{"id":13495,"date":"2010-01-28T17:30:00","date_gmt":"2010-01-28T17:30:00","guid":{"rendered":".\/?p=13495"},"modified":"2010-01-28T17:30:00","modified_gmt":"2010-01-28T17:30:00","slug":"13495","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/01\/13495\/","title":{"rendered":"T&#252;rkei: Entschlossener Kampf der TEKEL-Besch&#228;ftigten"},"content":{"rendered":"<p>  Streikende fordern von Gewerkschaftsf&#252;hrung Generalstreik!<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Tekel ArbeiterInnen geben nicht auf und ihr Verlangen nach   Generalstreik hat die Gewerkschaftsf&#252;hrung gezwungen zu Handeln. Nach   einem Treffen von sechs Gewerkschaftsverb&#228;nden wurde beschlossen, f&#252;r   den 3. Februar zu einem Generalstreik aufzurufen, wenn es bei dem   vereinbarten Treffen mit Ministerpr&#228;sident Erdogan am heutigen 28.   Januar kein zufrieden stellendes Ergebnis gibt.<\/p>\n<h4>  <i>von Nihat Boyraz, Bremen<\/i><\/h4>\n<p>  Seit &#252;ber 43 Tagen k&#228;mpfen die Besch&#228;ftigten des t&#252;rkischen Tabak- und   Alkoholsektors gegen die Folgen der Privatisierung. Ihr Kampf hat   mittlerweile f&#252;r die t&#252;rkischen Arbeiterbewegung eine historischer   Bedeutung gewonnen. Mit ihrer Entschlossenheit, nicht nur gegen die   konservative Regierung sondern auch gegen ihre eigene   Gewerkschaftsf&#252;hurng, geben sie ein Beispiel f&#252;r die Arbeiterklasse   weltweit.<\/p>\n<p>  Die Regierung will alle vierzig noch in staatlicher Hand befindlichen   Lagerst&#228;tten f&#252;r Tabakbl&#228;tter und Rohtabak bis Ende des Januar schlie&#223;en   und die ArbeiterInnen in andere Betriebe transferieren. Dadurch droht   den Besch&#228;ftigten die Einstufung in den C\/4 Status. Das Bedeutet f&#252;r   12.000 Besch&#228;ftigte massive Lohnk&#252;rzungen, den Verlust von tariflichen   und sozialen Rechten und ungesicherte und befristete Arbeitsverh&#228;ltnisse   auf Dauer. Die Besch&#228;ftigte wurden vor die Alternative dieser schlechten   C\/4-Bedingungen oder Arbeitslosigkeit gestellt. Aber sie haben einen   dritten Weg ausgew&#228;hlt: K&#228;mpfen bis zur Durchsetzung ihrer Forderungen!<\/p>\n<p>  Solch eine Entschlossenheit hat es in der Arbeiterbewegung der T&#252;rkei   seit zwanzig Jahren nicht mehr gegeben. Am 15. Dezember kamen aus &#252;ber   einhundert Provinzen aus allen Teilen der T&#252;rkei Arbeiter nach Ankara   und haben sich vor der Parteizentrale der regierenden AKP versammelt.   Sie hatten die Erwartung von der Partei, die viele von ihnen seit Jahren   w&#228;hlten, geh&#246;rt zu werden. Doch es dauerte nicht lange, dass sie   feststellen mussten, dass es eine Illusion war, die AKP als eine Partei   f&#252;r Arbeiter und einfache Leute zu betrachten, als die sie sich seit   Jahren ausgibt. Die Besch&#228;ftigten wurden mit Polizeikn&#252;ppeln, Tr&#228;nengas   und Wasserwerfern empfangen. Der Ministerpr&#228;sident Erdogan musste sein   wahres Gesicht zeigen, indem er ihnen vorwarf, das sie nicht arbeiten,   sondern nur faulenzen w&#252;rden. Das hat die Kampfbereitschaft der Arbeiter   eher gest&#228;rkt als sie zu schw&#228;chen. So haben sie ank&#252;ndigt, in Ankara zu   bleiben und weiter zu k&#228;mpfen.<\/p>\n<h4>  Generalstreik und die Rolle der Gewerkschaften<\/h4>\n<p>  Die Arbeiter verlangen ganz bewusst und entschlossen nach einem   Generalstreik. Die b&#252;rokratische F&#252;hrung der Gewerkschaft T&#220;RK-IS und   der konservative Dachverband der TEK GIDA-IS, die Gewerkschaft, in der   die TEKEL Arbeiter organisiert sind, versuchen mit der Regierung zu   verhandeln und zu verhindern, dass sich der Streik weiter radikalisiert.   Die vers&#246;hnlicher Art der Gewerkschaftsb&#252;rokratie und der Mangel an   konsequenter Unterst&#252;tzungdurch sie, macht die Arbeiter noch   misstrauischer gegen&#252;ber ihrer F&#252;hrung. Die Besch&#228;ftigten aber machen   bei jeder Gelegenheit deutlich, dass sie keine faulen Kompromisse   akzeptieren werden.