{"id":13485,"date":"2010-01-21T00:00:00","date_gmt":"2010-01-20T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13485"},"modified":"2012-06-28T16:00:45","modified_gmt":"2012-06-28T14:00:45","slug":"13485","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/01\/13485\/","title":{"rendered":"Ein Jahr Obama"},"content":{"rendered":"<p>  Was hat sich ver&#228;ndert?<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Vor einem Jahr waren Millionen von US-AmerikanerInnen auf der Stra&#223;e und   bejubelten die Wahl von Obama als das Ende der Politik der Republikaner   und den Beginn einer neuen &#196;ra. Wie schnell doch sind diese Hoffnungen   zerplatzt. Ein Jahr nach der Wahl Obamas ist es schwer, eine   Errungenschaft seiner Pr&#228;sidentschaft ausfindig zu machen.<\/p>\n<h4>  <i>von Tony Wilsdon, Socialist Alternative (Schwesterorganisation der   SAV in den USA)<\/i><\/h4>\n<p>  Obamas Wahlkampf war gespickt mit hochtrabenden Reden, und er versprach   wiederholt zu &#228;ndern, wer in Washington die Politik bestimmt. Seine   Zusage war, dass einfache US-AmerikanerInnen &#8222;genauso viel Zugang und   Einfluss auf den Kurs und die Ausrichtung unserer Kampagne haben werden,   wie es traditionell bisher f&#252;r die Wohlhabenden und die M&#228;chtigen der   Fall&#8220; war.<\/p>\n<p>  Beinahe unmittelbar darauf besetzte Obama sein Kabinett mit zahlreichen   F&#252;hrungskr&#228;ften von der Wall Street und einflussreichen Politikern aus   der vormaligen Administration, darunter sowohl Demokraten als auch   Republikaner. Was danach kam, war ein weiteres Rettungspaket f&#252;r die   Verantwortlichen des Finanzdesasters, die Gro&#223;banken. Bedingungen waren   daran so gut wie keine gekn&#252;pft.<\/p>\n<p>  Inzwischen lehnt die Obama-Administration es ab, im Senat eine   Gesetzgebung zu unterst&#252;tzen, die es RichterInnen erlauben w&#252;rde, Banken   dazu zu zwingen, Hypothekenfinanzierungsinstrumente neu auszuhandeln, um   die monatlichen Raten verzweifelter HausbesitzerInnen zu reduzieren und   somit Zwangsvollstreckungen und R&#228;umungen zu verhindern. Diese   Entscheidung kommt, nachdem Obama vergangenes Jahr (damals noch als   Senator) gegen die Kappung der Zinss&#228;tze auf Kreditkarten stimmte.<\/p>\n<p>  Matt Taibbi schrieb im Rolling Stone: &#8222;Die Hilfe, die Obama den normalen   Leuten brachte, ist &#8211; in Ausma&#223; und was den G&#252;ltigkeitsbereich   hinsichtlich des Geldes der Steuerzahler angeht, verk&#252;mmert. Besagte   Gelder wurden den amerikanischen Finanzgiganten ausgeh&#228;ndigt.&#8220; (9.   Dezember 2009). Das zeigt das Ausma&#223;, in dem Obama den Bankiers und   Finanzjongleuren verpflichtet ist, die seinen Wahlkampf finanziell   unterst&#252;tzten.<\/p>\n<p>  Was folgte, war seine Entscheidung, privaten Krankenh&#228;usern,   Medikamentenherstellern und Versicherungsunternehmen weitreichende   Zugest&#228;ndnisse zu machen. Das steckt den Rahmen seiner   Gesundheitsreform-Vorlage ab (New York Times, 8. Dezember 2008). So   setzte Obama sich beispielsweise pers&#246;nlich daf&#252;r ein, den   Medikamentenherstellern zu versichern, dass die Regierung ihren Einfluss   nicht geltend machen w&#252;rde, um die Medikamentenpreise herabzusetzen. Das   ebnete den Weg f&#252;r die umfassende &#220;bertragung der Einnahmen an private   Arzneimittelhersteller, die dem von Obama unterst&#252;tzten Gesetzentwurf   zur Gesundheitsreform zu Grunde liegt, welcher gerade vom Kongress und   dem Senat angenommen wurde.<\/p>\n<p>  Dann kam die Entscheidung f&#252;r 30.000 weitere SoldatInnen, die nach   Afghanistan verlegt werden sollen, die abermalige ablehnung, das   internationale Abkommen zur Bannung von Landminen zu unterzeichnen, und   die ausbleibende Unterst&#252;tzung f&#252;r die Belange der Schwulen, Lesben,   Bisexuellen und Transgender. Obama unterlie&#223; es auch, die massive Armut   und die hohe Inhaftierungsrate anzugehen, von denen besonders die   afroamerikanische Bev&#246;lkerung betroffen ist. Er lehnte es ab, ein   wirksames Arbeitsplatz-Programm zu verf&#252;gen oder sich ernstlich f&#252;r den   Umweltschutz einzusetzen. Und nat&#252;rlich machte er weitere gut klingende   Versprechungen f&#252;r ein Arbeitsrecht, das es ArbeiterInnen einfacher   machen w&#252;rde, sich am Arbeitsplatz gewerkschaftlich zu organisieren.