{"id":13579,"date":"2010-03-08T00:00:00","date_gmt":"2010-03-07T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13579"},"modified":"2012-06-13T17:29:00","modified_gmt":"2012-06-13T15:29:00","slug":"13579","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/03\/13579\/","title":{"rendered":"Ein Jahrhundert von K&#228;mpfen"},"content":{"rendered":"<p>  Heute j&#228;hrt sich der Internationale Frauentag zum hundertsten Mal.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Elin Gauffin, CWI Schweden<\/i><\/h4>\n<p>  Seit dem fr&#252;hen 20. Jahrhundert war der Internationale Frauentag am 8.   M&#228;rz ein Kampftag f&#252;r arbeitende Frauen. Heutzutage ist er durch das   kapitalistische Establishment in einen Feiertag, manchmal auch mit   kommerziellem Charakter, umgewandelt worden. Viel ist in der vergangenen   Zeit passiert, und es hat sich best&#228;tigt, dass die Unterdr&#252;ckung von   Frauen bek&#228;mpft und zur&#252;ckgedr&#228;ngt werden kann. Aber die grundlegende   Unterdr&#252;ckung der Frauen in der Gesellschaft besteht fort. Tats&#228;chlich   sind in den letzten Jahren in Folge der kapitalistischen Krise einige   Errungenschaften f&#252;r Frauen verloren gegangen.<\/p>\n<p>  &#8222;Wir haben es geschafft&#8220; titelte ein Kommentar im &#8222;Economist&#8220; am 2.   Januar 2010. Damit sollte gefeiert werden, dass im Jahre 2010 Frauen die   H&#228;lfte aller Arbeitenden in den USA ausmachen werden. Das ist eine   Schritt nach vorne, aber seit wann geh&#246;rt denn der &#8222;Economist&#8220; dazu,   wenn von &#8222;Wir&#8220; gesprochen wird? Der gestiegene Anteil von Frauen an den   Erwerbst&#228;tigen in den USA ist weder eine Folge von gestiegenen   Sozialausgaben noch davon, dass M&#228;nner mehr Verantwortung im Haushalt   &#252;bernommen h&#228;tten. In den USA wird von allen westlichen Staaten am   wenigsten Geld f&#252;r Kinderg&#228;rten oder Elternzeit ausgegeben. Die USA   haben die Erkl&#228;rung der Vereinten Nationen zu Frauenrechten nicht   unterschrieben. Der gestiegene Anteil von Frauen an den Erwerbst&#228;tigen   ist vor allem darauf zur&#252;ckzuf&#252;hren, dass die Wirtschaftskrise in der   Industrie Arbeitspl&#228;tze vernichtet hat. Die Arbeitslosigkeit von M&#228;nnern   stieg auf 11,2 Prozent, w&#228;hrend 8,6 Prozent der Frauen arbeitslos sind.<\/p>\n<p>  Die meisten der in den letzten Jahren neu geschaffenen Arbeitspl&#228;tze   wurden von Frauen besetzt. In Europa trifft dies auf sechs der acht   Millionen neuen Arbeitspl&#228;tze seit dem Jahr 2000 zu. Aber dies dr&#252;ckt   vor allem eine versch&#228;rfte Ausbeutung der Arbeiterklasse aus. Die   meisten dieser neuen Arbeitspl&#228;tze sind unsicher, auf Teilzeitbasis oder   befristet, oft verbunden mit schlechten Arbeitszeiten. Das bedeutet in   der Regel schlechtere Stundenl&#246;hne verbunden mit Stress und erh&#246;htem   Krankheitsrisiko. Der Kapitalismus hat immer die Frauenunterdr&#252;ckung   genutzt und aufrecht erhalten &#8211; denn niedrige L&#246;hne f&#252;r Frauen bedeuten   h&#246;here Profite.