{"id":13486,"date":"2010-01-19T14:50:00","date_gmt":"2010-01-19T14:50:00","guid":{"rendered":".\/?p=13486"},"modified":"2010-01-19T14:50:00","modified_gmt":"2010-01-19T14:50:00","slug":"13486","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/01\/13486\/","title":{"rendered":"Haiti: Erdbeben trifft die &#196;rmsten der Armen"},"content":{"rendered":"<p>  Kein Vertrauen in die &#8222;Hilfe&#8220; von USA und EU<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die verarmten Massen Haitis wurde einmal mehr von einer Katastrophe   getroffen; am Morgen des 13. Januars lie&#223; ein schweres Erdbeben die   Geb&#228;ude der Hauptstadt Port-au-Prince einst&#252;rzen. Das Erdbeben der   St&#228;rke 7.0 &#8211; das schwerste jemals aufgezeichnete in diesem Teil der   Karibik &#8211; traf besonders die drei Millionen Menschen, die in den Slums   und ihren Wellblechh&#252;tten leben. Es wird bef&#252;rchtet dass tausende   Menschen get&#246;tet und viele schwer verletzt wurden oder vermisst werden <\/p>\n<h4>  <i>von Niall Mulholland, Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale,   geschrieben am 13.1.2010<\/i><\/h4>\n<p>  Laut der Nachrichtenagentur Reuters &quot;sammelten sich blutende und   verwirrte &#220;berlebende im Freien, Leichen wurden von Bauschutt   aufgespie&#223;t&quot;. Viele Geb&#228;ude wurden zerst&#246;rt, inklusive des   Hauptquartiers der UN-Mission zur Stabilisierung (rund 9000 UN-Truppen   waren in Haiti stationiert um &quot;f&#252;r Ordnung zu sorgen&quot;) und des   Pr&#228;sidentenpalastes.<\/p>\n<p>  Stromleitungen und Telefon wurden abgeschnitten. Das bitterarme Land hat   nur wenige Ressourcen um gegen die Katastrophe anzukommen, es fehlen   Maschinen um den Bauschutt zu entfernen sowie Personal zur   Notversorgung. NachbarInnen versuchen Opfer mit blo&#223;en H&#228;nden aus dem   Schutt zu bergen.<\/p>\n<p>  Haiti ist das &#228;rmste Land der westlichen Hemisph&#228;re und hat eine   Geschichte von desastr&#246;sen Naturkatastrophen. Eine Serie von Hurrikanen   und Tropenst&#252;rmen hat 2008 mehr als 800 Tote sowie eine Milliarde Dollar   Schaden verursacht.<\/p>\n<p>  Pr&#228;sident Obama in einem Statement nach dem Desaster: &quot;Wir beobachten   die Situation genau und stehen auf Abruf um dem Menschen auf Haiti zu   helfen.&quot; Aber die Geschichte des US-Imperialismus in Haiti und der   gesamten Region spricht eine andere Sprache &#252;ber die Rolle der USA.<\/p>\n<p>  Nach Jahrzehnten von korrupten und brutalen Regimes unter   imperialistischer Einflu&#223;nahme gibt es Sch&#228;tzungen von 80 Prozent Armut,   82 Prozent in den l&#228;ndlichen Gebieten und 54 Prozent in absoluter Armut   lebenden Menschen. Die Alphabetisierungsrate liegt bei nur 52 Prozent.   Mehr als 70 Prozent der Bev&#246;lkerung sind arbeitslos.<\/p>\n<p>  Angesichts ihrer entsetzlichen Geschichte ist es naheliegend, dass weder   die herrschende Elite noch der US-Imperialismus oder andere regionale   M&#228;chte die notwendige Hilfe und Rettungsma&#223;nahmen, die nach dem schweren   Erdbeben von den haitianischen Massen dringend gebraucht werden, zur   Verf&#252;gung stellen werden, ganz zu schweigen von den enormen Ressourcen   die ben&#246;tigt werden um das Land wieder aufzubauen und zu entwickeln.