{"id":13585,"date":"2010-03-12T00:00:00","date_gmt":"2010-03-12T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13585"},"modified":"2010-03-12T00:00:00","modified_gmt":"2010-03-12T00:00:00","slug":"13585","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/03\/13585\/","title":{"rendered":"Vom Protest zum Widerstand"},"content":{"rendered":"<p>  Stuttgart 21 ist noch zu stoppen<\/p>\n<p>  Extrablatt der SAV Stuttgart (M&#228;rz 2010) &#8211; <a href=\"\/media\/2010\/2010-03-stuttgart21.pdf\">auch   als PDF<\/a><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Bahnchef Grube, Verkehrsminister Ramsauer, OB Schuster und   Ministerpr&#228;sident Mappus sind wild entschlossen, das Projekt Stuttgart   21 durchzuziehen. Aber: wild entschlossen sind auch die S-21-Gegner. F&#252;r   die SAV steht fest: das Projekt kann verhindert werden.<\/p>\n<p>  Am 2. Februar wurde im Bahnhof von den S-21-Machern ein offizieller   Baubeginn inszeniert. Ganz offen erkl&#228;rten die Bahnmanager und   Politiker, dass sie dadurch, &#228;hnlich wie beim Messebau, den Widerstand   gegen S 21 brechen wollten. Dieser Akt der psychologischen Kriegsf&#252;hrung   wurde mit einer Demonstration von circa 4.000 S-21-Gegnern beantwortet,   die die Show-Veranstaltung lautstark mit &#8222;L&#252;genpack&#8220;-Rufen st&#246;rten.<\/p>\n<p>  Die ersten Montagsdemos nach dem &#8222;offiziellen Baubeginn&#8220; und die   steigende Zahl der Parksch&#252;tzer zeigt, dass anders als beim Messebau der   Widerstand nicht zusammenbricht, sondern entschlossener wird. Und das   hat Gr&#252;nde.<\/p>\n<p>  Erstens hat die l&#228;cherliche Veranstaltung mit 400 handverlesenen G&#228;sten   im Hauptbahnhof nichts mit dem eigentlichen Baubeginn f&#252;r S 21 zu tun   und zweitens ist das Potenzial f&#252;r Widerstand in der dicht bev&#246;lkerten   Innenstadt und einem hochfrequentierten Hauptbahnhof eine ganz andere   Nummer als beim Messebau auf den Fildern. Drittens richtet sich S 21   noch viel mehr als die Messe gegen die elementaren Interessen der   Mehrheit der Bev&#246;lkerung in Stuttgart und der gesamten Region.<\/p>\n<h4>  Bauarbeiten bis 2012 umkehrbar<\/h4>\n<p>  Selbst im Amtsblatt der Stadt Stuttgart konnte man nachlesen, dass die   Bauarbeiten bis zum Jahr 2012 (Jahr der OB-Wahl) vorbereitende Ma&#223;nahmen   sind. Das hei&#223;t: alles was bis dahin passiert ist umkehrbar. Allerdings   sind die Einschnitte, die bis dahin stattfinden gravierend. Bereits ab   Mai kommt es wegen vorbereitender Bauma&#223;nahmen zu einer Behinderung des   S-Bahn-Verkehrs. Sp&#228;testens im Herbst sollen 280 B&#228;ume im Schlossgarten   gef&#228;llt werden.<\/p>\n<p>  In der ersten Bauphase wird f&#252;r 70 Millionen das Gleisvorfeld und die   Signaltechnik saniert. Das ist auch beim Erhalt des Kopfbahnhofs eine   sinnvolle Ma&#223;nahme. Bei S 21 soll die 70-Millionen-Investition sp&#228;ter   verschrottet werden, weil das gesamte Gleisvorfeld ger&#228;umt werden soll.