{"id":13630,"date":"2010-03-30T10:00:00","date_gmt":"2010-03-30T10:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13630"},"modified":"2010-03-30T10:00:00","modified_gmt":"2010-03-30T10:00:00","slug":"13630","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/03\/13630\/","title":{"rendered":"Einsame Nazis in Duisburg"},"content":{"rendered":"<p>  10.000 protestieren im Ruhrgebiet gegen rechte Aufm&#228;rsche<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die von ProNRW\/ProK&#246;ln gro&#223;spurig (wie immer) angek&#252;ndigten Aktionen   gegen die &#8222;Islamisierung&#8220; verliefen kl&#228;glich (wie immer). Die   theatralischen Tarnkappen-Nazis der &#8222;B&#252;rgerbewegung&#8220; brachten lediglich   150 Leute auf die Beine. Auch die rechte Konkurrenz von der NPD   mobilisierte nur 150 Anh&#228;nger nach Duisburg. Auf Seiten der   AntifaschistInnen demonstrierten allein am Sonntag bis zu 10.000 gegen   die rechten Aufm&#228;rsche.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Claus Ludwig, Sozialistischer Stadtrat, Die LINKE.K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Dass die Demos von ProNRW und NPD am Sonntag, den 28.3., &#252;berhaupt in   die N&#228;he der Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh gelangen konnten, ist   Ergebnis des massiven Einsatzes von &#252;ber 2.500 PolizistInnen, die den   Rechten &#8211; zum Teil gewaltsam &#8211; den Weg frei machten. AnwohnerInnen in   Marxloh wurden von der Polizei gehindert, ihre H&#228;user zu verlassen und   mussten mit ansehen, wie die Propagandisten des Rassismus durch ihr   Viertel marschierten. &#8222;Die Polizei erteilte den Bewohnern faktisch   Hausarrest und hinderte sie so daran, ihren Protest zu &#228;u&#223;ern&#8220;, so Azad   Tarhan vom B&#252;ndnis &#8222;Duisburg stellt sich quer&#8220;.<\/p>\n<p>  Direkt zur Moschee vorsto&#223;en konnten die Faschisten am Sonntag nicht.   Diese war von mehreren Tausend AntifaschistInnen und AnwohnerInnen   umstellt. Der Marschweg der NPD musste stark gek&#252;rzt wurden, weil rund   1.000 Nazi-GegnerInnen den Platz besetzt hatten, auf dem die rechte   Kundgebung beginnen sollte. ProNRW konnte erst sp&#228;ter loslegen, da eine   Sitzblockade den Bussen mit den Rechten den Weg zur Kundgebung   versperrte.<\/p>\n<p>  Begonnen hatten die faschistischen Aktionen am Freitag. Eine Kerntruppe   von rund 30 ProNRWlern fuhr von einer &#8222;Mahnwache&#8220; zur n&#228;chsten, jeweils   Einzelne stie&#223;en vor Ort dazu. &#220;berall wurden sie von einer weitaus   gr&#246;&#223;eren Menschenmenge empfangen, in Essen und Oberhausen demonstrieren   jeweils rund 500 Menschen gegen den rechten Wanderzirkus.<\/p>\n<p>  Der Kongress gegen Minarette und Moscheen am Samstag im Horster Schloss   in Gelsenkirchen wurde von Protesten von rund 800 Menschen begleitet,   gegen den samst&#228;glichen NPD-Aufmarsch in Duisburg protestierten &#252;ber   1.000.<\/p>\n<p>  Der Sonntag in Duisburg begann mit einer &#220;berraschung f&#252;r die Polizei.   Rund 200 AntifaschistInnen, viele aus K&#246;ln und D&#252;sseldorf, besetzten die   Warbruckstra&#223;e, ca. 500 Meter von der Moschee entfernt. &#220;ber diese   Stra&#223;e sollte ProNRW marschieren. Auch die Busse der Rechten wollten auf   der Anreise von der Autobahn zur Auftaktkundgebung die Stra&#223;e passieren,   kamen nicht weiter und mussten eine Stunde an der Autobahnausfahrt, in   Sichtweite der Blockade, warten. Leider war es noch recht fr&#252;h und   wenige Leute auf den Beinen. Daher konnte massive Polizeikr&#228;fte die   Blockade umstellen und nach einer Stunde zur R&#228;umung &#252;bergehen.