<\/p>\n<p>  Das letzte, was Aktivistinnen heute am Internationalen Frauentag 2010   tun sollten, ist eine Pause zu machen. Die Situation f&#252;r Frauen ist   ernst und die Ereignisse des letzten Jahres werfen die Frage auf, wie es   mit dem Kampf f&#252;r Frauenrechte weitergehen soll.<\/p>\n<p>  Zum ersten mal in der Geschichte hungern &#252;ber eine Milliarde Menschen &#8211;   ein sechstel der Weltbev&#246;lkerung. Frauen machen 70 Prozent der Armen   weltweit aus. Die meisten hungernden Menschen leben in Asien. Insgesamt   642 Millionen Menschen haben dauerhaft zu wenig zu Essen.<\/p>\n<h4>  Frauen und M&#228;dchen von Krise getroffen<\/h4>\n<p>  Die Kinderrechtsorganisation PLAN hat folgende Folgen der   Weltwirtschaftskrise benannt:<\/p>\n<p>  &#8211; Junge Frauen, die zu Millionen in export-orientierten Industrien   arbeiten, sind die ersten, die arbeitslos werden. Frauen waren zum   Beispiel von 7 von 10 Entlassungen auf den Philippinen betroffen.<\/p>\n<p>  &#8211; Die Summen, die migrantische ArbeiterInnen zur Unterst&#252;tzung ihrer   Familien nach Hause senden, sind nach einer Sch&#228;tzung der Weltbank im   Jahre 2009 um 7,3 Prozent gesunken. Arbeitsmigration hat abgenommen.   Arbeiterinnen, die im Haushaltsbereich besch&#228;ftigt waren, m&#252;ssen nach   Hause zur&#252;ckkehren.<\/p>\n<p>  &#8211; Bankkredite wie Mikrokredite und andere Projekte, die das Ziel haben,   Frauen aus der Armut zu helfen, haben stark abgenommen.<\/p>\n<p>  &#8211; Wenn die Familien Einkommen verlieren, sind es h&#228;ufiger die M&#228;dchen,   die als erstes die Schule verlassen m&#252;ssen, um im Haushalt auszuhelfen   oder arbeiten zu gehen. Nach Sch&#228;tzung der ILO m&#252;ssen weltweit &#252;ber 100   Millionen M&#228;dchen arbeiten gehen.<\/p>\n<p>  &#8211; Die Kindersterblichkeit hat zugenommen, und dies betrifft mehr M&#228;dchen   als Jungen. Es wird gesch&#228;tzt, dass allein in Afrika letztes Jahr 50.000   Kinder als Folge der Weltwirtschaftskrise gestorben sind.<\/p>\n<p>  &#8211; Frauenhandel und Zwangsprostitution haben zugenommen. Dies war bereits   eine tragische Folge der Asienkrise im Jahr 1997. Die erste &#8222;Industrie&#8220;,   die sich damals erholt hatte, war die Sexindustrie. In Jakarta hat sich   die Zahl der Frauen, die in der Sexindustrie arbeiten, im Jahr nach der   Krise verdoppelt bis vervierfacht. Der Kapitalismus kennt keine Grenzen,   wenn es darum geht, neue M&#228;rkte zu erschlie&#223;en. Alles wird in &#8222;Waren&#8220;   verwandelt, also auch K&#246;rper und Gef&#252;hle. Eine Form des Frauenhandels   ist der Handel mit Ehefrauen. In einigen L&#228;ndern hatte dies bereits   dramatische Konsequenzen: Durch &#8222;selektive Abtreibung&#8220; von M&#228;dchen hat   sich der Anteil von Frauen in der Gesellschaft verschoben. In China   kommen, als Folge der Ein-Kind-Politik, auf 100 geborene M&#228;dchen bereits   118 Jungen. 50.000 Frauen aus &#228;rmeren Provinzen in China werden jedes   Jahr f&#252;r Hochzeiten verkauft. 10.000 Frauen aus Vietnam wurden f&#252;r   Hochzeiten oder Prostitution nach China verkauft.<\/p>\n<p>  Woran auch immer ein Mangel besteht, im Kapitalismus wird es zur   Luxusware. So kommt unter reichen M&#228;nnern Polygamie viel &#246;fter vor.   