<\/p>\n<h4>  S 21 = Profitprojekt<\/h4>\n<p>  Die Freigabe von 100 Hektar jetziger Gleisfl&#228;chen f&#252;r die Vermarktung   durch Immobilienspekulanten ist der eigentliche Grund f&#252;r S 21. Die   angebliche Verbesserung des Zugverkehrs ist L&#252;genpropaganda. Es ist kein   Zufall, dass OB Schuster Anfang Dezember 2009 von der internationalen   Lobbyorganisation der Immobilienhaie (ULI) eine Auszeichnung daf&#252;r   erhielt, dass er angeblich &#8222;wesentlich dazu beigetragen (hat), den   Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Immobilienwirtschaft   kontinuierlich zu verbessern&#8220; &#8222;Hervorzuheben sind dabei seine   Stadtentwicklungsplanung unter anderem Stuttgart 21&#8220;. Das ist   nachzulesen im Amtsblatt vom 3.12.09. Oder anders ausgedr&#252;ckt, Schuster   vertritt mit seiner Stadtplanung offen die Kommerzialisierung im   Interesse der Immobilienhaie und Industriekonzerne. Im Herbst 2006 hat   Oettinger einen sogenannten &#8222;Unterst&#252;tzerkreis Stuttgart 21&#8220; gegr&#252;ndet.   Hier sind alle Profiteure von S 21 und ihre politischen Freunde   versammelt. Dazu geh&#246;rt zum Beispiel Dr. Ing. Michael Blaschke von der   Gesch&#228;ftsf&#252;hrung des Baukonzerns Bilfinger und Berger. Der Konzern ist   hauptverantwortlich f&#252;r den kriminellen Pfusch beim K&#246;lner U-Bahnbau.   Dr. Ing. Martin Herrenknecht, Chef des Tunnelbohrmschinenherstellers   Herrenknecht geh&#246;rt auch zum erlauchten Kreis des   S-21-Unters&#252;tzerkreises. Lothar Sp&#228;th, der fr&#252;here CDU-Ministerpr&#228;sident   von Baden W&#252;rttemberg ist wiederum Aufsichtsratsvorsitzender bei   Herrenknecht und geh&#246;rt auch zum S-21-Unterst&#252;tzerkreis. Bei der Demo am   29.1.2010 gab ein Redner bekannt, dass Herrenknecht vor der   Bundestagswahl 70.000 Euro an die CDU gespendet hat.<\/p>\n<h4>  Alle Fakten sprechen gegen S 21<\/h4>\n<p>  Tagt&#228;glich werden neue Fakten bekannt, die gegen S 21 sprechen.   Tagt&#228;glich werden die Argumente der S21-Gegner von Experten untermauert.   Das Geologische Landesamt best&#228;tigte, dass bei Bohrungen im Gipskeuper   Gel&#228;ndeanhebungen nicht auszuschlie&#223;en sind.<\/p>\n<p>  Der Sinn der Schnellbahntrasse von Wendlingen nach Ulm wird mehr und   mehr in Frage gestellt. Die 60 Kilometer Alb&#252;berquerung ist mit den   veranschlagten 2,3 Milliarden hoffnungslos unterfinanziert. Denn es   m&#252;ssen je zwei eingleisige Tunnel &#224; 30 Kilometer gebaut werden. Der   Bundesrechnungshof geht bereits von 3,2 Milliarden Euro aus. Auf der   Hochgeschwindigkeitsstrecke werden aufgrund einer Steigung von 31   Promille keine schweren G&#252;terz&#252;ge rollen k&#246;nnen. Das macht das ganze   Projekt v&#246;llig unsinnig. Die SAV hat diese Strecke von Anfang an   abgelehnt.<\/p>\n<p>  F&#252;r 62 wichtige und sinnvolle Bahnprojekte gibt es kein Geld mehr, weil   die Gelder sinnlos f&#252;r S 21 und die Hochgeschwindigkeitsstrecke   verbuddelt werden. Mitte Januar ist durchgesickert, dass es bei der Bahn   eine entsprechende geheime Streichliste gibt. Der Bau der   Rheintalstrecke verz&#246;gert sich. F&#252;r L&#228;rmschutz auf dieser Strecke gibt   es kein Geld mehr. Der &#252;berf&#228;llige Ausbau der Strecke Ulm &#8211;   Friedrichshafen steht in den Sternen. Am 11.2. konnten wir in der Presse   lesen, dass die Bahn auf der G&#228;ubahnstrecke Stuttgart &#8211; Singen &#8211; Z&#252;rich   ab M&#228;rz 2010 keine ICE-Z&#252;ge mehr, sondern &#228;ltere Wagen der Schweizer   Bundesbahn einsetzen wird. Das wird dazu f&#252;hren, dass sich die   Fahrzeiten auf dieser wichtigsten Verbindung in die Schweiz verl&#228;ngern.   