{"id":13504,"date":"2010-02-13T00:00:00","date_gmt":"2010-02-13T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13504"},"modified":"2010-02-13T00:00:00","modified_gmt":"2010-02-13T00:00:00","slug":"13504","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/02\/13504\/","title":{"rendered":"Bombardierung Dresdens: Wie es dazu kam"},"content":{"rendered":"<p>  &#220;ber Faschismus, Imperialismus und den II.Weltkrieg<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Auch in diesem Jahr versuchen Faschisten aller Couleur, den Jahrestag   der Bombardierung Dresdens durch die Alliierten f&#252;r ihre Zwecke zu   missbrauchen. Am 13. Februar soll der gr&#246;&#223;te Nazi-Aufmarsch seit langem   stattfinden. Zu diesem Datum mobilisieren rechte Organisationen und   Parteien aus ganz Europa. Sie wollen die deutsche Geschichte ins   Gegenteil verkehren, um sie f&#252;r ihre faschistische Propaganda nutzbar zu   machen. Sie verschweigen, dass deutsche Bomber unter Hitler St&#228;dte wie   Coventry oder Guernica dem Erdboden gleich machten. Viele Familien in   Deutschland, gerade auch in Dresden, waren selber von den grausamen   Folgen des Luftkrieges betroffen und fragen sich, wie es dazu kommen   konnte.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Ren&#233; Kiesel, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Am 19. Januar f&#252;hrte die Polizei in Dresden und Berlin   Hausdurchsuchungen durch und beschlagnahmte Plakate und Flugbl&#228;tter des   B&#252;ndnisses &#8222;Dresden Nazifrei&#8220;.<\/p>\n<p>  SAV-Mitglieder werden sich &#8211; wie viele andere AntifaschistInnen &#8211; von   dieser Kriminalisierung der antifaschististischen Arbeit nicht   einsch&#252;chtern lassen, zum Protest gegen die Nazis am 13. Februar   mobilisieren und sich an diesem Tag daran beteiligen, den Nazis entgegen   zu treten und einen gro&#223;en Gegenprotest auf die Beine zu stellen &#8211; um zu   zeigen, dass f&#252;r rassistische und faschistische Propaganda der Rechten   kein Raum ist. Wir wollen verhindern, dass sie an diesem Tag ihre   Argumentation, die eine Revision der Geschichte bedeutet, ungehindert   zur Schau stellen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Sie wollen die Luftangriffe der Alliierten nutzen, um die Rolle der   Nazis im Zweiten Weltkrieg zu leugnen. Doch der deutsche Faschismus war   verantwortlich f&#252;r die Vernichtung von Millionen von Menschenleben und   f&#252;r den Holocaust, der die Ermordung von sechs Millionen J&#252;dinnen und   Juden bedeutete. Die Faschisten der neueren Generationen besitzen nicht   das Recht, einen Krieg ihrer &#8222;geistigen V&#228;ter&#8220; zu benutzen, um gegen die   Bombardierung Dresdens &#8211; der Teil dieses Krieges war &#8211; zu demonstrieren   und dar&#252;ber rechtsextremes Gedankengut zu verbreiten.<\/p>\n<h4>  Kein &#8222;von au&#223;en aufgezwungener&#8220; Krieg<\/h4>\n<p>  Die Bombardierung Dresdens vor 65 Jahren soll der Beweisf&#252;hrung dienen,   dass andere imperialistische M&#228;chte ihre Aggression gegen Deutschland   gerichtet h&#228;tten und ihm dadurch den Krieg &#8222;aufn&#246;tigten&#8220;. Das   Gro&#223;machtstreben des deutschen Kapitals, die Kriegsvorbereitungen des   Dritten Reichs und die Aggression gegen andere Staaten (bis hin zum   Einmarsch der Wehrmacht in &#214;sterreich oder die Annexion des   Sudentenlandes 1938) fallen in dieser Darstellung unter den Tisch. An   deren Stelle tritt die Position Deutschlands als &#8222;Opfer&#8220;, das sich   selbst verteidigt &#8211; doch die Geschichte spricht eine andere Sprache.