{"id":13510,"date":"2010-02-16T00:00:00","date_gmt":"2010-02-16T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13510"},"modified":"2010-02-16T00:00:00","modified_gmt":"2010-02-16T00:00:00","slug":"13510","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/02\/13510\/","title":{"rendered":"Nur das Wetter ist noch schlechter"},"content":{"rendered":"<p>  Schwarz-Gelb: Zwischen internem Streit und neuen Kahlschlagspl&#228;nen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die neue Bundesregierung ist erst wenige Monate im Amt. Doch sie   streitet sich bereits wie ein altes Ehepaar. Gleichzeitig werden aber   Kommissionen eingesetzt und Konzepte ausget&#252;ftelt, die dazu angetan   sind, dass es in Deutschland noch &#8222;k&#228;lter&#8220; wird, und zwar auf Dauer. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Torsten Sting, Rostock<\/i><\/h4>\n<p>  Am Wahlabend hatten sich die Kapitalisten so gefreut. Eine gest&#228;rkte FDP   schien der Garant zu sein, der abgestraften und durch vier Jahre Gro&#223;e   Koalition &#8222;verweichlichten&#8220; CDU Dampf zu machen. Dies schien bei den   Koalitionsverhandlungen denn auch zu geschehen. Die Liberalen setzten   sich in vielen Punkten durch.<\/p>\n<h4>  Viel Ende schon am Anfang?<\/h4>\n<p>  Kaum war die Tinte unter dem Koalitionsvertrag trocken, verstand jeder   Partner selbigen aber anders. Die Union sah auf einmal angesichts der   Schuldenlawine &#8211; der Bund muss 2010 f&#252;r 85,8 Milliarden Euro neue   Kredite aufnehmen &#8211; kaum Spielraum f&#252;r Steuersenkungen. Guido   Westerwelle und Co. wollen jedoch darauf bestehen. Angesichts dieses   Gezeters &#228;u&#223;erte Peter Altmaier, parlamentarischer Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der   Unions-Fraktion, im Dezember, dass nur das Wetter noch schlechter sei   als die Stimmung im Kabinett.<\/p>\n<p>  Was steckt hinter diesem Streit? Einig sind sich die Koalitionspartner,   dass die Kosten der Krise nicht durch die Nutznie&#223;er des Aufschwungs zu   zahlen sind, sondern durch die Masse der Bev&#246;lkerung. Allerdings   f&#252;rchten die geschw&#228;chte CSU und die CDU, die bei der Bundestagswahl   absolut zw&#246;lf Prozent der Stimmen einb&#252;&#223;te, mit einem zu provokativen   Kurs weiter Federn zu lassen. Zudem sind die Herrschenden generell   besorgt, das &#8222;zarte Pfl&#228;nzchen&#8220; Aufschwung durch K&#252;rzungen die zur   Schw&#228;chung der Nachfrage f&#252;hren, gleich wieder zu zertrampeln.<\/p>\n<h4>  NRW-Wahl<\/h4>\n<p>  Weshalb die (K&#252;rzungs-) Katze noch nicht aus dem Sack gelassen wird,   liegt zudem an der am 9. Mai stattfindenden Landtagswahl im gr&#246;&#223;ten   Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW). Es ist die einzige Wahl 2010,   entscheidet dar&#252;ber, ob Union oder FDP in der Bundesregierung Aufwind   versp&#252;ren k&#246;nnen, und ist generell als &#8222;Stimmungsbarometer&#8220; von gro&#223;er   Bedeutung. Kann sich die dortige schwarz-gelbe Regierung halten, haben   Union und Liberale nach wie vor die meisten Stimmen im Bundesrat. Die   Mehrheit in der L&#228;nderkammer ist wichtig, um bestimmte Gesetzesvorhaben   ohne &#196;nderung durchzubekommen.