Nicht selten hat ein Manager aus Hong Kong, der regelm&#228;&#223;ig nach   Guangdong reist, dort eine zweite Frau.<\/p>\n<h4>  Die t&#246;dlichen Folgen des Klimawandels<\/h4>\n<p>  Frauen sind auch von der zweiten gro&#223;en Krise, die der Kapitalismus   hervorgebracht hat, besonders betroffen &#8211; dem Klimawandel. Die   Erderw&#228;rmung als Folge von 150 Jahren kapitalistischer   Industrialisierung, CO&#178;-Aussto&#223; und Umweltzerst&#246;rung ist dieses Jahr ein   wichtiges Thema f&#252;r die Demonstrationen zum Internationalen Frauentag.<\/p>\n<p>  Nach Angaben der &#8222;Women&#8217;s Environment and Development Organisation&#8220;   haben Frauen und Kinder ein vierzehnfach erh&#246;htes Risiko, durch eine   Naturkatastrophe zu sterben, als M&#228;nner. 70 bis 80 Prozent der Toten des   Tsunami 2004 in Asien waren Frauen. Nach Katastrophen wie Erbeben oder   Wirbelst&#252;rmen haben Frauen eine geringere Chance, Hilfe zu erhalten, und   ein h&#246;heres Infektionsrisiko in der Folgezeit, wenn sie Kinder und alte   Menschen pflegen.<\/p>\n<p>  Bereits jetzt ist eine Folge der Erderw&#228;rmung, dass Frauen &#8211; besonders   in der neo-kolonialen Welt &#8211; h&#246;her belastet sind. Sie m&#252;ssen weiter   laufen, um Trinkwasser zu holen. Sie sind es, die die wegen D&#252;rren oder   &#220;berschwemmungen immer anstrengendere Landarbeit verrichten m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Am Internationalen Frauentag 2009 haben die k&#228;mpferischen   Landarbeiterinnen von &#8222;Via Campesina&#8220; ihre Wut gegen die Abholzung von   W&#228;ldern und die Zerst&#246;rung der Artenvielfalt zum Ausdruck gebracht. In   Brasilia besetzten hunderte Frauen das Landwirtschaftsministerium. In   Rio Grande do Sul besetzten 700 Frauen L&#228;ndereien des Papierkonzerns   Votorantin Cellulose. In anderen Teilen des Landes wurden Bergwerke,   Rohrzuckerplantagen und Gro&#223;grundbesitz besetzt. In Espirito Santo   besetzten tausende Frauen den Hafen und verhinderten den Export von   Zellstoffen.<\/p>\n<p>  Die Abholzung der Regenw&#228;lder ist verantwortlich f&#252;r 20 Prozent des   Anstiegs an Treibhausgasen weltweit. Der Schutz dieser W&#228;lder ist   dringend geboten. Aber das Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen hat   auch bedeutet, dass es keine verbindlichen Zusagen zum Kampf gegen den   Klimawandel gibt.<\/p>\n<h4>  Kapitalismus bedeutet immer schlechtere Lebensbedingungen f&#252;r arbeitende   und arme Frauen<\/h4>\n<p>  Jahrzehntelang war die &#8222;L&#246;sung&#8220; der Kapitalisten und Politiker weltweit   f&#252;r Unterdr&#252;ckung und Armut mehr Marktwirtschaft, also mehr   Kapitalismus. Wenn die armen L&#228;nder ihre M&#228;rkte dem internationalen   Kapital &#246;ffneten, dann w&#252;rden sie westliche Lebensstandards erreichen.   Das war immer wieder das Mantra des Neoliberalismus. Nichts ist weiter   von der Wahrheit entfernt.<\/p>\n<p>  Mit der Weltwirtschaftskrise hat sich der Kapitalismus diskreditiert.   Internationaler W&#228;hrungsfond (IWF) und Weltbank haben als Gegenleistung   f&#252;r Kredite immer wieder Deregulierung und K&#252;rzungen bei Gesundheit und   Bildung gefordert. Als w&#228;re es nicht gerade die Deregulierung, die diese   L&#228;nder am heftigsten den Folgen der Krise unterwirft.