<\/p>\n<p>  In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg standen die deutschen   Kapitalbesitzer weiterhin vor dem Problem, dass die Welt bereits   weitgehend unter den Gro&#223;m&#228;chten aufgeteilt war. Die Kolonien in Afrika   und Asien (damit wichtige Rohstoffquellen und M&#228;rkte) geh&#246;rten   gr&#246;&#223;tenteils Gro&#223;britannien und Frankreich. Gleichzeitig unterlag   Deutschland &#8211; in Folge der Niederlage im Ersten Weltkrieg &#8211; den strengen   Auflagen, die im Vertrag von Versailles festgeschrieben waren. Die   deutsche Industrie war so weit entwickelt, dass sie auf dem Weltmarkt   der internationalen Konkurrenz stand halten konnte. Mehr und mehr stie&#223;   die weitere Entwicklung der Produktivkr&#228;fte (Produktionsmittel und   menschliche Arbeitst&#228;tigkeit) auf privatwirtschaftlicher Basis an seine   &#8211; nationalstaatlichen &#8211; Grenzen. In wachsendem Ma&#223;e empfanden die   deutschen Kapitalisten im Verlauf der zwanziger Jahre den Vertrag von   Versailles als Hindernis und begannen, sich immer aggressiver dagegen zu   wehren. Gleichzeitig strebten sie nach neuen M&#246;glichkeiten, ihre M&#228;rkte   auszudehnen. Hinzu kamen die katastrophalen sozialen Folgen durch   Wirtschaftskrise und Versailler Vertrag.<\/p>\n<p>  Wer versprach, die Interessen des deutschen Kapitals zu vertreten und   seine Forderungen auch mit Gewalt durchzusetzen, waren die Faschisten.   Vor dem Hintergrund der revolution&#228;ren Massenbewegungen zwischen 1918   und 1923 und der erneuten sozialen Zuspitzung Ende der zwanziger Jahre   lieb&#228;ugelten mehr und mehr Industrielle mit dem Nationalsozialismus und   fingen an, die NSDAP gro&#223;z&#252;gig zu finanzieren. Nach Hitlers   Machtergreifung 1933 sollte ein Krieg gegen andere Staaten und deren   gewaltsame Eroberung den Boden f&#252;r die Ausbreitung des deutschen   Kapitals bereiten.<\/p>\n<h4>  Die Bombardierung Dresdens<\/h4>\n<p>  Am Tag und in der Nacht des 13.\/14. Februars 1945 flogen Verb&#228;nde der   Royal Air Force und der United States Army Air Force in zwei Wellen   massive Angriffe auf Dresden und zerst&#246;rten dabei die komplette   Innenstadt. Die durch Brandbomben ausgel&#246;sten Feuer und Explosionen   kosteten viele tausend EinwohnerInnen das Leben, aber auch viele   Einrichtungen, wie Krankenh&#228;user und Schulen wurden zerst&#246;rt. Ebenso   kulturelle Geb&#228;ude wie der Zwinger, die Semperoper oder die Frauenkirche   wurden in Schutt und Asche gelegt.<\/p>\n<p>  In Dresden war ein Teil der regionalen Industrie konzentriert, doch   diese war nicht das Hauptziel der Angriffe. So auch in anderen St&#228;dten:   Die Wirtschaftsleistung des Dritten Reiches verringerte sich in Folge   der Bombardierung (die seitens Gro&#223;britanniens 1940 und den USA 1943   begonnen wurde) nicht einschneidend. Die R&#252;stungsproduktion   verdreifachte sich in den Jahren von 1941 bis 1944 sogar. An den   modernen Produktionsanlagen profitierten auch nichtdeutsche Unternehmer,   diese Anlagen sollten nach dem Krieg weiterhin f&#252;r die Kapitalisten   Gro&#223;britanniens und der USA nutzbar bleiben.<\/p>\n<p>  Die Luftangriffe gegen Deutschland trafen besonders die Arbeiterklasse.   Die betroffenen Regionen waren zum gr&#246;&#223;ten Teil Wohngebiete, die H&#228;user   der wohlhabenderen Schichten an den Stadtr&#228;ndern wurden ausgelassen.<\/p>\n<p>  Die Bombardierung Dresdens und anderer deutscher St&#228;dte mit ihren   Wohngebieten und Stadtkernen war nicht notwendig, um die Nazis zu   besiegen. Der Schock, den die Angriffe verursachten, trieb die   Bev&#246;lkerung zudem eher noch in die Arme der Nazis, die ihrerseits   nat&#252;rlich brutal jedes Anzeichen von Protest oder Unruhe unterdr&#252;ckten.<\/p>\n<h4>  Gro&#223;britannien und die USA &#8211; Krieg gegen den Faschismus?<\/h4>\n<p>  Gro&#223;britannien und die USA zogen unter dem Banner &#8222;Freiheit und   Demokratie&#8220; in den Krieg, um die Welt vom Faschismus zu befreien. So   steht es zumindest in den B&#252;chern der b&#252;rgerlichen Geschichtsschreibung.<\/p>\n<p>  Doch am 18. Juni 1935 wurde beispielweise ein deutsch-englischer   Marinevertrag unterzeichnet. Der Vertrag erlaubte es Hitlerdeutschland,   in diesem Rahmen alle Schiffsklassen zu bauen, die der Vertrag von   Versailles verboten hatte, also auch U-Boote, Flugzeugtr&#228;ger und   Schlachtschiffe &#252;ber 10.000 Tonnen. Und noch 1939 schrieb der britische   Premierminister Winston Churchill: &#8222;Ich habe immer gesagt, dass wenn   Gro&#223;britannien in einem Krieg besiegt w&#252;rde, ich hoffen w&#252;rde, dass wir   einen Hitler finden, der uns zu unserer uns zustehenden Stellung unter   den Nationen zur&#252;ckf&#252;hrt.