<\/p>\n<h4>  Leere Versprechungen<\/h4>\n<p>  Millionen von Menschen aus der Arbeiterklasse und Millionen Arme sehen   sich nun gezwungen, mit der Tatsache umgehen zu m&#252;ssen, dass Obamas   Versprechungen, Kopf von Ver&#228;nderungen und des Wandels sein zu wollen,   nichts waren als das: Wahlversprechen. Zur&#252;ck in der Realit&#228;t angekommen   ist er lediglich der von der Demokratischen Partei ausgew&#228;hlte Kandidat.   Bis dahin ist er gekommen, wie alle anderen KandidatInnen der   Demokratischen Partei: Indem er seine Loyalit&#228;t gegen&#252;ber den   Gro&#223;spendern aus der Industrie- und Finanzwelt unter Beweis stellte, die   die Partei und ihre KandidatInnen finanziert haben. Er verbuchte mehr   Gelder aus diesem Bereich, als irgendeinE andereR KandidatIn im Jahr   2008.<\/p>\n<p>  Was sagt uns das &#252;ber die Natur der Demokratischen Partei? &#8211; In der   Demokratischen Partei, wie auch bei der Republikanischen Partei,   &#252;berragen die Konzerninteressen durchweg die der arbeitenden Menschen   und der Armen. Wie anders k&#246;nnte man sonst die wieder und wieder von der   Obama-Administration durchgef&#252;hrte Politik erkl&#228;ren? Obama ist der   momentane Sprecher einer Partei der Konzerninteressen.<\/p>\n<p>  Dadurch dass die Obama-Administration Schritt f&#252;r Schritt von ihren   gemachten, fortschrittlichen Zusagen abger&#252;ckt ist, entfernten ihre   Unterst&#252;tzerInnen sich zunehmend von ihr. Die eindrucksvolle Mehrheit   der US-AmerikanerInnen, die gewillt war mit dabei zu sein, Obamas   Versprechen zum Bruch mit der Agenda der Republikaner durchzubringen,   ist nun entt&#228;uscht.<\/p>\n<p>  Das hat dazu gef&#252;hrt, dass Menschen aus der Arbeiterklasse machtlos und   verwirrt zur&#252;ckgelassen wurden. In dieses Vakuum schaltete sich der   rechtsgerichtete, populistische Sprecher der Republikaner ein. Er   verdrehte alle Sachverhalte, spielte mit den Sorgen der Leute, h&#228;mmerte   auf Obama ein und versuchte, mit allen erdenklichen Mitteln dessen   Agenda zu blockieren.<\/p>\n<h4>  Versagen der Demokratischen Partei<\/h4>\n<p>  Anstatt diesen Haufen blo&#223;zustellen und die &#214;ffentlichkeit zu   mobilisieren, hat sich die Obama-Administration an den Verhandlungstisch   gesetzt und ein fortschrittliches Element aus dem Gesetzentwurf nach dem   anderen zerreden lassen. Wof&#252;r? &#8211; Bei jedem Zugest&#228;ndnis haben sich die   Republikaner hingestellt und Obamas Politk als &#8222;sozialistisch&#8220; und   &#8222;unamerikanisch&#8220; bezeichnet und immer mehr gefordert. All diese   Zugest&#228;ndnisse f&#252;hrten dazu, dass am Ende trotzdem nicht ein einziger   republikanischer Senator f&#252;r das Gesetz gestimmt hat.<\/p>\n<p>  Wir k&#246;nnen uns nun auf die Apologeten der Demokratischen Partei gefasst   machen, die die US-AmerikanerInnen beschuldigen werden, Obamas   progressives Programm nicht unterst&#252;tzt zu haben. Sie werden behaupten,   dass Obama &#8222;gezwungen war&#8220;, den Republikanern Zugest&#228;ndnisse zu machen.   Das Gegenteil ist der Fall. Die Mehrheit der Bev&#246;lkerung steht und stand   in den vergangenen zehn Jahren best&#228;ndig links von den beiden   politischen Parteien. Sie hat gefordert, die Truppen zuerst aus dem Irak   und nun auch aus Afghanistan zur&#252;ckzuholen, immer wieder eine von der   Regierung durchgef&#252;hrte umfassende Gesundheitsreform unterst&#252;tzt,   grundlegenden Wandel in Sachen Umweltschutz gewollt und verlangt,   Kontrollmechanismen gegen die Korruption an der Wall Street einzuf&#252;hren   sowie die Konzernvorst&#228;nde zu kontrollieren. Diese politischen Ans&#228;tze   verfolgt keine der beiden gro&#223;en Parteien, und sie werden auch nicht in   dieser Richtung aktiv werden.