{"id":13519,"date":"2010-02-04T16:20:00","date_gmt":"2010-02-04T16:20:00","guid":{"rendered":".\/?p=13519"},"modified":"2010-02-04T16:20:00","modified_gmt":"2010-02-04T16:20:00","slug":"13519","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/02\/13519\/","title":{"rendered":"Daimler Bremen: Betriebsrat unterschreibt Wischiwaschi-Papier"},"content":{"rendered":"<p>  Arbeitsniederlegungen f&#252;r Besch&#228;ftigungssicherung im Bremer Daimler-Werk.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Mit Arbeitsniederlegungen in allen drei Schichten hat die Belegschaft   des Bremer Daimler-Werks am Montag nach jW-Informationen Verhandlungen   &#252;ber die Folgen der beschlossenen Umstrukturierungen begleitet. In der   Nacht zum Dienstag beendete der Betriebsrat die Aktion durch seine   Unterschrift unter einen Interessenausgleich, der nichts als vage   Absichtserkl&#228;rungen und bereits gemachte Zusagen enth&#228;lt. Der geforderte   Ausschlu&#223; betriebsbedingter K&#252;ndigungen wurde nicht vereinbart.<\/p>\n<h4>  <i>von Karl Neumann<\/i><\/h4>\n<p>  Hintergrund der Auseinandersetzung ist der Beschlu&#223; der Daimler-Spitze   vom Dezember vergangenen Jahres, die n&#228;chste Generation der C-Klasse f&#252;r   den nordamerikanischen Markt nicht mehr in Bremen, sondern in Tuscaloosa   im US-Bundesstaat Alabama zu fertigen. Die bisher in Sindelfingen   erfolgte Produktion f&#252;r den europ&#228;ischen Markt soll nach Bremen gehen.   Im Gegenzug verliert die norddeutsche Fabrik mit ihren zur Zeit rund   12600 Besch&#228;ftigten die Fertigung des Sportwagens SL an Sindelfingen.   Als die Pl&#228;ne bekannt wurden, legte die Sindelfinger Belegschaft   tagelang die Arbeit nieder, bis die Konzernspitze einen Ausschlu&#223; von   Entlassungen bis Ende 2019 akzeptierte (jW berichtete).<\/p>\n<p>  Eine solche Vereinbarung forderten auch die Besch&#228;ftigten des Bremer   Werks. Der Behauptung, der Standort sei Gewinner der Umstrukturierung,   glauben sie offenbar nicht. Bereits am 22. Januar verlie&#223;en deshalb etwa   1500 Produktionsarbeiter die B&#228;nder und gingen auf die Stra&#223;e.   Organisiert wurde die Aktion von kritischen IG-Metall-Vertrauensleuten &#8211;   ohne offizielle R&#252;ckendeckung ihrer Gewerkschaft. Obwohl einzelne   Betriebsr&#228;te versuchten, den Protest durch die Einsch&#252;chterung von   Kollegen zu sabotieren, war dieser &#228;u&#223;erst erfolgreich &#8211; so sehr, da&#223;   sich die Vertrauensk&#246;rperleitung gezwungen sah, die Verhandlungen vor   der Einigungsstelle am Montag mit weiteren Arbeitsniederlegungen zu   begleiten. Allein in Fr&#252;h- und Sp&#228;tschicht beteiligten sich rund 7000   Besch&#228;ftigte an Protestdemonstrationen vor dem Werk. Etwa 1000 Fahrzeuge   wurden in dieser Zeit nicht produziert.<\/p>\n<p>  In der Nacht zum Dienstag dann die pl&#246;tzliche Einigung: Der Betriebsrat   unterschrieb eine Vereinbarung, die aus Besch&#228;ftigtensicht wenig   Konkretes enth&#228;lt. In dem jW vorliegenden Papier ist lediglich der   ohnehin bekannte Plan festgeschrieben, die C-Klasse einschlie&#223;lich aller   Derivate in Bremen zu fertigen. &#187;Aus Sicht des Unternehmens und nach der   vorliegenden (strategischen Planung) SPP 12\/09 hat der Standort eine   gute Besch&#228;ftigungsperspektive&#171;, hei&#223;t es im Vertragstext unverbindlich.   Sollte es &#187;wider Erwarten dennoch zu Personal&#252;berh&#228;ngen&#171; in Zusammenhang   mit der Umstrukturierung kommen, w&#252;rden Werkleitung und Betriebsrat   &#187;&#252;ber Ma&#223;nahmen beraten und verhandeln, mit dem Ziel, Personal&#252;berh&#228;nge   zu vermeiden und Besch&#228;ftigung am Standort Bremen zu sichern&#171;.<\/p>\n<p>  &#187;Das ist ein Wischiwaschi-Papier und alles andere als der von uns   geforderte Ausschlu&#223; betriebsbedingter K&#252;ndigungen&#171;, kritisierte   Betriebsratsmitglied Gerhard Kupfer den Kompromi&#223; am Dienstag gegen&#252;ber   junge Welt. Die im Papier enthaltene Erkl&#228;rung, in Bremen w&#252;rden durch   die Restrukturierung 500 zus&#228;tzliche Arbeitspl&#228;tze geschaffen, h&#228;lt der   linke Aktivist f&#252;r falsch. &#187;Allein durch die Rationalisierung sollen   jedes Jahr drei Prozent, also mehr als 300 Stellen wegfallen&#171;, rechnete   er vor. Und: &#187;Wenn das Unternehmen tats&#228;chlich vorhat, hier keine Jobs   zu vernichten, warum verweigert es dann konsequent den Ausschlu&#223; von   Entlassungen?&#171;<\/p>\n<p>  Die Besch&#228;ftigten seien nach der &#252;berraschenden Einigung &#187;stinksauer&#171;,   berichtete Kupfer. Sie seien bereit gewesen, weiter f&#252;r eine   Vereinbarung wie im Sindelfinger Werk zu k&#228;mpfen. &#187;Viele Kollegen wollen   wissen, wer dem im Betriebsrat zugestimmt hat. Sie wollen ihnen die   Quittung bei der n&#228;chsten Wahl pr&#228;sentieren&#171;, sagte Kupfer. Anders als   in vielen anderen Konzernstandorten findet in Bremen &#252;blicherweise eine   Personenwahl zum Betriebsrat statt, voraussichtlich auch bei der   kommenden Abstimmung im M&#228;rz.<\/p>\n<\/p>\n<h5>  <i>Dieser Artikel erschien zuerst in der Tageszeitung junge Welt am   3.2.201<\/i>0<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Arbeitsniederlegungen f&#252;r Besch&#228;ftigungssicherung im Bremer Daimler-Werk.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,11,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13519"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13519"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13519\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}