{"id":13573,"date":"2010-03-03T16:00:00","date_gmt":"2010-03-03T15:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13573"},"modified":"2012-05-15T15:02:11","modified_gmt":"2012-05-15T13:02:11","slug":"13573","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/03\/13573\/","title":{"rendered":"Kritik an Tarifeinigung im Berliner &#214;ffentlichen Dienst"},"content":{"rendered":"<p>  Mitglieder der Partei DIE LINKE melden sich zu Wort<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i><b>Wir dokumentieren hier eine Erkl&#228;rung von Berliner Mitgliedern der   Partei DIE LINKE zur Tarifeinigung im Berliner &#214;ffentlichen Dienst:<\/b><\/i><b> <\/b>    <\/p>\n<p>  <b> <\/b>    <\/p>\n<p>  <b>Tarifeinigung im Berliner &#214;ffentlichen Dienst: &quot;Tarifperspektive&#8220;   oder weitere sieben Jahre Lohnabsenkung?<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p>  In der aktuellen Tarifrunde f&#252;r die &#246;ffentlichen Bediensteten des Bundes   und der Kommunen steht die Bundespartei DIE LINKE mit   Solidarit&#228;tserkl&#228;rungen und Aktionen an der Seite der Gewerkschaften und   der Besch&#228;ftigten.<\/p>\n<p>  Das ist gut so, aber die Frage, die sich uns in Berlin aufdr&#228;ngt, lautet:<\/p>\n<p>  Gilt das nur, solange DIE LINKE nicht in der Regierung sitzt ?<\/p>\n<p>  In Berlin hat sich der Landesparteitag der Partei DIE LINKE Ende   November 2009 f&#252;r eine sp&#252;rbare &#8222;Einkommensverbesserung in allen   Bereichen, mehr Besch&#228;ftigung und Besch&#228;ftigungssicherung&#8220;   ausgesprochen. Das Tarifergebnis sieht v&#246;llig anders aus.<\/p>\n<p>  F&#252;r LINKE-Landeschef Lederer ist die erzielte &#8222;Tarifperspektive&#8220; &#8222;ein   gutes Zeichen f&#252;r die Besch&#228;ftigten&#8220;.<\/p>\n<p>  Das d&#252;rften viele der ca. 50.000 Landesbediensteten nach Betrachtung des   Ergebnisses anders sehen:<\/p>\n<p>  * Im Mittelpunkt stehen eine eineinhalbj&#228;hrige Nullrunde bis August   2011, ab dann sollen die Bez&#252;ge auf 97 % des Niveaus der   Tarifgemeinschaft der L&#228;nder (TdL) angehoben werden, erst nach sieben   Jahren &#8211; Ende 2017 (!) &#8211; sollen auch in Berlin 100 % des TdL-Niveaus   gezahlt werden.<\/p>\n<p>  * W&#228;hrend das Land Berlin &#8222;beabsichtigt&#8220; bis zum 31.12.2011 wieder   Mitglied der TdL zu werden, gilt f&#252;r ver.di, GEW, GdP und IG BAU bis zu   diesem Zeitpunkt die Friedenspflicht.<\/p>\n<p>  * Ab August 2011 betr&#228;gt die Wochenarbeitszeit in ganz Berlin 39   Stunden. Damit wird zum einen die Arbeitszeitverk&#252;rzung aus dem Jahr   2003 von 40 (Ost) bzw. 38,5 (West) auf 33,88 bzw. 36,8 Stunden   r&#252;ckg&#228;ngig gemacht und zus&#228;tzlich die Arbeitszeit f&#252;r die   Westbesch&#228;ftigten um eine halbe Stunde auf 39 Stunden ohne Lohnausgleich   verl&#228;ngert. Allein die halbe Stunde Mehrarbeit entspricht einer   Nominallohnsenkung von knapp 1,3 %.<\/p>\n<p>  Mit der Verl&#228;ngerung der Arbeitszeiten droht massiver Stellenabbau.   Bereits im Doppelhaushalt 2010\/2011 ist die Vernichtung von 8000 Stellen   vorgesehen.<\/p>\n<p>  * Zehntausende Beamtinnen und Beamte gehen komplett leer aus und   bekommen auf absehbare Zeit keine Lohnerh&#246;hung.