{"id":13626,"date":"2010-04-29T00:00:00","date_gmt":"2010-04-29T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13626"},"modified":"2010-04-29T00:00:00","modified_gmt":"2010-04-29T00:00:00","slug":"13626","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/04\/13626\/","title":{"rendered":"Ein Gesundheitssystem f&#252;r Menschen statt Profite"},"content":{"rendered":"<p>  Nein zur Kopfpauschale, dem &#8222;Hartz IV der Gesundheitspolitik&#8220;<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Mal wieder droht uns eine &#8222;Jahrhundertreform&#8220; im Gesundheitswesen.   Als ob wir davon nicht schon genug in den letzten 20 Jahren gehabt   h&#228;tten. Mal wieder wird klar: Banken und Konzerne bleiben verschont,   Arbeitslose, RentnerInnen und Besch&#228;ftigte sollen mehr bezahlen. Doch   das darf nicht dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass hinter all dem ein Plan   steht: Nach der Beseitigung der Arbeitslosenhilfe soll nun im   Gesundheitswesen das Rad der Geschichte zur&#252;ckgedreht werden. Es geht um   nicht weniger als die Abschaffung fundamentaler Errungenschaften der   Arbeiterbewegung, die gro&#223;en Einfluss auf unsere Lebensqualit&#228;t haben.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Holger Dr&#246;ge, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Bereits im Koalitionsvertrag hatten FDP und Union festgehalten, dass so   genannte &#8222;einkommensunabh&#228;ngige Arbeitnehmerbeitr&#228;ge&#8220; eingef&#252;hrt werden   sollen. Das wurde in der Vergangenheit oft Kopfpauschale genannt. Die   Idee: Egal ob man 1.500 Euro brutto oder 15.000 Euro brutto verdient,   jeder und jede zahlt den gleichen Beitrag. Und der wird richtig teuer!<\/p>\n<p>  Bereits 2003 legte die &#8222;Herzog-Kommission&#8220; dar, wie sich Union und FDP   die Zukunft der Krankenversicherung vorstellen: Privatisierung der   Krankengeldleistungen, Einf&#252;hrung einer Kopfpauschale. Seinerzeit   strebte die Kommission unter Alt-Bundespr&#228;sident Roman Herzog (CDU)   einen Einheitsbeitrag an, der bei 264 Euro pro Monat f&#252;r jede und jeden   liegen sollte. Diese Konzepte werden jetzt wieder ausgepackt. Da lohnt   der Blick auf den eigenen Lohnzettel. 264 Euro damals? Das w&#252;rde heute   fast 300 Euro Beitragsatz bedeuten.<\/p>\n<p>  Aber auch f&#252;r die Pflegeversicherung hatte Schwarz-Gelb schon damals   eigene Vorschl&#228;ge: 52 Euro pro Monat ab 20 Jahren und 66 Euro ab dem 45.   Lebensjahr.<\/p>\n<p>  Der soziale Ausgleich soll &#252;ber Steuern erfolgen. Nur nirgends steht,   dass dieser Ausgleich vollst&#228;ndig sein wird. Warum wollen sie &#252;berhaupt   Geringverdiener durch h&#246;here Beitr&#228;ge belasten, wenn sie angeblich   vorhaben, es ihnen aus Steuermitteln wiederzugeben? Wer zahlt denn   Steuern? Die Unternehmenssteuern wurden jahrelang gesenkt. Gleichzeitig   stiegen die Verbrauchssteuern (zum Beispiel die Mehrwertsteuer) an, die   von der Masse der Bev&#246;lkerung gezahlt werden.