<\/p>\n<p>  Es wird gesch&#228;tzt, dass ausl&#228;ndische Direktinvestitionen in die   neo-koloniale Welt im letzten Jahr um ein Drittel gesunken sind. Genauso   haben markt-basierende &#8222;L&#246;sungen&#8220; wie der CO&#178;-Emmissionhandel zu einem   Anstieg der Treibhausgas-Emmissionen gef&#252;hrt. Neue Angriffe auf bereits   heute kaum noch vorhandene Sozialsysteme bedeuten, dass einfache   Menschen noch heftiger von den Folgen der Krise betroffen sind. F&#252;r die   Ukraine blockierte der IWF einen Kredit, da das Parlament eine   Steigerung des Mindestlohns um 25 Prozent beschlossen hatte. In den   meisten L&#228;ndern ist der &#8222;Mindestlohn&#8220; gleichzeitig der Lohn, den Frauen   erhalten. In Lettland folgte die Regierung dem Diktat des IWF, k&#252;rzte   die L&#246;hne im &#246;ffentlichen Dienst um 40 Prozent und schloss die H&#228;lfte   aller Krankenh&#228;user.<\/p>\n<p>  Die wichtigste unmittelbare Frage f&#252;r Frauen in vielen Teilen der Welt   ist der Kampf gegen Sozialk&#252;rzungen, die die Regierungen planen. Da wo   Sozialsysteme, wie &#246;ffentliches Gesundheitswesen, Kinderg&#228;rten,   Altenpflege, Krankenversicherung und so weiter, existieren, sind sie vor   allem f&#252;r Frauen sehr wichtig. Unbezahlte Hausarbeit wurde zum Teil auf   die Gesellschaft &#252;bertragen und hat es Frauen erm&#246;glicht, zu arbeiten   und damit unabh&#228;ngiger von den Einkommen der M&#228;nner zu werden. Aber nie   zuvor in der Geschichte wurden solch massiven &#8222;Rettungspakete&#8220;   beschlossen wie im letzten Jahr, um einen Zusammenbruch des   Weltfinanzsystems zu verhindern. Die Billionen von Dollars die an die   Banken gegeben wurden, m&#252;ssen nun zur&#252;ckgezahlt werden. Wir k&#246;nnen   sicher sein, dass im Kapitalismus daf&#252;r die Arbeiterklasse zur Kasse   gebeten werden wird.<\/p>\n<p>  Jede Idee, das die Entwicklung des Kapitalismus zu Gleichheit von   M&#228;nnern und Frauen f&#252;hrt, l&#228;sst sich leicht widerlegen, wenn man sich   den Zustand in den L&#228;ndern anschaut, wo der Kapitalismus bereits seit   150 bis 200 Jahren existiert. In Schweden, das als eines der   &#8222;gleichberechtigsten&#8220; L&#228;nder weltweit gilt und ein recht ausgebautes   Sozialsystem hat, verdienen Frauen dennoch nur 83 Prozent davon, was   M&#228;nner verdienen. Der Arbeitsmarkt ist stark nach Geschlechtern   differenziert: Frauen arbeiten vor allem im &#246;ffentlichen Dienst, wo der   Anstieg der L&#246;hne am geringsten ist. In Schweden ist die h&#246;chste Anzahl   von Vergewaltigungen pro Einwohner in Europa zu verzeichnen und zusammen   mit Gro&#223;britannien die niedrigste Rate von gemeldeten Vergewaltigungen,   die strafrechtlich verfolgt werden (nur 13 Prozent). Das sind deutliche   Bespiele, wie offensichtlich &#8222;fortschrittliche&#8220; kapitalistische L&#228;nder   die Unterordnung von Frauen aufrecht erhalten.