{"id":13536,"date":"2010-02-18T00:00:00","date_gmt":"2010-02-18T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13536"},"modified":"2010-02-18T00:00:00","modified_gmt":"2010-02-18T00:00:00","slug":"13536","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/02\/13536\/","title":{"rendered":"Referendum zum Vorgehen um isl&#228;ndische Bank Icesave"},"content":{"rendered":"<p>  Die Antwort muss lauten: &#8222;Wir k&#246;nnen nicht zahlen und wir werden nicht   zahlen!&#8220;<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Kristofer Lundberg, R&#228;ttvisepartiet Socialisterna<\/i><\/h4>\n<p>  Zu Beginn des neuen Jahres kam es in Island zu massiver Wut. Ein Versuch   des Parlaments, ausstehende Verbindlichkeiten gegen&#252;ber den Regierungen   Gro&#223;britanniens und der Niederlande zu begleichen, provozierte eine neue   Runde an Stra&#223;enprotesten und eine weitere politische Krise im Land. Die   Summe, um die es dabei geht, bel&#228;uft sich auf atemberaubende 14.000 Euro   pro Mann, Frau und Kind in Island. &#8222;Die Bankiers sollen zahlen, wir   werden es nicht tun!&#8220;, so die Antwort vor dem Parlamentsgeb&#228;ude.<\/p>\n<p>  Massenhaft eingegangene Petitionen, die die Einstellung der Zahlungen   verlangten, f&#252;hrten dazu, dass der Staatspr&#228;sident sein Vetorecht   geltend machte und ein Referendum zu diesem Thema zusagte. Dieses soll   am 20. Februar stattfinden. Sollte es dabei zu einem &#8222;Nein&#8220; kommen,   k&#246;nnte das nach nur einem Jahr zum Zusammenbruch der Regierung f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Unterdessen haben eine Angst einfl&#246;&#223;ende Kampagne und   Erpressungsversuche seitens der kapitalistischen Kr&#228;fte und der Medien   begonnen. Man will Island dazu zwingen, &#8222;die Regeln einzuhalten&#8220;.   Schlie&#223;lich w&#252;rde die Einstellung der Zahlungen ein falsches Zeichen   senden an andere Staaten oder Schuldner. Die Regierung arbeitet hingegen   hart daran, das Referendum zu verschieben oder sogar ganz ausfallen zu   lassen. Ziel ist es, durch eine Art Vermittlungsgespr&#228;ch zu einer   Neuverhandlung des Icesave-Deals zu kommen. Umfragen weisen jedoch   weiterhin auf eine vollst&#228;ndige Ablehnung von Rettungsma&#223;nahmen f&#252;r die   &#8222;Risikotr&#228;ger&#8220; hin.<\/p>\n<h4>  Finanz-Kasino<\/h4>\n<p>  &#220;ber zehn Jahre hinweg war Island ein Experimentierfeld des   Neoliberalismus, ein Finanzkasino. In dieser Zeit war das Land ein   leuchtendes Beispiel und wurde von keinem europ&#228;ischen Politiker   kritisiert. Die globale Finanzkrise jedoch f&#252;hrte zum Crash f&#252;r die   isl&#228;ndischen Banken und die Landesw&#228;hrung.<\/p>\n<p>  Der &#246;konomische Reichtum brach durch die Krise in sich zusammen. Am 5.   Oktober 2008 &#228;nderte sich pl&#246;tzlich der Status Islands vom ehedem   sechst-reichsten Land (gemessen am Pro-Kopf-Einkommen) bis kurz vor dem   Staatsbankrott stehend. Die Banken brachen zusammen wie ein Kartenhaus   und wurden verstaatlicht.<\/p>\n<p>  Bankaktien wurden wertlos. Zehn Prozent der Bev&#246;lkerung, 30.000   Menschen, besa&#223;en Aktien und Rentenfonds, die eng verkn&#252;pft waren mit   dem B&#246;rsengeschehen.