<\/p>\n<p>  Die Polizei warf den BlockiererInnen (darunter auch der Verfasser dieses   Berichtes) einen Versto&#223; gegen das Versammlungsgesetz vor, nahm sie in   Gewahrsam und platzierte sie in den Bussen, die zum Polizeipr&#228;sidium   Essen fuhren. Insgesamt wurden sie bis zu sechs Stunden festgehalten.   Das ist inzwischen Demo-Alltag, so dass sich niemand mehr dar&#252;ber   aufregt. Die Leute sind sogar froh, wenn sie nicht mit Kabelbindern   gefesselt, rumgeschubst und schikaniert werden. Aber es bleibt, auch   wenn die meisten PolizistInnen sich am Sonntag eher locker gaben und   einige ihre Sympathien mit dem antifaschistischen Protest bekundeten,   eine massive Einschr&#228;nkung demokratischer Rechte, wenn man Menschen   wegen einer vermuteten Ordnungswidrigkeit sechs Stunden lang festh&#228;lt,   in eine andere Stadt transportiert, sie in Zellen steckt und ihnen das   Recht verwehrt, an den Demonstrationen dieses Tages teilzunehmen. Das   ist, als w&#252;rde man einen Falschparker den Tag &#252;ber festhalten, weil man   nicht ausschlie&#223;en kann, dass er noch mal ohne Parkschein sein Auto   abstellen wird.<\/p>\n<p>  Rund um den Marschweg der NPD kam es im Verlauf des Sonntags immer   wieder zu Polizeiattacken auf einen linken Demozug, der sich nach der   Blockade des Startpunktes der NPD gebildet hatte und Richtung Moschee   lief.<\/p>\n<p>  Nach dem Auftauchen eines Trupps &#8222;Grauer W&#246;lfe&#8220;, t&#252;rkische Faschisten,   kam es zu Auseinandersetzungen zwischen diesen und linken   Demonstrations-TeilnehmerInnen, die Polizei griff gegen die Linken ein.   Offen ist, warum die Polizei, die den ganzen Stadtteil besetzt hatte,   nicht verhinderte, dass die t&#252;rkischen Faschisten in N&#228;he der Demo   kommen. Konnte oder wollte sie nicht?<\/p>\n<p>  Nach dem Ende der Kundgebung kam es im Duisburger Hauptbahnhof zu   Auseinandersetzungen, in deren Verlauf der Bahnhof f&#252;r eine Stunde   gesperrt wurde. Es waren Gruppen Gruppen von Neonazis unterwegs, die   zuvor an der NPD-Kundgebung teilgenommen hatten. Die Bodyguards der   rheinischen Hitler-Karikatur, Axel Reitz, wollten gerade auf einzelne   AntifaschistInnen losgehen, die auf einem Bahnsteig warteten, als andere   dies entdeckten und sich auch die Polizei in Bewegung setzte.<\/p>\n<p>  &#214;zlem Demirel, Ratsmitglied der LINKE. aus K&#246;ln, entging selbst knapp   der Festnahme und berichtete, dass die PolizistInnen extrem nerv&#246;s und   gewaltbereit waren und komplett unsinnige Festnahme- und Pr&#252;gelaktionen   durchf&#252;hrten. Im Hauptbahnhof wurden mehrere AntifaschistInnen verletzt.<\/p>\n<h4>  Teilerfolg f&#252;r die Proteste<\/h4>\n<p>  &#8222;Es ist nur dem Druck der Menschen auf den Stra&#223;en Marxlohs zu   verdanken, da&#223; die RassistInnen von NPD und pro NRW nicht in den   Stadtteil gelangen konnten und beide Routen gek&#252;rzt werden mussten.&#8220;, so   bilanziert das B&#252;ndnis &#8222;Duisburg stellt sich quer&#8220; die sonnt&#228;glichen   Aktionen. Die Faschisten konnten isoliert werden, trotz eines gro&#223;en   Polizeiaufgebots waren f&#252;r sie nur Kurzstrecken-Aufm&#228;rsche m&#246;glich.   Allerdings konnten, anders als in Dresden im Februar, die Aufm&#228;rsche   nicht komplett verhindert werden. Die Mobilisierung war daf&#252;r nicht gro&#223;   genug. Viele AnwohnerInnen in Marxloh waren durch die massive Pr&#228;senz   der Polizei und deren martialisches Auftreten eingesch&#252;chtert. SPD und   Gr&#252;ne hatten zwar ihre Repr&#228;sentanten geschickt, die sich &#8211; es ist   Wahlkampf! &#8211; medienwirksam in Szene setzen wollten wie SPD-Chef Gabriel,   aber wollten nicht mobilisieren bzw. k&#246;nnen dies schon l&#228;ngst nicht mehr.