{"id":13594,"date":"2010-03-14T00:00:00","date_gmt":"2010-03-14T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13594"},"modified":"2010-03-14T00:00:00","modified_gmt":"2010-03-14T00:00:00","slug":"13594","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/03\/13594\/","title":{"rendered":"Teure Schlitten und billige Arbeitskr&#228;fte"},"content":{"rendered":"<p>  Wie die Berliner Sozialarbeit zur Gelddruckmaschine wird<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Vor wenigen Wochen gab es in Berlin einen Aufschrei wegen eines rund   100.000 Euro teures Dienstauto &#8211; einem Maserati Quattroporte. Besitzer:   Die gemeinn&#252;tzige Treberhilfe. Ihre Aufgabe: Unterbringung von Berliner   Wohnungslosen. Kosten: mehrere Millionen Euro Zusch&#252;sse j&#228;hrlich vom   Land Berlin. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Anne Engelhardt und Krischan Friesecke, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Im Fuhrpark der Treberhilfe stand bis vor wenigen Tagen ein Maserati   Quattroporte. Der Wagen diente dem Chef der Treberhilfe als Dienstwagen   inklusive Chauffeur. Mehrere BMW, sind immer noch Teil des Fuhrparks,   eine Villa in Caputh mit Blick auf den See &#8211; ebenfalls Eigentum der   Treberhilfe, soll als Schulungszentrum dienen, war aber gleichzeitig zum   Zweitwohnsitz des Gesch&#228;ftsf&#252;hrers geworden.<\/p>\n<h4>  Luxusg&#252;ter auf Kosten der Besch&#228;ftigten<\/h4>\n<p>  Der Reichtum wurde durch die Besch&#228;ftigten der Treberhilfe finanziert.   So wurden L&#246;hne weit unter Tarif gezahlt, so dass KollegInnen der   Treberhilfe zum Teil ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken mussten. Die   Treberhilfe erhielt &#246;ffentliche Gelder f&#252;r ein bestimmtes Pensum,   bezahlte den KollegInnen aber nur die H&#228;lfte der Arbeitsstunden, f&#252;r die   sie Geld bekam. Klar, dass man so Profit machen kann.<\/p>\n<p>  Zudem hat der Verein seit 2001 keinen Betriebsrat mehr, der gegen diese   Bedingungen h&#228;tte aktiv werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die Treberhilfe hat sich den Luxus auf dem R&#252;cken der KollegInnen   &#8222;erwirtschaftet&#8220;. Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Ehlert, gesch&#228;tztes Monatseinkommen   etwa 35.000 Euro (fast doppelt so viel Angela Merkel), schwadronierte   immer wieder von &#8222;Social Profit&#8220;. Dieses Abzocke-Modell hat allerdings   wenig mit &#8222;Social&#8220; zu tun. Vielmehr versteckt sich dahinter die   kapitalistische Konkurrenzlogik: Schlie&#223;lich gibt Berlin j&#228;hrlich 28   Millionen Euro allein f&#252;r die Wohnungslosenunterst&#252;tzung aus &#8211; ein   lukrativer Markt, um den sich drei&#223;ig Tr&#228;ger rei&#223;en. In Berlin war die   Treberhilfe daf&#252;r bekannt, die Tagess&#228;tze konkurrenzlos niedrig zu   halten, zu Lasten der KollegInnen und derer, denen sie helfen wollen.   Dabei geh&#246;rt die Wohnungslosenhilfe eigentlich zur sozialen   Grundversorgung und m&#252;sste staatlich organisiert werden. Erschreckend   ist, dass tausende BerlinerInnen diese &#252;berhaupt in Anspruch nehmen   m&#252;ssen, obwohl viele luxussanierten Wohnungen freistehen, w&#228;hrend der   Anteil von Sozialwohnraum immer weiter zusammenschrumpft.<\/p>\n<h4>  Rekommunalisierung Sozialer Aufgaben! Privatisierung stoppen!<\/h4>\n<p>  Berlin ist pleite und f&#252;hrende PolitikerInnen auch von der LINKE   unterst&#252;tzen die &#220;bertragung kommunaler, sozialer Einrichtungen an freie   Tr&#228;ger. Das Argument: Die Aufgaben k&#246;nnen somit erhalten bleiben, die   freien Tr&#228;ger seien g&#252;nstiger, als die &#246;ffentliche Hand.<\/p>\n<p>  Warum die freien Tr&#228;ger weniger kosten, ist eindeutig: Die L&#246;hne der   Besch&#228;ftigten sind bei gleicher Leistung wie im &#246;ffentlichen Dienst   oftmals um ein vielfaches niedriger. Die Verwendung der F&#246;rdermittel,   die durch Steuergelder finanziert werden, kann weder vom Land noch von   den Besch&#228;ftigten kontrolliert werden. Gleichzeitig versucht der Senat   nun solche Skandale wie den Maserati-Fall daf&#252;r zu nutzen, die   Sozialausgaben weiter zu k&#252;rzen anstatt die Aufgaben zu   rekommunalisieren.<\/p>\n<p>  Besch&#228;ftigtenvertretungen wie Betriebsr&#228;te haben es besonders schwer   sich in dem Klima aus Lohndr&#252;ckerei und Ausbeutung &#8211; zwischen dem   Anspruch durch soziale Arbeit Menschen zu helfen und einen angemessenen   Lohn zu verdienen &#8211; zu behaupten.<\/p>\n<p>  &quot;Ihr wollt doch, dass es den Kindern, (Senioren, Wohnungslosen, Eltern   etc.) gut geht!&quot; Mit dem Argument der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung machen viele   Besch&#228;ftigte im Sozialbereich massiv &#220;berstunden, nehmen Lohndumping und   Arbeits&#252;berlastung in Kauf.<\/p>\n<h4>  &#214;ffnung der Gesch&#228;ftsb&#252;cher &#8211; Stoppt den Filz!<\/h4>\n<p>  Sozialarbeit muss auch sozial gestaltet werden. Angefangen bei   ausreichender Ausstattung des Personals und Tarifl&#246;hnen bis hin zu einer   Offenlegung der Gesch&#228;ftsstrukturen- und B&#252;chern freier Tr&#228;ger um   nachvollziehen zu k&#246;nnen, wo die staatlichen Mittel bleiben und wof&#252;r   sie verwendet werden. Die Mittel m&#252;ssen f&#252;r die Sozialarbeit verwendet   werden, nicht f&#252;r teure Dienstwagen, Protzimmobilien, horrende   Beratergeb&#252;hren oder fragw&#252;rdige R&#252;cklagen. Unternehmen wie die   Treberhilfe sollten sofort rekommunlisiert und die L&#246;hne der   Besch&#228;ftigten auf Tarifniveau angehoben werden. Keine Profite auf Kosten   der Besch&#228;ftigten! Jeder Tr&#228;ger muss eine Besch&#228;ftigtenvertretung haben,   die unabh&#228;ngig von der Gesch&#228;ftsleitung agieren kann und nicht an ihrer   Arbeit gehindert wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wie die Berliner Sozialarbeit zur Gelddruckmaschine wird\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,56],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13594"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13594"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13594\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13594"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13594"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13594"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}