<\/p>\n<p>  *Ebenfalls ab August 2011 gilt die Unk&#252;ndbarkeit auch im Osten von   Berlin.<\/p>\n<p>  Erinnern wir uns an 2003:<\/p>\n<p>  Nach dem Austritt Berlins aus dem Kommunalen Arbeitgeberverband und der   folgenden Tarifauseinandersetzung kam es nach einem Spitzengespr&#228;ch   zwischen ver.di-Chef Bsirske und dem Regierenden B&#252;rgermeister Wowereit   zum so genannten &#8222;Solidarpakt&#8220; (Arbeitszeitverk&#252;rzung ohne Lohnausgleich   beim Ausschluss betriebsbedingter K&#252;ndigungen bis 2009), der den   Besch&#228;ftigten dramatische Einkommensverluste von 8 &#8211; 12 % bescherte.<\/p>\n<p>  Anschlie&#223;end erkl&#228;rte Bsirske:<\/p>\n<p>  &#8222;Am Ende seiner Laufzeit , also 2009, wird &#8222;Geld gegen Freizeit&#8220;   automatisch wieder zur&#252;ckgetauscht, also &#8222;Zeit gegen Geld&#8220;.<\/p>\n<p>  Davon ist nun keine Rede mehr, im Kern m&#252;ssen sich die   Landesbesch&#228;ftigten die Zusagen von 2003 bzw. diesbez&#252;gliche   Absichtserkl&#228;rungen des Senats mit einer erneuten Nullrunde &#8222;erkaufen&#8220; !   Dar&#252;ber hinaus droht mit einer erneuten Arbeitszeitverl&#228;ngerung die   Vernichtung von Stellen. Und das vor dem Hintergrund, dass seit 1991 in   Berlin 100.000 Stellen im &#214;ffentlichen Dienst abgebaut bzw.   ausgegliedert wurden. Viele KollegInnen sind bereits jetzt stark   &#252;berlastet. Der erhebliche Personalmangel hat schon jetzt zur Folge,   dass Berliner und Berlinerinnen in einigen Bezirken beispielsweise mehr   als f&#252;nf Monate auf ihr Wohngeld warten m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Wir rufen die KollegInnen auf, bei der von den Gewerkschaften   durchgef&#252;hrten Mitgliederbefragungen mit Nein zu stimmen und fordern von   der Berliner LINKE-F&#252;hrung sich endlich auf die Seite der Kolleginnen   und Kollegen zu stellen und gegen Stellenabbau und Lohnverzicht im   &#214;ffentlichen Dienst zu k&#228;mpfen.<\/p>\n<p>  Die mittelfristige Finanzplanung des Landes Berlin sieht bis 2020 einen   ausgeglichenen Haushalt vor und damit keine Netto-Neuverschuldung mehr.<\/p>\n<p>  Um das zu erreichen, sind schon nach den bisherigen Planungen &#8211; also   ohne Einkalkulierung der dramatischen Folgen der Wirtschafts- und   Finanzkrise (sinkende Steuereinnahmen, steigende Sozialausgaben) &#8211;   K&#252;rzungen bei den so genannten &#8222;Prim&#228;rausgaben&#8220; (alle Kosten abz&#252;glich   Schuldendienst, also vor allem Personalkosten) vorgesehen. Der   Doppelhaushalt 2010\/2011 sieht so bereits einen weiteren Abbau von 8000   Stellen vor.<\/p>\n<p>  Anders formuliert:<\/p>\n<p>  Der Berliner Haushalt ist mit oder ohne vern&#252;nftige Bezahlung der   &#246;ffentlichen Bediensteten absehbar nicht &#8222;konsolidierbar&#8220;, wenn das Geld   nicht dort geholt wird, wo es sich befindet: bei den Reichen und   Konzernchefs.<\/p>\n<p>  Man muss also kein Prophet oder Schwarzseher sein, um weitere Angriffe   auf die Besch&#228;ftigten zu erwarten, etwa die Abpressung eines weiteren   &#8222;Solidarpaktes&#8220; mit der Drohung betriebsbedingter K&#252;ndigungen.