<\/p>\n<p>  Viele AktvistInnen der Partei Die LINKE. und des Jugendverbandes   linksjugend.solid hatten bei der Vorbereitung und der Durchf&#252;hrung des   Protests stark engagiert und somit einen wichtigen Beitrag f&#252;r die   erfolgreichen Aktionen geleistet. Bei den Demos selbst waren allerdings   nicht sehr viele LINKE.-Mitglieder aktiv, zumindest fielen sie nicht   auf, anders als die kurdischen und t&#252;rkischen Organisationen, die gut   mobilisiert hatten. VertreterInnen des parlamentarisch-reformistischen   Fl&#252;gels der Partei machten im Vorfeld der Demo nicht den Eindruck, als   w&#252;rden sie die Aktionen gegen die Faschisten f&#252;r wichtig halten. Eine   gr&#246;&#223;ere gewerkschaftliche Mobilisierung hatte es anscheinend nicht   gegeben.<\/p>\n<p>  Gegen&#252;ber einer wirklichen Massenmobilisierung von 20.-30.000 h&#228;tte aber   auch die gr&#246;&#223;te Polizeimacht nichts ausrichten k&#246;nnen. Alle Stra&#223;en   w&#228;ren voll gewesen mit Menschen, solch eine Massenaktion h&#228;tte das Klima   ver&#228;ndert und auch vielen Demo-unerfahrenen AnwohnerInnen die Angst vor   der Polizei genommen. Wenn starke Organisationen wie die Gewerkschaften   oder die LINKE. ihre Kraft einsetzen und die arbeitenden Menschen   organisieren, k&#246;nnen die Faschisten gestoppt werden. Es ist zentral,   dass diese Frage in der Linken und der Arbeiterbewegung diskutiert wird.<\/p>\n<h4>  SAV: Direkte Aktion und politische Alternativen<\/h4>\n<p>  SAV-Mitglieder aus NRW waren an allen Tagen im Einsatz. Freitag nahmen   SAV-Mitglieder aus dem Ruhrgebiet am Protest in Essen, am Samstag an der   Demo gegen die NPD in Duisburg teil. Sonntag beteiligten sich K&#246;lner   SAVler an der Stra&#223;enblockade, welche zur Verz&#246;gerung des   ProNRW-Aufmarsches f&#252;hrte. Einige wurden allerdings in Gewahrsam   genommen und konnten nicht an den weiteren Aktionen teilnehmen.   SAV-Mitglieder aus dem Ruhrgebiet waren an der Besetzung des   Auftaktplatzes der NPD beteiligt.<\/p>\n<p>  Die SAV verbindet die aktive Teilnahme an den Aktionen zur Verhinderung   der faschistischen M&#228;rsche mit einem politischen Eingreifen. Es reicht   nicht aus, die Nazis auf der Stra&#223;e zu stoppen &#8211; auch wenn das weiter   wichtig bleibt.<\/p>\n<p>  Die Linke muss klare Alternativen zum kapitalistischen Krisensystem   formulieren. Antifaschismus bleibt hilflos, wenn er sich darauf   beschr&#228;nkt, f&#252;r das friedliche Zusammenleben zu pl&#228;dieren und Rassismus   als unmoralisch abzulehnen. Rassismus spaltet die Lohnabh&#228;ngigen, die   Arbeitslosen, die Jugend. Die Faschisten wollen verhindern, dass wir uns   gemeinsam gegen die Kapitalisten, gegen die soziale Misere wehren. Sie   sind die n&#252;tzlichen Idioten der herrschenden Klasse. N&#246;tig ist daher,   dass die AntifaschistInnen und die Linke radikale, antikapitalistische   Forderungen aufstellen, die das Potenzial haben, die Lohnabh&#228;ngigen und   die Jugend zu vereinen und so den Rassismus zur&#252;ckzudr&#228;ngen.<\/p>\n<p>  Bilder gibts <a href=\"http:\/\/picasaweb.google.com\/claus.ludwig\/BlockadeGegenProNRWFaschistenDuisburg28310#\">hier<\/a>   und <a href=\"http:\/\/sav-ruhr.blogspot.com\/2010\/03\/27283-blockaden-gegen-npd-und-pro-nrw.html\">hier<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      10.000 protestieren im Ruhrgebiet gegen rechte Aufm&#228;rsche\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13630"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13630"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13630\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13630"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13630"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13630"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}