{"id":13604,"date":"2010-03-26T00:02:00","date_gmt":"2010-03-25T23:02:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13604"},"modified":"2012-05-15T15:01:41","modified_gmt":"2012-05-15T13:01:41","slug":"13604","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/03\/13604\/","title":{"rendered":"Ein Schritt vorw&#228;rts &#8230; nach vielen Schritten r&#252;ckw&#228;rts"},"content":{"rendered":"<p>  Ein erster Kommentar zum Entwurf f&#252;r ein Parteiprogramm der Partei DIE   LINKE<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Der Programmentwurf ist da. Und nicht nur die b&#252;rgerlichen Medien und   Vertreter der prokapitalistischen Parteien lassen an ihm kein gutes   Haar, auch f&#252;hrende Repr&#228;sentanten des rechten Parteifl&#252;gels, unter   anderem Bodo Ramelow, Klaus Lederer und Dietmar Bartsch, kritisieren den   Entwurf und betonen, dass er ge&#228;ndert werden m&#252;sse.<\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Tats&#228;chlich ist der Entwurf im Vergleich zu den programmatischen   Eckpunkten, dem bisherigen Grundsatzdokument der Partei, ein Schritt   nach links. Das bedeutet nicht, dass der Text von sozialistischer und   marxistischer Perspektive nicht zu kritisieren sei. Aber er gibt linke   Antworten auf einige Fragen, die in den Eckpunkten noch offen gehalten   wurden.<\/p>\n<p>  Der Programmentwurf bekennt sich eindeutig zum &quot;demokratischen   Sozialismus&quot; als einer Gesellschaftsform. Er benennt den Kapitalismus   als Ursache der derzeitigen gr&#246;&#223;ten Wirtschaftskrise seit 1929, fordert   eine Ver&#228;nderung der Macht- und Eigentumsverh&#228;ltnisse, distanziert sich   vom Stalinismus (jedoch ohne eine klare Analyse des Begriffs   vorzunehmen) und stellt auch viele wichtige Forderungen auf, wie die   Verstaatlichung der Banken, &#220;berwindung kapitalistischen Eigentums bei   strukturbestimmenden Gro&#223;betrieben der Wirtschaft, Arbeitszeitverk&#252;rzung   bei vollem Lohnausgleich, Weg mit Hartz IV, Generalstreik &#8211; ohne die   eine linke Partei diesen Namen nicht verdienen w&#252;rde..<\/p>\n<h4>  Regierungsfrage<\/h4>\n<p>  Der Text fordert Glaubw&#252;rdigkeit der Partei, betont die Bedeutung   au&#223;erparlamentarischer Arbeit und stellt Bedingungen f&#252;r die Beteiligung   an Regierungen auf. Hierzu hei&#223;t es: &#8222;Regierungsbeteiligungen der LINKEN   sind nur dann sinnvoll, wenn sie reale Verbesserungen und eine Abkehr   vom neoliberalen Politikmodell durchsetzen sowie einen   sozial-&#246;kologischen Richtungswechsel einleiten. (&#8230;) DIE LINKE strebt nur   dann eine Regierungsbeteiligung an, wenn wir hierdurch eine Verbesserung   der Lebensbedingungen der Menschen erreichen k&#246;nnen. Sie wird sich an   keiner Regierung beteiligen, die Privatisierungen vornimmt, Sozial- oder   Arbeitsplatzabbau betreibt. Dar&#252;ber hinaus wird sich DIE LINKE auf   Bundesebene nicht an einer Regierung beteiligen, die Krieg f&#252;hrt und   Kampfeins&#228;tze der Bundeswehr im Ausland zul&#228;sst, die Aufr&#252;stung und   Militarisierung vorantreibt.