<\/p>\n<h4>  Frauenunterd&#252;ckung<\/h4>\n<p>  Die Unterdr&#252;ckung von Frauen hat ihre Ursache in der   Klassengesellschaft, die nun &#252;ber 5000 Jahre existiert. Es gab einen   langwierigen Wechsel von den urkommunistischen Gesellschaften, in denen   Land und Werkzeuge gemeinsames Eigentum waren, zum Privateigentum. Die   &#8222;monogame&#8220; Familie entstand, als ein &#220;berschuss erwirtschaftet werden   konnte, den man sich aneignen konnte. Privater Besitz, wie bescheiden   auch immer, musste gegen &#8222;Fremde&#8220; verteidigt werden. Die Familie wurde   zur Institution f&#252;r M&#228;nner, mit der sie ihr Eigentum kontrollieren und   Macht in der Gesellschaft aus&#252;ben konnten. Das Wort &#8222;Familie&#8220; kommt von   dem lateinischen Wort &#8222;familia&#8220;: &#8222;Die Zahl der Sklaven, die einem Herren   geh&#246;ren&#8220;. Im kaiserlichen China war das Abschn&#252;ren der F&#252;&#223;e von Frauen   in privilegierten Familien &#252;blich. Damit wurde die Bewegungsfreiheit von   Frauen eingeschr&#228;nkt.<\/p>\n<p>  Der Kapitalismus ist auch eine Klassengesellschaft, und er hat im Laufe   seiner Entwicklung die Unterdr&#252;ckung der Frauen an seine Bed&#252;rfnisse &#8211;   vor allem die der modernen Produktionsweise &#8211; angepasst. In den heutigen   Familienstrukturen ist die m&#228;nnliche Dominanz immer noch vorherrschend.   Frauen leisten die &#252;bergro&#223;e Mehrzahl der unbezahlten Hausarbeit. Dies   umfasst emotionale Arbeit &#8211; Das K&#252;mmern um die Kinder, die Alten und den   Partner &#8211; und schlie&#223;t schwere k&#246;rperliche Arbeit wie Kochen, putzen und   W&#228;asche waschen mit ein. Die &#8222;eigenen vier W&#228;nde&#8220; sind h&#228;ufig der   Schauplatz von Gewalttaten der M&#228;nner gegen die Frauen. Amnesty   Internaitonl sch&#228;tzt, dass immer noch jede dritte Frau weltweit   mindestens einmal in ihrem Leben geschlagen, zum Sex gezwungen oder   Mi&#223;brauch ausgesetzt wird.<\/p>\n<p>  Die Dominanz der M&#228;nner im eigenen Heim wurde lange als Hebel benutzt,   um Frauen und Kinder an die Unterordnung unter Autorit&#228;ten zu gew&#246;hnen.   Dagegen haben K&#228;mpfe statt gefunden und es wurden in vielen L&#228;ndern   Verbesserungen erk&#228;mpft, aber das Ph&#228;nomen ist gesellschaftlich immer   noch sehr pr&#228;sent. M&#228;dchen und Jungen werden &#252;blicherweise   unterschiedlich erzogen, weil das gesellschaftliche Umfeld   entsprechenden Druck auf die Eltern aus&#252;bt. Dies wurde sogar zu einer   Art Gesch&#228;ftsmodell, als im 19. Jh. das moderne Gro&#223;kaufhaus erfunden   und das b&#252;rgerliche Ideal der Fraulichkeit geschaffen wurde, wodurch   Frauen erst recht zu Objekten gemacht wurden. Mode, Sch&#246;nheit und   Werbung sind riesige Industrien, die einen gro&#223;en Anteil daran haben,   die Idee fortzuschreiben, nach der Frau keine wirkliche Frau ist, wenn   sie nicht viel Zeit und Geld auf die &#8222;Verbesserung&#8220; ihres Aussehens   verwendet.<\/p>\n<p>  Das m&#228;nnliche Geschlecht wird in den meisten Gesellschaften immer noch   als dem weiblichen &#252;berlegen angesehen, egal, ob es   Anti-Diskriminierungs-Gesetze gibt. Ein Junge lernt fr&#252;h im Leben, auf   sein Geschlecht stolz zu sein, w&#228;hrend M&#228;dchen vermittelt wird, sich   zur&#252;ck zu halten. Ein junger Mann, der sich f&#252;r &#8222;typische M&#228;dchensachen&#8220;   interessiert, l&#228;uft Gefahr, als Schwuler bezeichnet zu werden.   