Wenn Milliarden f&#252;r S 21 vergraben werden, dann werden wir das k&#252;nftig   mit massiven Verschlechterungen auf vielen Strecken und mit einer   gravierenden Verschlechterung des Nahverkehrs bezahlen m&#252;ssen. Dann   k&#246;nnen wir vielleicht ein paar Minuten schneller nach Bratislava fahren,   aber seltener nach Weil der Stadt und brauchen l&#228;nger f&#252;r eine Fahrt an   den Bodensee oder in den Schwarzwald.<\/p>\n<h4>  Keine Mehrheit f&#252;r S 21<\/h4>\n<p>  Bahnchef Grube erkl&#228;rt, dass seine Vorg&#228;nger das Projekt S 21 schlecht   kommuniziert h&#228;tten. Er glaube, dass man die Bev&#246;lkerung von dem Projekt   &#252;berzeugen k&#246;nne. Ob er das wirklich glaubt sei dahin gestellt. In   keinem Fall wird sich die Akzeptanz in der Bev&#246;lkerung mit den   Beeintr&#228;chtigungen durch die Bauarbeiten verbessern. Alle Umfragen   ergaben bisher eine gro&#223;e Mehrheit gegen S 21.<\/p>\n<h4>  S 21 vernichtet Arbeitspl&#228;tze<\/h4>\n<p>  Je mehr Arbeitspl&#228;tze durch die kapitalistische Krise verloren gehen,   desto mehr schieben die S-21-Macher das Argument der Arbeitspl&#228;tze in   den Vordergrund. &#8222;Stuttgart 21 kommt. Mit einem   9-Milliarden-Investitionspaket und 17.000 Arbeitspl&#228;tzen.&#8220; So stand es   wochenlang auf einem Gro&#223;fl&#228;chenplakat mit der &#220;berschrift:   &#8222;Wirtschaftswunder kommen heute schneller. Mit 250 km\/h&#8220;. Wir brauchen   aber keine sinnlosen, sondern sinnvolle Arbeitspl&#228;tze. Wir brauchen   keine B&#252;rgerbeauftragte f&#252;r S 21 und kein 100-Mann\/Frau starkes   Planungsteam f&#252;r S 21, sondern mehr Erzieherinnen, mehr Kranken- und   Alternpflegerinnen. Bauarbeiter sollten mit dem Bau von Wohnungen,   Schulen und Kitas und der Renovierung des Kopfbahnhofs statt mit dem Bau   von sinnlosen Tunneln besch&#228;ftigt werden. Stadt und Land werden   mindestens je eine Milliarde f&#252;r S 21 beziehungsweise die   Hochgeschwindigkeitsstrecke aufbringen. Diese Gelder werden vor allem   &#252;ber Stellenstreichungen im &#246;ffentlichen Dienst reingeholt. Die Stadt   hat bereits mit dem Haushalt 2010\/2011 eine einj&#228;hrige   Wiederbesetzungssperre auf freie Stellen verh&#228;ngt. Weitere Stellen in   st&#228;dtischen Einrichtungen sind aufgrund von Haushaltsl&#246;chern bedroht.   Kein normal denkender Mensch glaubt, dass Gleisfl&#228;chen f&#252;r   Gewerbefl&#228;chen gebraucht werden um Arbeitspl&#228;tze zu schaffen, wenn die   Pragstra&#223;e und das Industriegebiet in Feuerbach zur Industriew&#252;ste   werden und in der ganzen Stadt B&#252;robunker leer stehen bevor die Krise   &#252;berhaupt richtig durchgeschlagen hat.<\/p>\n<p>  Daimler baut ein neues Werk in Ungarn, Porsche produziert in Bratislava.   Mit der sogenannten &#8222;Magistrale&#8220; nach Budapest und Bratislava wird die   Produktionsverlagerung attraktiver. Die Milliarden f&#252;r S 21 werden nicht   f&#252;r Lohn f&#252;r Besch&#228;ftigte ausbezahlt, sondern vor allem f&#252;r Profite. Die   Ausbeutung von circa 4.000 Bauarbeitern aus Osteuropa per Dumpingl&#246;hne   ist eine feste Gr&#246;&#223;e der Projektkalkulation. Der Gro&#223;teil der zu   erwartenden Gesamtkosten von mehr als zehn Milliarden Euro f&#252;r S 21 und   die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Wendlingen bis Ulm sind   Steuergelder. Mit den fertiggestellten Bauten soll die dann   privatisierte Bahn den k&#252;nftigen Aktion&#228;ren Profite einfahren.