&#8220;<\/p>\n<p>  Wird das Programm mit dieser Positionierung zur Regierungsbeteiligung   angenommen, m&#252;ssten die Landesverb&#228;nde Berlin und Brandenburg aus den   Koalitionen mit der SPD austreten oder wegen Bruch des Parteiprogramms   vor die Bundesschiedskommission zitiert werden. Zweifellos wird der   rechte Parteifl&#252;gel deshalb Himmel und H&#246;lle in Bewegung setzen, um das   Programm an dieser und anderen Stellen zu &quot;entsch&#228;rfen&quot;. Das muss   verhindert werden. Der Kampf zur Verteidigung von allen   antikapitalistischen Aussagen im Programmentwurf darf die Linken in der   LINKE aber nicht davon abhalten, den Entwurf einer genauen Kritik von   links und aus marxistischer Perspektive zu unterziehen und auf seine   vielen Unzul&#228;nglichkeiten hinzuweisen und Alternativen zu formulieren.   In diesem Sinne sollte eine intensive Programmdebatte gef&#252;hrt werden,   mit dem Ziel die gesamte Mitgliedschaft einzubeziehen und daraus eine   Debatte &#252;ber die zentrale Fragestellung f&#252;r eine sozialistische Partei   zu machen: wie kann der Kapitalismus abgeschafft und Sozialismus   erreicht werden?<\/p>\n<h4>  Welche Produktionsweise?<\/h4>\n<p>  Diese Frage wird durch das Parteiprogramm nicht beantwortet, weil es   letztlich eine klassische Trennung in ein Minimal- und ein   Maximalprogramm vornimmt. Als Zukunftsziel wird der demokratische   Sozialismus benannt, aber dann werden &quot;linke Reformprojekte&quot;   beschrieben, die nicht als Br&#252;cke zur sozialistischen Ver&#228;nderung der   Gesellschaft verstanden werden, sondern im Rahmen des Kapitalismus   bleiben, statt diesen zu sprengen.<\/p>\n<p>  Der Verzicht auf die Forderung nach Verstaatlichung aller Konzerne und   auch solcher Unternehmen, die Massenentlassungen ( ob insolvenzbedingt   oder nicht) vornehmen wollen zeigt diese systemimmanente   Selbstbeschr&#228;nkung des Programms. Selbst das Vetorecht von Belegschaften   gegen Betriebsschlie&#223;ungen soll nur gelten, wenn die Unternehmen nicht   von Insolvenz gef&#228;hrdet sind &#8211; also doch Akzeptanz der Folgen der   kapitalistischen Krise statt Verteidigung aller Arbeitspl&#228;tze durch   staatliches Eingreifen und einen daraus resultierenden Umbau der   Wirtschaft. Darin spiegelt sich wider, dass zwar viel von Kapitalismus   und Sozialismus die Rede ist, aber letztlich nicht genau dargelegt wird,   was darunter verstanden wird. Der kapitalistischen Produktionsweise &#8211;   auf Privateigentum an Produktionsmitteln und Marktkonkurrenz basierend   und profitgetrieben &#8211; wird keine sozialistische Produktionsweise   entgegen gestellt. Stattdessen werden Forderungen nach   Mitarbeiterbeteiligung aufgestellt, die an der profitgesteuerten   Produktionsweise nichts &#228;ndern.<\/p>\n<h4>  Paradoxe Entwicklung der Partei<\/h4>\n<p>  Jedoch wei&#223; jeder und jede, dass Papier geduldig ist und linke,   reformistische Parteien in der Geschichte der Arbeiterbewegung oftmals   radikale Inhalte in ihre Parteiprogramme geschrieben haben, w&#228;hrend die   praktische Politik aber ganz anders aussah. Das ist in der Partei DIE   LINKE schon der Fall, bevor das Programm &#252;berhaupt verabschiedet ist.<\/p>\n<p>  Genau das l&#228;sst die Lage der Partei so paradox erscheinen. Denn der   Programmentwurf, der inhaltlich einen Schritt nach links bedeutet,   korrespondiert nicht mit der realen Entwicklungsrichtung der Partei in   den letzten ein, zwei Jahren. Die Partei ist nicht &quot;sozialistischer&quot;,   k&#228;mpferischer, au&#223;erparlamentarisch orientierter, kritischer geworden.   