<\/p>\n<p>  Die Auswirkungen auf internationaler Ebene waren am st&#228;rksten in   Gro&#223;britannien zu sp&#252;ren, wo zum Beispiel 100 Kommunen in isl&#228;ndische   Werte investiert hatten. Daneben existierten Tausende privater   Spareinlagen. Als man die Betroffenen nicht auszahlte und   Anti-Terror-Gesetze heranzog, um Verm&#246;genswerte der Landsbank i\/ Icesave   einzufrieren, beschuldigte Premier Gordon Brown Island, &#8222;illegal&#8220; zu   handeln.<\/p>\n<p>  Es kam zu einer Welle an Unternehmenspleiten in Island und 40 Prozent   der Haushalte konnten ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen. RentnerInnen   verloren ihre Ersparnisse. Das f&#252;hrte zur Revolte, bei der es wiederholt   auch zu argen Konfrontationen mit der Polizei kam, und die Anfang 2009   schlie&#223;lich die rechts-konservative Regierung Regierung aus dem Amt   jagte.<\/p>\n<h4>  Icesave<\/h4>\n<p>  Als, Icesave, die Internetbank von Landsbank, zusammenbrach, verloren   Tausende KundInnen in Gro&#223;britannien und den Niederlanden ihr Geld.   Aufgrund der dort bestehenden Einlagensicherungsgesetze zahlten die   Regierungen dieser L&#228;nder die SparerInnen aus. Seither fordern die   Regierungen Gro&#223;britanniens und der Niederlande die Gesamtsumme von 3,8   Milliarden Euro von Island zur&#252;ck.<\/p>\n<p>  Das sogenannte Icesave-Gesetz soll Island dazu bringen, den Forderungen   nachzukommen. Die Tatsache, dass das isl&#228;ndische Parlament, der   Alltinget, durchaus vorhatte, diese enorme Summe inmitten einer   historischen Krise f&#252;r ArbeiterInnen, alte Menschen, Jugendliche und   ehemalige Angeh&#246;rige der Mittelschicht an den britischen und den   niederl&#228;ndischen Staat zu bezahlen, l&#246;ste eine neue Welle an   Massenprotesten aus.<\/p>\n<p>  Zuerst stimmte das Parlament dem Gesetz im August zu, erg&#228;nzte es aber   mit ein paar Aspekten, das Wirtschaftswachstum und eine zeitliche   Befristung betreffend. Von London und Den Haag wurde das nicht   akzeptiert und im Oktober wurde dann ein neuer Handel abgeschlossen. Es   zeigt, wie viel Angst man vor &#246;ffentlichem Aufruhr hat: Bis jetzt, Mitte   Januar, hat das isl&#228;ndische Parlament dar&#252;ber nicht abgestimmt und   getragen wurde das alles nur von 33 gegen 30 Stimmen.<\/p>\n<p>  In einer beeindruckenden Demonstration ihrer Opposition unterschrieben   60.000 Menschen, ein Viertel der isl&#228;ndischen Bev&#246;lkerung, eine gegen   das Gesetz gerichtete Petition. Meinungsumfragen zeigten, dass 70   Prozent der Isl&#228;nderInnen dagegen waren.<\/p>\n<p>  Aufgrund der Proteste der Bev&#246;lkerung f&#252;hlte sich Staatspr&#228;sident &#211;lafur   Ragnar Gr&#237;msson mit dem Messer auf der Brust verpflichtet, das Gesetz   nicht zu unterschreiben, was automatisch zu einem Referendum zu dem   Thema f&#252;hrt. Der Pr&#228;sident war nicht dagegen, die Zahlungen zu leisten,   f&#252;rchtete aber die Wut von unten.<\/p>\n<h4>  Das Referendum<\/h4>\n<p>  Das Veto des Pr&#228;sidenten zwang das Parlament dazu, ein Referendum zu   akzeptieren, das am 6. M&#228;rz abgehalten werden sollte. Das bedeutet ein   hohes Ma&#223; an Politisierung und Polarisierung in der Gesellschaft,   verschafft der Regierung und den Politikern aber auch die M&#246;glichkeit,   ein bedrohliches Szenario zu vermitteln.