<\/p>\n<h4>  Projekt kann verhindert werden<\/h4>\n<p>  Die SAV geht davon aus, dass das Projekt verhindert werden kann. Es wird   nie eine Akzeptanz in der Mehrheit der Bev&#246;lkerung geben. Gerhard   Pfeifer vom BUND hat Bahnchef Grube bei seinem Auftritt am 29.1.10 klipp   und klar gesagt: &#8222;15 Jahre Bauzeit gegen den Willen der Bev&#246;lkerung, das   halten Sie nicht durch.&#8220; Wir teilen diese Auffassung. In einem Interview   mit der Stuttgarter Zeitung am 2.2.10 sagte Mister S 21, Wolfgang   Drexler (SPD): &#8222;Das Projekt ist mitten in der Stadt, man kann die   Situation nicht mit dem Tunnelbau im Th&#252;ringer Wald vergleichen. Die   Bev&#246;lkerung stellt ganz andere Anforderungen. Das haben die Tr&#228;ger des   Projekts &#8211; Bahn, Bund, Stadt und Land &#8211; untersch&#228;tzt.&#8220; Da hat Mister 21   ausnahmsweise mal recht. Doch diese Erkenntnis n&#252;tzt nicht ihm, sondern   dem Widerstand gegen S21.<\/p>\n<p>  Die Aktion von 3.000 bis 5.000 S-21-Gegnern zur Mittagszeit am 2.2.10 im   Bahnhof hat das gro&#223;e Potenzial f&#252;r Widerstand deutlich gemacht. Und es   ist noch l&#228;ngst nicht ausgesch&#246;pft. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass   hunderte von Sch&#252;lerInnen und Sch&#252;lern im K&#246;nigin-Katharinenstift sich   damit zufrieden geben, dass sie durch Schallschutzfenster vor dem   Baul&#228;rm gesch&#252;tzt werden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie sich an   den Stundenplan halten, w&#228;hrend ein paar Meter weiter B&#228;ume gef&#228;llt   werden und riesige Baugruben entstehen! Die Jugend war bisher bei den   Protesten gegen S21 unterrepr&#228;sentiert. Bei den Bildungsstreiks und   -demonstrationen wurde aber stets gefordert, auf S 21 zu verzichten und   das Geld in die Schulen und Unis zu investieren.<\/p>\n<p>  Die SAV wird in den n&#228;chsten Monaten besondere Anstrengungen   unternehmen, Jugendliche f&#252;r den aktiven Widerstand gegen S 21 zu   gewinnen. Als der Bonatz-Enkel, Peter D&#252;bbers, bei einer Veranstaltung   im Rathaus am 8.12. vor 600 Zuh&#246;rern davon redete, dass man das Projekt   S 21 durch einen &#8222;echten Volksaufstand&#8220; verhindern k&#246;nne, gab es   minutenlang stehende Ovationen und Sprechch&#246;re: &#8222;oben bleiben, oben   bleiben&#8220;.<\/p>\n<h4>  Das Potenzial zur Verhinderung von S21 ist vorhanden und muss genutzt   werden<\/h4>\n<p>  Der Kampf gegen S 21 muss auch ein Beitrag daf&#252;r sein die   privatkapitalistische Ausrichtung der Bahn und den B&#246;rsengang zu   stoppen. Die Bahn muss in &#246;ffentlichem Eigentum bleiben. Die Bahnmanager   und Aufsichtsr&#228;te m&#252;ssen entlassen und durch demokratisch gew&#228;hlte   Gremien von Bahnbesch&#228;ftigten, Bahnnutzern und Umweltsch&#252;tzern abgel&#246;st   werden. Die Bundesbahn muss den Interessen der Bev&#246;lkerung und der   Umwelt dienen und stark ausgebaut werden. Im &#246;ffentlichen Nahverkehr   brauchen wir Nulltarif und im Fernverkehr eine radikale   Fahrpreissenkung. Die Autoindustrie muss auf die Produktion von modernen   Schienen- und anderen umweltfreundlichen Fahrzeugen des &#246;ffentlichen   Verkehrs umgestellt werden. Dazu muss die Autoindustrie aus dem Griff   der Manager und Aktion&#228;re befreit und in Gemeineigentum &#252;berf&#252;hrt werden.