{"id":13499,"date":"2010-02-11T00:00:00","date_gmt":"2010-02-11T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13499"},"modified":"2010-02-11T00:00:00","modified_gmt":"2010-02-11T00:00:00","slug":"13499","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/02\/13499\/","title":{"rendered":"Iran: Wie kann das Regime gest&#252;rzt werden?"},"content":{"rendered":"<p>  Kampf f&#252;r Demokratie mit sozialem Programm gegen Kapitalismus verbinden<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die Proteste im Iran im Dezember zum Aschura-Fest zeigten, dass die   Massenbewegung im Sommer gegen die Wahlf&#228;lschung kein Strohfeuer,   sondern der Beginn eines revolution&#228;ren Prozesses war. Zugleich gab es   eine gr&#246;&#223;ere Entschlossenheit im Widerstand gegen den staatlichen   Unterdr&#252;ckungsapparat. Auf der anderen Seite bewiesen die   Demonstrationen f&#252;r das Regime, dass Mahmud Ahmadinedschad noch eine   breitere soziale Basis hat als das Schah-Regime in seiner Endphase.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein, Plochingen bei Stuttgart<\/i><\/h4>\n<p>  SozialistInnen unterst&#252;tzen den Kampf f&#252;r demokratische Forderungen:   eine umfassende Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit und das   Recht sich unabh&#228;ngig zu organisieren, insbeson-dere das Recht auf   gewerkschaftliche Organisierung und das Streikrecht. Im Iran sehr   wichtig ist ein Ende der staatlichen Einmischung in das Privatleben der   Menschen in Form von Kleidervorschriften und &#228;hnlichem. Weg mit allen   Gesetzen und Vorschriften, die Frauen, Homosexuelle, nationale oder   religi&#246;se Minderheiten diskriminieren! F&#252;r die Trennung von Staat und   Religion. Weiter notwendig ist die Aufl&#246;sung reaktion&#228;rer   paramilit&#228;rischer Organisationen wie der Basidschi.<\/p>\n<h4>  Verfassungsgebende Versammlung<\/h4>\n<p>  Damit das iranische Volk selbst &#252;ber sein Schicksal entscheiden kann,   sind wirkliche demokratische Wahlen notwendig, bei denen die   KandidatInnen nicht vorher durch den W&#228;chterrat ausgesiebt worden sind.   In der Revolution 1979 hatte die Khomeini-Clique die Wahl einer   Verfassungsgebenden Versammlung hintertrieben, indem sie in einer   Volksabstimmung nur die Wahl zwischen der verhassten Monarchie und einer   &#8222;islamischen Republik&#8220; lie&#223; und die Zustimmung zu einer &#8222;islamischen   Republik&#8220; (unter der die Massen etwas v&#246;llig anderes verstanden als   Khomeini) zum Vorwand nahm, um die Verfassung durch Geistliche statt   demokratisch gew&#228;hlte VertreterInnen ausarbeiten zu lassen.<\/p>\n<p>  Die Wahl einer Verfassungsgebenden Versammlung steht bis heute aus. Aber   wird der Staatsapparat, der im Sommer die Wahlen gef&#228;lscht hat, faire   Wahlen f&#252;r sie durchf&#252;hren? Wirklich demokratische Wahlen m&#252;ssten von   unten durch demokratische Komitees in den Betrieben, Stadtteilen,   D&#246;rfern organisiert werden. Nach den vielen negativen Erfahrungen, die   es in den letzten Jahrzehnten international mit b&#252;rgerlichen Parlamenten   gab, &#8211; deren Abgeordnete nicht die Interessen ihrer W&#228;hlerInnen, sondern   der Reichen und M&#228;chtigen vertreten &#8211;, gilt es, dass die iranischen   Massen daraus lernen: Eine verfassungsgebende Versammlung mit gew&#228;hlten   VertreterInnen der Besch&#228;ftigten, Studierenden, Bauernschaft und   nationalen Minderheiten, die jederzeit abw&#228;hlbar sind und nicht mehr   verdienen als ihre W&#228;hlerInnen, k&#246;nnte ein politisches System schaffen,   das wirklich den Bestrebungen der Massen entspricht. N&#246;tig ist die   Etablierung einer Regierung der Arbeiter-Innen und Bauern.<\/p>\n<p>  Unter den &#252;ber 70 Millionen Menschen im Iran sind neben den gut 50   Prozent Persern auch 25 Prozent Aserbaidschaner und etwa sieben Prozent   KurdInnen. Viele nationale Minderheiten wurden in den letzten   Jahrzehnten besonders stark unterdr&#252;ckt. Der beste Weg, ihr Vertrauen zu   gewinnen, besteht darin, f&#252;r ihr volles Selbstbestimmungsrecht   einzutreten &#8211; bis hin zum Recht auf Lostrennung. Das bietet die gr&#246;&#223;te   Chance, eine freiwillige F&#246;deration, einen freiwilligen Staatenbund zu   schaffen.