<\/p>\n<p>  Der Sozialverband Deutschland bezeichnete 2006 den Gesundheitsfonds der   Gro&#223;en Koalition in einer Erkl&#228;rung als &#8222;v&#246;llig untauglich und   unsozial&#8220;. Mit dem Fonds &#8211; in den die Versicherungsbeitr&#228;ge von   Arbeitgebern und ArbeitnehmerInnen eingehen, um dann als einheitliche   Pr&#228;mie pro Versicherten an jede Krankenkasse weitergegeben zu werden &#8211;   w&#252;rden k&#252;nftige Kostenrisiken einseitig auf die Besch&#228;ftigten abgew&#228;lzt   und ein hoher b&#252;rokratischer Aufwand betrieben. Die SAV schrieb zur   gleichen Zeit im Magazin &#8222;sozialismus.info&#8220; Nr. 4: &#8222;Ist das Fondsmodell   erst einmal eingef&#252;hrt, wird es noch leichter, die Steuerzusch&#252;sse zu   senken (was bereits jetzt geschieht), die prozentualen Beitr&#228;ge zu   senken und im Gegenzug die Kopfpauschalen zu erh&#246;hen.&#8220;<\/p>\n<p>  Genau diese Entwicklung sehen wir jetzt. Erste Krankenkassen haben   bereits von der M&#246;glichkeit Gebrauch gemacht, zus&#228;tzliche Beitr&#228;ge   einzusammeln: Zwischen acht und 37,50 Euro m&#252;ssen dort Versicherte   zahlen (unabh&#228;ngig vom Einkommen). Aktuelle Pl&#228;ne von   Gesundheitsminister Philipp R&#246;sler sehen eine Kopfpauschale von 29 Euro   vor. Das ist der Einstieg in den Ausstieg aus der einkommenabh&#228;ngigen   Finanzierung von Gesundheit. Denn einmal eingef&#252;hrt, wird diese   Pauschale rasch steigen.<\/p>\n<h4>  Kahlschlag und Abzocke<\/h4>\n<p>  Mit der Kopfpauschale will die Regierung von Angela Merkel grundlegend   das Gesundheitssystem umbauen. Zum Vorteil der Bosse, auf Kosten der   Masse. In Zeiten der Weltwirtschaftskrise sind aus Sicht der   Herrschenden die Zahlungen an die Banken und Steuererleichterungen f&#252;r   Konzerne wichtiger als die Gesundheit der Bev&#246;lkerungsmehrheit. Was noch   an Sozialleistungen existiert, soll teurer werden oder nicht mehr f&#252;r   alle verf&#252;gbar sein.<\/p>\n<p>  Das passiert aber nicht nur in Deutschland: In Lettland sollen bis 2013   mehr als die H&#228;lfte aller Krankenh&#228;user geschlossen werden. In   Frankreich droht die Streichung Tausender Stellen im Gesundheitswesen.<\/p>\n<p>  An der Gesundheit wird schon lange gespart: Seit Anfang der neunziger   Jahre wurde ein Zehntel aller Krankenh&#228;user in Deutschland geschlossen,   20 Prozent aller Betten abgebaut. Die durchschnitt-liche Verweildauer   der PatientInnen ist um 30 Prozent zur&#252;ckgegangen. Die Patientenf&#228;lle   sind um 20 Prozent gestiegen. Gleichzeitig wurden weit mehr als 60.000   Arbeitspl&#228;tze abgebaut.<\/p>\n<p>  Der Bundesverband der Verbraucherzentralen sch&#228;tzt die Zahl der   Todesf&#228;lle durch falsche Medikamentenverordnung und -einnahme in   Deutschland auf 5.000 bis 8.000 pro Jahr. &#220;ber 200.000 Menschen kommen   j&#228;hrlich wegen unerw&#252;nschter Nebenwirkungen von Arzneimitteln ins   Krankenhaus.<\/p>\n<h4>  Kostenexplosion?<\/h4>\n<p>  Alle etablierten Parteien argumentieren, dass sie die Kostenexplosion im   Gesundheitswesen zwinge, weitere Leistungsk&#252;rzungen vorzunehmen. Die SAV   lehnt es dagegen ab, dass Fragen von Leben und Tod in Kostenschemata   gezw&#228;ngt werden. Au&#223;erdem beweisen statistische Berechnungen, dass der   Anteil der Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) am   Bruttoinlandsprodukt seit den achtziger Jahren nahezu konstant bei sechs   Prozent liegt.