<\/p>\n<h4>  Kampf gegen Arbeitsplatzvernichtung mit Kampf gegen S 21 vernetzen<\/h4>\n<p>  Der entschlossene Widerstand gegen S 21 hat bereits jetzt Auswirkungen   auf die Stimmung in den Betrieben und in den Gewerkschaften.   Gewerkschafter, die sich ohne Begeisterung an routinem&#228;&#223;ig organisierten   Warnstreiks f&#252;r inkonsequente Tarifk&#228;mpfe beteiligen, teilen mit   Begeisterung die Entschlossenheit der S-21-Bewegung und beteiligen sich   verst&#228;rkt daran. Unter dem Druck der Bewegung hat der DGB im S&#252;dwesten   seine Position zu S 21 revidiert. Die Gr&#252;ndungskonferenz der DGB Region   Nordw&#252;rttemberg entschied sich mit einer Mehrheit von 36 zu 30 Stimmen   gegen S 21. Bei der Bezirkskonferenz des DGB Stuttgart Ende Januar 2010   wurde gegen den Willen der Antragskommission ein Antrag gegen S 21 und   f&#252;r die Renovierung des Kopfbahnhofes angenommen. Und am 27.2. beschloss   die Delegiertenversammlung der IGM Stuttgart gegen den Vorstand die   Ablehnung von S 21.<\/p>\n<p>  In den n&#228;chsten zwei Jahren der vorbereitenden Bauma&#223;nahmen f&#252;r S 21   wird es h&#246;chst wahrscheinlich aufgrund von Entlassungen und   Betriebsschlie&#223;ungen zu heftigen betrieblichen K&#228;mpfen bis hin zu   Betriebsbesetzungen kommen. Die Zuspitzung der Auseinandersetzungen in   den Betrieben und die Zuspitzung des Kampfes um S 21 werden sich immer   mehr &#252;berschneiden und gegenseitig st&#228;rken. Tom Adler sprach in seiner   Rede davon, &#8222;dass auf Montagsdemonstrationen auch Solidarit&#228;t mit den   KollegInnen bei Behr und KBA-Metalprint, die um ihre Arbeitspl&#228;tze   k&#228;mpfen, demonstriert wird. Und umgekehrt die MetallerInnen und   Metaller, wenn sie auf die Stra&#223;e gehen, gleichzeitig Flagge zeigen   gegen S 21, f&#252;r K 21 und unseren Park! Gemeinsam &#8211; da k&#246;nnte es f&#252;r die   S21-Freunde noch viel ungem&#252;tlicher werden.&#8220;<\/p>\n<p>  Wenn einige tausend Leute den Schlossgarten zum Schutz der B&#228;ume   besetzen, dann wird in den Betrieben die Bereitschaft zu   Betriebsbesetzungen zur Verteidigung von Arbeitspl&#228;tzen zunehmen. Wenn   Betriebe besetzt werden, wird es einfacher den Hauptbahnhof zu besetzen.   Die Aktivisten in den Betrieben und die Aktivisten gegen S 21 werden   Verbindungen aufbauen, sich gegenseitig unterst&#252;tzen und ihren Kampf   gemeinsam f&#252;hren. Weder der Gewerkschaftsapparat noch die GR&#220;NEN werden   das verhindern k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Wenn eine klassenk&#228;mpferische Bewegung in den Betrieben mit der Bewegung   gegen S 21 zusammen kommt, dann wird das beide Bewegungen enorm aufbauen   und radikalisieren. Die S-21-Macher k&#246;nnen dadurch v&#246;llig in die   Defensive gedr&#228;ngt und gezwungen werden, das Projekt aufzugeben. Es ist   wichtig, dass die Bewegung von den Gewerkschaften einfordert die gesamte   Kampfkraft gegen Arbeitsplatzvernichtung, kommunale K&#252;rzungen und   Stuttgart 21 in die Waagschale zu werfen. Ein eint&#228;giger regionaler   Generalstreik in der Region und eine Gro&#223;demonstration in Stuttgart in   den n&#228;chsten Monaten w&#228;re daf&#252;r ein wichtiger und notwendiger   Kampfschritt.