<\/p>\n<p>  Weitere &#8222;Nullrunden&#8220; sind nicht nur unzumutbar f&#252;r die Besch&#228;ftigten,   sondern besch&#228;digen auch die Glaubw&#252;rdigkeit des gesamten, bundesweiten   Projekts DIE LINKE.<\/p>\n<p>  Wie sollen unsere GenossInnen im Rest der Republik L&#228;nderfinanzministern   und kommunalen K&#228;mmerern, die den (vermeintlichen) Sachzwang der &#8222;leeren   Kassen&#8220; wie eine Monstranz vor sich hertragen, plausibel entgegen   treten, wenn die eigenen Leute in Berlin genau mit diesem Argument immer   wieder Lohnzur&#252;ckhaltung predigen ?<\/p>\n<p>  Die Interessen der besch&#228;ftigten wie erwerbslosen LohnarbeiterInnen   werden aber nicht durch mehr oder weniger kluge   Regierungs-\/Koalitionstaktik entschieden, sondern in den Klassenk&#228;mpfen   selbst.<\/p>\n<p>  Die LINKE muss sich auch in Berlin endlich entscheiden, auf welcher   Seite sie in diesen K&#228;mpfen steht, weshalb eine Diskussion &#252;ber den   Ausstieg aus der Berliner Landesregierung in der Partei auf die   Tagesordnung geh&#246;rt. Das Tarifergebnis ist f&#252;r uns genauso wie die   geplante Teilausschreibung der Berliner S-Bahn ein erneuter Beleg daf&#252;r,   dass DIE LINKE in der Regierung mit der unsozialen SPD nicht die   Interessen von Erwerbslosen, Besch&#228;ftigten und Jugendlichen durchsetzen   kann, sondern sich f&#252;r den Sozialabbau mitverantwortlich macht und den   Widerstand gegen die Politik der Regierung schw&#228;cht.<\/p>\n<p>  Gerade in der Krise ist es die Aufgabe der LINKEN f&#252;r   Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohnausgleich zu k&#228;mpfen, um zu   verhindern, dass Stellen abgebaut werden und damit neue Stellen   geschaffen werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  <b>Unterzeichnende: <\/b><\/p>\n<p>  <b>Angelika Teweleit, <i>Mitglied Bezirksverband Berlin-Neuk&#246;lln und   Sprecherin f&#252;r Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di<\/i>   <\/b><\/p>\n<p>  <b>Anne Engelhardt, <i>Bezirksverordnete Berlin-Mitte Fraktion DIE LINKE<\/i>   <\/b><\/p>\n<p>  <b>Jens Carlberg, <i>Mitglied Bezirksverband   Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf<\/i> <\/b><\/p>\n<p>  <b>Michael Schilwa,<i> Mitglied Bezirksverband   Berlin-Tempelhof-Sch&#246;neberg<\/i> <\/b><\/p>\n<p>  <b>Monika Merk, <i>Sprecherin LINKE-Spandau<\/i> <\/b><\/p>\n<p>  <b>Viktor Frohmiller, <i>Mitglied Bezirksverband Berlin-Neuk&#246;lln und   Jugend- und Auszubildendenvertreter bei der BVG (in eigener Person)<\/i> <\/b><\/p>\n<p>  <b>Piotr Luczak, <i>Mitglied Bezirksverband Berlin-Spandau<\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Mitglieder der Partei DIE LINKE melden sich zu Wort\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,25,15],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13573"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13573"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13573\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13573"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13573"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13573"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}