<\/p>\n<p>  Kapitalisten auf internationaler Ebene und die von ihnen dominierten   Medien f&#252;rchten ein &#8222;Nein&#8220;, und sie f&#252;hren daher eine starke Kampagne,   um einen Sieg und ein &#8222;Ja&#8220; zu erreichen. Dies tun sie auf dieselbe Art   und Weise wie im Fall des irischen Referendums &#252;ber den Lissabon-Vertrag.<\/p>\n<p>  Der britische Finanzminister, Lord Myners, warnte, dass Island aus dem   internationalen Finanzsystem geworfen w&#252;rde, sollte keine Zahlung   erfolgen. Andere beschworen eine Situation herauf, in der Island zum   Ausgesto&#223;enen avancieren w&#252;rde, und sagten, dass Island in dem Fall   nicht Mitglied der EU werden k&#246;nne.<\/p>\n<p>  &#8222;Wenn die Menschen &#187;Nein&#171; sagen, wenn Island seine Schulden gegen&#252;ber   den britischen und niederl&#228;ndischen Steuerzahlern nicht begleicht, wird   es auch keine weiteren Zahlungen des IWF oder irgendwelche Kredite aus   Schweden mehr geben&#8220;, so die schwedische Tageszeitung Expressen vom 10.   Januar. Die Regierung Finnlands geh&#246;rt gleicherma&#223;en zu denen, die damit   drohen, Island keine Kredite mehr zu gew&#228;hren.<\/p>\n<p>  Die schwedische Presse spricht von den &#8222;Risiken eines &#187;Nein&#171;, einer   neuen politischen Krise und einem weiteren R&#252;ckschlag f&#252;r die   Rettungspl&#228;ne, derer Island bedarf&#8220; und meint: &#8222;Ohne zu normalen   Beziehungen mit dem Rest der Welt zur&#252;ckzukehren, wird Island die   ben&#246;tigten Dollars und Euros nicht bekommen, die es braucht, um Waren   und Dienstleistungen einf&#252;hren zu k&#246;nnen&#8220;.<\/p>\n<h4>  Welche Alternative?<\/h4>\n<h4>  Was ist die Alternative f&#252;r ArbeiterInnen und Jugendliche in Island?<\/h4>\n<p>  &#8222;Zuallererst m&#252;ssen wir &#187;Nein&#171; sagen zu einem Gesetz, dass &#8211; sollte es   umgesetzt werden &#8211; die einfache Bev&#246;lkerung &#252;ber Generationen ruinieren   w&#252;rde. 3,8 Milliarden Euro, der Gegenwert von einem Drittel des BIP, die   bis zum Jahr 2024 gezahlt werden m&#252;ssten, w&#252;rden die Wirtschaft   aush&#246;hlen. F&#252;r den britischen Staat ist das wie Taschengeld aber nicht   f&#252;r Island&#8220;, meint Sk&#250;li J&#243;n Kristinsson von S&#243;s&#237;al&#237;skt R&#233;ttl&#230;ti   (Sektion des CWI in Island). Die Gesamtsumme ist so viel wie nur ein   Prozent der Kredite der britischen Regierung in den Jahren 2010 und   2011, so die Financial Times.<\/p>\n<h4>  Die Frage ist, wie stark der Widerstand sein wird? Wird die   Angst-Kampagne Erfolg haben? Und was passiert, wenn es zu einem &#187;Nein&#171;   kommt?<\/h4>\n<p>  Die Masse der Bev&#246;lkerung sp&#252;rt immer noch ihre St&#228;rke aus den Wochen,   die die vorherige Regierung zu Fall brachte. Erneut ist es zu   Stra&#223;enprotesten gekommen. Die meisten Menschen meinen richtiger Weise,   dass SteuerzahlerInnen nicht die Rechnung der Banken und der Spekulanten   zahlen sollten.