{"id":13516,"date":"2010-02-02T00:00:00","date_gmt":"2010-02-02T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13516"},"modified":"2010-02-02T00:00:00","modified_gmt":"2010-02-02T00:00:00","slug":"13516","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/02\/13516\/","title":{"rendered":"Iran: Der Kampf gegen die Diktatur geht weiter"},"content":{"rendered":"<p>  Interview mit einem Arbeiteraktivisten<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Bahman Gharamani ist Arbeiteraktivist im kurdischen Teil des Iran. Er   ist Mitglied des <i>&#8222;Koordinierungskomitees zur Unterst&#252;tzung des   Aufbaus von Arbeiterorganisationen&#8220;<\/i> (Komiteye hamahangi baraye   komak be ijade tashakkole kargari). Diese Organisation war eine der   ersten, die ins Leben gerufen wurde, um ArbeiterInnen bei der   Selbstorganisation in den Betrieben zu helfen.<\/p>\n<p>  Bahman Gharamani ist Mitglied des Exekutivkomitees dieser. Organisation   und einer ihrer f&#252;hrenden Kr&#228;fte im West-Iran. Er hat Soziologie   studiert und war zwei Jahre lang Studierendenaktivist. Die Universit&#228;t   musste er aufgrund seiner Aktivit&#228;ten verlassen und konnte daher seinen   Master-Abschluss nicht beenden. Als er vor das &#8222;Revolutionsgericht&#8220;   zitiert wurde, verlie&#223; er das Land. Kurz nachdem er im Dezember 2009 in   G&#246;teborg eintraf, nahm er Kontakt zur R&#228;ttvisepartiet Socialisterna, der   CWI-Sektion in Schweden, auf.<\/p>\n<p>  Er erz&#228;hlt uns: <i>&#8222;Im Iran sind die ArbeiterInnen aller Rechte   beraubt. Du musst unter harten sozialen Bedingungen leben, bekommst   einen niedrigen Lohn und die Arbeitsbedingungen sind hundsmiserabel. Es   gibt noch nicht einmal das Recht auf Organisation. Wir haben &#252;berhaupt   keine Rechte.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>  Aus diesem Grund haben ArbeiterInnen im Fr&#252;hjahr 2004 die Organisation   gegr&#252;ndet:<i> &#8222;[&#8230;] f&#252;r die ArbeiterInnen selbst, um die   Arbeiterklasse zu organisieren&#8220;<\/i>. Das Komitee steht politisch   eindeutig links.<\/p>\n<p>  <i>&#8222;Wir haben keine Illusionen, dass das islamistische Regime uns   irgendwelche Rechte zugestehen wird. Auch vom &#187;reformistischen&#171; Teil   erwarten wir nichts. Jedes Recht, das gewonnen wird, entstammt dem Kampf   der ArbeiterInnen selbst und ihrer Organisationen<\/i>&#8220;, erkl&#228;rt Bahman.<\/p>\n<p>  2005 kamen ArbeiterInnen auf das Komitee zu, um nach Unterst&#252;tzung und   Hilfe f&#252;r andere zu fragen, die sich organisieren wollten. Die   KollegInnen unterst&#252;tzten Streiks und nahmen an Demonstrationen der   ArbeiterInnen teil. Eine Zeitung und eine Webseite wurden gegr&#252;ndet. Da   die Zeitung keinen legalen Status hatte, wurde sie im Untergrund   vertrieben und von den ArbeiterInnen selbst in die Betriebe geschmuggelt.<\/p>\n<p>  <i>&#8222;Wir haben die im Kampf stehenden ArbeiterInnen unterst&#252;tzt. Trotz   widriger Umst&#228;nde, st&#228;ndiger Repression und Zensur, die noch zunahmen,   als Streiks immer h&#228;ufiger wurden, betrachteten wir die Herstellung der   Zeitung als eine unserer Hauptaufgaben. Viele unserer Mitglieder wurden   vor Gericht gestellt und inhaftiert. ArbeiterInnen, die mit uns   zusammenarbeiteten, drohte das Regime. Man sch&#252;chterte sie ein, machte   es f&#252;r uns somit schwerer, eingreifen zu k&#246;nnen.