Homosexuelle begreifen sehr schnell, dass ihre sexuelle Pr&#228;ferenz ihnen   einen niedrigeren gesellschaftlichen Status verschafft und sie f&#252;r   Angriffe gef&#228;hrdeter macht. Auf der ganzen Welt sind Worte, die mit   Frauen und Sex ohne Liebe zu tun haben, als Schimpfw&#246;rter in Gebrauch.<\/p>\n<p>  Sexuelle Unterdr&#252;ckung verfolgt Frauen ihr ganzes Leben lang, und eine   der wichtigsten Forderungen von Frauenk&#228;mpfen, wo auch immer sie   stattfinden, ist diejenige nach dem Recht der Frau auf ihren eigenen   K&#246;rper. Vergewaltiger werden von der Vorstellung getrieben, dass sie das   Recht h&#228;tten, sich eine Frau gef&#252;gig zu machen. Und obwohl sich die   meisten M&#228;nner von gewaltsamem Mi&#223;brauch distanzieren, sind sexuelle   Bel&#228;stigungen etwas, das fast jede Frau schon einmal erlebt hat. Wenn   der Frauenanteil am Arbeitsplatz f&#228;llt und\/oder die Arbeitshetze steigt,   verzeichnen Gewerkschaftsberichte regelm&#228;&#223;ig einen Anstieg der F&#228;lle von   sexueller Bel&#228;stigung.<\/p>\n<p>  Das Frauenrecht auf den eigenen K&#246;rper beinhaltet auch das Recht auf   Abtreibung. Jedes Jahr sterben weltweit 70.000 Frauen als Folge   unsicherer Abtreibungen. 40 Prozent der Frauen weltweit leben in   L&#228;ndern, in denen Abtreibungsrechte schwer eingeschr&#228;nkt sind. Und   selbst dort, wo Abtreibung legal ist, werden illegale   &#8222;Nebengassen-Abtreibungen&#8220; weiterhin durchgef&#252;hrt, weil eine   professionelle medizinische Betreuung f&#252;r viele Frauen zu teuer ist. Der   freie Zugang zu Verh&#252;tungsmitteln und sanit&#228;ren Anlagen ist ebenfalls   eine wichtige Forderung. In Uganda werden viele M&#228;dchen mit erreichen   des 13. Lebensjahres gezwungen, die Schule zu verlassen, weil sie sich   Menstruationsprodukte nicht leisten k&#246;nnen. Frauen werden oft in ihrem   Leben eingeschr&#228;nkt, sei es wegen der Angst vor Vergewaltigungen, der   Scham &#252;ber den eigenen K&#246;rper, k&#246;rperlicher Schmerzen w&#228;hrend der   Schwangerschaft und der Arbeit, etc.. Sowohl in reichen als auch in   armen L&#228;ndern wird ihnen wirklicher Spa&#223; am Sex oft verweigert, was   negative Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand hat (die   Genitalverst&#252;mmelungen durch Beschneidung von M&#228;dchen, welche sowohl in   Europa als auch in Afrika durchgef&#252;hrt werden, sind nur der absto&#223;endste   Ausdruck dieser Art der Diskriminierung).<\/p>\n<h4>  Die Urspr&#252;nge des Internationalen Frauentages<\/h4>\n<p>  Die Entscheidung, einen j&#228;hrlichen Internationalen Frauentag abzuhalten,   um den Kampf aller Frauen f&#252;r das Wahlrecht zu st&#228;rken, wurde 1910   getroffen. Der Aufruf kam von der Frauenkonferenz der Tagung der   sozialistischen Zweiten Internationale in Kopenhagen desselben Jahres,   welche 170 TeilnehmerInnen aus 17 L&#228;ndern hatte. Die Initiative kam von   Clara Zetkin, welche in der deutschen und internationalen   Arbeiterbewegung aktiv war. Sie war seit vielen Jahren Chefredakteurin   der &#8222;Gleichheit&#8220; gewesen, der Zeitung der Sozialistischen   Frauen-Assoziation mit einer Auflage von 112.000. Sie f&#252;hrte nimmerm&#252;de   Kampagnen f&#252;r das Recht der Frauen, sich zu organisieren. F&#252;r die   m&#228;nnlichen Perteigenossen erkl&#228;rte sie: &#8222;Nur mit der proletarischen Frau   wird der Sozialismus siegen!