{"id":13539,"date":"2010-03-01T00:00:00","date_gmt":"2010-03-01T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13539"},"modified":"2010-03-01T00:00:00","modified_gmt":"2010-03-01T00:00:00","slug":"13539","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/03\/13539\/","title":{"rendered":"Die Niederlande vor den Kommunalwahlen"},"content":{"rendered":"<p>  Irak-Untersuchungsausschuss sieht Verletzung internationalen Rechts   durch niederl&#228;ndische Regierung &#8211; die K&#252;rzungs-Koalition ger&#228;t unter   Druck<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Vorbemerkung:<\/b><\/p>\n<p>  Beim Einmarsch in den Irak 2003 handelte es sich um eine Verletzung   internationalen Rechts, so das Ergebnis des   Irak-Untersuchungsausschusses in den Niederlanden. Der Ausschuss befand,   dass das damalige Vorgehen &#8222;nicht mit internationalem Recht zu   vereinbaren&#8220; ist. Der am 12. Januar vorgelegte Bericht sagt aus, dass   die vor dem Ausbruch des Krieges in den 1990er Jahren beschlossenen   UN-Resolutionen den Einmarsch nicht legitimierten. Die Ergebnisse des   niederl&#228;ndischen Berichts haben auch ernsthafte Bedeutung f&#252;r   Gro&#223;britannien und die USA, da darin Fragen hinsichtlich des Gebrauchs   des Begriffs &#8222;Massenvernichtungswaffen&#8220; als Grund f&#252;r einen Krieg   aufgeworfen werden, der viele tausend Leben gekostet und zu enormer   Zerst&#246;rung gef&#252;hrt hat.<\/p>\n<p>  Pieter Brans aus Amsterdam wirft einen Blick auf die Ergebnisse der   Untersuchungskommission, die Konsequenzen f&#252;r die niederl&#228;ndische   Koalitionsregierung und die Aufgaben, die sich vor den Wahlen 2010 f&#252;r   die Arbeiterbewegung in den Niederlanden daraus ergeben.<\/p>\n<h4>  <i>von Pieter Brans, Offensief (CWI Niederlande), Amsterdam<\/i><\/h4>\n<p>  Ein Untersuchungsausschuss zur Frage, warum die Niederlande den   Irakkrieg politisch unterst&#252;tzt haben, ist zu erstaunlichen   Schlussfolgerungen gekommen. Eine davon ist, dass die Entscheidung der   niederl&#228;ndischen Regierung zur Unterst&#252;tzung der US-amerikanischen und   britischen Kriegsvorhaben bei einem Treffen gef&#228;llt wurde, das das   niederl&#228;ndische Au&#223;enministerium hastig einberufen hatte. Es dauerte nur   wenige Minuten, entschied jedoch, dass es das Beste sei, &#8222;im Sinne der   atlantischen Solidarit&#228;t&#8220; zu handeln und der Haltung der USA und   Gro&#223;britannien Folge zu leisten. Sp&#228;ter angebrachte Zweifel &#252;ber die   Legitimit&#228;t des Mandats f&#252;r den Krieg im Irak und andere Erw&#228;gungen   wurden beiseite geschoben. Gef&#228;llt wurde diese Entscheidung vom   Au&#223;enminister und einer kleinen Zahl Ministerialbeamter. Der   niederl&#228;ndische Premierminister Jan Peter Balkenende war daran nicht   beteiligt, da er &#8222;mit innenpolitischen Belangen besch&#228;ftigt war &#8220;, so   der Bericht im Wortlaut. Die niederl&#228;ndische Armee war zwar nicht Teil   des Irakkriegs, an der sich anschlie&#223;enden Besetzung nahm sie allerdings   teil.<\/p>\n<p>  Die niederl&#228;ndische Sozialdemokratie (PvdA; Anm. d. &#220;bers.) bildete   damals die Opposition zur Mitte-Rechts-Regierung und &#228;u&#223;erte einige   Bedenken &#252;ber deren kriegsfreundlichen Kurs. Heute befindet sich die   PvdA in Koalition mit Balkenendes christdemokratischer Partei. Dennoch   &#228;u&#223;erte man weiter Zweifel an der Legitimation der Entscheidung, den   Krieg zu beginnen, und die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses haben   sie nun darin best&#228;tigt.