<\/p>\n<p>  Die Schw&#228;che liegt in der politischen F&#252;hrung der Proteste. Man wei&#223;   nicht genau, was man erreichen will und kann. Die rechten Parteien,   deren Regierung im vergangenen Jahr zum Abtreten gebracht wurde, sind   heute gegen das Icesave-Gesetz, w&#228;hrend die neue sozialdemokratische und   links-gr&#252;ne Regierung daf&#252;r verantwortlich zeichnet! Das zeigt, dass   keine der etablierten Parteien die Lebensstandards verteidigen oder die   zur Verantwortung ziehen kann, die Schuld sind an der Krise. Die   Protestbewegung muss weiter gehen und eine Arbeiteralternative   diskutieren.<\/p>\n<p>  Ausgangspunkt ist nat&#252;rlich das Geschacher um Icesave und das   Referendum. Die Wut der ArbeiterInnen, Jugendlichen und RentnerInnen   muss in Mobilisierungen und Massenzusammenk&#252;nften zum Thema &#8222;Was ist die   Altenative?&#8220; kanalisiert werden. Und der Schlachtruf muss lauten: &#8222;Wir   k&#246;nnen und wir werden nicht zahlen!&#8220;.<\/p>\n<h4>  S&#243;s&#237;al&#237;skt R&#233;ttl&#230;ti (CWI in Island) steht f&#252;r:<\/h4>\n<h4>  &#8211; Nein zum Icesave-Gesetz.<\/h4>\n<h4>  &#8211; Keine R&#252;ckzahlung der Schulden. Entsch&#228;digungen (durch die Regierung)   darf es nur f&#252;r KleinsparerInnen geben.<\/h4>\n<h4>  &#8211; Die Bankiers und Spekulanten m&#252;ssen f&#252;r die Krise zahlen.<\/h4>\n<h4>  &#8211; F&#252;r ein Moratorium f&#252;r alle Schuldentilgunszahlungen, f&#252;r alle   Menschen der Arbeiterklasse.<\/h4>\n<h4>  &#8211; F&#252;r eine Massenkampagne gegen die Auszahlung der Hypothekenforderungen.<\/h4>\n<h4>  &#8211; Island darf den Anweisungen der EU, des IWF und anderer Institutionen   des globalen Kapitalismus nicht Folge leisten.<\/h4>\n<h4>  &#8211; S&#228;mtliche Gesch&#228;ftsb&#252;cher m&#252;ssen offengelegt werden, um nachvollziehen   zu k&#246;nnen, wohin die Milliarden der Banken geflossen sind.<\/h4>\n<h4>  &#8211; Verstaatlichung der Banken und der gro&#223;en Unternehmungen unter   demokratischer Kontrolle und Gesch&#228;ftsf&#252;hrung der ArbeiterInnen.<\/h4>\n<p>  &#8211; F&#252;r eine Massenbewegung mit gew&#228;hlten Komitees und die Aufstellung   eigener politischer Forderungen und eines eigenen politischen Programms.   F&#252;r eine Kampagne der Massen mit Betriebsversammlungen, Zusammenk&#252;nften   in Schulen und Wohnvierteln, die begleitet sind von breiter   Mobilisierung.<\/p>\n<h4>  &#8211; Kein Vertrauen in die etablierten Parteien. Eine ehrliche   Arbeiterpartei muss aufgebaut werden, die so dringend gebraucht wird.<\/h4>\n<h4>  &#8211; F&#252;r ein demokratisch-sozialistisches Island, f&#252;r ein freiwillig   sozialistisch-vereintes Europa.<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Antwort muss lauten: &#8222;Wir k&#246;nnen nicht zahlen und wir werden nicht<br \/>\n      zahlen!&#8220;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46,127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13536"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13536"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13536\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13536"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13536"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13536"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}