<\/p>\n<p>  Trotzdem ist der durchschnittliche Beitragssatz von 1970 (8,2 Prozent)   bis heute (14,9 Prozent) stark angestiegen. Die tats&#228;chliche Ursache f&#252;r   das Defizit der GKV und die steigenden Beitragss&#228;tze ist die Implosion   der GKV-Einnahmen durch Arbeitsplatzabbau, Ausweitung des   Niedriglohnsektors und Lohnraub. Dies dr&#252;ckt sich zum Beispiel darin   aus, dass die Lohnquote im selben Zeitraum von 74 auf 62 Prozent   gesunken ist.<\/p>\n<h4>  Unsinnige Medikamentenflut<\/h4>\n<p>  Aber es stimmt, das einige Kosten gestiegen sind: 2009 wurden rund 30   Milliarden Euro f&#252;r Medikamente ausgegeben, 1998 waren es noch 17,7   Milliarden Euro. Nur leider sind die Menschen heute nicht ges&#252;nder als   1998.<\/p>\n<p>  &#8222;50.000 Medikamente sind in Deutschland auf dem Markt&#8220;, sagt Peter   Sawicki, der Chef des Instituts f&#252;r Qualit&#228;t und Wirtschaftlichkeit im   Gesundheitswesen (IQWiG). V&#246;llig unsinnig nennt Sawicki diese   Medikamentenflut. &#8222;Man braucht keine 70 verschiedenen Beta-Blocker.&#8220;   Anders als in anderen L&#228;ndern w&#252;rde in Deutschland aber nicht gepr&#252;ft,   ob ein neues Medikament besser ist als ein anderes. &#8222;Es wird nur   gepr&#252;ft, ob es sicher ist und wirkt.&#8220; Dann werde es zugelassen und die   Kassen m&#252;ssten es erstatten &#8211; zu Preisen, die die Hersteller frei   festlegen. Sawicki sch&#228;tzt: &#8222;H&#228;tten wir ein Gesetz, das bestimmt, dass   Pr&#228;parate ohne Zusatznutzen nicht von den Kassen erstattet werden, dann   w&#252;rde die H&#228;lfte der 50.000 Medikamente vom Markt fliegen.&#8220; Also 25.000   Medikamente &#8211; mit denen die Pharmabranche aber Milliarden verdient.<\/p>\n<p>  Auf rund 120.000 niedergelassene &#196;rzte kommen in Deutschland 16.000   Pharmareferenten. T&#228;glich erh&#228;lt die einzelne Arztpraxis   durchschnittlich Besuch von einem Pharmareferenten &#8211; der in der Regel   nichts anderes im Sinn hat, als seine Produkte in den h&#246;chsten T&#246;nen   anzupreisen. Jeder Arzt erh&#228;lt nach Untersuchungen etwa 2,5 Kilogramm   Werbung pro Monat zugesandt.<\/p>\n<p>  Pharmakonzerne verdienen sich dumm und d&#228;mlich. An all diesen M&#228;ngeln   &#228;ndern die Pl&#228;ne von Gesundheitsminister R&#246;sler gar nichts, denn eine   Kosten-Nutzen-Bewertung neuer Medikamente soll weiterhin unterbleiben.   Hinzu kommt: Trotz vieler Versuche, die Kosten f&#252;r Medikamente zu   d&#228;mpfen, hat die Pharmaindustrie immer wieder Auswege gefunden, um die   Kosten erneut in die H&#246;he zu treiben. Die Umsatzrendite der   Pharmabranche betr&#228;gt in Deutschland rund 20 Prozent.<\/p>\n<p>  Kein Wunder, hat doch &#8211; so Wolfgang Becker-Br&#252;ser, Herausgeber der   Zeitschrift &#8222;Arznei-Telegramm&#8220; &#8211; &#8222;der Preis f&#252;r ein Medikament [&#8230;]   nichts mit den Produktions- und Entwicklungskosten zu tun&#8220;. Ein   Beispiel: der Cholesterinsenker Inegy. Laut Ulrich Schwabe, Autor des   Arzneiverordnungs-Reports, hat Inegy keine &#252;berlegene Wirkung, ist aber   13 Mal so teuer wie die Standardtherapie. So konnte der Hersteller 2008   172 Millionen Euro mit diesem Medikament verdienen.<\/p>\n<h4>  L&#246;sung &#8222;Reform&#8220;?