<\/p>\n<p>  <b>Um den Auswirkungen des Erdbebens beizukommen fordert das CWI als   Soforthilfe:<\/b><\/p>\n<p>  &#8211; Sofort massive Mittel f&#252;r Katastrophenhilfe und Wiederaufbau<\/p>\n<p>  &#8211; Demokratische Kontrolle &#252;ber die Hilfslieferungen f&#252;r die betroffenen   Menschen sowie &#252;ber die Wiederaufbauprogramme durch gew&#228;hlte Komitees   von ArbeiterInnen, LandarbeiterInnen und Armen in allen Gebieten<\/p>\n<p>  &#8211; Bau von H&#228;usern, Krankenh&#228;usern, Schulen, Stra&#223;en und Infrastruktur in   entsprechender Qualit&#228;t, sowie von anderen lebensnotwendigen   &#246;ffentlichen Einrichtungen<\/p>\n<h4>  Sofortige Streichung der Auslandsschulden<\/h4>\n<p>  Seit Jahrzehnten leidet Haiti unter Armut, Arbeitslosigkeit und   Milt&#228;rdiktaturen. Das ber&#252;chtigte von den USA unterst&#252;tzte Regime von   &quot;Papa Doc&quot; Duvalier, das von seinem Sohn Baby Doc fortgesetzt wurde, und   insgesamt von den sp&#228;ten 1950ern bis Mitte der 1980er Jahre andauerte,   wurde von einer Massenbewegung von ArbeiterInnen und Studierenden   gest&#252;rzt. Eine Serie von h&#246;chst instabilen Regimes, die nur von kurzer   Dauer waren, folgte.<\/p>\n<p>  Leider gab es in diesen Bewegungen keine revolution&#228;r-sozialistische   F&#252;hrung die die Machtfrage h&#228;tte stellen k&#246;nnen um den Kapitalismus   abzuschaffen und die Forderungen der Arbeiterklasse durchzusetzen.<\/p>\n<p>  Das politische Vakuum wurde von Jean Bertrand Aristide gef&#252;llt, einem   popul&#228;ren Priesters der in den Slums von Port-au-Prince gearbeitet hatte   und 1990 die Pr&#228;sidentschaftswahlen mit dem Versprechen die Armut   auszumerzen und soziale Gerechtigkeit zu bringen gewann.<\/p>\n<p>  Aristides urspr&#252;ngliche Reformen waren bei den Armen beliebt, wenn sie   auch angesichts dessen, was notwendig w&#228;re um Armut und Arbeitslosigkeit   tats&#228;chlich auszumerzen, bescheiden anmuten. Dennoch wurde Aristide von   der reaktion&#228;ren Elite offen abgelehnt, da sie keine noch so kleinen   Zugest&#228;ndnisse an die Bed&#252;rfnisse der Massen zulassen konnten. Aristide   wurde daher 1991 von General Cadras gest&#252;rzt, kehrte aber 1994 an die   Macht zur&#252;ck, mit der Unterst&#252;tzung von 20.000 US-Soldaten, nachdem die   Clinton-Regierung mit dem vorhergehenden instabilen und aufs&#228;ssigen   haitianischen Regime die Geduld verloren hatte. In den Wahlen die darauf   folgten wurde Aristide am Antreten gehindert, allerdings erreichte sein   enger Verb&#252;ndeter Rene Preval fast 90 Prozent der Stimmen. 2000 wurde   Aristide wieder mit 90-prozentiger Unterst&#252;tzung zum Pr&#228;sidenten gew&#228;hlt.<\/p>\n<p>  Aristide verlor seine Unterst&#252;tzung unter den Massen allerdings   zunehmend, da er seine Versprechen nicht hielt. Er schaffte die Armut   nicht ab und es h&#228;uften sich Anschuldigungen der Korruption und des   Wahlbetrugs. Aber die herrschende Elite konnten auch Aristides   schrumpfende Unterst&#252;tzung nicht billigen. Die reaktion&#228;re Opposition   inszenierte 2004 einen Aufstand mit Unterst&#252;tzung der Bush-Regierung.   Aristide wurde von US-Truppen aus Haiti &#8222;hinausgeleitet&#8220;. Die Situation   verschlimmerte sich zusehends, Kriminalit&#228;t und Entf&#252;hrungen h&#228;uften   sich, Fabriken wurden aus Mangel von Investionen durch ausl&#228;ndisches   Kapital geschlossen. Aufgrund der schlechten Lebensbedingungen starben   im Mai 2004 2000 Menschen in flutartigen Regenf&#228;llen.