{"id":13578,"date":"2010-03-08T00:00:00","date_gmt":"2010-03-08T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13578"},"modified":"2010-03-08T00:00:00","modified_gmt":"2010-03-08T00:00:00","slug":"13578","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/03\/13578\/","title":{"rendered":"Zwischen Revolution und Konterrevolution"},"content":{"rendered":"<p>  Zur Geschichte der internationalen Frauenbewegung<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b><i>von Laura Rafetseder, Wien<\/i><\/b><\/h4>\n<p>  Die Idee f&#252;r einen k&#228;mpferischen &#8222;Frauentag&#8220; der Arbeiterinnen stammt   aus den USA. Verschiedene Ereignisse, die am 8. M&#228;rz stattfanden,   verliehen diesem Tag f&#252;r die dortigen ArbeiterInnen eine besondere   Bedeutung. So traten 1909 in New York 20.000 Textilarbeiterinnen in den   Streik. Nach zwei Monaten harter Auseinandersetzung und Tausenden   Verhaftungen konnten sie ihre Forderungen durchsetzen. Am letzten   Februar-Sonntag des selben Jahres veranstalteten US-amerikanische   SozialistInnen zum ersten Mal einen landesweiten Frauen-Aktionstag f&#252;r   Wahlrecht und Sozialismus.Diese Idee wurde von den bekannten deutschen   Sozialistinnen Clara Zetkin und K&#228;te Duncker aufgegriffen. Auf ihre   Initiative hin wurde auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen   Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einf&#252;hrung eines   internationalen Frauentages beschlossen. Am 19. M&#228;rz 1911 fanden in   Deutschland, &#214;sterreich, der Schweiz und den USA erste Aktionen statt.   Millionen Frauen beteiligten sich und forderten vor allem die Einf&#252;hrung   des Frauenwahlrechts. <\/p>\n<p>  Die Frauenbewegung war immer dann stark wenn sie mit anderen sozialen   Bewegungen in der Gesellschaft verbunden war. Die proletarische   Frauenbewegung erkannte f&#252;r sich in dieser Hinsicht eine &#8222;doppelte   Aufgabe&#8220;: Sie sah sich als (1) Vork&#228;mpferin der &#8222;Frauenfrage&#8220; in den   Gewerkschaften und linken Parteien und gleichzeitig (2) als Bestandteil   der ArbeiterInnenbewegung, welche als wichtigste und fortschrittlichste   soziale Bewegung, Frauenrechte tats&#228;chlich durchk&#228;mpfen k&#246;nne und   konnte. Die proletarische Frauenbewegung stand in der Folge in vielen   K&#228;mpfen am radikalsten oder linken Fl&#252;gel solcher Bewegungen.   Tats&#228;chlich kam es auch im Zusammenhang mit der Durchsetzung allgemeiner   gesellschaftlicher Errungenschaften durch die ArbeiterInnenbewegung oft   zur spezifischen Verbesserungen f&#252;r Frauen &#8211; oder umgekehrt. Das war zum   Beispiel in Folge der Russischen Revolution 1917 bzw. der revolution&#228;ren   Bewegungen in ganz Europa nach dem ersten Weltkrieg der Fall. Die   russische Revolution wurde durch K&#228;mpfe von Frauen in den Industriezentren   ausgel&#246;st. In der Folge wurde in vielen Teilen Europas zumindest der   Acht-Stundentag und das Frauenwahlrecht erk&#228;mpft. Das sozialistische   Programm der Bolschewiki in Russland das unmittelbar nach der Revolution   umgesetzt wurde beinhaltete freilich wesentlich mehr. Z.B. ziviles   Eherecht, Scheidungsrecht, Kinderbetreuung, und das Recht auf   Abtreibung. In einem damals wirtschaftlich r&#252;ckst&#228;ndigsten Land Europas   wurden Ma&#223;nahmen eingef&#252;hrt, die