{"id":13613,"date":"2010-04-24T00:00:00","date_gmt":"2010-04-24T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13613"},"modified":"2010-04-24T00:00:00","modified_gmt":"2010-04-24T00:00:00","slug":"13613","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/04\/13613\/","title":{"rendered":"Klimacasino schlie&#223;en!"},"content":{"rendered":"<p>  Mit Hilfe des Marktes?<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Hintergrund: Bonner Klimagipfel im Juni 2010<\/h4>\n<p>  Der Weltklimagipfel in Kopenhagen im Dezember letzten Jahres vereinbarte   das Ziel, den Anstieg der Erderw&#228;rmung auf zwei Grad zu begrenzen.   Selbst dann w&#252;rden, so die Weltbank, neue und turbulentere   Wetterbedingungen die Folge sein. Schon bei 1,5 Grad Erw&#228;rmung der   Atmosph&#228;re w&#228;ren viele Arten und Lebensr&#228;ume direkt bedroht.<\/p>\n<p>  Aber nicht einmal auf die angestrebte Beschr&#228;nkung der   Temperaturerh&#246;hung k&#246;nnen sich die Herrschenden verbindlich festlegen,   geschweige denn konkrete Ma&#223;nahmen zur Reduzierung des   Kohlendioxidaussto&#223;es in die Wege leiten. Der Klimagipfel der Vereinten   Nationen in Kopenhagen war nichts als hei&#223;e Luft. Sogar das Wall Street   Journal konstatierte, dass die Zusammenkunft endete, wie sie begann,   nicht zuletzt weil China und die USA &#8222;nicht ihre globale   Wettbewerbsf&#228;higkeit dem Wohle der Umwelt opfern wollen, erst Recht   nicht w&#228;hrend einer Rezession.&#8220; Nach Ablauf der beim Gipfel gesetzten   Frist zur Meldung der Ziele beziehungsweise Aktionspl&#228;ne erkl&#228;rten nur   56 von 194 Unterzeichnerstaaten der UN-Klimarahmenkonvention ihre   Unterst&#252;tzung zum so genannten &#8222;Copenhagen Accord&#8220;. 36 Industriestaaten   stellten konkrete Klimagasreduktionen in Aussicht. &#8222;Dabei wiederholten   fast alle lediglich Ank&#252;ndigungen, die sie schon vor Kopenhagen gemacht   hatten&#8220;, so der Bund f&#252;r Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am 2.   Februar.<\/p>\n<p>  Der n&#228;chste Klimagipfel steht uns im Juni ins Haus &#8211; dieser findet in   Bonn statt. Diesen Termin m&#252;ssen wir uns im Kalender rot markieren.   Nicht um die Worth&#252;lsen und die grinsenden Regierungsvertreter auf den   Pressefotos vom Bonner Hofgarten oder sonstwo abzuwarten. Nein, um an   die internationale Gro&#223;demonstration von 100.000 Menschen in Kopenhagen   anzukn&#252;pfen und den Widerstand gegen die Klimakiller zu intensivieren.<\/p>\n<h4>  pro<\/h4>\n<h4>  Simon Kuchinke, Erfurt, Mitglied im Bundesvorstand der Gr&#252;nen Jugend<\/h4>\n<p>  Wir stecken mittendrin, im Klimawandel. Das zeigten j&#252;ngst die Bilder   aus Haiti. Unsere Umwelt wird ausgebeutet, wir verweigern uns unserer   &#246;kologischen Verantwortung. Hier gilt leider das Prinzip: &#8222;Die   Wirtschaft befriedigt Bed&#252;rfnisse auf Kosten der Umwelt.&#8220; Unternehmungen   gegen dieses skandal&#246;se Verhalten scheitern, denn die Umwelt hat zu   wenig Lobby.<\/p>\n<p>  Auch der Verbraucher merkt beim Kauf eines Produkts zun&#228;chst nicht, dass   er f&#252;r die Umweltsch&#228;den aufkommen muss. Was tun, wenn sich der   Schuldige nicht findet? &#8211; V&#228;terchen Staat &#252;bernimmt die Kosten. Diese   schleichende Ungerechtigkeit muss beendet werden. Unternehmen m&#252;ssen   haftbar und f&#252;r die von ihnen verursachte Umweltverschmutzung zur   Verantwortung gezogen werden.<\/p>\n<p>  Wir leben im Hier und Jetzt und trotzdem m&#252;ssen wir vorausschauen, damit   auch f&#252;r zuk&#252;nftige Generationen das Leben auf unserem Planeten noch   m&#246;glich ist. Das funktioniert nur mit einem nachhaltigen Umgang mit   unseren Ressourcen, denn die sind endlich. Der Staat muss handeln und   das blinde Wachstum stoppen.