<\/h4>\n<p>  Keine &#8222;Gesundheitsreform&#8220; der Vergangenheit diente dazu, die Defizite   der Sozialkassen zu sanieren. Die Sozialkassen sind nicht zuf&#228;llig leer,   sie wurden bewusst zu Gunsten der Kapitalisten geleert. Diese waren es,   die Massenentlassungen durchgef&#252;hrt, L&#246;hne gedr&#252;ckt und Billigjobs   geschaffen haben. Zur &#8222;Belohnung&#8220; werden diese jetzt noch st&#228;rker aus   der parit&#228;tischen Finanzierung der Gesundheitskosten entlassen.<\/p>\n<p>  Was wir jetzt mit Hartz IV und der geplanten &#8222;Gesundheitsreform&#8220;   erleben, ist die Abschaffung der bisherigen Sozialversicherung. Wer   krank, alt oder arbeitslos wird, soll selber zusehen, wie er klar kommt.   Letztlich soll die staatliche Gesundheitsversorgung erst weiter   eingeschr&#228;nkt und dann zerschlagen werden. Ein Prozess, den wir nicht   nur in Deutschland, sondern international beobachten k&#246;nnen. In den USA,   wo der Prozess weiter fortgeschritten ist als hier, sinkt die   Lebenserwartung in den &#228;rmeren Bev&#246;lkerungsschichten erheblich. Daran   wird auch die jetzt dort beschlossene Gesundheitsreform nichts &#228;ndern.<\/p>\n<h4>  Im Kapitalismus kein Ausweg<\/h4>\n<p>  Die Unternehmer wollen die so genannten Lohnnebenkosten senken, die   Krankenhauskonzerne und die privaten Versicherungen wollen neue   Gesch&#228;ftsfelder, die Pharma- und Ger&#228;teindustrie verlangt immer h&#246;here   Kapitalrenditen. Es geht nicht darum, Kranken und Hilfsbed&#252;rftigen zu   helfen. Es geht um Geld, Profit und Macht. Der Patient wird zum Kunden.   Nicht seine Gesundheit interessiert, sondern die Ausbeutung seiner   Krankheit f&#252;r den Profit. Absurderweise wird es &#8222;profitabel&#8220;, wenn ein   Mensch krank wird.<\/p>\n<p>  Die Folge dieser Politik? Bereits heute werden in der Bundesrepublik   mehr als 60 Prozent der Kosten f&#252;r Gesundheit von den Besch&#228;ftigten und   RentnerInnen getragen. Ein armer Mensch stirbt sieben Jahre fr&#252;her, ein   Reicher lebt zw&#246;lf Jahre l&#228;nger als der Durchschnitt. Deutschland ist   ein Land geworden, in dem der Geldbeutel &#252;ber Leben und Tod entscheidet.<\/p>\n<h2>  Der Kapitalismus ist krank &#8211; F&#252;r eine sozialistische Alternative<\/h2>\n<p>  Wer daf&#252;r k&#228;mpfen will, dass Gesundheit keine Ware ist und Menschen   nicht zum Opfer von Arbeitsbedingungen und gesellschaftlichen   Verh&#228;ltnissen werden, muss f&#252;r eine sozialistische Ver&#228;nderung der   Gesellschaft eintreten.<\/p>\n<p>  Eine echte Reform im Interesse der arbeitenden Bev&#246;lkerung m&#252;sste   bedeuten, allen einen kostenlosen Zugang zu allen Gesundheitsleistungen   zu gew&#228;hrleisten. Wir brauchen schlie&#223;lich keinen &#8222;Gesundheitsmarkt&#8220;,   auf dem Gesundheitsleistungen wie Waren gehandelt werden.<\/p>\n<h4>  Gute Gesundheitsversorgung f&#252;r alle &#8211; finanzierbar?<\/h4>\n<p>  Es ist ganz offensichtlich, dass es den Herrschenden &#252;berhaupt nicht um   Gerechtigkeit geht. Ansonsten w&#252;rden sie sofort die   Pflichtversicherungs- sowie die Beitragsbemessungsgrenze und auch die   Privatversicherungen abschaffen, um die Reichen ebenfalls in die   Gesetzliche Krankenversicherung einzahlen zu lassen.<\/p>\n<p>  Ginge es wirklich darum, Kosten zu senken, m&#252;sste man sich die horrenden   Gewinne der Pharmaindustrie vornehmen, ihrer Verschwendung einen Riegel   vorschieben und die Geh&#228;lter der &#252;berbezahlten Manager in Krankenh&#228;usern   und Krankenkassen deutlich reduzieren.