{"id":13554,"date":"2010-03-08T00:01:00","date_gmt":"2010-03-08T00:01:00","guid":{"rendered":".\/?p=13554"},"modified":"2010-03-08T00:01:00","modified_gmt":"2010-03-08T00:01:00","slug":"13554","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/03\/13554\/","title":{"rendered":"&#8222;Das bisschen Haushalt&#8230;?!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Hausarbeit im 21. Jahrhundert &#8211; bezahlen oder vergesellschaften?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>&#8222;Schatz &#8211; mach die K&#252;chent&#252;r zu. Ich kann nicht zusehen, wie du dich   abrackerst.&#8220; Ist die passende Antwort darauf, a) Die T&#252;r schlie&#223;en und   weinen, b) sich nicht &#228;rgern, weil das &#8222;Abrackern&#8220; jetzt ein anerkannter   und bezahlter Beruf ist, c) den Kerl vor die T&#252;r setzen und f&#252;r die   Vergesellschaftung der Hausarbeit k&#228;mpfen?<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Christine Lehnert, Rostock<\/i><\/h4>\n<p>  Auch im 21. Jahrhundert wenden Frauen in der Bundesrepublik im   Durchschnitt 20,4 Stunden pro Woche f&#252;r Hausarbeiten auf, w&#228;hrend M&#228;nner   nur 7,2 Stunden investieren (Umfrage des Gottlieb-Duttweiler-Instituts   von 2006). Und wenn &#8222;er&#8220; sich engagiert, geschieht dies noch immer   zumeist entsprechend der typischen Rollenverteilung. &#8222;Er&#8220; k&#252;mmert sich   um Reparaturen oder w&#228;scht das Auto. Waschen und B&#252;geln &#252;bernehmen in   vier F&#252;nftel der Haushalte die Frauen. Da Frauen heute ebenso einen   Beruf erlernen oder aus&#252;ben, tr&#228;gt &#8222;sie&#8220; somit eine enorme   Doppelbelastung.<\/p>\n<p>  Wenn sich Nachwuchs einstellt, bleiben ebenfalls in der Regel die Frauen   zu Hause. Neben noch immer verwurzelten Rollenbildern sind daf&#252;r vor   allem materielle Zw&#228;nge der Grund. Durchschnittlich verdienen Frauen nur   78 Prozent des Einkommens von M&#228;nnern &#8211; bei gleichwertiger Arbeit   (Studie der EU-Kommission von 2008). Daran &#228;ndert auch das Elterngeld   nichts, das mit 67 Prozent des Nettoeinkommens viel zu gering bemessen   ist.<\/p>\n<h4>  Hausarbeit ist Stress<\/h4>\n<p>  Angesichts dieser Zust&#228;nde ist es nicht verwunderlich, wenn Menschen auf   die Idee kommen, dass es sehr viel gerechter w&#228;re, wenn die von Frauen   unentgeltlich geleistete Arbeit vern&#252;nftig entlohnt werden w&#252;rde. Das   k&#246;nnte &#8211; so die Bef&#252;rworterInnen &#8211; diesen Frauen die entsprechende   gesellschaftliche Anerkennung gew&#228;hren und ihnen erm&#246;glichen,   gleichzeitig Hausfrau und trotzdem finanziell unabh&#228;ngig vom Partner zu   sein.<\/p>\n<p>  Schon in den Siebzigern entwickelte sich in der Frauenbewegung die   Diskussion &#252;ber bezahlte Hausarbeit. Seitdem machen KritikerInnen dieser   Forderung immer wieder darauf aufmerksam, dass es nicht im Sinne der   Frauen sein kann, wenn hier die geschlechterspezifische   Aufgabenverteilung zementiert wird. Statt Klischees zu bek&#228;mpfen, werden   sie so &#8222;hoff&#228;hig&#8220; gemacht.<\/p>\n<p>  Statt die gesellschaftliche Verantwortung f&#252;r die Erziehung von Kindern   einzufordern und deren Notwendigkeit f&#252;r die Herausbildung einer   gesunden Pers&#246;nlichkeit zu betonen, wird die ganze Verantwortung bei den   M&#252;ttern abgeladen. Die Folgen dieser Belastung belegt eine Forsa-Studie   von 2009, die aufzeigt, dass 95 Prozent der Hausfrauen &#252;ber Stress   klagen, &#8222;vier von zehn sind in k&#246;rperlichem und psychischem Daueralarm:   Der Puls rast, der Magen dr&#252;ckt und die Gedanken kommen nicht zur Ruhe.&#8220;   Die Befragten gaben an, dass sie die Kindererziehung am meisten belasten   w&#252;rde.<\/p>\n<h4>  Stress abschaffen &#8211; Hausarbeit vergesellschaften<\/h4>\n<p>  Die L&#246;sung kann also nicht die weitere Individualisierung mit   entsprechender &#8222;Aufwandsentsch&#228;digung&#8220; sein, sondern eine   Vergesellschaftung von Hausarbeit und Kinderbetreuung. Auch die   Essensversorgung oder das W&#228;schewaschen k&#246;nnte heute ohne Probleme   vergesellschaftet werden. Gro&#223;w&#228;schereien w&#228;ren ok&#246;logischer als eine   Waschmaschine in jeder Wohnung. Preiswerte Restaurants und Kantinen   w&#228;ren eine Alternative zum stressigen und teureren Einkaufen, Kochen und   Abwaschen.<\/p>\n<p>  Die Herrschenden werden wir mit diesen schlagenden Argumenten allerdings   nicht &#252;berzeugen. Schlie&#223;lich spart sich der Unternehmer durch die   unbezahlte Hausarbeit die Kosten f&#252;r Betriebskinderg&#228;rten und   W&#228;schereien. Zudem lernen Menschen in der klassischen Kleinfamilie, in   Hierarchien zu leben: die Frau ist dem Mann, das Kind den Eltern   untergeordnet. Generell wird dar&#252;ber die Spaltungspolitik weiter   gef&#246;rdert. Dagegen gilt es anzuk&#228;mpfen: nicht nur, aber auch am 8. M&#228;rz,   dem Internationalen Frauentag!<\/p>\n<h4>  Christine Lehnert ist SAV-B&#252;rgerschaftsabgeordnete in Rostock<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Hausarbeit im 21. 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