<\/p>\n<h4>  Kein Vertrauen in GR&#220;NEN-Politiker<\/h4>\n<p>  Die GR&#220;NEN wurden aufgrund ihrer Ablehnung von S 21 st&#228;rkste Fraktion im   Gemeinderat. Die GR&#220;NEN sind aber keine verl&#228;ssliche Kraft im Widerstand   gegen S 21. Bereits im April 2009 hat sich der GR&#220;NEN-Fraktionschef von   radikalen S-21-Gegnern wie Stadtrat Hannes Rockenbauch von S&#214;S   distanziert. Er sagte w&#246;rtlich: &#8222;Mir tut es weh, wenn OB Schuster von   diesen Leuten &#252;belst beleidigt wird. Davon grenzen wir uns ab&#8220;. Hannes   Rockenbauch hatte Schuster zurecht L&#252;gen und Betrug vorgeworfen. Werner   W&#246;lfle k&#252;ndigte damals bereits an, dass die GR&#220;NEN S 21 nur noch   kritisch begleiten wollen. Und das tun sie seither im Prinzip, auch wenn   sie unter dem Druck der Bewegung oftmals bei ihren Reden den K&#228;mpfer   gegen S 21 heraush&#228;ngen. Als Schuster und F&#246;ll im Sommer 2009 eine   Haushaltssperre verh&#228;ngte stimmten die GR&#220;NEN zu. Die Fraktion S&#214;S\/LINKE   lehnte diese Sperre ab und argumentierte richtigerweise, dass diese   Sperre nicht n&#246;tig sei, wenn die Stadt die f&#252;r Stuttgart 21   zur&#252;ckgelegten Gelder in den Haushalt einbringe. Der Fraktionschef der   GR&#220;NEN trat dagegen auf und erkl&#228;rte bei einer &#246;ffentlichen   Gemeinderatssitzung, dass man das nicht so sehen k&#246;nne. Diese   zur&#252;ckgelegten Gelder br&#228;uchte man f&#252;r die Renovierung des   Kopfbahnhofes. F&#252;r die Renovierung des Bahnhofs ist aber die Bahn und   nicht die Stadt zust&#228;ndig. Das wissen die GR&#220;NEN. GR&#220;NE-W&#228;hler auf der   Zuschauertrib&#252;ne riefen daraufhin emp&#246;rt: &#8222;Gib mir meine Stimme zur&#252;ck&#8220;.<\/p>\n<p>  Bei den Haushaltsberatungen zum Doppelhaushalt ging dies so weiter. Die   GR&#220;NEN verlangten nicht die Gelder von Stuttgart 21, um K&#252;rzungen und   Geb&#252;hrenerh&#246;hungen zu vermeiden, sondern sie bet&#228;tigten sich als Macher   eines K&#252;rzungshaushalts. Die von CDU-Finanzb&#252;rgermeister F&#246;ll   eingebrachte halbj&#228;hrige Wiederbesetzungssperre von Personalstellen   st&#228;dtischer Einrichtungen und &#196;mter wurde auf Vorschlag von   GR&#220;NEN-B&#252;rgermeister Murawski auf ein ganzes Jahr ausgeweitet. W&#228;hrend   die GR&#220;NEN im Kommunal- und Bundestagswahlkampf geb&#252;hrenfreie   Kinderg&#228;rten gefordert hatten, waren sie jetzt f&#252;r eine Erh&#246;hung der   Kitageb&#252;hren von 63 Cent pro Betreuungsstunde auf 68 Cent f&#252;r Familien   mit niedrigen Einkommen und f&#252;r Familien mit mittleren und h&#246;heren   Einkommen sogar auf 73 Cent. Die 30prozentige Erh&#246;hung der Grundsteuer   wird auf die Mieten abgew&#228;lzt und ist auf dem Mist der GR&#220;NEN gewachsen.   Auch die Abzocke bei den Parkgeb&#252;hren und der Zweitwohnsitzabgabe geht   auf sie zur&#252;ck. F&#252;r Familien mit einem Einkommen von &#252;ber 60.000 brutto   gibt es die Familiencard nicht mehr und f&#252;r Familien, deren Einkommen   darunter liegt, gibt es nur noch 60 statt bisher 90 Euro. Der Kulturetat   der Stadt wird 2010 um f&#252;nf Prozent gek&#252;rzt. Au&#223;er den Kita- und   Parkgeb&#252;hren steigen fast alle Geb&#252;hren der Stadt um bis zu zehn   Prozent. Obendrein m&#252;ssen 2010 4,5 Millionen noch gek&#252;rzt werden. Dazu   Werner W&#246;lfle in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung am   17.2.2010: &#8222;Es geht um die K&#252;rzungen von Leistungen f&#252;r den B&#252;rger und   um Stellenabbau.