{"id":13505,"date":"2010-02-03T00:00:00","date_gmt":"2010-02-03T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13505"},"modified":"2010-02-03T00:00:00","modified_gmt":"2010-02-03T00:00:00","slug":"13505","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/02\/13505\/","title":{"rendered":"Wir zahlen Eure Krise nicht!"},"content":{"rendered":"<p>  Tarifkonflikt im &#214;ffentlichen Dienst<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Der Chef des Verbands der Kommunalen Arbeitgeber (VKA), Thomas B&#246;hle,   droht mit Stellenabbau und Privatisierungen, sollten die Gewerkschaften   bei ihren &#8222;ma&#223;losen&#8220; Forderungen bleiben (gefordert werden f&#252;nf Prozent   im Gesamtvolumen). Doch der angedrohte Kahlschlag steht so oder so auf   der Agenda der Arbeitgeber.<\/b><\/p>\n<h4>  <b><i>von Angelika Teweleit, Berlin<\/i><\/b><\/h4>\n<p>  Aufgrund gro&#223;er Einnahmer&#252;ckg&#228;nge z&#252;cken viele Kommunen bereits den   Rotstift. Doch &#8222;das ist erst der Anfang, es wird noch weitere   Verschlechterungen geben&#8220;, sagt zum Beispiel der K&#228;mmerer der Stadt   Wuppertal, der aktuell die Schlie&#223;ung des Theaters, mehrerer Schulen,   Jugendtreffs und B&#228;der durchsetzen will.<\/p>\n<p>  Um so n&#246;tiger ist es, gerade jetzt St&#228;rke zu zeigen. Denn schwache   Belegschaften, die sich nicht wehren, werden schneller angegriffen als   starke. Die Tarifrunde 2010 k&#246;nnte Ausgangspunkt f&#252;r breiten Widerstand   durch Besch&#228;ftigte und NutzerInnen gegen die K&#252;rzungspl&#228;ne im   &#214;ffentlichen Dienst sein.<\/p>\n<h4>  <b>Kassen wurden gepl&#252;ndert<\/b><\/h4>\n<p>  Es stimmt: Deutschland wurde von der tiefsten Wirtschaftskrise seit   Jahrzehnten erfasst. Aber warum soll die arbeitende Bev&#246;lkerung daf&#252;r   zahlen &#8211; w&#228;hrend f&#252;r die Ackerm&#228;nner Bankenrettungsaktionen laufen?<\/p>\n<p>  Es stimmt: Die Kassen sind leer. Das liegt aber vor allem daran, dass   Geld umverteilt wurde. Allein seit dem Jahr 2000 wurden den Unternehmen   durch Steuersenkungen 200 Milliarden Euro geschenkt.<\/p>\n<p>  Es stimmt: In der Krise sanken die Verm&#246;gen. Trotzdem besitzen die   reichsten zehn Prozent immer noch gigantische 2,6 Billionen Euro   (wipo.verdi.de).<\/p>\n<p>  Geld ist also vorhanden. Darum m&#252;ssen wir gegen die von den Arbeitgebern   verlangten Nullrunden und Sparma&#223;nahmen entschlossen Widerstand leisten.<\/p>\n<h4>  <b>Ganze Kampfkraft nutzen<\/b><\/h4>\n<p>  Notwendig ist es, die Warnstreiks von Anfang an fl&#228;chendeckend zu   organisieren. Wenn ErzieherInnen, Krankenhauspersonal, M&#252;llwerker,   Besch&#228;ftigte an Flugh&#228;fen, Verwaltungsangestellte, BusfahrerInnen   gemeinsam streiken, kann eine gro&#223;e Kraft entstehen. Die Androhungen der   Arbeitgeber m&#252;ssen mit Urabstimmung und Streik beantwortet werden. Ein   Erfolg der zwei Millionen Besch&#228;ftigten bei Bund und Kommunen w&#228;re auch   eine Ermutigung f&#252;r die KollegInnen in der Privatwirtschaft.<\/p>\n<h4>  <b>Wof&#252;r k&#228;mpfen?