<\/p>\n<p>  Die letzten 25 Jahre wurde massiv von unten nach oben umverteilt, die   parit&#228;tische Finanzierung der Gesundheitsversorgung immer st&#228;rker   ausgeh&#246;hlt. Daher brauchen wir unmittelbar eine einseitige Erh&#246;hung der   Krankenkassenbeitr&#228;ge, die nur von den Arbeitgebern bezahlt werden   m&#252;ssen. Im Gegenzug setzt sich die SAV daf&#252;r ein, dass alle   Eigenbeteiligungen und Zuzahlungen gestrichen werden. Die zehn Euro   Eintrittspauschale beim Arzt geh&#246;ren wieder abgeschafft.<\/p>\n<h4>  Gesundheit f&#246;rdern<\/h4>\n<p>  Eine Gesundheitspolitik im Interesse der Mehrheit bedarf einer optimalen   und ganzheitlichen Behandlung aller PatientInnen entsprechend den   medizinischen M&#246;glichkeiten.<\/p>\n<p>  Solange an Krankheiten Geld verdient werden kann, gibt es beim Kapital   kein wirkliches Interesse an der Vermeidung von Krankheiten. Dabei   existiert ein gro&#223;es Potenzial bei der Pr&#228;vention. Eine Forschungsarbeit   der Bundesanstalt f&#252;r Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ermittelte ein   Kostenvolumen f&#252;r die direkte Behandlung von Krankheiten, bedingt durch   k&#246;rperliche Belastungen bei der Arbeit, in H&#246;he von 29 Milliarden Euro   und in Folge von psychischen Belastungen bei der Arbeit in H&#246;he von 27   Milliarden Euro j&#228;hrlich. In L&#228;ndern wie Frankreich und Japan sind die   nachweislich auf Arbeitsbedingungen und mit dem drohenden Verlust des   Arbeitsplatzes zusammenh&#228;ngenden Suizide deutlich angestiegen. Deshalb   ist ein massiver Ausbau von pr&#228;ventiver Gesundheitsversorgung in allen   Bereichen der Gesellschaft &#8211; von der Schule bis zum Arbeitsplatz &#8211;   n&#246;tig. Gleichzeitig sollte der Zustand, dass Millionen zu wenig Arbeit   haben, w&#228;hrend Millionen bei der Arbeit krank werden, durch eine   Arbeitszeitverk&#252;rzung auf 30 Stunden pro Woche bei vollem Lohn- und   Personalausgleich abgestellt werden.<\/p>\n<p>  Aber wir brauchen auch eine bessere Verzahnung der &#228;rztlichen   Versorgung. Die k&#252;nstliche Trennung in ambulante und station&#228;re   Versorgung oder Fach&#228;rzte und Haus&#228;rzte hilft nicht weiter. Wer einmal   ernsthaft krank oder verletzt war, kennt die Folgen: Erst zum Hausarzt   und warten, dann zum Facharzt und wieder warten, dann wieder zum   Hausarzt, dann vielleicht ins Krankenhaus, in die ambulante   Anschlussbehandlung, dann wieder zum Hausarzt und vielleicht muss auch   noch mal der Facharzt ran. Alles verbunden mit M&#252;hen, Zeitaufwand und   Kosten. Und dabei ist noch nicht einmal sicher gestellt, dass alle &#196;rzte   die gleiche Therapie vorschlagen oder dass Untersuchungen nicht doppelt   und dreifach gemacht werden.<\/p>\n<p>  Daher ist die Schaffung von integrierten, staatlichen Gesundheitszentren   (Poliklini-ken) als Angebot f&#252;r die PatientInnen n&#246;tig, um so eine   bessere Zusammenarbeit von &#196;rztInnen, Pflege und TherapeutInnen zu   erreichen. Kostenfrei und fl&#228;chendeckend w&#228;ren sie eine Alternative,   sich im Dschungel der Gesundheitsversorgung nicht zu verirren.