&#8220; W&#228;ren die Gelder, die die Stadt f&#252;r S21 auf der hohe   Kante liegen hat in den Haushalt &#252;berf&#252;hrt worden, w&#228;re keine einzige   beschlossene K&#252;rzung und Geb&#252;hrenerh&#246;hung notwendig gewesen. W&#252;rde die   Stadt das von der Bahn gekaufte Gleisgel&#228;nde an die Bahn zur&#252;ckgeben,   st&#252;nden mindestens 460 Millionen Euro f&#252;r die Sanierung von Schulen, f&#252;r   mehr Erzieherinnen in den Kitas und andere Verbesserungen zur Verf&#252;gung.   Das wollten die GR&#220;NEN aber nicht. Jetzt gehen die vorbereitenden   Ma&#223;nahmen f&#252;r S 21 durch den Technischen Ausschuss und durch den   Gemeinderat. Und siehe da, auch hier lehnen die GR&#220;NEN diese Ma&#223;nahmen   nicht ab, behaupten aber, das bedeute keine Zustimmung zu S 21. Anfang   Februar 2010 erkl&#228;rten die GR&#220;NEN dann, sie w&#252;ssten zu verhindern, dass   der neue Stadtteil auf dem bisherigen Gleisareal von OB Schuster gepr&#228;gt   werde und es sei wichtig, dass ein gr&#252;ner Oberb&#252;rgermeister die Planung   &#252;bernehme. Das macht allzu deutlich: auf die GR&#220;NEN ist im Widerstand   gegen S 21 kein Verlass. Die Partei geh&#246;rt l&#228;ngst zu den   prokapitalistischen etablierten Parteien. Auf Bundesebene ist sie   mitverantwortlich f&#252;r Kriegseins&#228;tze der Bundeswehr, f&#252;r Hartz IV, Rente   67 und die Agenda 2010. In der Tarifrunde bei Bund und Kommunen geh&#246;ren   die GR&#220;NEN-B&#252;rgermeister zu den Scharfmachern gegen die Besch&#228;ftigten.   B&#252;rgermeister Murawski geh&#246;rt zur Verhandlungskommission der Arbeitgeber   und behauptet: &#8222;Lohnerh&#246;hungen, die &#252;ber 1,1 Prozent hinausgehen, kann   sich die Stadt nicht leisten&#8220;. Leisten kann sie sich aber eine Milliarde   f&#252;r S 21?<\/p>\n<p>  Der Fraktionsvorsitzende der GR&#220;NEN im Gemeinderat, Werner W&#246;lfle,   m&#246;chte Sozialb&#252;rgermeister werden und Boris Palmer steht in den   Startl&#246;chern f&#252;r die Kandidatur bei der OB-Wahl in Stuttgart 2012. Wird   Werner W&#246;lfle Sozialb&#252;rgermeister, k&#246;nnte es zu einem neuen Vorsto&#223; zur   Ausgliederung der Kinderbetreuung aus dem Jugendamt kommen. Im Jahr 2008   haben die GR&#220;NEN dies zusammen mit der CDU beantragt. Die   Kinderbetreuung w&#228;re damit dem Diktat der Betriebswirtschaft unterworfen   und die Betreuung verschlechtert worden. Nach massiven Protesten von   Erzieherinnen, ver.di und Eltern zogen GR&#220;NE und CDU ihr Vorhaben erst   mal wieder zur&#252;ck.<\/p>\n<p>  In einer Rundmail an die S-21-Gegner vom 6.4.09 hat Gangolf Stocker   gesagt: &#8222;Mein Eindruck ist: W&#246;lfle wird derzeit von den Medien als &#8218;der   Kritiker von Stuttgart 21&#8216; hofiert und aufgebaut. Mit ihm kann man dann   die reuige R&#252;ckkehr der Kritiker in den Scho&#223; des Stuttgart-21-Kartells   inszenieren. Der Rest sind ja dann Radikale.