<\/p>\n<h4>  Fortgesetzte Krise und Gewalt<\/h4>\n<p>  Die Jahre nach Aristide waren Jahre von fortgesetzter Krise und Gewalt   sowie einer Abfolge von wechselnden Premierminstern. 2006, bei der   ersten Wahl nach Aristide, wurde Rene Preval als Sieger der   Pr&#228;sidentschaftswahl verk&#252;ndet. Nach der Aufstockung ausl&#228;ndischer   Truppen kam es zu Konflikten zwischen UN-Truppen und bewaffneten Gangs   in Cite Soleil, eines der gr&#246;&#223;ten Slums. Im April 2008 zwangen   Hungerunruhen die Regierung eine Preissenkung auf Reis anzuk&#252;ndigen.<\/p>\n<p>  Trotz der Selbstbeschreibung von Pr&#228;sident Preval als &#8222;Held der Armen&#8220;   hat er nichts an der tiefen Armut in Haiti ge&#228;ndert. Sein j&#252;ngster   Premierminister, Jean-Max Bellerive, der seit Oktober 2009 im Amt ist,   ist ein &#214;konom der ausl&#228;ndische Investoren umwirbt. Die riesige Kluft   zwischen der armen kreolisch-sprachigen schwarzen Mehrheit, die mehr als   95 Prozent der Bev&#246;lkerung ausmacht, und der franz&#246;sisch-sprachigen   Minderheit der Mulatten, von denen 1 Prozent beinahe die H&#228;lfte des   Reichtums des Landes besitzen, bleibt unangestastet.<\/p>\n<p>  2009 wurden Haiti nur 324 Millionen Dollar an Hilfsgeldern &#8222;von   internationalen Spendern angek&#252;ndigt&#8220; um die von Hurrikans und   Nahrungsmittelknappheit verursachte Not zu lindern. Aber die globale   Wirtschaftskrise hat jede Hilfe oder Schuldentilgung weiter verringert.   Au&#223;erdem geht die Armut Haitis auf Jahrhunderte imperialistischer   Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung zur&#252;ck, inklusive des Aufzwingens   neoliberaler Politik in den letzten zwei Jahrzehnten. Die   internationalen Institutionen des Kapitals haben 1994 Haiti eine Senkung   der Z&#246;lle auf Reisimporte von 36 Prozent auf 3 Prozent aufgezwungen. Das   hat Haiti in Abh&#228;ngigkeit von Nahrungsmittelimporten, besonders aus den   USA, gebracht, da die ortsans&#228;ssigen B&#228;uerInnen nicht mit den Preisen   des importierten Reis mithalten konnten und die in Haiti produzierte   Reismenge massiv zur&#252;ckging. Die enorm gestiegenen Reis- und   Nahrungsmittelpreise trafen die haitianischen Menschen 2009 sehr hart.   Im Juli letzten Jahres tilgten der IWF und die Weltbank 1,2 Milliarden   Dollar an Haitis Schulden &#8211; 80 Prozent der Gesamtschulden, da die beiden   schlussfolgerten, dass diese Schulden niemals zur&#252;ckgezahlt werden   k&#246;nnten &#8211; aber erst nachdem Haiti die geforderten &#8222;Wirtschaftsreformen&#8220;   umgesetzt hatte.<\/p>\n<p>  Nur die Massen von Haiti, mit der Arbeiterklasse in f&#252;hrender Rolle,   k&#246;nnen einen Ausweg aus dem Teufelskreis aus Armut, Arbeitslosigkeit,   Gewalt, Coups und Diktaturen finden. Haiti hat einen stolze   revolution&#228;re Geschichte. Vor mehr als 200 Jahren schafften die   schwarzen Massen die Sklaverei ab und erk&#228;mpften f&#252;r Haiti die   Unabh&#228;ngigkeit. Ihre Taten sind eine Inspiration f&#252;r die Massen der   Karibik und die ArbeiterInnen in Europa.