{"id":13482,"date":"2010-01-25T00:00:00","date_gmt":"2010-01-25T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13482"},"modified":"2010-01-25T00:00:00","modified_gmt":"2010-01-25T00:00:00","slug":"13482","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/01\/13482\/","title":{"rendered":"Nigeria: Krise forciert neoliberalen Kurs"},"content":{"rendered":"<p>  Gespr&#228;ch mit Segun Sango vom Democratic Socialist Movement (DSM)<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Segun Sango Aderemi, Generalsekret&#228;r der Democratic Socialist Movement   (DSM), CWI-Sektion in Nigeria, nahm Anfang Dezember in Berlin an einem   Seminar zu &#8222;Konfliktl&#246;sung und Menschenrecht in Afrika, Asien und   Lateinamerika&#8220; teil. Das Seminar wurde von dem sozialistischen Stadtrat   Claus Ludwig und der SAV ausgerichtet. Aron Amm f&#252;hrte ein Gespr&#228;ch mit   ihm.<\/p>\n<p>  <b>Welche Folgen hat die globale Rezession f&#252;r Nigeria?<\/b><\/p>\n<p>  Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sind f&#252;r ganz Afrika verheerend.   Vor allem wird die jahrelange neokoloniale Politik dadurch noch weiter   versch&#228;rft.<\/p>\n<p>  So erleben wir in Nigeria nicht nur eine Intensivierung des   Privatisierungsprozesses, sondern auch eine immer vollst&#228;ndigere   Kontrolle der f&#252;hrenden Industriestaaten und ihrer Unternehmen &#252;ber den   &#214;lsektor des Landes. Da die &#214;lproduktion besonders kapitalintensiv ist,   gerieten die einheimischen Kapitalbesitzer l&#228;ngst ins Hintertreffen.<\/p>\n<p>  Die multinationalen Konzerne sind immer st&#228;rker auf dem Vormarsch. Sie   setzten das nigerianische Parlament inzwischen sogar erfolgreich unter   Druck, ein neues Gesetz auf den Weg zu bringen. Dieses erleichtert es   privaten Multis wie Shell oder Total, sich in den nigerianischen   &#214;lsektor einzukaufen und die bisherige Stellung der Nationalen   &#214;lgesellschaft Nigerias, die sich in &#246;ffentlicher Hand befindet,   zur&#252;ckzudr&#228;ngen.<\/p>\n<p>  &#196;hnliches vollzieht sich zur Zeit im Bankgewerbe. Ende der siebziger   Jahre hatte der nigerianische Staat Mehrheitsanteile an den   Finanzh&#228;usern des Landes erworben. Im Zuge von Deregulierungsma&#223;nahmen   und Gesetzes&#228;nderungen k&#246;nnen ausl&#228;ndische Banken nunmehr nicht nur   Minderheitsanteile erhalten, sondern die Banken mehrheitlich &#252;bernehmen.<\/p>\n<p>  Gleiches gilt f&#252;r den Erwerb von Land. Bis weit in die Siebziger hinein   geh&#246;rte das Land so gut wie komplett dem Staat. Mittlerweile erm&#246;glichte   das Parlament es jedem Privaten, sich so viel Land anzueignen, wie er   m&#246;chte.<\/p>\n<p>  Summa summarum: W&#228;hrend die f&#252;hrenden kapitalistischen Staaten auf die   gr&#246;&#223;te Krise seit 1929 mit Teilverstaatlichungen und &#246;ffentlichen   Rettungsaktionen reagieren, werden in Afrika die Prozesse von   Deregulierung und Privatisierung noch forciert.<\/p>\n<p>  Allerdings wurden auch in Nigeria 620 Milliarden Naira [knapp drei   Milliarden Euro] in den Bankensektor gepumpt, um acht Banken vor dem Aus   zu bewahren. Wie anderswo auch geht das seitens der Regierung mit   K&#252;rzungen bei Bildung und Sozialausgaben einher.<\/p>\n<p>  <b>Wie begegnete die arbeitende Bev&#246;lkerung den Krisenfolgen?<\/b><\/p>\n<p>  In der letzten Zeit kam es zu Gro&#223;protesten f&#252;r einen Mindestlohn und   gegen die Deregulierung der &#214;lindustrie. Durch Druck von unten sahen   sich die Gewerkschaften gezwungen, entsprechende Aktivit&#228;ten   durchzuf&#252;hren.