<\/b><\/h4>\n<p>  Die gewerkschaftliche Forderung von f&#252;nf Prozent im Gesamtvolumen (also   Verl&#228;ngerung der Altersteilzeit, &#220;bernahmeregelung f&#252;r Azubis und   Entgeltsteigerung in unbestimmter Gr&#246;&#223;e) ist v&#246;llig unzureichend. Die   Umsetzung der Forderung soll laut Arbeitgebern f&#252;nf Milliarden Euro   kosten. Das ist etwa die H&#228;lfte von dem, was Bund und Kommunen nach dem   Tarifergebnis von 2008 aufbringen mussten.<\/p>\n<p>  In der Tarifrunde vor zwei Jahren sprang die ver.di-F&#252;hrung als Tiger   los und landete als Bettvorleger. Dieses Mal startet sie als   Schmusekatze. Die jetzige ver.di-F&#252;hrung zeigt keinen Weg auf, wie   verhindert werden kann, dass die Krisenlasten mit voller Wucht auf die   Besch&#228;ftigten abgew&#228;lzt werden. Darum ist es n&#246;tig, eine inhaltliche und   personelle Alternative zu dieser F&#252;hrung aufzubauen. Dies hat sich auch   das &#8222;Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di&#8220; auf die   Fahnen geschrieben.<\/p>\n<h4>  <\/h4>\n<h2>  <b>&#214;ffentlicher Dienst: F&#252;r welche Forderungen k&#228;mpfen?<\/b><\/h2>\n<p>  <b>Bei der letzten Tarifrunde 2008 beteiligten sich hunderttausende   KollegInnen. ver.di-Chef Frank Bsirske sagte damals, er habe in den   letzten 35 Jahren noch nie so viel Wut und Kampfbereitschaft gesehen.   Jedoch mobilisierte die ver.di-F&#252;hrung nicht f&#252;r einen Vollstreik, mit   dem die Durchsetzung der urspr&#252;nglichen Forderungen m&#246;glich gewesen w&#228;re.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Dorit Wallenburger, ver.di-Betriebsgruppenvorsitzende,   Krankenhaus Dresden Neustadt*<\/i><\/h4>\n<p>  Im letzten Jahr beteiligten sich zehntausende KollegInnen am   Kita-Streik. Viele von ihnen waren das erste Mal an einem Arbeitskampf   beteiligt. Diese und andere Auseinandersetzungen zeugen davon, dass   immer mehr Menschen erkennen, dass sie Verbesserungen in ihren Arbeits-   und Lebensbedingungen nur durch gemeinsame kraftvolle Aktionen erreichen   k&#246;nnen. Wie nutzt die ver.di-Spitze dieses Potenzial nun f&#252;r die   beginnende Tarifrunde im &#214;ffentlichen Dienst?<\/p>\n<h4>  Das Argument der leeren Kassen<\/h4>\n<p>  In den Argumentationshilfen von ver.di werden Zahlen und Fakten   verwendet, die unschlagbar sind: dass unsere Realeinkommen stetig   sinken, w&#228;hrend die Einkommen aus Gewinnen und Verm&#246;gen zwischen 2002   und 2008 gewaltig gestiegen sind. Dennoch ergeben sich die meisten   Gewerkschaftsoberen in der Praxis den Argumenten der Arbeitgeber: es sei   kein Geld da&#8230;<\/p>\n<p>  Das hat zur Folge, dass das Forderungspaket weit hinter dem zur&#252;ck   bleibt, was notwendig w&#228;re. Es gibt nicht mal eine bezifferte   Lohnforderung. Damit ist die Gefahr gro&#223;, dass die Forderung von   Innenminister Thomas de Maizi&#232;re (CDU) nach einer Nullrunde Wirklichkeit   wird. Stattdessen m&#252;ssen endlich die Reallohnverluste der letzten Jahre   ausgeglichen werden. Daher brauchen wir eine konkrete Forderung nach   einer Entgelterh&#246;hung: Die von der ver.di-F&#252;hrung v&#246;llig vage allgemein   aufgestellten f&#252;nf Prozent sind das Minimum, was wir allein schon an   Lohnerh&#246;hung ben&#246;tigen, mindestens aber 200 Euro pro Monat.