{"id":13530,"date":"2010-02-14T00:00:00","date_gmt":"2010-02-14T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13530"},"modified":"2010-02-14T00:00:00","modified_gmt":"2010-02-14T00:00:00","slug":"13530","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/02\/13530\/","title":{"rendered":"Es tut sich was im rechtsextremen Lager in &#214;sterreich&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>  &#8230;aber es gibt auch Mobilisierungen dagegen!<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am 16. Januar 2010 versammelten sich rund 50 AntifaschistInnen in   Klagenfurt, der Hauptstadt des Bundeslandes K&#228;rnten, vor dem Parteitag   des B&#252;ndnis Zukunft &#214;sterreich (BZ&#214;). Anlass daf&#252;r war die Diskussion   rund um den Zusammenschluss des BZ&#214; mit der Freiheitlichen Partei   &#214;sterreichs (FP&#214;). Die Aktion war sehr erfolgreich. Die Stimmung unter   den TeilnehmerInnen war sehr k&#228;mpferisch und vor Allem die jungen   Genossen in K&#228;rnten zeichneten sich durch Reden und eine gute   Mobilisierung im Freundeskreis aus.<\/p>\n<h4>  <i>von Margarita D&#246;ller, Sozialistische LinksPartei-Wien<\/i><\/h4>\n<p>  Bei der Abschlusskundgebung lief es dann noch besser. Viele PassantInnen   blieben spontan stehen und klatschten bei den Reden. Au&#223;erdem haben wir   sehr viele Zeitungen verkauft. Das ist alles ein Ausdruck f&#252;r die   ver&#228;nderte Stimmung in der Bev&#246;lkerung. In K&#228;rnten sind keineswegs alle   einverstanden mit der Politik von BZ&#214; und Co. Nicht zuletzt wegen den   j&#252;ngsten Korruptionsskandalen sind viele Menschen w&#252;tend und suchen nach   einer Alternative zum rechten Wahnsinn. Die K&#228;rntner Landesbank Hypo   Alpe Adria war im Dezember vergangenen Jahres von der Republik   &#214;sterreich verstaatlicht worden. Sie stand kurz vor dem Bankrott und mit   ihr auch das Land K&#228;rnten. Es h&#228;ufen sich die Ger&#252;chte rund um riskante   Spekulationen und Gelder, die in private Taschen der K&#228;rntner   Landesregierung geflossen sein sollen.<\/p>\n<p>  Das BZ&#214; hat sich 2004 unter J&#246;rg Haider von der FP&#214; abgespalten hat. Die   FP&#214; steckte zu dieser Zeit aufgrund ihrer Beteiligung an der   schwarz-blauen Regierungskoalition mit der &#214;VP in einer Krise &#8211; sie   hatte mehrere Wahlen in Serie verloren. Der Teil, der mit Haider ging,   war der &#8222;pragmatischere&#8220; Pro-Regierungs-Fl&#252;gel, der vor allem in K&#228;rnten   stark war, der andere Teil, der f&#252;r einen Gang in die Opposition war   verblieb in der FP&#214;. Vor Haiders Tod war das BZ&#214; die st&#228;rkste Partei in   K&#228;rnten, im restlichen &#214;sterreich konnten sie jedoch nie richtig Fu&#223;   fassen. Bei den Wahlen 2008 kamen sie &#252;berraschend auf 11%, nicht   zuletzt da Haider sich nochmals als Spitzenkandidat aufstellen lie&#223;. Die   FP&#214; konnte ihren Stimmenanteil durch einen Mix aus aggressivem Rassismus   und sozialer Rhetorik seit der Spaltung kontinuierlich steigern &#8211; 2008   hielt sie bei 17%. In der FP&#214; r&#252;ckten die faschistischen Kr&#228;fte durch   die Spaltung st&#228;rker ins Zentrum.<\/p>\n<h4>  Politische Situation in K&#228;rnten<\/h4>\n<p>  Das BZ&#214; betreibt als Regierungspartei in K&#228;rnten eine Politik, die   nichts mit ihrem selbst ernannten Image einer &#8222;sozialen Heimatpartei&#8220; zu   tun hat. Au&#223;erdem versucht sich das BZ&#214; seit Jahren das Image einer   regional herrschenden Partei (mit Haider als ehemaligen Landesf&#252;rsten)   aufzubauen, an der kein Weg vorbeif&#252;hrt. Einerseits werden seit Jahren   Sozialleistungen gek&#252;rzt und durch ein paar Almosen ersetzt, die   haupts&#228;chlich nur &#246;sterreichische Staatsb&#252;rger in Anspruch nehmen   k&#246;nnen. Das BZ&#214; versucht so in K&#228;rnten, die ersten Schritte in Richtung   einer sozialen Zweiklassengesellschaft zu setzten, in der MigrantInnen   ebenso Steuern zahlen und daf&#252;r vom Land weniger als &#214;sterreicherInnen   zur&#252;ck bekommen. Auf der anderen Seite war genug Geld f&#252;r die Erh&#246;hung   der Parteif&#246;rderung (ca. 70 Mio.), f&#252;r teure Image- und   Beratungskampagnen (2009 1,3 Mio. Euro) und f&#252;r die Finanzierung von   Prestigeobjekten (Fu&#223;ballstadion f&#252;r die EM 2008) da. Die Folgen f&#252;r das   Land K&#228;rnten sind katastrophal. 