{"id":13541,"date":"2010-02-15T10:10:31","date_gmt":"2010-02-15T10:10:31","guid":{"rendered":".\/?p=13541"},"modified":"2010-02-15T10:10:31","modified_gmt":"2010-02-15T10:10:31","slug":"13541","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/02\/13541\/","title":{"rendered":"Dresden: Blockaden stoppen Nazi-Aufmarsch"},"content":{"rendered":"<p>  In Dresden ist es erstmals gelungen, den gr&#246;&#223;ten j&#228;hrlichen Aufmarsch   von Neonazis in Europa zu verhindern.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Mit der gr&#246;&#223;ten antifaschistischen Mobilisierung seit Jahren in   Dresden und massenhaften zivilen Ungehorsam in Form von Blockaden wurden   die Nazis gestoppt. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Claus Ludwig, Sozialistischer Stadtrat, Die LINKE.K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Rund 5.000 Nazis hatten sich auf den Weg gemacht, um anl&#228;sslich des <a href=\"\/?p=13504\">Jahrestages   der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg ihre Geschichtsf&#228;lschung <\/a>zu   verbreiten. In den letzten Jahren konnten sie dank polizeilichen   Schutzes demonstrieren.<\/p>\n<p>  Das wurde dieses Mal durch eine breite Mobilisierung verhindert. Von   9.00 Uhr morgens an formierten sich Blockaden rund um den Neust&#228;dter   Bahnhof, den Auftaktort der Nazis. Viele Faschisten wurden schon bei der   Anfahrt behindert, mussten vorzeitig ihre Busse verlassen und zu Fu&#223;   weiter.<\/p>\n<p>  Der faschistische Aufmarsch sollte um 12.00 Uhr beginnen, zu dem   Zeitpunkt waren dort nur 300 kl&#228;gliche Nazis erschienen. Es dauerte bis   15.00 Uhr, bis sich das Gros der Rechten vor dem Neust&#228;dter Bahnhof zur   Kundgebung versammelt hatte. Der Marsch durch die Neustadt wurde von der   Polizei untersagt, laut Polizei konnte sie &#8222;nicht f&#252;r die Sicherheit der   Teilnehmer garantieren&#8220; und sah keine M&#246;glichkeit, die Blockaden aus dem   Weg zu r&#228;umen.<\/p>\n<p>  Die Nazis behaupten in Internet-Foren, es h&#228;tte eine &#8222;Zusammenarbeit von   Polizei, Linksradikalen und Gutmenschen&#8220; gegeben. Doch Polizei und   Justiz hatten schon im Vorfeld versucht, die Mobilisierung zu den   Blockaden durch Verbote von Plakaten und Abschalten von Websites zu   kriminalisieren und so Leute von der Teilnahme abzuschrecken.<\/p>\n<p>  Auch w&#228;hrend des Tages lie&#223; die Polizei die Blockaden nicht unbehelligt.   An mehreren Stellen ging sie gewaltsam gegen die Blockierer vor. Am   Bischofsweg\/K&#246;nigsbr&#252;ckerstra&#223;e setzte sie Pfefferspray, Schlagst&#246;cke   und Wasserwerfer gegen die Blockade ein. Die Blockade stand kurz vor der   Aufl&#246;sung, erst das gl&#252;cklich getimte Eintreffen der antifaschistischen   Besatzungen der Busse aus Norddeutschland, die durch einen Schneesturm   Stunden zu sp&#228;t kamen, stabilisierte die Blockade.<\/p>\n<p>  Die Polizei versuchte, einen Weg f&#252;r die Nazis freizumachen, schaffte es   aber nicht. Rein &#8222;milit&#228;risch&#8220; w&#228;re das Wegr&#228;umen der Blockaden   irgendwann gelungen, zumal Wasserwerfer bei diesen eisigen Temperaturen   eine verheerende Wirkung haben. Der politische Preis f&#252;r die Polizei   w&#228;re aber sehr hoch gewesen. Neben den Fraktionen und Abgeordneten der   LINKEN sa&#223;en zahlreiche AktivistInnen aus Gewerkschaften und sozialen   Bewegungen in den Blockaden. Auch viele DresdnerInnen waren in die   Neustadt zu den Blockaden gekommen. Mit einer R&#228;umung h&#228;tte es   massenhaft Bilder von verletzten Menschen gegeben, es w&#228;re deutlich   geworden, dass der Staat den Nazi-Aufmarsch mit aller Gewalt durchsetzt.