<\/p>\n<p>  Dies alles kann nur durch ein massives staatliches Investitionsprogramm   zur Sanierung von Krankenh&#228;usern, zum Aufbau eines Netzes von   Polikliniken, zur Verbesserung und F&#246;rderung der Gesundheitsvorsorge und   Forschung erreicht werden. Ein solches Programm muss durch eine   deutliche Besteuerung von Banken und Konzernen finanziert werden.<\/p>\n<h4>  Aus Krankheiten keinen Profit schlagen<\/h4>\n<p>  Privatisierung, Fallpauschalen und Outsourcing bedrohen die Qualit&#228;t der   Gesundheitsversorgung. Mit den Fallpau-schalen wird der Preis der   Gesundheit eines Menschen genau wie jede andere Ware kalkuliert und   berechnet. Der damit verbundene Wettbewerb f&#252;hrt zu &#220;berversorgung bei   Behandlungen, die sich &#8222;lohnen&#8220; und Unterversorgung bei Behandlungen,<\/p>\n<p>  die sich nicht &#8222;lohnen&#8220;. Lohnend sind immer Entlassungen von   PatientInnen innerhalb eines k&#252;rzeren Behandlungszeitraums, als f&#252;r den   Behandlungspreis berechnet. PatientInnen werden noch schneller durchs   Krankenhaus geschleust und auch entlassen, wenn sie noch nicht geheilt   sind (&#8222;quicker and sicker&#8220;).<\/p>\n<p>  Die bereits eingef&#252;hrten Mittelk&#252;rzungen in den Krankenh&#228;usern m&#252;ssen   zur&#252;ckgenommen werden. Seit 1993 werden die Tariferh&#246;hungen nicht mehr   durch Budgeterh&#246;hungen refinanziert, sondern durch Stellenabbau,   &#220;berstunden und Tarifflucht kompensiert. 150.000 Arbeitspl&#228;tze sind so   in den letzten zehn Jahren in den Krankenh&#228;usern vernichtet worden,   davon 50.000 in der Pflege. Dringend notwendig ist ein Ausbau statt des   Abbaus der Personalversorgung. Alle geplanten Privatisierungsschritte   geh&#246;ren gestoppt. Bereits privatisierte Klinken m&#252;ssen wieder in   &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt werden.<\/p>\n<p>  Wettbewerb zwischen Kassen, Pharmaunternehmen und privaten   Versicherungen geht immer zu Lasten der Versicherten. Daher setzt sich   die SAV f&#252;r die Zusammenf&#252;hrung aller Krankenkassen (auch aller   Privatversicherungen) zu einer einzigen &#246;ffentlichen Krankenkasse bei   Arbeitsplatzgarantie f&#252;r alle Besch&#228;ftigten ein. Dadurch lie&#223;e sich auch   viel Geld sparen. Gleichzeitig w&#228;re es ein erster Schritt hin zur   Umwandlung des Gesundheitswesens &#8211; bei Abschaffung aller   Arbeitnehmerbeitr&#228;ge &#8211; zu einem kostenlosen, staatlichen   Gesundheitswesen. Gesundheit darf nicht vom Geldbeutel abh&#228;ngen, sondern   ist aus unserer Sicht ein unverzichtbares Grundrecht.<\/p>\n<p>  Wir lehnen es ab, dass Besch&#228;ftigte einen Teil ihres Lohnes daf&#252;r   bezahlen m&#252;ssen, ihre Gesundheit zu erhalten. Menschen werden vor allem   krank, da sie arbeiten oder keine Arbeit haben, weil sie in   krankma-chenden Wohnungen leben oder Opfer von Umweltzerst&#246;rung werden.   Alles Ursachen, die sich auf den Kapitalismus zur&#252;ckf&#252;hren lassen. Daher   wollen wir, dass die bezahlen, die von diesen Umst&#228;nden profitieren: die   gro&#223;en Banken und Konzerne. Unmittelbar treten wir daf&#252;r ein, dass die   Unterneh-mervertreter aus den Verwaltungsr&#228;ten der Krankenkassen   entfernt werden. Wir brauchen auch keine &#252;berbezahlten und korrupten   Manager in Krankenh&#228;usern, Gesundheits&#228;mtern, Krankenkassen und   sonstigen Gesundheitseinrichtungen! Die Alternative besteht in der   demokratischen Wahl aller Personen mit Leitungsfunktionen durch die   arbeitende Bev&#246;lkerung. Ein Kontrollrecht und das Recht zur   jederzeitigen Abwahl muss gew&#228;hrleistet sein.