&#8220;. Zetkin sagte, dass Sozialistinnen zwar   die Forderungen b&#252;rgerlicher Frauen nach Gerechtigkeit unterst&#252;tzen,   sich aber trotzdem auf Klassenbasis in eigenen Organisationen engagieren   m&#252;ssen. Dies erwies sich als v&#246;llig richtig &#8211; um die Suffrage (das   allgemeine Wahlrecht) zum Erfolg zu f&#252;hren, bedurfte es der   Kampfmethoden der Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>  Der Internationale Frauentag war urspr&#252;nglich als &#8222;Tag der arbeitenden   Frauen&#8220; bekannt und wurde an verschiedenen Tagen zu Beginn des Fr&#252;hjahrs   begangen. Erst 1921 beschloss die Kommunistische Internationale,   abermals auf Zetkins Initiative hin, den 8. M&#228;rz als j&#228;hrlichen Termin   festlegte. Dies zollte der Tatsache Rechnung, dass am 8. M&#228;rz 1917 die   Revolution in Russland ausgebrochen war (der 23. Februar nach dem alten   russischen Kalender). An diesem Tag verlie&#223;en 90.000 Textilarbeiterinnen   in einem spontanen Streik f&#252;r Brot und Frieden die Fabriken, der sich   immer mehr ausbreitete und erst abnahm, als der Zar gest&#252;rzt worden war.   Die Revolution ging weiter und gab mit der Macht&#252;bernahme der   ArbeiterInnen und B&#228;uerInnen im Oktober 1917 ArbeiterInnen und Frauen   weltweit einen fantastischen Schub Selbstbewu&#223;tsein. Das revolution&#228;re   Russland war das erste Land auf der Welt, welches M&#228;nnern und Frauen die   gleichen Rechte innerhalb der Familie gab, das Frauenwahlrecht   einf&#252;hrte, das Recht auf Abtreibungen, das Recht auf zivile   (nicht-religi&#246;se) Heirat und Scheidung, das Verbot sexueller   Bel&#228;stigung, Rechte f&#252;r Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender   sowie einen achtw&#246;chigen Mutterschutz einf&#252;hrte. Die Revolution sorgte   auch f&#252;r kommunale Kinderbetreuung, &#246;ffentliche W&#228;schereien und   Kantinen, auch wenn die Ressourcen f&#252;r deren Aufrechterhaltung immer zu   klein waren.<\/p>\n<h4>  Kampf f&#252;r Sozialismus dringend notwendig<\/h4>\n<p>  Die Hauptlehre aus den hundert Jahren seit dem ersten Internationalen   Frauentag ist, dass der Wandel viel zu langsam vonstatten geht. Wir   k&#246;nnen es uns nicht leisten, weitere 100 Jahre zu warten. Wie viele   Millionen Frauen werden w&#228;hrenddessen vergewaltigt werden, verhungern   oder durch Natur- und Klimakatastrophen und Kriege sterben? Die   wichtigste Lehre aus der Vergangenheit ist, dass wir keinerlei Vertrauen   in ein Wirtschaftssystem haben k&#246;nnen, das in regelm&#228;&#223;igen Abst&#228;nden   Krisen hervorbringt und in dem viele der erk&#228;mpften Verbesserungen   st&#228;ndig wieder zur&#252;ckgedr&#228;ngt werden. Es hilft uns nicht, dass mehr   Frauen Direktorinnen oder &#8222;F&#252;hrungskr&#228;fte&#8220; werden, wenn dieses auf   riesigen Klassenunterschieden basierende System, in dem die Mehrheit in   Armut lebt, weiter lebt.