<\/p>\n<p>  Unsere Busse aus Nordrhein-Westfalen stoppten, f&#252;r die Polizei   &#252;berraschend, in der Hansastra&#223;e direkt vor dem Bahnhof. Die   TeilnehmerInnen formierten sofort eine Blockade von 300 Leuten auf einer   Kreuzung vor dem Bahnhof, &#252;ber die der Nazi-Aufmarsch geleitet werden   sollte. Rund 200 setzten sich hin, auf den eiskalten, schneematschigen   Boden, der Rest blockierte im Stehen. Die Polizei dr&#228;ngte die stehenden   Blockierer zur&#252;ck, setzte dabei Pfefferspray ein. Die R&#228;umung der   Sitzblockade wurde vorbereitet aber nicht durchgef&#252;hrt. Inzwischen   hatten sich einige Hundert Meter weiter hinten auf der selben Stra&#223;e   rund 2.000 AntifaschistInnen zu einer Blockade formiert, so dass die   Polizei wohl nicht zu viele Kr&#228;fte f&#252;r das Abr&#228;umen unseres &#8222;Vorpostens&#8220;   einsetzen wollte. Die &#8222;NRW-Blockade&#8220; hielt schlie&#223;lich bis zur   endg&#252;ltigen Absage des Nazi-Aufmarsches um 17.15 Uhr.<\/p>\n<p>  Insgesamt haben rund 7.000-10.000 Menschen an den Blockaden in der   Neustadt teilgenommen, die meisten am Albertplatz, am Bischofsweg und   auf der Hansastra&#223;e. Das ist ein gro&#223;er Erfolg f&#252;r die antifaschistische   Bewegung, wohl noch wichtiger als die Verhinderung des   &#8222;Anti-Islam-Kongresses&#8220; von &#8222;ProK&#246;ln&#8220; im Herbst 2008 in K&#246;ln. Die   Dresdener Blockaden sind jetzt schon das Vorbild f&#252;r die Mobilisierungen   nach Duisburg und f&#252;r Berlin am 1. Mai.<\/p>\n<p>  Die Mobilisierungsst&#228;rke der Nazis gibt jedoch noch keine Entwarnung. Es   konnte nicht verhindert werden, dass 4.000-5.000 Nazis in Dresden   ankamen und sich zum gr&#246;&#223;ten Teil vor dem Bahnhof Neustadt versammelten.   Auch einzelne &#220;bergriffe der rechten Schl&#228;ger konnten nicht unterbunden   werden.<\/p>\n<p>  Um zu erreichen, dass kein Nazi nach Dresden kommt, dass die Stadt   komplett abgesperrt wird, w&#228;re eine umfassendere Mobilisierung n&#246;tig   gewesen. Die in der Kampagne aktiven Antifa-Gruppen konnten dies nicht   leisten. Es w&#228;re die Aufgabe der organisierten Arbeiterbewegung, vor   allem der Gewerkschaften und der Partei Die LINKE. gewesen, f&#252;r die   Verhinderung des Nazi-Aufmarsches die eigene Mitgliedschaft zu   mobilisieren.<\/p>\n<p>  Die LINKE hatte das teilweise getan. Aus vielen St&#228;dten reisten recht   viele LINKE an und viele Verb&#228;nde waren in der Mobilisierung und   Vorbereitung beteiligt. Abgeordnete der LINKEN griffen vor Ort ein und   bem&#252;hten sich um Koordinierung der Proteste. Auf der anderen Seite hatte   die Dresdner Partei leider auch zur b&#252;rgerlichen Menschenkette   mobilisiert. In den Bussen aus NRW sa&#223;en viele Aktive aus   Antifa-Gruppen, aber viel zu wenig Mitglieder der LINKE.<\/p>\n<p>  Einzelne Gewerkschaftsgliederungen waren vertreten, zum Beispiel die   DGB-Jugend aus K&#246;ln, aber gerade der DGB Dresden hatte sich &#8222;vornehm&#8220;   zur&#252;ckgehalten.<\/p>\n<p>  Tausende zumeist junge Menschen haben sich den Faschisten entschlossen   entgegen gestellt, haben angesichts der angereisten Schl&#228;ger von den   &#8222;Autonomen Nationalisten&#8220;, den Gewaltaktionen der Polizei und den &#252;blen   Witterungsbedingungen Einiges riskiert und erduldet. Es w&#228;re die Aufgabe   der Gewerkschaftsbewegung, die Jugendlichen zu unterst&#252;tzen und den   Kampf gegen die Nazis auf eine neue Stufe zu heben.<\/p>\n<p>  Die SAV war mit ca. achtzig Mitgliedern und zahlreichen   SympathisantInnen an mehreren Blockaden beteiligt. Wir haben die direkte   Aktion der Blockaden verbunden mit politischen Diskussionen &#252;ber die   Notwendigkeit einer Alternative zum Kapitalismus und eine politische   Strategie gegen die Nazis.<\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/picasaweb.google.de\/sav.website\/Dresden2010\">Bilder aus   Dresden<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      In Dresden ist es erstmals gelungen, den gr&#246;&#223;ten j&#228;hrlichen Aufmarsch<br \/>\n      von Neonazis in Europa zu verhindern.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13541"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13541"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13541\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13541"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13541"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13541"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}