darauf abzielten Frauen von   Abh&#228;ngigkeit und Unterdr&#252;ckung im famili&#228;ren Bereich sowie von   Diskriminierung in Lohn- und Arbeitsfragen zu befreien. Recht auf   Bildung f&#252;r M&#228;nner und Frauen sowie die Bek&#228;mpfung von Analphabetismus   war f&#252;r die junge Sowjetrepublik von erster Priorit&#228;t. Es gab   ambitionierte Projekte mit Gemeinschaftsk&#252;chen und Restaurants um die   Aufgaben der Hausarbeit, die davor von Frauen im privaten erledigt   wurden, zu &#252;bernehmen. Dass diese Ma&#223;nahmen nicht von Dauer waren, lag   an daran, dass sich aufgrund der Isolation der Sowjetrepublik eine   stalinistische B&#252;rokratie durchsetzen konnte. <\/p>\n<p>  Im Gegensatz dazu betrieb das NS-Regime extrem r&#252;ckschrittliche   Frauenpolitik, die darauf abzielte die Frau auf ihre Rolle als   &#8222;Geb&#228;rerin&#8220; zu reduzieren. Das war nicht nur, aber auch, eine Reaktion   auf die Wirtschaftskrise, die es notwendig machte mit &#8222;Zur&#252;ck an den   Herd&#8220;-Politik Frauen vom Arbeitsmarkt zu verdr&#228;ngen. <\/p>\n<p>  Nach 1945 wurden mit dem Nachkriegsaufschwung Frauen dagegen wieder   massiv in die Erwerbsarbeit gezogen. Mehr finanzielle Unabh&#228;ngigkeit   bedeutete auch ein h&#246;heres Selbstbewusstsein, die Einbeziehung in die   Erwerbsarbeit gab die M&#246;glichkeit aus der Isolation auszubrechen und an   K&#228;mpfen teilzunehmen. Mit Erstarken der ArbeiterInnenbewegung in den   1970ern bzw. nach 1968 wurden weitere Verbesserungen f&#252;r Frauen erk&#228;mpft   &#8211; das Recht auf freien Bildungszugang bzw. in &#214;sterreich die   Fristenl&#246;sung (siehe nebenstehender Artikel). <\/p>\n<p>  Mit Ende des Nachkriegsaufschwung, dem Zusammenbruch des Stalinismus und   dem Rechtsruck der Sozialdemokratie setzten sich nicht nur neoliberale   Politik wie z.B. Privatisierungen durch, sondern auch der extreme   Individualismus der 90er. Damit stand die Idee im Zentrum, Frauen seien   ja &quot;eh schon gleichberechtigt&quot;, bzw. k&#246;nnten alles erreichen was sie   wollten, wenn sie es nur probieren w&#252;rden. Tats&#228;chlich ist dieser   Powerfrauenmythos ein h&#246;chst zynischer Zugang. Das &#252;berl&#228;sst Frauen sich   selbst und gibt ihnen die Schuld daf&#252;r, wenn sie angesichts der   doppelten Belastung von Beruf und Familie an Burn-Out-Grenzen gelangen   oder aufgrund fehlender Kinderbetreuungspl&#228;tze ihren Job verlieren. Dem   entgegen stellen wir den gemeinsamen Kampf gegen das System &#8211; anstatt   als Einzelk&#228;mpferin gegen Windm&#252;hlen anzugehen. Die bl&#252;hende   Sexindustrie in Osteuropa zeigt die desastr&#246;sen Folgen der   Wiedereinf&#252;hrung des Kapitalismus f&#252;r Frauen in den ehemals   stalinistischen L&#228;ndern. Mit der aktuellen Krise und der steigenden   Arbeitslosigkeit ist zu bef&#252;rchten dass es ab einem bestimmten Punkt   verst&#228;rkte Versuche einer &#8222;Frau zur&#252;ck an den Herd&#8220;-Politik und Angriffe   auf erk&#228;mpfte Rechte geben wird &#8211; wenn das nicht durch eine starke   Bewegung verhindert wird. <\/p>\n<h2>  <b>Woher kommt Frauenunterdr&#252;ckung?