&#8220; Und was f&#252;r W&#246;lfle gilt,   gilt auch f&#252;r Palmer und andere GR&#220;NEN-Politiker. Die Fraktion S&#214;S\/LINKE   sollte daraus die Konsequenz ziehen, die GR&#220;NEN f&#252;r ihre Politik in   Stuttgart und im Gemeinderat hart zu kritisieren und nicht l&#228;nger als   Mehrheitsbeschaffer f&#252;r die unsoziale Politik von GR&#220;NEN und SPD dienen,   wie dies zum Beispiel bei der Zustimmung zu Geb&#252;hrenerh&#246;hungen und zum   K&#252;rzungshaushalt 2020\/11 passiert ist. Daf&#252;r setzt sich die SAV in der   LINKEN ein.<\/p>\n<h4>  Die Diktatur des Kapitals und seiner korrupten Politiker beenden<\/h4>\n<p>  Das Projekt S 21 ist kein Ausrutscher des Kapitalismus sondern so   funktioniert Kapitalismus. Einzig und allein die Profitmaximierung der   Banken, Immobilienhaie und Konzerne z&#228;hlt. Die Politiker der etablierten   Parteien sind durch und durch korrupt. Der Kampf gegen S 21 muss deshalb   mit dem Kampf f&#252;r die Abschaffung des Kapitalismus verbunden werden.   Daf&#252;r steht die SAV.<\/p>\n<\/p>\n<h2>  Lehren aus dem erfolgreichen Kampf gegen die atomare   Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf<\/h2>\n<p>  Die Arbeitsplatzvernichtung im Stahlwerk Maxh&#252;tte hatte in den 80er   Jahren dazu gef&#252;hrt, dass die Arbeitslosigkeit in der Oberpfalz auf 20   Prozent anstieg. Der extrem rechte bayrische Ministerpr&#228;sident Franz   Josef Strau&#223; glaubte damals mit dem Argument der Schaffung von   Arbeitspl&#228;tzen eine atomare Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in   Wackersdorf bauen zu k&#246;nnen. Diese Rechnung ging nicht auf. Die   Bev&#246;lkerung sah nicht ein, dass sie tausende von sinnvollen   Arbeitspl&#228;tzen in der Stahlindustrie verlieren sollte, um einige wenige   gef&#228;hrliche Arbeitspl&#228;tze zu erhalten. Die Wut &#252;ber den Verlust der   Arbeitspl&#228;tze der Stahlwerker n&#228;hrte den Widerstand gegen die WAA. Von   1985 bis 1989 gab es b&#252;rgerkriegs&#228;hnliche Zust&#228;nde in Wackersdorf. Im   M&#228;rz 1987 wurde der Bau begonnen und ein 15 Millionen DM teurer Bauzone   um das Gel&#228;nde errichtet. Der Widerstand ging trotzdem weiter. Militante   Demonstranten aus der ganzen Bundesrepublik, aktiv unterst&#252;tzt von der   Landbev&#246;lkerung legten sich mit der Polizei an, die den Bau sch&#252;tzen   sollte. Polizisten verweigerten den Einsatz. Weil die Kosten des   B&#252;rgerkriegs in Wackersdorf finanziell und politisch zu hoch wurden,   wurde der Bau der WAA zwei Jahre nach Baubeginn eingestellt. Die   Polizeieins&#228;tze kosteten den bayrischen Staat 50 Millionen DM.   Stuttgarter SAV-Mitglieder waren damals aktiv am Widerstand gegen die   WAA beteiligt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Stuttgart 21 ist noch zu stoppen\n    <\/p>\n<p>\n      Extrablatt der SAV Stuttgart (M&#228;rz 2010) &#8211; <a href=\"\/media\/2010\/2010-03-stuttgart21.pdf\">auch<br \/>\n      als PDF<\/a>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58,119],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13585"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13585"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13585\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13585"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13585"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13585"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}