<\/p>\n<h4>  Kopfpauschale und Sparpaket<\/h4>\n<p>  Eine weitere, grausame &#8222;Reform&#8220; des Gesundheitswesens droht. Der   zust&#228;ndige Minister Philipp R&#246;sler (FDP) will die Kopfpauschale   einf&#252;hren: gleicher Beitrag f&#252;r alle, unabh&#228;ngig vom Einkommen, und   Entlastung der Arbeitgeber. Bei der Pflegeversicherung sollen die   Beitragszahler dazu verpflichtet werden, sich privat zus&#228;tzlich   abzusichern. Riester l&#228;sst gr&#252;&#223;en.<\/p>\n<p>  Ferner k&#252;ndigte CDU-Finanzminister Wolfgang Sch&#228;uble ein   milliardenschweres Sparpaket an. &#8222;Wir m&#252;ssen das strukturelle Defizit ab   2011 um rund zehn Milliarden Euro pro Jahr verrringern&#8220;, sagte Angela   Merkels Kassenwart der BILD im Dezember. Erwogen werden   Mehrwertsteuererh&#246;hungen. Inzwischen erkl&#228;rte Sch&#228;uble, dass es noch   schneller gehen k&#246;nnte und alles auf den Pr&#252;fstand geh&#246;rt.<\/p>\n<p>  Dar&#252;ber hinaus stehen &#196;nderungen bei den Hartz-Gesetzen an. Die Spr&#252;che   von Roland Koch (CDU) lassen erahnen, in welche Richtung es gehen soll.   In der &#8222;Wirtschaftswoche&#8220; vom 18. Januar forderte er,   Hartz-IV-Empf&#228;ngerInnen noch st&#228;rker zu &#8222;niederwertiger Arbeit&#8220;   heranzuziehen.<\/p>\n<h4>  Widerstand<\/h4>\n<p>  Was auf Bundesebene droht, ist in vielen Kommunen bereits Realit&#228;t. In   Wuppertal sollen Theater, Schimmb&#228;der und Bibliotheken geschlossen   werden (SPIEGEL 2\/2010). Neben K&#252;rzungen in den Kommunen wird nun   au&#223;erdem in vielen Betrieben die Kurzarbeit durch Entlassungen abgel&#246;st   werden.<\/p>\n<p>  Die n&#228;chsten Wochen und Monate sollten genutzt werden, um dagegen zu   mobilisieren. Die Aktionen des B&#252;ndnisses &#8222;Wir zahlen nicht f&#252;r Eure   Krise&#8220; k&#246;nnen eine wichtige Rolle dabei spielen. Die Bildungsproteste   sind nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben.<\/p>\n<p>  Neben den sozialen Bewegungen kommt den Gewerkschaften hierbei eine   zentrale Rolle zu. K&#228;mpferische KollegInnen m&#252;ssen von unten Druck   machen, damit die Gewerkschaftsspitzen sich bewegen. Zudem sollte die   Partei DIE LINKE in die Pflicht genommen werden. Mit Massenflugbl&#228;ttern   und Plakaten muss jetzt informiert und mobilisiert werden.<\/p>\n<p>  Die Kopfpauschale ist das &#8222;Hartz IV des Gesundheitswesens&#8220;. Der Protest   dagegen hat das Potenzial, Belegschaften aller Branchen zu aktivieren.   Das muss mit dem Kampf gegen kommunale K&#252;rzungen, Entlassungen und das   Sparpaket verbunden werden. Sollte die Gewerkschaftsf&#252;hrung dazu   gebracht werden, zu den Demonstrationen des Anti-Krisen-B&#252;ndnisses zu   mobilisieren, k&#246;nnte das auch eine wichtige Vorbereitung f&#252;r einen, von   den Gewerkschaften organisierten, eint&#228;gigen Generalstreik gegen den   Generalangriff von Regierung und Kapital sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Schwarz-Gelb: Zwischen internem Streit und neuen Kahlschlagspl&#228;nen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[222],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13510"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13510"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13510\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13510"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13510"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13510"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}