{"id":13552,"date":"2010-03-05T00:00:00","date_gmt":"2010-03-05T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13552"},"modified":"2010-03-05T00:00:00","modified_gmt":"2010-03-05T00:00:00","slug":"13552","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/03\/13552\/","title":{"rendered":"&#8222;Jeder soll v&#246;llig flexibel sein&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Gespr&#228;ch zum Arbeitsstress bei der Telekom<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  sozialismus.info: Du hast Dir vor einigen Monaten eine Abfindung   auszahlen lassen und hast die Deutsche Telekom verlassen. Wie geht es   Dir jetzt?<\/h4>\n<p>  Katrin: Viel besser, Danke. Das war die beste Entscheidung, die ich   treffen konnte. Anfangs hatte ich meine Bedenken, inzwischen f&#252;hle ich   mich wieder wie ein normaler Mensch. Ich habe sehr lange gebraucht mich   von den vielen Stress-Symptomen zu erholen und inzwischen kann ich   wieder ruhig schlafen. F&#252;r kein Geld der Welt w&#252;rde ich dort wieder   anfangen.<\/p>\n<h4>  sozialismus.info: Du hast den Aufhebungsvertrag unterschrieben, obwohl   Du noch sehr jung bist und nicht mit so hohen Zahlungen wie &#228;lter   KollegInnen rechnen konntest. Wie kam es dazu?<\/h4>\n<p>  Katrin: Es war f&#252;r mich nicht mehr m&#246;glich dort zu arbeiten. Durch die   Verlagerung meines Standortes w&#228;re ich t&#228;glich f&#252;nf Stunden unterwegs   gewesen. So k&#246;nnte ich meinen kleinen Sohn nicht mehr betreuen. Ich   hatte schon lange daran gedacht aufzuh&#246;ren. In Call Centern geht es nur   ums Verkaufen, selbst wenn man Beschwerden von Kunden bearbeitet. Es   herrscht ein enormer Druck, auch psychisch durch die wachsende   Konkurrenz der KollegInnen untereinander. Arbeit unter permanenter   Kontrolle und vollkommen fremdbestimmt macht krank und funktioniert   schon gar nicht, wenn man motiviert beraten soll.<\/p>\n<h4>  sozialismus.info: Auf die verbliebenen KollegInnen und andere   Gesch&#228;ftsteile kommt nun eine neue Umorganisation zu. Was h&#228;lt Du davon?<\/h4>\n<p>  Katrin: Nichts. Um wirklich etwas f&#252;r Kunden und Besch&#228;ftigte zu tun   m&#252;sste die Telekom zur&#252;ck zur Deutschen Bundespost. St&#228;ndig wechselnde   Zust&#228;ndigkeiten machen es unm&#246;glich zu arbeiten. Jeder soll v&#246;llig   flexibel sein und am besten alles k&#246;nnen. Notwendiges Spezialwissen   f&#228;llt so hinten runter oder verschwindet mit den &#196;lteren durch den   Personalabbau. Die, die nicht mitziehen k&#246;nnen, werden unter Druck   gesetzt.<\/p>\n<h4>  sozialismus.info: Welche Rolle sollte ver.di spielen?<\/h4>\n<p>  Katrin: Ver.di sollte offensiv vorgehen. Schluss mit der Kuscheltaktik.   F&#252;r die KollegInnen knickt ver.di immer mehr ein. Sie f&#252;hlen sich nicht   vertreten und nehmen die Gewerkschaft nicht als k&#228;mpferisch war. Sie   werden &#252;ber den Tisch gezogen.<\/p>\n<h4>  sozialismus.info: Einige KollegInnen sind bereit Verschlechterungen zu   akzeptieren aus Angst Ihren Arbeitsplatz zu verlieren und z.B. an Walter   Telemedien verkauft zu werden, wo sie dann f&#252;r 5,11 Euro Stundenlohn   rund um die Uhr arbeiten m&#252;ssten. Denkst Du, dass Verzicht Arbeitspl&#228;tze   sichert?<\/h4>\n<p>  Katrin: Bestimmt nicht. Bei den letzten Abschl&#252;ssen wurden Lohnverluste   durch sogenannte &quot;Rucksackzahlungen&quot; abgefedert, im Gegenzug sind die   Arbeitsbedingungen wie Schichtpl&#228;ne aber massiv verschlechtert worden.   Der Betriebsrat kann nur noch Flickschusterei betreiben. Unsere   KollegInnen, die in die VCS (Vivento Costumer Service) ausgelagert   wurden haben auf ihr letztes<\/p>\n<p>  Hemd verzichtet und trotzdem wurden ihre Standorte dicht gemacht. Das   die KollegInnen sich mit dem Verzicht abfinden ist die reine   Verzweiflung, weil keine Alternativen da sind. Am Ende werden aber alle   auf der Strasse sitzen. Diesen Call Center Wahnsinn h&#228;lt keiner durch.<\/p>\n<h4>  sozialismus.info: Trotzdem will die Telekom jetzt 3500 Leute neu   einstellen, unter anderem &quot;Profis f&#252;r Kundenservice&quot;.<\/h4>\n<p>  Katrin: Die m&#252;ssen erst einmal gefunden werden. Die Call Center haben   einen so schlechten Ruf. Selbst die meisten Auszubildenden sind nicht   bereit unter solchen Bedingungen zu arbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gespr&#228;ch zum Arbeitsstress bei der Telekom\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[19],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13552"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13552"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13552\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13552"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13552"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13552"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}