Im Gegenteil: neben der Regierungskoalition mit der SPD in Brandenburg,   die zum Abbau von tausenden Arbeitspl&#228;tzen im &#246;ffentlichen Dienst f&#252;hrt   und der Fortsetzung des so genannten rot-roten Senats, der erst k&#252;rzlich   wieder die Besch&#228;ftigten des Landes Berlin in einen katastrophalen   Tarifabschluss aufdr&#252;ckte, war die Partei auch in Th&#252;ringen und im   Saarland zum Eintritt in Landesregierungen mit pro-kapitalistischen   Sozialabbau-Parteien bereit, stimmt in einer Kommune nach der anderen   Haushalten mit K&#252;rzungscharakter zu und bereitet sich in NRW gerade auf   eine Regierungsbeteiligung mit SPD und Gr&#252;nen vor. Gleichzeitig ist die   Beteiligung an au&#223;erparlamentarischen Bewegungen oftmals alibi-m&#228;&#223;ig und   ganz sicher nicht der Schwerpunkt der Parteit&#228;tigkeit. Hinzu kommt ein   Vorschlag f&#252;r eine neue Parteif&#252;hrung, in der der rechte Parteifl&#252;gel   gest&#228;rkt w&#252;rde und mit Gesine L&#246;tzsch und Klaus Ernst zwei Personen die   Parteispitze &#252;bernehmen sollen, die gerade nicht f&#252;r die linkeren   Inhalte des Programmentwurfs stehen. L&#246;tzsch hat als f&#252;hrendes Mitglied   des Berliner Landesverbandes acht Jahre rot-roten Senat   mitzuverantworten, Ernst ist als B&#252;rokrat bekannt, der kritische Linke   ausgrenzt.<\/p>\n<p>  Die Gefahr besteht darin, dass die Programmdebatte in einer abstrakten   Form gef&#252;hrt wird und nichts mit der realen Politik und Entwicklung der   Partei zu tun hat. Sie muss deshalb verzahnt werden mit der Debatte um   die aktuelle Ausrichtung der Parteipolitik, ihre praktischen Aktivit&#228;ten   und ihr Verhalten in Parlamenten und Regierungen. Die erste Nagelprobe   steht in Nordrhein-Westfalen an. Hier muss verhindert werden, dass sich   DIE LINKE den Hartz IV-Parteien SPD und Gr&#252;nen anbiedert und eine   Regierungskoalition mit ihnen bildet. Abwahl von R&#252;ttgers und Zustimmung   zu Gesetzesinitiativen im Interesse der Bev&#246;lkerungsmehrheit, wie die   Abschaffung von Studiengeb&#252;hren &#8211; ja; Bildung einer Regierungskoalition   oder einer Tolerierung (im Sinne eines Tolerierungsvertrags, der die   Partei an die Unterst&#252;tzung der Regierung verpflichtet), die   zwangsl&#228;ufig zu Beteiligung an Ma&#223;nahmen zur Verschlechterung der   Lebenssituation der Bev&#246;lkerungsmehrheit f&#252;hren w&#252;rde &#8211; nein!<\/p>\n<h5>  <i>Eine ausf&#252;hrliche Analyse des Programmentwurfs wird in der n&#228;chsten   Ausgabe des Magazins sozialismus.info am 1. Mai erscheinen. <\/i><\/h5>\n<h5>  <i>Sascha Stanicic ist Bundessprecher der SAV.<\/i><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ein erster Kommentar zum Entwurf f&#252;r ein Parteiprogramm der Partei DIE<br \/>\n      LINKE\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,29],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13604"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13604"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13604\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13604"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13604"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13604"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}