<\/p>\n<p>  Wieder und wieder konnten wir denselben Ablauf miterleben: Die   Republikaner lassen die Maske fallen und die Demokraten versprechen nur   deshalb Wandel, damit man sie w&#228;hlt. Einmal an der Macht brechen sie   ihre Versprechungen und zeigen ihren, den Konzernen konformen inneren   Kern. Auch Clinton hat Versprechungen gemacht &#8211; und ist dann mit dem   Freihandelsabkommen NAFTA, der Welthandelsorganisation WTO, der   Abschaffung der Wohlfahrtssysteme, der Militarisierung der   US-amerikanisch-mexikanischen Grenze, der Bombardierung Serbiens und   unmenschlichen Sanktionen gegen die Menschen im Irak gekommen.<\/p>\n<h4>  Aufruf zum Handeln<\/h4>\n<p>  Es ist an der Zeit aufzustehen und klar zu machen: &#8222;Genug ist genug!&#8220;.   Nur mittels des Aufbaus einer kraftvollen Bewegung, die genau diese   Forderungen vorbringt, bekommen wir die Art von Politik, der wir   brauchen. Das war auch in der Vergangenheit immer schon der Weg, &#252;ber   den Fortschritt erreicht werden konnte. Auf diese Art und Weise haben   wir das Big Business gezwungen, Zugest&#228;ndnisse in Richtung sozialer   Sicherheit zu machen, die 40-Stundenwoche einzuf&#252;hren und den Frauen und   AfroamerikanerInnen B&#252;rgerrechte zuzugestehen &#8211; nicht, indem wir uns   abh&#228;ngig machten vom Stimmverhalten der Demokraten.<\/p>\n<p>  Das ist das einzige, was wir von den Demokraten erwarten d&#252;rfen. Ihr,   den Konzerninteressen verhafteter Charakter ist f&#252;r alle offensichtlich.   In der Debatte um die Gesundheitsreform lag ihre Priorit&#228;t auf Seiten   der Vorstellungen der Konzerne, was das entsprechende Gesetz &#8222;finanziell   ausgewogen&#8220; werden lie&#223;. Man lehnte es ab, ein Beitragssystem auch nur   zu diskutieren, das allen eine angemessene Gesundheitsversorgung h&#228;tte   bieten k&#246;nnen, indem die verschwenderischen Versicherungsunternehmen   ausgeschaltet worden w&#228;ren. Ein Vergleich mit Obamas Aussage zu Beginn   der Diskussion im Jahr 2007: &#8222;Es ist so, dass ich ein Bef&#252;rworter eines   Beitragssystems bin, dass die jeweiligen Einkommensverh&#228;ltnisse   ber&#252;cksichtigt. Ich sehe keinen Grund daf&#252;r, warum die USA nicht in der   Lage sein sollten, jedem eine angemessene Gesundheitsversicherung   zuzugestehen.&#8220;<\/p>\n<p>  Es herrscht gro&#223;e Wut aufgrund der &#246;konomischen Bedingungen:   Erniedrigung und Schmerz wegen des Kampfes, nur unsere K&#246;pfe &#252;ber Wasser   zu halten, und unsere K&#246;rper davor zu bewahren, auf die Stra&#223;e gesetzt   zu werden.<\/p>\n<p>  Diese Wut wird dazu f&#252;hren, dass Ver&#228;nderung eingefordert wird. Wir   m&#252;ssen diese Wut kanalisieren, um eine neue politische Partei und ein   sozialistisches Programm aufzustellen, die beide f&#252;r die arbeitenden   Menschen und nicht f&#252;r die Konzerne in den USA stehen. Das ist der   einzige Weg, &#252;ber den wir wirklichen Wandel erreichen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  <b>Homepage von Socialist Alternative: <a href=\"http:\/\/www.socialistalternative.org\">www.socialistalternative.org<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Was hat sich ver&#228;ndert?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[42],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13485"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13485"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13485\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13485"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13485"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13485"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}