<\/p>\n<p>  Dar&#252;ber hinaus muss die von den Arbeitgebern in die Diskussion gebrachte   Ausweitung des Leistungslohns klar abgelehnt werden.<\/p>\n<h4>  Arbeitspl&#228;tze schaffen statt streichen<\/h4>\n<p>  In der Frage der &#220;bernahme sollte die Gewerkschaft eine Forderung   aufstellen, die den Jugendlichen tats&#228;chlich eine Zukunft bietet.   Anstatt einer &#220;bernahmeregelung von nur 24 Monaten, wie von ver.di   gefordert, brauchen die Azubis eine Berufsaussicht f&#252;rs Leben: also   unbefristete &#220;bernahme im erlernten Beruf.<\/p>\n<p>  &#220;berall fehlt es an Personal &#8211; bei Wohnungs&#228;mtern, Kindertagesst&#228;tten,   Winterdiensten, Krankenh&#228;usern und so weiter. Mit einer Forderung nach   Ausbau des &#214;ffentlichen Dienstes und der Schaffung von Ausbildungs- und   Arbeitspl&#228;tzen k&#246;nnten sich die Streikenden der Unterst&#252;tzung in der   Bev&#246;lkerung sicher sein.<\/p>\n<p>  Noch nie war die Produktivit&#228;t so hoch wie in den letzten Jahren. Also   warum sollen eigentlich immer weniger Menschen mit immer weniger Lohn   und verl&#228;ngerten Arbeitszeiten schuften, w&#228;hrend andere arbeitslos sind?   Gerade jetzt in der Krise m&#252;ssen die Gewerkschaften eine Antwort auf die   steigende Massenarbeitslosigkeit geben. Die Tarifrunde im &#214;ffentlichen   Dienst k&#246;nnte eine Vorbildfunktion haben. N&#246;tig w&#228;re eigentlich die   Forderung nach einer Arbeitszeitverk&#252;rzung auf 35 Stunden bei vollem   Lohn- und Personalausgleich!<\/p>\n<p>  Die Kraft der Besch&#228;ftigten kann sich nur entfalten, wenn Forderungen   aufgestellt werden, f&#252;r die es sich wirklich lohnt zu k&#228;mpfen. Und nur   wenn alle gemeinsam aktiv werden, erreichen wir eine St&#228;rke, die im   Kampf f&#252;r richtige Verbesserungen n&#246;tig sein wird. Das muss die   grundlegende Aufgabe der Gewerkschaften sein: Solidarit&#228;t herstellen!   Alle oder keiner!<\/p>\n<p>  <i>*Angabe der Funktion dient nur zur Kenntlichmachung der Person<\/i><\/p>\n<h4>  Vorschl&#228;ge zur Konkretisierung und Verbesserung des Forderungskatalogs   von ver.di:<\/h4>\n<p>  F&#252;nf Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro Festgeld bei zw&#246;lf   Monaten Laufzeit<\/p>\n<p>  Zur&#252;ckverwandlung der bisherigen Leistungsbezahlung in feste   Tarifbestandteile<\/p>\n<p>  Verl&#228;ngerung der Altersteilzeit, aber ohne Abschl&#228;ge von Leistungen<\/p>\n<p>  Unbefristete &#220;bernahmegarantie f&#252;r alle Auszubildenden im erlernten Beruf<\/p>\n<p>  Tariflich garantierte Ausbildungsquote von zehn Prozent<\/p>\n<p>  Statt steigender Arbeitslosigkeit: 35 Stunden-Woche bei vollem Lohn- und   Personalausgleich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Tarifkonflikt im &#214;ffentlichen Dienst\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[222],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13505"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13505"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13505\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13505"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13505"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13505"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}