Regierung nutzt die Anschl&#228;ge um gegen jede Opposition vorzugehen<\/h4>\n<p>  Wer auch immer hinter den Anschl&#228;gen steckt, sie haben in die H&#228;nde des   russischen Regimes gespielt. Die herrschende Elite verstand es immer   einen S&#252;ndenbock zu schaffen, um von den tats&#228;chlichen Problemen der   Menschen abzulenken, wenn sie sp&#252;rte, dass sie sich auf d&#252;nnem Eis   bewegt.<\/p>\n<p>  Pr&#228;sident Medwedew und Premierminister Putin haben nun versprochen die   Terroristen zu vernichten. Andere Politiker blasen in dasselbe Horn. Der   Vorsitzende der Kommunistischen Partei, Suganow, fordert ein Ende des   Moratoriums auf die Todesstrafe. Der Rechtspopulist Abeltsew fordert die   Konfiszierung des Eigentums von Verwandten der   Selbstmordattent&#228;terinnen. Selbst liberale Politiker, die Opfer   polizeilicher Repression waren, rufen nun zur Zusammenarbeit mit der   Polizei auf. Der F&#252;hrer des Jugendverbandes der Regierungspartei, Boris   Yakimenko, schiebt die Verantwortung f&#252;r die Anschl&#228;ge offen auf die   Opposition und beschuldigt &quot;diejenigen, die Unterst&#252;tzung aus dem   Ausland erhalten, Faschisten, Nationalisten, Menschenrechtsaktivisten   die Stabilit&#228;t des Landes zu untergraben.<\/p>\n<p>  Diese Stellungnahmen zeigen, dass die herrschende Elite versuchen wird   die reaktion&#228;ren Terroristen mit jeder politischer Opposition in einen   Topf zu werfen. Schon jetzt wird eine Kampagne gegen &quot;Extremismus   gef&#252;hrt, die auch gegen Linke und GewerkschafterInnen zielt und   demokratische Rechte insgesamt in Frage stellt. Schon nach dem Massaker   in der Schule von Beslan im Jahr 2004 waren Wahlen zum   Regionalgouverneur abgesagt worden. Nach einem Bombenanschlag auf den   Newski-Express (Zuglinie zwischen Moskau und St. Petersburg) wurden   Gesetzes&#228;nderungen durchgef&#252;hrt, die nun jegliche Verkehrsblockaden zu   einem &#8220;Akt des Extremismus&#8221; machen.<\/p>\n<p>  Die Rechtsextremen versuchen auch den Anschlag auszunutzen und ihren   Terror gegen MigrantInnen zu steigern. Es gibt schon verschiedene   Berichte, dass Menschen aus dem Kaukasus und Frauen mit Kopftuch in der   Moskauer U-Bahn angegriffen wurden.<\/p>\n<p>  Es wird sicherlich auch eine Versch&#228;rfung der Visa-Vergabe geben, aber   es gibt auch schon Forderungen &#8216;israelisches Know-How zu nutzen&#8217; und   eine Mauer zur Isolierung der nordkaukasischen Republiken zu bauen.<\/p>\n<h4>  Der Nordkaukasus &#8211; Gebiet ohne Hoffnung<\/h4>\n<p>  Nach dem Anschlag auf den Newski-Express hat die Regierung schon eine   Verwaltungsreform im Kaukasus durchgef&#252;hrt. Diese ist aber nur Ausdruck   der Tatsache, dass die russische Regierung die Probleme der Region nicht   l&#246;sen kann. Die dort herrschenden schrecklichen sozialen und   wirtschaftlichen Verh&#228;ltnisse und die Sicherheitslage lassen es geradezu   &#252;berraschend erscheinen, dass es nicht mehr Terroranschl&#228;ge in Moskau   gibt.<\/p>\n<p>  Denn die Mehrheit der Bev&#246;lkerung im Nordkaukasus hat Schwierigkeiten   die von der UNO als Armutsgrenze definierten zwei US-Dollar am Tag   zusammen zu kratzen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei zwanzig Prozent, in   Inguschetien sogar bei 56 Prozent. Dies wird durch die aktuelle   Wirtschaftskrise weiter versch&#228;rft.<\/p>\n<p>  In den letzten Monaten wurden Milit&#228;r- und Polizeioperationen im   Nordkaukasus verst&#228;rkt. Es gibt so viele Milit&#228;roperationen,   Explosionen, Razzien, Ermordungen, dass man die Region problemlos als   &#8220;Kriegsgebiet&#8221; bezeichnen kann.<\/p>\n<p>  Vor diesem Hintergrund versch&#228;rfen die versuche des Kreml die nationalen   Konflikte milit&#228;risch zu l&#246;sen die Spannungen nur. Politische Islamisten   finden unter den vielen Menschen, die Familienmitglieder durch russische   Angriffe verloren haben oder in Armut leben m&#252;ssen, viele willige   Rekruten.<\/p>\n<h4>  K&#246;nnen Terroranschl&#228;ge verhindert werden?<\/h4>\n<p>  Selbst diejenigen, die nach st&#228;rkerer Repression rufen, glauben nicht,   dass dies wirken wird. Viele Menschen sagen, dass die Versprechen von   Medwedew und Putin, die Terroristen zu vernichten, ihnen kein Gef&#252;hl von   Sicherheit geben. Tats&#228;chlich liegt der tiefere Grund des Problems nicht   in der Existenz terroristischer Organisationen, sondern in der Existenz   des Kapitalismus, der massenhafte Armut, Verzweiflung und Entw&#252;rdigung   schafft und damit das Gef&#252;hl von Perspektivlosigkeit.<\/p>\n<p>  Nur die Solidarit&#228;t der Arbeiterklasse kann Terror gegen unschuldige   Zivilisten stoppen. Dazu ist gemeinsamer und internationaler Kampf gegen   Armut und f&#252;r demokratische Rechte n&#246;tig und m&#252;ssen Arbeitspl&#228;tze,   angemessene L&#246;hne und menschenw&#252;rdige Wohnungen, Schulen und   Krankenh&#228;user geschaffen werden. Wenn man den t&#246;dlichen Kreislauf von   Unterdr&#252;ckung und Terror beenden will, reicht es nicht ein paar   B&#252;rokraten oder die ganze Regierung auszutauschen. Die sozialen und   wirtschaftlichen Verh&#228;ltnisse m&#252;ssen ge&#228;ndert werden.<\/p>\n<p>  Deshalb ist der effektivste Weg zu einem Ende von Terroranschl&#228;gen der   Kampf f&#252;r ein Ende des Systems, das Gewalt und Terror hervorbringt. Der   kriminelle und parasit&#228;re Kapitalismus muss durch eine demokratische   verwaltete Planwirtschaft auf der Basis von &#246;ffentlichem Eigentum an der   Wirtschaft ersetzt werden. Das w&#252;rde auch das Recht auf Selbstbestimmung   f&#252;r alle Nationalit&#228;ten beinhalten und k&#246;nnte das Ende von Korruption,   Arbeitslosigkeit, Armut und Hierarchien bedeuten, die Gewalt und Terror   hervorbringen.<\/p>\n<h5>  <i>Der urspr&#252;ngliche Artikel erschien am 30. M&#228;rz 2010 auf   www.socialistworld.net<\/i><\/h5>\n<h4>  <\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      F&#252;r Arbeitereinheit gegen Terror, Unterdr&#252;ckung, Rassismus und<br \/>\n      Kapitalismus\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13632"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13632"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13632\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13632"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13632"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}