<\/p>\n<p>  Der Premierminister wischte anfangs ohne umfassende R&#252;cksprache mit   seinem sozialdemokratischen Koalitionspartner alle Ergebnisse des   Ausschusses beiseite, au&#223;er denen, die ihn in einem guten Licht dastehen   lie&#223;en. Das brachte die PvdA in eine &#228;u&#223;erst schwierige Lage. Bei den   bevorstehenden Wahlen muss sie (wie andere sozialdemokratische Parteien   in Europa) herbe R&#252;ckschl&#228;ge bef&#252;rchten. Die Kommunalwahlen finden in   den Niederlanden Anfang M&#228;rz 2010 statt. &#220;ber die Fortsetzung des   Einsatzes des niederl&#228;ndischen Milit&#228;rs in der afghanischen Provinz   Urusgan muss eine Entscheidung getroffen werden. Bisher hatte man sich   auf einen Abzug in 2010 verst&#228;ndigt. Enorme Einschnitte (im Umfang von   35 Milliarden Euro) werden von der niederl&#228;ndischen Regierung Ende des   Jahres erwartet, was die Unterst&#252;tzung bei den Wahlen unterminieren   wird. Die Parlamentswahlen stehen dann im Mai 2011 an.<\/p>\n<p>  Unter immensem Druck stehend machte der christdemokratische   Premierminister eine Kehrtwende und sagte der PvdA einige geringf&#252;gige   Zugest&#228;ndnisse zu, um die Koalitionsregierung aufrecht erhalten zu   k&#246;nnen. &#8222;Vor dem Hintergrund dessen, was wir jetzt wissen, akzeptiert es   das Kabinett, dass ein angemesseneres, rechtlich fundierteres Mandat f&#252;r   ein solches Vorgehen n&#246;tig geworden ist&#8220;, schrieb Premierminister Jan   Peter Balkenende gestern in einem Brief ans Parlament. Das wird seine   Autorit&#228;t untergraben und auch die sozialdemokratische PvdA nicht vor   einem Stimmenr&#252;ckgang bei den Wahlen bewahren.<\/p>\n<p>  Der Untersuchungsausschuss hat gezeigt, dass die wichtigste Partei in   der niederl&#228;ndischen Regierung, die Christdemokraten, den Irakkrieg   unterst&#252;tzt hat, sich den USA nahezu sklavisch ergab und dass alle   Formen des Protests ignoriert oder kleingeredet wurden. Was auch immer   die Konsequenzen aus den Untersuchungsergebnissen und den Wahlen sein   werden: Klar ist, dass die niederl&#228;ndische Arbeiterbewegung sich   organisieren muss, um eine starke sozialistische Opposition zur   Beendigung der momentanen und k&#252;nftig zu erwartenden Unterst&#252;tzung und   Hilfe der niederl&#228;ndischen Regierung f&#252;r imperialistische Invasionen und   Besetzungen aufzubauen. Ebenso muss vorgegangen werden, um den von den   Christdemokraten und anderen pro-kapitalistischen Parteien gegen die   arbeitende Bev&#246;lkerung ausgerichteten geplanten Sozialk&#252;rzungen   erfolgreichen Widerstand entgegen zu setzen.<\/p>\n<h4>  Die Linke muss sich entscheiden<\/h4>\n<p>  Die niederl&#228;ndische Socialistische Partij (SP), eine breite, linke,   reformistische Partei, erhielt die Unterst&#252;tzung von ArbeiterInnen und   Jugendlichen in ihrer Haltung gegen den Irakkrieg. W&#228;re die SP von   dieser korrekten Position ausgegangen, um eine unabh&#228;ngige   Klassenpolitik zu entwickeln, w&#228;re sie nun als eine linke Partei gut   positioniert, um es mit den gro&#223;en Parteien der herrschenden Klasse in   den anstehenden Wahlen aufzunehmen. Stattdessen ist die SP-F&#252;hrung in   den letzten Jahren politisch nach rechts ger&#252;ckt. Das geschah in der   Hoffnung, man w&#252;rde so zu einem geeigneten Koalitionspartner f&#252;r PvdA   und Christdemokraten avancieren. Letztere ist die Partei des Krieges und   der sozialen K&#252;rzungen! Diese Ziele vor Augen hat die SP-F&#252;hrung   Angriffe gegen AktivistInnen von Offensief gefahren, die das CWI in den   Niederlanden unterst&#252;tzen und in der SP aktiv sind. Ein   Offensief-Aktiver wurde aus der Jugendorganisation der Partei   ausgeschlossen, weil er das &#8222;Verbrechen&#8220; begangen hatte, unter jungen   Mitgliedern Flugbl&#228;tter f&#252;r die Teilnahme an einer antirassistischen   Demonstration verteilt zu haben. Es ist ganz deutlich, dass weitere   Ausschl&#252;sse vorbereitet werden.