{"id":13484,"date":"2010-01-20T00:00:00","date_gmt":"2010-01-20T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13484"},"modified":"2010-01-20T00:00:00","modified_gmt":"2010-01-20T00:00:00","slug":"13484","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/01\/13484\/","title":{"rendered":"Gro&#223;britannien: Neues linkes Wahlb&#252;ndnis gebildet"},"content":{"rendered":"<p>  GewerkschafterInnen und SozialistInnen fordern New Labour heraus<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  In der vergangenen Woche ist es in Gro&#223;britannien zu einer ganzen Reihe   von Debatten unter den Mitgliedern des Europawahlb&#252;ndnisses &#8222;No2EU-Yes   to democracy&#8220;, dar&#252;ber gekommen, ob und wie man auch anl&#228;sslich der   bevorstehenden britischen Parlamentswahlen ein derartiges B&#252;ndnis   schmieden kann.<\/p>\n<h4>  <i>Bericht von Mitgliedern der Socialist Party (Schwesterorganisation   der SAV in England &amp; Wales),13. Januar 2010<\/i><\/h4>\n<p>  Das Ergebnis ist, dass man die Etablierten bei den Wahlen jetzt unter   dem gerade erst registrierten Titel Trade Unionist and Socialist   Coalition (TUSC; Wahlb&#252;ndnis von GewerkschafterInnen und SozialistInnen;   Erg. d. &#220;bers.) herausfordern wird.<\/p>\n<p>  Bei No2EU handelte es sich um ein B&#252;ndnis, das anl&#228;sslich einer ganz   bestimmten Wahl ins Leben gerufen wurde. Wie von Gesetzes wegen   vorgeschrieben hatte man sich als Partei registrieren lassen. Beteiligt   an dem Projekt waren die Transportarbeitergewerkschaft RMT, die   Socialist Party, die Communist Party of Britain, Solidarity &#8211; Scotland&quot;s   Socialist Movement und andere. Diesmal unterst&#252;tzt die RMT das   Wahlb&#252;ndnis formal zwar nicht. Allerdings werden sich einzelne   Gliederungen der RMT und Bezirksgruppen daf&#252;r einsetzen, den   Landesvorstand zu politischer und finanzieller Unterst&#252;tzung f&#252;r   einzelne KandidatInnen des B&#252;ndnisses in den jeweiligen Wahlbezirken zu   bringen. Und Bob Crow, Vorsitzender der RMT, unterst&#252;tzt das Wahlb&#252;ndnis   als Einzelperson. Er wird auch Teil des Leitungsgremiums sein.<\/p>\n<p>  Auch die Organisationen, die ma&#223;geblich an No2EU beteiligt waren, sollen   in diesem Gremium vertreten sein. Sie werden nun dar&#252;ber entscheiden,   inwieweit sie sich auch ins neue Wahlb&#252;ndnis einbringen wollen. Weitere   bekannte GewerkschafterInnen nehmen als Einzelpersonen daran teil.   Darunter Brian Caton, Vorsitzender der Gewerkschaft der   Justizbesch&#228;ftigten POA, und f&#252;hrende Mitglieder der   Dienstleistungsgewerkschaft PCS. Wenn es auch nicht zu einer formellen   Einbeziehung des Gewerkschaftsdachverbandes kommt, so handelt es sich   bei dieser Entwicklung auf politischer Ebene um eine entscheidende neue   Qualit&#228;t der Zusammenarbeit. Schlie&#223;lich handelt es sich bei den   genannten GewerkschafterInnen um die k&#228;mpferischsten, die Gro&#223;britannien   heute zu bieten hat.<\/p>\n<h4>  Die RMT<\/h4>\n<p>  Eine Reihe von RMT-Gliederungen und anderer Gewerkschaften haben bereits   erkl&#228;rt, dass sie bei den Parlamentswahlen eigene KandidatInnen   aufstellen wollen. Einen Parteinamen haben sie allerdings noch nicht   registrieren lassen. Wenn sie dazu bereit sind, k&#246;nnen sie diese   KandidatInnen jetzt unter dem Logo der Trade Unionist and Socialist   Coalition antreten lassen, statt als &#8222;Unabh&#228;ngige&#8220; zu kandidieren.   KandidatInnen von B&#252;rgerinitiativen und anderen sozialistischer   Organisationen, die bisher nicht an den Diskussionen beteiligt waren,   k&#246;nnen ebenfalls unter dem Banner der TUSC antreten.<\/p>\n<p>  Das Wahlb&#252;ndnis hat ein politisches Grundlagenprogramm beschlossen, dem   sich m&#246;gliche KandidatInnen nun anschlie&#223;en k&#246;nnen. Da es sich um eine   Art Dachorganisation handeln soll, k&#246;nnen KandidatInnen des   Wahlb&#252;ndnisses und die daran teilnehmenden Organisationen nat&#252;rlich   zus&#228;tzlich mit eigenem Material im Wahlkampf agieren. Dieser Ansatz   wurde bereits von der Kampagne No2EU erfolgreich praktiziert, was es den   verschiedenen Organisationen erm&#246;glichte, im Rahmen einer gemeinsamen   Liste zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<p>  Das politische Grundlagenprogramm spiegelt die verschiedenen   Vorstellungen derer wider, die sich an den Debatten beteiligt haben, und   die zur Gr&#252;ndung der TUSC f&#252;hrten. Es wird darin ber&#252;cksichtigt, dass es   unter den potentiellen Unterst&#252;tzerInnen des Wahlb&#252;ndnisses   &#8222;unterschiedliche strategische Sichtweisen hinsichtlich des k&#252;nftigen   Weges der Linken in Britannien gibt, ob etwa die Labour Party f&#252;r die   Arbeiterbewegung zur&#252;ck gewonnen werden kann oder eine neue   Arbeiterpartei gegr&#252;ndet werden muss&#8220;. Letzteres ist die Position der   Socialist Party (Sektion des CWI in England &amp; Wales).