<\/b><\/h2>\n<h4>  <i>von Laura Rafetseder, Wien<\/i><\/h4>\n<p>  Warum kann es keine vollst&#228;ndige Frauenbefreiung innerhalb des Rahmens   des Kapitalismus geben? Frauenunterdr&#252;ckung ist gleichzeitig mit der   Klassengesellschaft entstanden. Mit den ersten Klassengesellschaften wie   z.B. den Sklavenhaltergesellschaften im alten Rom oder in Griechenland   wurde erstmals mehr produziert als unmittelbar verbraucht wurde &#8211; das   hei&#223;t, es gab etwas zu vererben. Das bedeutet, dass mit der Entstehung   des Privateigentums das urspr&#252;ngliche Erbrecht nach m&#252;tterlicher Linie   auf ein patrilineares Erbrecht ge&#228;ndert wurde &#8211; laut Engels die   historische Niederlage der Frau. Um das abzusichern entstanden   staatliche Strukturen inkl. Armee, Polizei, Gerichte, aber auch in der   Folge sexistische Ideologie. Diese sexistische Ideologie dient   einerseits wie Rassismus dazu zu spalten &#8211; nach dem Prinzip Teile und   Herrsche &#8211; aber andererseits auch dazu, Frauen dazu zu bringen die   notwendige unbezahlte Arbeit in der Familie zu leisten. Das heisst, es   wird von Frauen erwartet abh&#228;ngig und unterw&#252;rfig zu sein, um die   n&#228;chste Generation aufzuziehen. Gesetze, Religion, Medien etc. dienen   dazu diesen Zustand aufrecht zu erhalten. Dazu geh&#246;rt auch, Frauen das   Gef&#252;hl zu geben, minderwertig zu sein oder nur Wert erlangen zu k&#246;nnen,   wenn sie die Bed&#252;rfnisse des Mannes befriedigen. Sexismus hat System &#8211;   er geh&#246;rt untrennbar zur Klassengesellschaft und damit zum Kapitalismus.<\/p>\n<p>  Mit der Einbeziehung der Frauen in den Arbeitsmarkt &#8211; f&#252;r die   KapitalistInnen nat&#252;rlich besonders in Zeiten des Wachstums auch   notwendig, vor allem als billige Arbeitskr&#228;fte (denn &#8222;nat&#252;rlich&#8220;   verdient die Frau weniger) &#8211; konnten Frauen aus der famili&#228;ren Isolation   treten. Durch den Kontakt<\/p>\n<p>  zu anderen ArbeiterInnen wurden sie in kollektive Lohn- und   Arbeitsk&#228;mpfe einbezogen bzw. initiierten sie selbst. Auch heute stehen   Frauen an der Front vieler K&#228;mpfe (aktuell z.B. in der Uni-Bewegung bzw.   im Kampf der Kinderg&#228;rtnerInnen). Doch die eigentlichen Strukturen der   Familie wurden nicht aufgebrochen, da ihre Funktionen f&#252;r den   Kapitalismus lebenswichtig sind.&#160; Die Frau, der die gesamte   Verantwortung f&#252;r die Familie aufgeb&#252;rdet wird, leistet nach wie vor   unbezahlte Arbeit, die die Aufrechterhaltung der Gesellschaftsordnung   erm&#246;glicht. So werden in &#214;sterreich t&#228;glich 30 Millionen Stunden in   Familien- und Hausarbeit investiert &#8211; 70% dieser Arbeit wird von Frauen   geleistet. Je nach wirtschaftlichem Bedarf wird die Rolle der Frau in   der Familie st&#228;rker oder schw&#228;cher betont. Denn so k&#246;nnen Frauen in   Krisenzeiten vom Arbeitsmarkt verdr&#228;ngt (und in Abh&#228;ngigkeit vom Mann   hineingedr&#228;ngt) und die Arbeitslosenstatistik gesch&#246;nt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Zur Geschichte der internationalen Frauenbewegung\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13578"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13578"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13578\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13578"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13578"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13578"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}