<\/p>\n<p>  Wobei ins Auge springt, dass diese Proteste weit hinter dem   zur&#252;ckbleiben, was die nigerianische Arbeiterbewegung in den vergangenen   Jahren auf die Beine stellte. So kam es im letzten Jahrzehnt zu sieben   Generalstreiks. Dass der Druck auf die Gewerkschaftsspitze, einen   neuerlichen Generalstreik zu organisieren, derzeit noch begrenzt ist,   h&#228;ngt auch damit zusammen, dass die F&#252;hrung der Gewerkschaften den   Protest immer abw&#252;rgte, bevor er erfolgreich seine Wirkung entfalten   konnte. Zudem verstehen immer mehr Lohnabh&#228;ngige, dass Streiks und   Generalstreiks f&#252;r sich genommen nicht ausreichen. Darum machen wir uns   seitens der Democratic Socialist Movement auch f&#252;r den Aufbau einer   neuen politischen Interessenvertretung f&#252;r Arbeiter und Jugendliche   stark.<\/p>\n<p>  <b>Was hat es mit der nigerianischen Labour Party auf sich? Ist diese   der Anfang einer solchen Arbeiterpartei?<\/b><\/p>\n<p>  Gegr&#252;ndet wurde die Labour Party aus den Gewerkschaften, dem Nigerian   Labour Congress, heraus. Allerdings steckt diese Formation noch in den   Kinderschuhen. Wie sie sich weiter entwickeln wird, ist noch offen.   Wichtig ist es unserer Ansicht nach, dass sie bei den n&#228;chsten   nationalen Parlamentswahlen 2011 antritt. Daf&#252;r setzt sich die DSM   innerhalb der Labour Party ein. Wobei die Labour Party nicht nur ein   Wahlapparat sein darf, sondern eine klassenk&#228;mpferische Kraft werden   muss. Die anderen, b&#252;rgerlichen Parteien im Land sind durch und durch   undemokratisch, haben kein Parteileben und keine aktive Mitgliedschaft.   Das muss im Fall der Labour Party &#8211; die nichts mit der kapitalistischen   Labour Party in Gro&#223;britannien zu tun hat &#8211; anders werden, wenn sie eine   Zukunft haben soll.<\/p>\n<p>  <b>Du bist aktiv in der Campaign for Democratic and Workers Rights   (CDWR). Was ist das f&#252;r eine Organisation?<\/b><\/p>\n<p>  Ziel der CDWR ist es, Arbeiterrechte zu verteidigen und den   Lebensstandard der unterdr&#252;ckten Massen zu erh&#246;hen. <\/p>\n<p>  In der j&#252;ngsten Zeit haben wir uns wesentlich um den Fall der 27   inhaftierten Soldaten gek&#252;mmert. Diese geh&#246;rten zu einer sogenannten   UN-Friedensmission in Liberia. Die nigerianischen Offiziere zahlten   ihnen nur einen Bruchteil des Solds aus, der ihnen eigentlich zustand.   Daraufhin starteten die Soldaten Proteste, f&#252;r Nigeria ein bislang   einmaliger Vorgang. 27 von ihnen kam dann 2008 vors Milit&#228;rgericht. Die   Offiziere wurden in dieser Angelegenheit zwar schuldig gesprochen   wurden, ihre Strafe beschr&#228;nkte sich jedoch darauf, ein Rangabzeichen   aberkannt zu bekommen. Mehr nicht. Das war alles. W&#228;hrenddessen   erhielten die protestierenden Soldaten lebensl&#228;nglich. Daraufhin traten   wir gemeinsam mit anderen unsere Kampagne los. Mit enormen Erfolg! Die   lebensl&#228;ngliche Haftstrafe wurde auf sieben Jahre Gef&#228;ngnis reduziert.   Jetzt sind wir dabei, die Solidarit&#228;tsarbeit noch zu verst&#228;rken, um f&#252;r   die sofortige Freilassung zu k&#228;mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gespr&#228;ch mit Segun Sango vom Democratic Socialist Movement (DSM)\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13482"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13482"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13482\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13482"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13482"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13482"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}