<\/p>\n<p>  Das Zeitalter der erneuerbaren Energien hat l&#228;ngst begonnen. Die   Konzepte f&#252;r die Nutzung von Wind, Wasser, Sonne, Biomasse und   Geothermie liegen auf dem Tisch. Wir k&#246;nnten statt heute zehn Prozent   bis 2050 sogar 100 Prozent unseres gesamten Energiebedarfs mit diesen   Energien decken. Zum Beispiel in der Solarwirtschaft arbeiten heute   schon mehr Menschen als in der Erd&#246;l-, Erdgas- und Kohleindustrie.<\/p>\n<p>  Aber, was nutzt ein riesengro&#223;er Staudamm in China oder ein gigantischer   Windpark in der Sahara? Erneuerbare Energien m&#252;ssen dezentral zum   Einsatz kommen. Nur das st&#228;rkt l&#228;ndliche Regionen, schafft neue   Arbeitspl&#228;tze und f&#246;rdert zudem kommunale Strukturen.<\/p>\n<p>  Das Credo der Marktwirtschaft ist freier Wettbewerb, dieser ist jedoch   bei einem Blick auf den Strommarkt nicht vorhanden. Es ist ein Skandal,   dass RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall nicht nur 80 Prozent unseres Stromes   erzeugen, sondern dass sie zudem auch noch 100 Prozent des gesamten   deutschen Stromnetzes besitzen. Dieses Oligopol muss zerschlagen werden.   Die Netze geh&#246;ren in &#246;ffentliche Hand, damit auch kleine und &#246;kologisch   orientierte Stromanbieter die Chance bekommen, ihren Strom zu fairen   Preisen anzubieten.<\/p>\n<p>  Ein n&#228;chster Schritt ist ein Stopp f&#252;r den Bau neuer Kohlekraftwerke und   das Vorantreiben des Ausstiegs aus der Atomkraft, denn die St&#246;rf&#228;lle in   den Atomkraftwerken der letzten Jahre und die unbeantwortete Frage eines   sicheren Endlagers sind &#8222;strahlende&#8220; Beispiele daf&#252;r, dass das atomare   Zeitalter vor&#252;ber ist. Dazu geh&#246;rt auch, dass der Lobbyverein, das   Deutsche Atomforum (DAtF), endlich abgeschafft werden muss.<\/p>\n<p>  Obwohl das Problem des Klimawandels nur global wirklich bek&#228;mpft werden   k&#246;nnte, waren die Staats- und Regierungschefs handlungsunf&#228;hig auf dem   Klimagipfel der Vereinten Nationen im Dezember in Kopenhagen.   Stattdessen bildeten sie eine Pokerrunde, auf der ums Klima gespielt   wurde. Das Gekl&#252;ngel der Industriel&#228;nder geht zu Lasten der Kleinen, der   nicht industrialisierten L&#228;nder, die am st&#228;rksten betroffen sind. Und   denen dennoch das Geld fehlt, um dem Klimawandel so zu begegnen, dass   sie nicht absaufen.<\/p>\n<p>  Millionen Menschen werden in den n&#228;chsten Jahren zu Klimafl&#252;chtlingen   und die Verantwortung f&#252;r diese Menschen mag keiner &#252;bernehmen. Das nur,   damit wir weiterhin mit unserer &#220;berproduktion 6,6 Millionen Tonnen   Kohlenstoffdioxid produzieren k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Dabei gibt es nur diese eine Welt, die wir bewahren m&#252;ss(t)en.<\/p>\n<h4>  contra<\/h4>\n<h4>  Stefanie Berkemeyer, Dortmund, SAV-Mitglied<\/h4>\n<p>  Das Problem der Umweltzerst&#246;rung kann &#8211; ebenso wie Armut und Hunger &#8211;   nur global gel&#246;st werden. Die Zeit wird knapp. Die Vertreter des Marktes   werden uns dabei nicht helfen. Alles Gerede der Herrschenden von   sicherer und &#246;kologischer Energieerzeugung zeigt keine Wirkung.<\/p>\n<p>  Wir haben zum Beispiel erlebt, dass es seit Jahren Diskussionen &#252;ber den   Atomausstieg gibt. Rot-Gr&#252;n schreckte jedoch davor zur&#252;ck, sich mit der   Atomindustrie anzulegen. Auch alle Klimaschutz-Abkommen &#8211; wie das von   Rio 1992, das Kyoto-Protokoll 1997 oder der Klimagipfel in Kopenhagen   2009 &#8211; helfen nicht, um den absoluten Klimakollaps zu verhindern. Im   Gegenteil: Der weltweite CO2-Aussto&#223; ist stetig gestiegen, W&#228;lder wurden   gerodet, Ozeane &#252;berfischt und verschmutzt.