<\/p>\n<h4>  Rachs&#252;chtige herrschende Klasse<\/h4>\n<p>  Die Kolonialm&#228;chte und sp&#228;ter die imperialistischen M&#228;chte waren   entschlossen, die Schwarze Republik scheitern zu sehen. Sie unternahmen   daher eine Serie von Interventionen. Die 1930er und 1940er sahen soziale   und Klassenunruhen in Haiti, inklusive ArbeiterInnen- und   Studierendenproteste. In diesen Jahren errichtete die kleine   Arbeiterklasse Gewerkschaften. Mehrere kommunistische Parteien wurden   ebenso gegr&#252;ndet trotz schwerer Repression. Aufgrund des Fehlens von   gro&#223;en machtvollen Arbeiterorganisationen gelang es der Reaktion in Form   der Duvalier-Diktaturen an die Macht zu kommen.<\/p>\n<p>  Mehr als je zuvor ist es n&#246;tig, eine Alternative f&#252;r die Arbeiterinnen   und Armen aufzubauen, in Opposition zur kleinen reichen Elite. Das   Erdbebendesaster und der naheliegende Charakter des   Wiederaufbauprogramms unter Aufsicht der verrotteten herrschenden Elite   und der Regionalm&#228;chte werden den haitianischen Massen die Notwendigkeit   demokratischer Kontrolle der Ressourcen durch die Gesellschaft   offensichtlich machen. Auf Basis des Kapitalismus wird die gro&#223;e   Mehrheit in Armut, Arbeitslosigkeit, Analphabetismus und Hunger   verbleiben und in den Slums oder ohne Elektrizit&#228;t auf dem Land leben.   Dieses Leben am Existenzminimum bedeutet dass die Massen verwundbar   bleiben, besonders wenn Naturkatastrophen wie das Erdbeben von Haiti   zuschlagen.<\/p>\n<p>  Die Armen und ArbeiterInnen brauchen ihre eigenen unabh&#228;ngigen   Klassenorganisationen &#8211; Gewerkschaften und eine Massenpartei &#8211; und eine   sozialistische Alternative die f&#252;r wirkliche Ver&#228;nderung k&#228;mpfen kann,   indem sie an die Arbeiterklasse und Armen in der Karibik und den beiden   Amerikas appelliert.<\/p>\n<p>  <b>Das CWI sagt:<\/b><\/p>\n<p>  &#8211; Nein zu den ungerechten Handelsauflagen und auferlegten   Strukturma&#223;nahmen durch Weltbank und IWF<\/p>\n<p>  &#8211; Staatliche Unterst&#252;tzung f&#252;r ums &#220;berleben k&#228;mpfende Kleinbauern<\/p>\n<p>  &#8211; Jobs und existenzsichernde Mindestl&#246;hne f&#252;r alle<\/p>\n<p>  &#8211; F&#252;r ein ausreichend finanziertes Bildungs- und Gesundheitswesen<\/p>\n<p>  &#8211; Die Ressourcen und Hauptzweige der Wirtschaft m&#252;ssen in Gemeineigentum   &#252;berf&#252;hrt werden, unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch   die Arbeiterklasse<\/p>\n<p>  &#8211; UN-Truppen raus aus Haiti &#8211; Schluss mit imperialistischer Einmischung!<\/p>\n<p>  &#8211; F&#252;r den Aufbau einer neuen Massenpartei der Arbeiterklasse und Armen,   mit sozialistischem Programm<\/p>\n<p>  &#8211; F&#252;r ein sozialistisches Haiti mit einer demokratisch geplanten   Wirtschaft unter Kontrolle und Verwaltung durch die Arbeiterklasse, als   Teil einer freiwilligen und gleichberechtigten sozialistischen   Karibik-F&#246;deration.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Kein Vertrauen in die &#8222;Hilfe&#8220; von USA und EU\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[41,119],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13486"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13486"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13486\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13486"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13486"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13486"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}