{"id":13557,"date":"2010-03-23T00:00:00","date_gmt":"2010-03-22T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13557"},"modified":"2012-05-15T15:01:51","modified_gmt":"2012-05-15T13:01:51","slug":"13557","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/03\/13557\/","title":{"rendered":"Neue rot-rot-gr&#252;ne Liebelei"},"content":{"rendered":"<p>  Ypsilanti, Kipping und Giegold starten Institut Solidarische Moderne<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Andrea Ypsilanti (SPD), Katja Kipping (stellvertretende   LINKE-Vorsitzende) und der EU-Parlamentarier Sven Giegold von den Gr&#252;nen   haben das Institut Solidarische Moderne ins Leben gerufen. Sie   versprechen einen &#8222;Think Tank&#8220; f&#252;r linke Ideen. Ihnen angeschlossen   haben sich WissenschaftlerInnen, Aktive und Politiker aus dem Spektrum   von SPD, Gr&#252;nen und DIE LINKE. Dahinter steckt vor allem die Intention,   einer rot-rot-gr&#252;nen Regierung nach der Bundestagswahl 2013 den   politischen Weg zu bereiten.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Doreen Ullrich, Aachen<\/i><\/h4>\n<p>  Im Intro des Gr&#252;ndungsaufrufes hei&#223;t es: &#8222;Die existenziellen   gesellschaftlichen Gefahren verlangen politisch realisierbare   Antworten.&#8220; Was &#8222;realisierbare Antworten&#8220; sind, dar&#252;ber l&#228;sst sich   durchaus streiten.<\/p>\n<h4>  Antikapitalismus pass&#233;?<\/h4>\n<p>  Die Wirtschaftskrise findet in dem Aufruf gar keine Erw&#228;hnung. Es wird   nicht die kapitalistische Produktionsweise in den Mittelpunkt der Kritik   ger&#252;ckt, sondern die &#8222;Hegemonie des Neoliberalismus in Politik und   Wirtschaft&#8220;. In keinem Satz wird die Frage des Privateigentums an den   Produktionsmitteln in Frage gestellt, sondern nur eine andere Verteilung   des Reichtums eingefordert. Es wird sogar die Geschichte der Linken   umgeschrieben, wenn behauptet wird, die &#8222;soziale Frage (&#8230;) der   &#8218;industriellen Linken&#8216; war die Frage nach der Verteilung des   gesellschaftlich geschaffenen Mehrprodukts.&#8220; Tats&#228;chlich hat die   sozialistische Arbeiterbewegung die Frage der Aneignung des Mehrprodukts   und der Eigentums- und Produktionsverh&#228;ltnisse aufgeworfen.<\/p>\n<p>  Der Aufruf f&#228;llt weiter hinter die bisherigen Programmdiskussionen der   LINKEN zur&#252;ck, in denen die &#220;berf&#252;hrung von Banken und Konzernen in   &#246;ffentliches Eigentum thematisiert wird oder in denen Linksjugend   [&#8217;solid] f&#252;r eine gesellschaftliche Planung der Produktion eintritt.<\/p>\n<p>  In diesem Sinne ist die Gr&#252;ndung des Instituts vor allem ein   ideologischer Angriff auf die sozialistischen Linken in der Partei DIE   LINKE und der Versuch, die programmatischen und theoretischen Debatten   in linken Bewegungen im marktwirtschaftlichen Rahmen zu halten.<\/p>\n<h4>  Abkehr von den Lohnabh&#228;ngigen<\/h4>\n<p>  Die Gr&#252;nder des Institutes schreiben: &#8222;Zu den konzeptionellen Schw&#228;chen   der industriellen Linken geh&#246;rte und geh&#246;rt (&#8230;) die Fokussierung auf   Erwerbsarbeit und eine damit einhergehende Ignoranz gegen&#252;ber anderen,   gesellschaftlich gleicherma&#223;en bedeutenden T&#228;tigkeiten wie   Reproduktionsarbeit, politisches Engagement, Bildungsarbeit und Mu&#223;e.&#8220;<\/p>\n<p>  Fakt ist aber, dass der Reichtum jeder Gesellschaft auf Arbeit beruht.   Gerade in der aus Sicht der Autoren verstaubten industriellen   Erwerbsarbeit werden neue Werte geschaffen. Auf dieser materiellen Basis   fu&#223;en dann &#8222;Reproduktions- und Bildungsarbeit&#8220; oder &#8222;Mu&#223;e&#8220;.<\/p>\n<p>  Die Orientierung der &#8222;alten Linken&#8220; auf die Klasse der Lohnabh&#228;ngigen   sei ein Fehler, den es zu beheben gelte. Damit wollen die Mitglieder des   Instituts vor allem eines ausdr&#252;cken: Nicht die Arbeiterklasse sei die   entscheidende Kraft zur gesellschaftlichen Ver&#228;nderung, sondern soziale   Bewegungen, die B&#252;rgerInnen und so weiter. In jedem Fall wird nicht von   einem unvers&#246;hnlichen Klassengegensatz zwischen Kapital und Arbeit   ausgegangen. Wenn man aber die entscheidende Bedeutung der   Arbeiterklasse &#8211; die 90 Prozent der erwerbst&#228;tigen Bev&#246;lkerung stellt   und auf Grund ihrer Rolle im Produktionsprozess die einzige   gesellschaftliche Kraft ist, die eine neue Wirtschaftsweise organisieren   kann &#8211; herunterspielt, wird man keine grundlegenden Verbesserungen   realisieren k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Crossover &#8211; das neue Wort f&#252;r Koalition?<\/h4>\n<p>  Die selbsternannte neue Denkfabrik bezeichnet sich auch als   &#8222;Crossover-Institut&#8220; und stellt damit klar: Wir sind ein rot-rot-gr&#252;ner   Gegenentwurf zu Schwarz-Gelb. So formuliert der Gr&#252;ndungsaufruf: &#8222;Die   gemeinsame Suche nach Alternativen ist ein entscheidender Beitrag dazu,   dass aus der danach fragenden gesellschaftlichen Mehrheit wieder eine   politische Mehrheit in demokratischen Wahlen wird.&#8220; Mehr oder weniger   offen &#228;u&#223;ern sich Gr&#252;ndungsmitglieder positiv zu Rot-Rot-Gr&#252;n. So sagte   der Philosoph Thomas Seibert gegen&#252;ber der Zeitung &#8222;Analyse &amp; Kritik&#8220; zu   seiner Unterst&#252;tzung des Instituts: &#8222;Es nimmt an der Herausbildung einer   rot-rot-gr&#252;nen Wahloption teil.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Fragend schreiten wir voran&#8220;, hei&#223;t es weiter im Gr&#252;ndungsaufruf der   Solidarischen Moderne. DIE LINKE muss vor allem eine Frage kl&#228;ren: Will   sie die Interessen von Lohnabh&#228;ngigen und Erwerbslosen konsequent   vertreten und eine grundlegende gesellschaftliche Alternative zum   Kapitalismus oder m&#246;chte sie dieses krisenhafte System in rot-rot-gr&#252;nen   Regierungen verwalten? Darauf muss eine klare Antwort gegeben werden:   Kapitalismus bek&#228;mpfen statt verwalten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ypsilanti, Kipping und Giegold starten Institut Solidarische Moderne\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[223],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13557"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13557"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13557\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13557"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13557"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13557"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}