<\/p>\n<p>  Vor mehr als zehn Jahren waren Offensief-AktivistInnen in die SP   eingetreten, weil die Partei f&#252;r Jugendliche und ArbeiterInnen an   Attraktivit&#228;t gewann. Schlie&#223;lich sprach man davon, dem Neoliberalismus   Widerstand entgegen zu setzen und f&#252;r eine sozialistische Gesellschaft   k&#228;mpfen zu m&#252;ssen. Wir erkl&#228;rten, dass die SP bei Annahme einer mutigen,   auf Kampagnen setzenden und sozialistischen Politik das Potential h&#228;tte,   sich zu entwickeln und zu wachsen, um eine entscheidende Rolle beim   Aufbau einer echten Massenpartei der ArbeiterInnen zu spielen.<\/p>\n<p>  Die Arbeiterklasse in den Niederlanden verlangt immer noch und heute   mehr denn je nach einer mutigen, k&#228;mpferischen und sozialistischen   Massenpartei, die ihre Klasseninteressen repr&#228;sentiert. Die F&#252;hrung der   SP hat sich in den vergangenen zehn Jahren immer mehr in Richtung   &#8222;Parlamentarismus&#8220; gewandelt. Ziel war es dabei, in Koalitionen mit   neoliberalen und Kriegsparteien einzutreten. In einer Phase jedoch, die   gekennzeichnet ist von Weltwirtschaftskrise und bevorstehenden   umfassenden Sozialk&#252;rzungen seitens der Parteien, mit denen die SP   potentiell eine Koalitionsregierung bilden w&#252;rde, w&#252;rde dieser Weg zum   Verlust der bis dato vorhandenen Unterst&#252;tzung durch die Arbeiterklasse   f&#252;r die SP f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Die SP kann sich nur dann weiter entwickeln, wenn sie auf die   Wirtschaftskrise und die Belange der ArbeiterInnen Antworten gibt, die   auf Klassenbewusstsein basieren. Au&#223;erdem ist eine entschiedene   oppositionelle Haltung zu imperialistischen Kriegen n&#246;tig, indem man   eine k&#228;mpferische Alternative der Arbeiterklasse aufbaut, die dem   kapitalistischen System Widerstand entgegensetzt und eine sozialistische   Alternative anbietet. Daf&#252;r ist die &#214;ffnung der SP f&#252;r weit mehr   ArbeiterInnen und Jugendliche n&#246;tig sowie eine garantierte demokratische   Diskussionskultur und Entscheidungsfindung. Ausschl&#252;sse oder angedrohte   Ausschl&#252;sse kampagnef&#252;hrender SozialistInnen werden nur noch mehr junge   Menschen und ArbeiterInnen absto&#223;en und davor zur&#252;ckschrecken lassen,   sich in der SP einzubringen oder diese auch nur als wirkliche   Alternative zu betrachten.<\/p>\n<p>  Dennoch wird die niederl&#228;ndische Arbeiterklasse durch die Ereignisse   (Angriffe auf ihre Lebensstandards und -bedingungen) gezwungen sein,   nach einer sozialistischen Alternative Ausschau zu halten und damit zu   beginnen, eine neue Partei aufzubauen, die ihre Interessen vertritt.   Selbst wenn die SP damit fortf&#228;hrt, den Weg der Ausschl&#252;sse von   SozialistInnen und der Verbr&#252;derung mit den etablierten Parteien zu   gehen, wird dies geschehen.<\/p>\n<h4>  Dieser Artikel erschien am 14. Januar 2010 auf der <a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\">Website   des CWI<\/a>.<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Irak-Untersuchungsausschuss sieht Verletzung internationalen Rechts<br \/>\n      durch niederl&#228;ndische Regierung &#8211; die K&#252;rzungs-Koalition ger&#228;t unter<br \/>\n      Druck\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13539"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13539"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13539\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13539"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13539"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13539"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}