<\/p>\n<p>  Daher die Notwendigkeit eine sozialistischen Programms f&#252;r Frauenk&#228;mpfe,   mit einer revolution&#228;ren Ausrichtung, f&#252;r den Sturz des Kapitalismus. In   einer demokratischen sozialistischen Gesellschaft, wo der Besitz und die   Kontrolle &#252;ber die Wirtschaft und den Staat in den H&#228;nden der   ArbeiterInnen, der verarmten Massen und der Frauen ist, g&#228;be es   mannigfaltige Ressourcen, um in effektive Ma&#223;nahmen zu investieren, die   das Leben der Frauen verwandeln w&#252;rden. Andersartige wirtschaftliche und   soziale Beziehungen in einer sozialistischen Gesellschaft w&#252;rden den   Grundstein legen f&#252;r die Ausl&#246;schung von Sexismus. Auch w&#252;rde die   Vorstellung von unterschiedlichen Rollenbildern der Geschlechter   &#252;berholt, und die Unterdr&#252;ckung von Frauen insgesamt w&#252;rde verschwinden.<\/p>\n<p>  Eine Revolution kann nur siegen, wenn die Frauen an vorderster Front mit   dabei sind. Letztes Jahr, 2009, waren die iranischen Frauen wohl die   mutigsten aller K&#228;mpfer weltweit. Sie stellen weiterhin einen Gro&#223;teil   der Massenproteste gegen Achmadinedschads diktatorisches Regime, und in   Demonstrationen zusammen mit den M&#228;nnern stellen sie laute Kontingente   ohne Kopftuch. Jahrzehnte der Wut auf die Unterdr&#252;ckung haben sich im   Iran aufgestaut, und die Bewegung ist noch lange nicht vorbei, aber um   das Regime zu st&#252;rzen, braucht es noch mehr K&#228;mpfe der klassenbewussten   ArbeiterInnen.<\/p>\n<p>  Frauen stellen weltweit mindestens die H&#228;lfte der Arbeiterklasse, und   diese braucht &#252;berall neue sozialistische Parteien, k&#228;mpfende   Gewerkschaften und k&#228;mpferische Bewegungen auf lokaler Ebene, an denen   sich Arbeiterinnen beteiligen und den Kampf voranbringen. Wir d&#252;rfen es   niemals zulassen, dass sexistische Einstellungen seitens der M&#228;nner den   Kampf zersplittern und schw&#228;chen.<\/p>\n<p>  Es sind zwar einhundert Jahre verstrichen, ohne dass die Befreiung der   Frau aus der doppelten Unterdr&#252;ckung erreicht worden w&#228;re. Aber trotzdem   ist es ermutigend, dass die revolution&#228;ren und sozialistischen   Traditionen des Internationalen Frauentages weiterhin eine wichtige   Rolle dabei spielen, die K&#228;mperinnen und K&#228;mpfer gegen Kapitalismus und   Unterdr&#252;ckung in den verschiedenen Teilen der Welt zusammen zu bringen   und ihnen den R&#252;cken zu st&#228;rken. Genau dies ist n&#246;tig und wird uns   letztendlich zum Sieg f&#252;hren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Heute j&#228;hrt sich der Internationale Frauentag zum hundertsten Mal.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13579"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13579"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13579\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13579"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13579"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}