91 000 Menschen leben unter der   Armutsgrenze (16% der Bev&#246;lkerung), 18 000 ArbeitnehmerInnen gelten als   &#8222;working poor&#8220; und 30 000 Kinder m&#252;ssen ohne warme Wohnung, ausreichend   Kleidung und ausgewogene Ern&#228;hrung leben. Dar&#252;ber hinaus w&#228;chst die   Verschuldung des Landes K&#228;rnten weiter an und liegt mittlerweile bei   2254 Euro pro Kopf. Das alles gibt einen Vorgeschmack auf die Politik   der FP&#214; an der Macht. Denn im kommenden Wiener Gemeinderatswahlkampf   wird auch H.C. Strache (Parteichef der FP&#214;) versuchen sich als   &#8222;Vertreter des kleinen Mannes&#8220; aufzuspielen und in Kombination mit   aggressiver rassistischer Hetze populistische &#8222;Scheinl&#246;sungen&#8220; f&#252;r die   sozialen Probleme der Menschen anbieten. Es liegt an uns, diese   &#8222;Konzepte&#8220; als solche zu entlarven und sozialistische Antworten zu   geben: z.B.: Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohn- und   Personalausgleich &amp; Mindestlohn von 1200 Euro netto.<\/p>\n<h4>  St&#228;rkung des Rechtsextremismus in &#214;sterreich?<\/h4>\n<p>  Die Fusion von der Freiheitlichen Partei K&#228;rnten (FPK- vormals BZ&#214;   K&#228;rnten) und FP&#214; wurde am Parteitag verabschiedet. Nach dem jahrelangen   verbalen Krieg zwischen den beiden Parteien ist das rechtsextreme Lager   jetzt wieder vereint. Doch bedeutet das automatisch eine St&#228;rkung des   dritten Lagers oder haben sie mit dem wochenlangen Hin und Her von   Beschimpfungen, &#220;bertritten und Provokationen an Einfluss verloren?   Zuerst m&#252;ssen wir betonen, dass sich das Problem des Rechtsextremismus   auch diesmal nicht von selbst l&#246;sen wird, auch wenn viele Linke   vielleicht glauben, dass die Menschen das ziemlich l&#228;cherlich finden.   Nach der Spaltung von FP&#214; und BZ&#214; 2005 haben das auch viele gedacht,   doch die Entwicklungen der letzten Jahre haben sie hoffentlich eines   besseren belehrt. Bei Wahlen konnten sowohl die FP&#214; (bundesweit, aber   nicht in K&#228;rnten) als auch das BZ&#214; K&#228;rnten (nicht bundesweit, aber   immerhin in K&#228;rnten) zulegen, und das mit einem ausl&#228;nderfeindlichen   Wahlkampf. Rein inhaltlich passen die beiden Parteien also ganz gut   zusammen. Allerdings geht das BZ&#214; K&#228;rnten nicht geschlossen in die FPK   &#252;ber. Ein kleiner Teil bleibt &#252;brig und verbleibt bei dem Bundes-BZ&#214;,   das sich selbst als &#8222;rechtsliberal&#8220; bezeichnet. Es wird jedoch   voraussichtlich bald keine politische Rolle mehr in &#214;sterreich spielen.   Die FP&#214; holt sich dagegen vor allem jene Teile des BZ&#214; ins Boot, die am   rechten Rand anzusiedeln sind. Trotzdem sind Konflikte vorprogrammiert.   Der Rechts-Au&#223;en-Fl&#252;gel, der in der FP&#214; in den letzten Jahren ins   Zentrum der Partei ger&#252;ckt ist, sieht die Partei eher als   Fundamentalopposition. Doch viele aus der FPK, allen voran Uwe Scheuch   (Landesparteiobmann [= Landesparteivorsitzender]), wollen ihre   Positionen an den Futtertr&#246;gen der Macht nicht so schnell aufgeben und   auch H.C. Strache hat die Frage einer Regierungsbeteiligung wieder   aufgeworfen. Au&#223;erdem haben Uwe Scheuch &amp; Co mit einigen   Korruptionsvorw&#252;rfen zu k&#228;mpfen, die sich auf ihr Image als   &#8222;Sauberm&#228;nner&#8220; auswirken werden. Die Frage ist, wie schnell sie dieses   wieder aufbauen k&#246;nnen und ob die Strache-FP&#214; es schafft, sich von den   Vorw&#252;rfen gegen FPK-Politiker zu distanzieren.