<\/p>\n<p>  Der H&#246;hepunkt der Wut der Streikenden gegen die Gewerkschaftsb&#252;rokratie   wurde am 17. Januar bei der Gro&#223;demonstration von fast 100.000 in Ankara   erreicht. Als der Vorsitzende der T&#220;RK-IS, Mustafa Kumlu, bei seiner   Rede weder vom Streik noch von generalstreik sprach, besetzte eine   Gruppe von TEKEL-Besch&#228;ftigten die B&#252;hne und verlangte von Kumlu eine   Aussage f&#252;r die Forderung nach einem Generalstreik. Gleichzeitig begann   die Masse der Demonstranten die Parole &#8222;Generalstreik&#8220; zu rufen. Erst   nach einer halben Stunden, nachdem der HARB-IS Vorsitzende einen   Generalstreik versprochen hat, haben sie die Aktion beendet. Nach   enormen Druck von Unten haben sechs Gewerkschaftsverb&#228;nde &#8211; T&#220;RK-&#304;&#350;;   HAK-&#304;&#350;; D&#304;SK; MEMUR-SEN; KAMU-SEN, KESK &#8211; beschlossen sich am 26. Januar   zu treffen. Auf diesem Treffen wurde entschieden, einen eint&#228;gigen   Generalstreik am 3. Februar auszurufen, wenn bei dem geplanten Treffen   mit Erdogan keine Ergebnisse erzielt werden.<\/p>\n<h4>  Solidarit&#228;t<\/h4>\n<p>  Die kurdischen und t&#252;rkischen TEKEL-Besch&#228;ftigten, die seit Tagen trotz   K&#228;lte, Schnee und Regen auf den Stra&#223;en und in den Parkes von Ankara in   ihren Zelte durchhalten, haben gro&#223;en Respekt und Sympathie von allen   Teilen der Bev&#246;lkerung erhalten. Besch&#228;ftigte anderer Bereicher, wie   Feuerwehrleute in Istanbul oder Eisenbahnarbeiter, solidarisieren sich   sowohl durch Soli-Erkl&#228;rungen als auch konkret mit Warnstreiks mit   ihnen. Auch Sch&#252;ler, Studenten, Lehrer, soziale Verb&#228;nde erkl&#228;ren sich   solidarisch. Am Anfang haben die Oppositionsparteien, wie die   nationalistische Partei MHP und die kemalistische Partei CHP, versucht   den Kampf gegen die AKP auszubenutzen. Aber, nachdem sich der Kampf Tag   f&#252;r Tag radikalisierte sind sie wieder verschwunden.<\/p>\n<h4>  Die Bedeutung des TEKEL-Kampfes<\/h4>\n<p>  Die TEKEL-Besch&#228;ftigten haben zwar den Kampf noch nicht gewonnen, aber   sie haben schon jetzt vieles ver&#228;ndert. Die Bourgeoisie in der T&#252;rkei   hat wieder Angst vor der Arbeiterklasse. Die in den kommenden Monaten zu   erwartenden K&#228;mpfe gegen Privatisierungen, Entlassungen, Armut und   soziale Misere werden sicher noch sntschlossener und radikaler sein als   fr&#252;her. Es wird nicht mehr nur gegen die Folgen der Privatisierung   gek&#228;mpft werden, sondern gegen die Privatisierungen, die f&#252;r die anderen   &#246;ffentlichen Bereiche in den n&#228;chsten Monatne und Jahren geplant sind .<\/p>\n<p>  Die Arbeiter haben mit ihrem Kampf das wahre Gesicht der Regierung vor   dem ganzem Land blo&#223; gelegt und die AKP wird Unterst&#252;tzung in der   Bev&#246;lkerung verlieren.<\/p>\n<p>  Die Kollegen haben gezeigt wie man trotz der Blockade der   Gewerkschaftsb&#252;rokratie k&#228;mpfen und diese unter Druck setzen kann.<\/p>\n<p>  Die Auseinandersetzungen der letzten vierzig Tage haben auch bei dem   Bewusstsein der Arbeiter viel Klarheit geschafft. Die Arbeiter, die seit   Jahren von der Seite der Regierung und des Staates mit   nationalistischen, anti-kurdischen und anti-sozialistischen Parolen   beeinflusst worden waren, haben ganz neue Erfahrungen gemacht, nachdem   sie Schulter und Schulter mit ihren kurdischen Kollegen gek&#228;mpft und   enorme Unterst&#252;tzung von sozialistischen Kr&#228;ften bekommen haben.<\/p>\n<p>  Das ist auch der beste Beweis daf&#252;r, dass K&#228;mpfe die Entwicklung des   politischen und Klassenbewusstseins der Arbeiterklasse beschleunigen   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Dieser Kampf hat auch gezeigt, dass die so genannte &#8222;kurdische&#8220; oder   &#8222;demokratische Entfaltung&#8220; die die Regierung f&#252;r die L&#246;sung der   Kurdenfrage in den letzten Monaten propagiert, nicht von oben sondern   von unten, von t&#252;rkischen und kurdischen Arbeitern und Bauern, kommen   muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Streikende fordern von Gewerkschaftsf&#252;hrung Generalstreik!\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17,45],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13495"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13495"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13495\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13495"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13495"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13495"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}