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>  &#8222;Der Streik bei Haf Tapeh, einer Zuckerfabrik mit eigenen Plantagen, im   Jahr 2007 wurde zum Wendepunkt f&#252;r die Arbeiterbewegung. Zw&#246;lf Monate   lang hatten sie ohne Lohn gearbeitet, und als sie mitbekamen, dass das   Unternehmen verkauft werden sollte und ihnen die Arbeitslosigkeit   drohte, traten sie in den Streik.&#8220;<\/p>\n<p>  F&#252;r Familien, die schon unterhalb der Armutsgrenze leben, bedeutet   Arbeitslosigkeit die Katastrophe. Und achtzig Prozent der iranischen   ArbeiterInnen leben in Armut.<\/p>\n<p>  <i>&#8222;6.000 ArbeiterInnen marschierten zusammen mit ihren Familien durch   die Stra&#223;en. Der Streik, der einen Monat lang andauerte, wurde zu einer   fantastischen Parade des Widerstands und der St&#228;rke der Arbeiterklasse.   Unter vielen weckte das Hoffnungen. Und obwohl es kein Streikgeld gab,   hielt der Kampf an.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>  Die Sicherheitslage war schwierig und obwohl Gelder gesammelt wurden,   erreichte das meiste davon nie die ArbeiterInnen. F&#252;r das   Selbstvertrauen der ArbeiterInnen wurde dieser Streik allerdings zum   Wendepunkt und die Linke ging aufgrund der Rolle, die AktivistInnen im   Streik spielten, gest&#228;rkt daraus hervor. Die Zahl der AktivistInnen nahm   trotz der Tatsache zu, dass der Arbeitskampf illegal stattfand.<\/p>\n<p>  Seit 2007 wurde von vielen weiteren Arbeiterprotesten und Streiks   berichtet. Die meisten hatten mit L&#246;hnen und Arbeitsbedingungen zu tun,   aber seit der Massenbewegung im letzten Sommer ist es zu einer   Politisierung und zunehmendem Vertrauen in die M&#246;glichkeit des   politischen Wandels gekommen. Im letzten Monat seit Dezember letzten   Jahres fanden im Iran drei&#223;ig Streiks statt. Die Massenbewegung, die der   Polizei und dem Milit&#228;r trotzt, tr&#228;gt eindeutig zur Motivation solcher   ArbeiterInnen bei, die an den Demonstrationen bisher noch nicht   teilgenommen haben.<\/p>\n<p>  Die Situation verschlechtert sich aufgrund der &#246;konomischen Krise. Weite   Teile der Textilindustrie sind bankrott und stehen ohne Auftr&#228;ge da. In   einem der Textilbetriebe in Sanandadsch (Kurdistan) wollen die   ArbeiterInnen das Unternehmen &#252;bernehmen, sie werden vom Staat und den   Eigent&#252;mern jedoch daran gehindert.<\/p>\n<p>  Bahman Gharamani ist &#252;berzeugt, dass die Arbeiterklasse die Kraft ist,   die das Regime &#252;berwinden kann Damit die Arbeiterklasse sich als   vereinte Kraft der Massenbewegung anschlie&#223;t, muss deren Programm   allerdings verkn&#252;pft sein mit den unmittelbaren Forderungen der   ArbeiterInnen. Der Kampf wird nicht allein f&#252;r Freiheit und   demokratische Wahlen sondern auch f&#252;r Arbeitspl&#228;tze, gewerkschaftliche   Rechte und das Recht auf einen Mindestlohn gef&#252;hrt. Die Arbeiterklasse   muss sich mit genau diesen Forderungen der Bewegung anschlie&#223;en, die f&#252;r   das Regime den Todessto&#223; bedeuten w&#252;rden.<\/p>\n<h5>  <i>Der Artikel erschien zuerst in der schwedischen sozialistischen   Zeitung Offensiv.<\/i><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview mit einem Arbeiteraktivisten\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[40],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13516"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13516"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13516\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13516"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13516"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13516"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}