<\/p>\n<p>  Zur Abschaffung des Wettbewerbs und des Profitemachens mit der   Gesundheit von Menschen geh&#246;rt auch, dass die Pharma-, Bio-, und   Gentechnikkonzerne sowie die Medizinger&#228;teindustrie in Gemeineigentum &#8211;   unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch gew&#228;hlte   VertreterInnen der arbeitenden Bev&#246;lkerung &#8211; &#252;berf&#252;hrt werden.   Profitorientiertes Wirtschaften hat in der Gesundheitsversorgung nichts   zu suchen.<\/p>\n<p>  Aber es geht nicht nur um eine bessere Gesundheitsversorgung, sondern   auch um die Bek&#228;mpfung von krank machenden Arbeits-, Lebens- und   Umweltbedingungen, von Arbeitslosigkeit und Armut. Der Kampf um eine   optimale Gesundheitsversorgung ist gleichzeitig ein Kampf um Arbeit,   vern&#252;nftige L&#246;hne und Umwelt-, wie Wohnbedingungen f&#252;r alle Menschen.<\/p>\n<p>  Mit der kapitalistischen Wirtschaft l&#228;sst sich dies nicht vereinbaren.   Deshalb muss die Macht der Banken und Konzerne gebrochen,   Gro&#223;unternehmen in &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt und nach den   Bed&#252;rfnissen von Mensch und Umwelt produziert werden. N&#246;tig ist eine   sozialistische Ver&#228;nderung der Gesellschaft. Erst dann k&#246;nnen   Bedingungen entstehen, die Krankheiten vermeiden und optimal heilen.<\/p>\n<h4>  Holger Dr&#246;ge ist ausgebildeter Krankenpfleger und Mitglied der   SAV-Bundesleitung<\/h4>\n<h2>  US-Gesundheitsreform: der gro&#223;e Wurf?<\/h2>\n<p>  Nachdem das Gesetz im US-Kongress beschlossen war, t&#246;nte Pr&#228;sident   Barack Obama: &#8222;Das ist der Wandel!&#8221; Die weitgehend private Organisierung   des Gesundheitswesens in den Vereinigten Staaten wird aber auch in   Zukunft beibehalten werden.<\/p>\n<p>  Private Versicherungskonzerne bekommen Millionen neue Kunden, teilweise   durch Steuererleichterungen finanziert. Darunter viele bisher   unversicherte Senioren. &#8222;Die brauchen Arzneien &#8211; ein neuer   Milliardenmarkt&#8220;, so SPIEGEL Online in seinem Artikel &#8222;Obamas   Gesundheits-Kompromiss verschont die Pharmaindustrie&#8220; vom 22. M&#228;rz.<\/p>\n<p>  Kein Wunder, dass die Aktienkurse der Pharmariesen in die H&#246;he   schnellten, als das Gesetz im Kongress unter Dach und Fach war. Die   Pharmaindustrie hatte in den letzten Monaten sogar viel Geld locker   gemacht, um f&#252;r Obamas &#8220;Reform&#8221; zu werben. Dar&#252;ber hinaus werden nach   der Umsetzung des Projektes &#252;ber zehn Millionen Menschen in den USA   weiterhin ohne Krankenversicherung bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nein zur Kopfpauschale, dem &#8222;Hartz IV der Gesundheitspolitik&#8220;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[111],"tags":[224],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13626"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13626"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13626\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13626"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13626"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13626"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}