<\/p>\n<h4>  Wirtschaftliches und soziales Programm<\/h4>\n<p>  Im Iran wurde in der Revolution 1979 unter dem Druck der Massen ein   gro&#223;er Teil der Wirtschaft, vor allem das umfangreiche Eigentum des   Schah und seiner G&#252;nstlinge, enteignet. Entscheidende Bereiche der   Wirtschaft blieben aber in privater Hand, vor allem die Basarh&#228;ndler   wurden vom Khomeini-Regime gef&#246;rdert, so dass die Wirtschaft ihren   kapitalistischen Charakter behielt.<\/p>\n<p>  Ein betr&#228;chtlicher Teil des nach der Revolution enteigneten Verm&#246;gens   ging an unz&#228;hlige Stiftungen, die Bed&#252;rftige (zum Beispiel   Hinterbliebene der zahllosen Toten des iranisch-irakischen Krieges   1980-88) versorgen sollten. Der Staatssektor der Wirtschaft ist durch   B&#252;rokratismus gepr&#228;gt.<\/p>\n<p>  Die iranische Wirtschaft steckt so tief in der Sackgasse, dass der   zus&#228;tzliche Reichtum durch die hohen &#214;lpreise der letzten Jahre die   &#246;konomischen Probleme des Landes nicht milderte und die Unterst&#252;tzung   des Ahmadinedschad-Regimes untergrub. Der freie Markt ist aber keine   Alternative. Das zeigt die globale Wirtschaftskrise. Und das zeigen   verschiedene kapitalistische &#214;lstaaten, in denen der Anstieg der   &#214;lpreise f&#252;r die Masse der Bev&#246;lkerung vor allem bedeutete, dass sie   selber mehr f&#252;r Transport oder Koch&#246;l zahlen m&#252;ssen.<\/p>\n<h4>  Ein Programm der Liberalisierung, wie es Hossein Mussawi und Teile der   Opposition vertreten, w&#252;rde die Massen vom Regen in die Traufe bringen.<\/h4>\n<p>  N&#246;tig ist vielmehr, die noch bestehenden gro&#223;en Privatunternehmen in   &#246;ffentliches Eigentum zu &#252;berf&#252;hren. Durch die &#214;ffnung der   Gesch&#228;ftsb&#252;cher, durch Arbeiterkontrolle &#252;ber die Produktion und eine   demokratische Verwaltung der Betriebe durch die arbeitende Bev&#246;lkerung   selber k&#246;nnten B&#252;rokratismus und Korruption in den Staatsbetrieben   beseitigt werden. Die nur dem geistlichen F&#252;hrer Khamenei   verantwortlichen Stiftungen k&#246;nnten durch ein durch die Masse der   Bev&#246;lkerung demokratisch kontrolliertes System von Mindestl&#246;hnen,   Mindestsicherungen und die Verteilung der Arbeit auf alle ersetzt   werden. Das w&#252;rde allen ein menschenw&#252;rdiges Leben sichern.<\/p>\n<p>  Die heutige Subventionspolitik verhindert eine sinnvolle Planung der   Wirtschaft, weil sie keinen Aufschluss &#252;ber die zur Herstellung der   G&#252;ter notwendige Arbeitszeit gibt und besonders beim Benzin einen Anreiz   zum Schmuggel ins Ausland und zur Energievergeudung mit verheerenden   &#246;kologischen Folgen bietet.<\/p>\n<p>  So ein sozialistisches Programm k&#246;nnte die arbeitenden Massen &#8211; auch die   Teile, die noch Ahmadinedschad unterst&#252;tzen &#8211; f&#252;r die Revolution   mobilisieren. Die Erfahrung von 1978\/79 zeigte die zentrale Bedeutung   der Arbeiterklasse f&#252;r den Sturz einer Regierung. Zugleich ist   Demokratie unverzichtbar, damit die arbeitende Bev&#246;lkerung Wirtschaft   und Gesellschaft in ihrem Interesse organisieren kann. Damit die Energie   der Massen nicht verpufft, sollten Anstrengungen unternommen werden,   eine Arbeiterpartei mit sozialistischem Programm aufzubauen.<\/p>\n<h4>  Internationale Auswirkungen<\/h4>\n<p>  Bei einer solchen Ausrichtung k&#246;nnte die iranische Bewegung nat&#252;rlich   nicht mit der Unterst&#252;tzung der Regierungen des Westens rechnen. Daf&#252;r   h&#228;tte es ungeheure Ausstrahlung auf die arbeitenden Menschen in der   ganzen Region. Diese Sympathie w&#228;re anders als Atomwaffen ein wirksamer   Schutz gegen imperialistische Bedrohungen. Es w&#252;rde auch den   israelischen Lohnabh&#228;ngigen eine Alternative zur Unterst&#252;tzung der   eigenen Herrschenden zeigen und dadurch den Pal&#228;stinenserInnen (anders   als Ahmadinedschads antisemitische Provokationen) wirklich helfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Kampf f&#252;r Demokratie mit sozialem Programm gegen Kapitalismus verbinden\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[40],"tags":[222],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13499"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13499"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13499\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13499"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13499"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13499"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}