<\/p>\n<p>  Eine Umstellung auf eine &#246;kologische Energieproduktion w&#228;re bereits   heute m&#246;glich. N&#246;tig w&#228;re es, vorhandene und neue Technologien zu   optimieren und effizient zu nutzen: Geothermie, die Kraft aus Ebbe und   Flut, Solarenergie, Photovoltaik, Bioenergie und Windkraft. Anstatt in   R&#252;stung zu investieren und r&#252;ckst&#228;ndige Technologien beizubehalten,   k&#246;nnte ein Mix aus verschiedenen &#246;kologischen Energiequellen in unser   Netz flie&#223;en. Der Stromverbrauch der gesamten Menschheit k&#246;nnte gedeckt   werden, wenn je nach den gegebenen geografischen und klimatischen   Bedingungen weltweit regenerative Energiequellen und alle   Einsparpotenziale genutzt w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Die Umsetzung solcher Technologien verlangt jedoch massive   Investitionen, zu deren T&#228;tigung die einzelnen privaten Unternehmer   nicht bereit sind. Wir k&#246;nnen nicht warten, bis einzelne Technologien   f&#252;r die Banken und Konzerne profitabel werden (was aus ihrer Sicht der   einzige Grund w&#228;re, zu investieren), w&#228;hrend die Umweltzerst&#246;rung weiter   voranschreitet. Umweltschutz &#8222;lohnt sich nicht&#8220; &#8211; zumindest finanziell.   Investitionen werden im Kapitalismus immer nur dort get&#228;tigt, wo sie &#8211;   kurzfristig &#8211; gewinnbringend erscheinen. Im Rahmen des Marktes wird das   Kurzfristige dem Langfristigen vorgezogen. Indirekte Folgekosten werden   ignoriert.<\/p>\n<p>  Der Emissionshandel zeigt, wie fatal marktwirtschaftliche Umweltpolitik   ist. Emittenten bekommen eine bestimmte Menge Emissionen als Zertifikate   gutgeschrieben. Erstens darf man also weiter Dreck machen. Zweitens darf   man damit handeln &#8211; was auch der Spekulation Vorschub leistet. Drittens   geben auch hier (wie generell in der Konkurrenzwirtschaft) immer die   Gro&#223;en den Ton an: So erreichten es klimasch&#228;dliche Kohlekraftwerke,   besonders viele Zertifikate zugesprochen zu bekommen.<\/p>\n<p>  Umweltschutz kann nicht funktionieren, solange die Profite privater,   miteinander konkurrierender Konzerne im Vordergrund stehen.   Nachhaltigkeit, &#246;kologisches Denken oder gar Handeln wird es so nicht   geben.<\/p>\n<p>  Deshalb wird die Umweltkatastrophe innerhalb des Kapitalismus nicht   aufzuhalten sein. Der Kampf dagegen kann nur auf Basis eines   Wirtschaftssystems gelingen, das die Ressourcen der Erde schont und die   Bed&#252;rfnisse aller Menschen befriedigt. Ein solches System setzt voraus,   dass die Macht der Konzerne gebrochen wurde &#8211; die Multis also in   &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt worden sind. Bei demokratischer   Kontrolle und Verwaltung durch Belegschaften, arbeitende Bev&#246;lkerung,   VerbraucherInnen und Umweltverb&#228;nden. Die brutale Konkurrenz muss durch   eine demokratisch geplante Wirtschaft ersetzt &#8211; und vor allem   international organisiert &#8211; werden.<\/p>\n<p>  Um Erderw&#228;rmung, Verw&#252;stung und Raubbau aufzuhalten, k&#246;nnen wir keinen   Tag l&#228;nger auf den &#8222;freien Markt&#8220;, die Kapitalisten und ihre Politiker   vertrauen. Es kommt auf uns an!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Mit Hilfe des Marktes?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[119],"tags":[263,224],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13613"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13613"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13613\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13613"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13613"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13613"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}