<\/p>\n<p>  Das sind alles Faktoren, die das rechtsextreme Lager kurz- oder   mittelfristig schw&#228;chen k&#246;nnen. Andererseits kann die Fusion auch eine   St&#228;rkung bringen, denn immerhin f&#228;llt ein Konkurrent f&#252;r FPK und FP&#214;   weg. Wie sich das Ganze jetzt weiterentwickelt, h&#228;ngt aber im   Wesentlichen von der Linken und den Gewerkschaften in &#214;sterreich ab.   W&#228;hrend der Protestbewegung an der Uni verhielt sich die FP&#214; ziemlich   ruhig. Das zeigt, dass der Kampf gegen Rechtsextremismus nur dann   erfolgreich sein kann, wenn man ihn mit dem Kampf f&#252;r soziale   Verbesserungen verbindet.<\/p>\n<h4>  Neuwahlen in K&#228;rnten &#8211; keine L&#246;sung<\/h4>\n<p>  Die Sozialdemokratie (SP&#214;) und die Gr&#252;nen fordern jetzt in K&#228;rnten   Neuwahlen, um die chaotische Situation f&#252;r ihre Zwecke zu nutzen. Sie   wollen der Bev&#246;lkerung beweisen, dass sie die besseren &#8222;Sparer&#8220; sind.   Das klingt in K&#228;rnten f&#252;r viele wie eine Drohung, denn die SP&#214; und die   Gr&#252;nen zeigen tagt&#228;glich in anderen Bundesl&#228;ndern, dass sie genauso   Sozialabbau betreiben. Der Wunsch von vielen nach Neuwahlen in K&#228;rnten   ist zwar einerseits verst&#228;ndlich, andererseits werden sie keine L&#246;sung   der Probleme bringen, denn der Sozialabbau wird auch unter einer neuen   Regierung weitergehen. Keine der Parlamentsparteien vertritt die Rechte   von ArbeitnehmerInnen, MigrantInnen und Jugendlichen. Im Gegenteil, dank   &#214;VP, SP&#214; und den Gr&#252;nen herrscht mittlerweile in &#214;sterreich eine   rassistische Grundstimmung. Nicht FP&#214;\/BZ&#214;\/FPK allein sind daf&#252;r   verantwortlich, dass Rassismus salonf&#228;hig geworden ist, sondern die   Tatsache, dass viele Forderungen der FP&#214; bereits von anderen umgesetzt   worden sind. In K&#228;rnten z. B. waren sehr viele der Beschl&#252;sse im Landtag   einstimmig und auch der &#8222;rote&#8220; B&#252;rgermeister von Wien setzt die &#8222;law and   order&#8220; Politik der FP&#214;, durch die Einf&#252;hrung eine &#8222;Stadtsecurity&#8220;, schon   vor den Wahlen in die Tat um.<\/p>\n<h4>  Alternative dringend notwendig<\/h4>\n<p>  Die Reaktionen auf unsere Aktionen in K&#228;rnten machen deutlich, wie   dringend Menschen nach einer Alternative suchen. Viele sind sich im   Klaren dar&#252;ber, dass auch die SP&#214; und die Gr&#252;nen politisch versagt   haben. Leider ist auch das Vakuum auf der linken besonders gro&#223;, obwohl   es auch linke Traditionen in K&#228;rnten (Partisanenk&#228;mpfe im Zweiten   Weltkrieg) gab.<\/p>\n<p>  Ein Passant hat zu mir gesagt: &#8222;Es gibt keine Partei, die sich f&#252;r die   ArbeitnehmerInnen einsetzt.&#8220; Damit hat er v&#246;llig Recht. Viele andere   kamen zu uns, klopften uns auf die Schulter und waren froh, dass   &#8222;endlich jemand in K&#228;rnten etwas gegen die da oben macht. Wir sind nicht   alle rechts.&#8220; Die Gruppe der SLP in K&#228;rnten ist im Aufbau und es gibt   viele Chancen f&#252;r unsere Internationale, dauerhaft im s&#252;dlichsten   Bundesland &#214;sterreichs Fu&#223; zu fassen. Der Aufbau der SLP in K&#228;rnten ist   wichtig, um unser Ziel der Gr&#252;ndung einer neuen Partei von und f&#252;r   ArbeitnehmerInnen, Jugendliche und RentnerInnen in die Tat umzusetzen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Webseite der Sozialistischen LinksPartei <a href=\"http:\/\/www.slp.at\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8230;aber es gibt auch Mobilisierungen dagegen!\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13530"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13530"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13530\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13530"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13530"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13530"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}