&#8220; Politik von Antifaschisten sieht jedenfalls   anders aus.<\/p>\n<p>  Nicht nur in Deutschland, sondern in allen imperialistischen Staaten,   dr&#228;ngte das Kapital in den Zwischenkriegsjahren nach neuen   Anlagem&#246;glichkeiten, um m&#246;glichst schnell zulegen zu k&#246;nnen. Da die Welt   bereits aufgeteilt war, wuchsen die Spannungen zwischen den jeweiligen   Kapitalistenklassen der einzelnen L&#228;nder. Mit ihnen wuchsen auch die   milit&#228;rischen Auseinandersetzungen. Folglich war den Herrschenden das   Mittel eines Krieges recht, um ihren Einfluss in der Welt mit Gewalt   auszuweiten.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig waren die Kapitaleigner und ihre Politiker in dieser Zeit   darauf aus, die Sowjetunion zu zerschlagen. Schlie&#223;lich waren dort die   Kapitalisten und Gro&#223;grundbesitzer entmachtet worden. W&#228;hrend die   kapitalistischen Staaten aufgrund der Widerspr&#252;che ihres   Wirtschaftssystems 1929 von der Gro&#223;en Depression erfasst wurden, konnte   die Sowjetunion (trotz der stalinistischen B&#252;rokratie an der Spitze)   dank der Planwirtschaft zum selben Zeitpunkt gro&#223;e Fortschritte   erzielen. So sahen die B&#252;rgerlichen in Deutschland unter der Herrschaft   der Nazis auch ein &#8222;Bollwerk gegen den Bolschewismus&#8220;. Nach dem Krieg   unterhielten westliche Demokratien auch rege Beziehungen mit autorit&#228;ren   Regimes, so zum Beispiel zu Spanien, in dem der Faschisten-General   Franco noch bis in die siebziger Jahre hinein am Ruder blieb.<\/p>\n<p>  &#220;brigens schrieb David Shlatter, stellvertretender Befehlshaber der   Luftwaffe im Hauptquartier der alliierten Streitkr&#228;fte, zu den   Hintergr&#252;nden der Bombenangriffe: &#8222;Ich bin der Meinung, dass unsere   Luftwaffe der Trumpf ist, mit dem wir nach dem Krieg zur   Friedenskonferenz ziehen werden, und dass dieses Unternehmen unsere   Position grenzenlos st&#228;rken, das hei&#223;t die russische Kenntnis unserer   St&#228;rke vergr&#246;&#223;ern wird.&#8220; Offensichtlich dienten die Angriffe auf Dresden   und auf andere St&#228;dte auch dazu, gegen&#252;ber Russland St&#228;rke zu   demonstrieren.<\/p>\n<p>  Den Unternehmern anderer Staaten war &#8211; auch w&#228;hrend der Nazi-Diktatur &#8211;   viel an ihren Profiten gelegen. General Motors und Ford produzierten   1939 70 Prozent der Automobile f&#252;r den deutschen Markt. Noch w&#228;hrend des   Krieges importierte Deutschland im September 1941 94 Prozent der   Spezial&#246;le f&#252;r die Kriegsmaschinerie &#252;ber das faschistische Spanien aus   den USA. IBM lieferte &#252;ber seine deutsche Tochter DEHOMAG die Logistik   f&#252;r den Holocaust.<\/p>\n<p>  Nicht nur der Faschismus, die blutigste Herrschaftsform des   Kapitalismus, sondern der Kapitalismus generell &#8211; aufgrund von   Privateigentum, Profitinteressen und konkurrierenden Interessen der   Herrschenden &#8211; sorgt immer wieder f&#252;r Kriege zwischen den   Nationalstaaten. Deshalb reicht es nicht, allein gegen den Faschismus zu   k&#228;mpfen. N&#246;tig ist der Kampf zur Abschaffung des Kapitalismus, nur die   &#220;berwindung dieses Systems und die Schaffung einer sozialistischen   Gesellschaft kann uns vor zuk&#252;nftigen Kriegen sch&#252;tzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#220;ber Faschismus, Imperialismus und den II.Weltkrieg\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[64,5],"tags":[222],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13504"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13504"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13504\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13504"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13504"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13504"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}