<\/p>\n<p>  Mit Blick auf die zu erwartenden schweren Angriffe im Bereich der   &#246;ffentlichen Ausgaben, auf L&#246;hne, die Lebensstandards und   Arbeitnehmerrechte, die unabh&#228;ngig davon stattfinden werden, ob nun die   Tories (Konservative) oder New Labour (Sozialdemokraten) die n&#228;chste   Regierung stellen werden, will das Wahlb&#252;ndnis den dringend n&#246;tigen   &#8222;massenhaften Widerstand gegen die Offensive der herrschenden Klasse und   f&#252;r ein alternatives linkes Programm neu etablieren, um eben solchen   Widerstand entstehen zu lassen und Richtung zu geben.&#8220;<\/p>\n<h4>  Politische Grundlagen<\/h4>\n<p>  Zu den politischen Grundlagen geh&#246;rt unter anderem, dass man Opposition   gegen K&#252;rzungen &#246;ffentlicher Ausgaben und Privatisierung aufbauen will.   Stattdessen fordert man Investitionen in erneuerbare Energien, die sich   in Gemeineigentum befinden und unter &#246;ffentlicher Kontrolle stehen   m&#252;ssen. Au&#223;erdem geh&#246;rt die Aufhebung der gewerkschaftsfeindlichen   Gesetze sowie der Abzug aus Afghanistan zu den Kernforderungen.<\/p>\n<p>  Das bisher festgelegte politische Grundlagenprogramm legt ein klares   Bekenntnis zum Sozialismus ab: &#8222;Die Gro&#223;konzerne und die Banken, die die   Wirtschaft dominieren, m&#252;ssen in &#246;ffentliches Eigentum &#252;bergehen, so   dass Produktion und Versorgung entsprechend der Bed&#252;rfnisse und zum   Schutz der Umwelt geplant werden k&#246;nnen.&#8220;<\/p>\n<p>  Die KandidatInnen des Wahlb&#252;ndnisses bedeuten f&#252;r New Labour eine echte   Herausforderung. So etwa im Wahlbezirk Coventry North East, wo der   dortige Stadtrat der Socialist Party und ehemalige Parlamentsabgeordnete   Dave Nellist gegen Verteidigungsminister Bob Ainsworth antreten wird.   Aber auch wenn das Stimmenergebnis aufgrund der polarisierten Wahl in   einigen F&#228;llen zerrieben wird, so wird das Antreten des Wahlb&#252;ndnisses   in jedem Fall signifikante Auswirkungen haben. Vor allem innerhalb der   Gewerkschaften wird es zu einer Diskussion &#252;ber die Krise der   politischen Repr&#228;sentanz der Arbeiterklasse kommen. Das an sich wird   einen entscheidenden Beitrag zur Vorbereitung auf die bevorstehenden   Ereignisse leisten.<\/p>\n<p>  Der Mangel an formaler Unterst&#252;tzung f&#252;r das Wahlb&#252;ndnis seitens der   eher linken Gewerkschaften wie der RMT, der POA, der PCS oder der   Gewerkschaft der Feuerwehrleute wird f&#252;r viele ArbeiterInnen eine   Entt&#228;uschung sein.<\/p>\n<p>  Diejenigen Gewerkschaftsf&#252;hrer, die als Einzelpersonen am Wahlb&#252;ndnis   beteiligt sind und es begeistert unterst&#252;tzen, meinen, dass es einfach   mehr Zeit br&#228;uchte, um gr&#246;&#223;ere Schichten der Gewerkschaftsmitgliedschaft   davon zu &#252;berzeugen, dass dieser Schritt zum jetzigen Zeitpunkt richtig   ist. Dabei handelt es sich um eine bestimmte Bewertung des ambivalenten   Bewusstseins vieler ArbeiterInnen hinsichtlich der bevorstehenden   Wahlen. Auf der einen Seite existiert geradezu ein Hass auf New Labour,   andererseits f&#252;rchtet man jedoch eine m&#246;gliche Tory-Regierung. Wir   k&#246;nnen aber sicher sein, dass weitreichende Ereignisse vor und nach der   Wahl dazu f&#252;hren werden, dass die Gewerkschaften zu entschiedenem   Handeln auf politischer Ebene gezwungen sein werden.<\/p>\n<p>  Klar ist, dass ohne qualitativen Wandel der Situation in Gro&#223;britannien   durch das Entstehen einer unabh&#228;ngigen politischen Organisation der   Arbeiterklasse, die zun&#228;chst wenigstens die pro-kapitalistischen   Parteien in Zaum h&#228;lt, die herrschende Klasse freiere Hand dabei haben   wird, ihre Sparpolitik durchzusetzen. Viele KommentatorInnen haben die   Wahlen 2010 als m&#246;glichen &#8222;Wendepunkt&#8220; bezeichnet, und f&#252;r die   Arbeiterklasse wird sie in der Tat den Beginn eines neuen Zeitalters   &#8222;drastischer K&#252;rzungen&#8220; einl&#228;uten &#8211; egal, welche der etablierten   Parteien auch gewinnen wird. Bei der Gr&#252;ndung des &#8222;Wahlb&#252;ndnisses von   GewerkschafterInnen und SozialistInnen&#8220; handelt es sich um einen   moderaten aber wichtigen Schritt bei der Entwicklung einer Bewegung des   Widerstands.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      GewerkschafterInnen und SozialistInnen fordern New Labour heraus\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13484"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13484"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13484\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13484"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}