{"id":13480,"date":"2010-01-18T00:00:00","date_gmt":"2010-01-18T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13480"},"modified":"2010-01-18T00:00:00","modified_gmt":"2010-01-18T00:00:00","slug":"13480","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/01\/13480\/","title":{"rendered":"Wie weiter in Venezuela?"},"content":{"rendered":"<p>  B&#252;rokratisierung und Gefahr einer Konterrevolution<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Der Machtantritt von Hugo Ch&#225;vez 1998 stellte eine wichtige &#196;nderung in   der Weltlage dar. Dies war die erste Regierung, die an die Macht kam und   sich nicht den r&#252;cksichtslosen Ideen des Neoliberalismus verschrieb, die   in den 1980ern und 1990ern jede Regierung und herrschende Elite   dominierten. Der Machtantritt von Ch&#225;vez stellte daher eine bedeutsame   positive Entwicklung dar. Das Ch&#225;vez-Regierung f&#252;hrte eine Reihe von   popul&#228;ren Reformen durch, besonders bei Gesundheit und Bildung, die das   CWI (Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale &#8211; internationale   sozialistische Organisation, der die SAV angeschlossen ist, A.d.&#220;.) und   ArbeiterInnen in Venezuela und international begeistert unterst&#252;tzten.<\/p>\n<h4>  <b><i>von Alejandro Rojas, CWI (18. November 2009)<\/i><\/b><\/h4>\n<p>  Die radikale populistische Politik, die Ch&#225;vez umsetzte, erweckte   schnell den Zorn des US-Imperialismus und der venezolanischen   herrschenden Klasse. Diese versuchten, ihn zu st&#252;rzen. Der Kampf in   Venezuela hat verschiedene Phasen und Wendungen durchlaufen. Jetzt ist   er in eine neue und kritische Phase eingetreten. Anf&#228;nglich sprach   Ch&#225;vez nur von einer &#8222;Bolivarianischen Revolution&#8220;. Eine Reihe wichtiger   Reformprogramme wurde eingeleitet. Die &#8222;Misiones&#8221; in Gesundheitswesen   (Barrio Adentro) und Bildung (Mision Robinson) waren besonders popul&#228;r.   Eine Million Menschen wurden vom Analphabetismus befreit und Millionen   erhielten zum ersten Mal Zugang zu einem Arzt. Drei Millionen bekamen   Zugang zu prim&#228;rer und weiterf&#252;hrender Schulbildung. &#220;ber zwei Millionen   Hektar Land wurden an Bauerngenossenschaften verteilt, seit Ch&#225;vez 1998   an die Macht kam. Diese Reformen und andere Aspekte seines Programms   brachten sein Regime schnell in offenen Konflikt mit den Oligarchen, die   vorher an der Macht gewesen waren, und riefen den Zorn des   US-Imperialismus hervor.<\/p>\n<p>  Auf den Putschversuch 2002 und dann die &#8222;Aussperrung&#8220; durch die Bosse   2002\/3 folgten eine Reihe von Sabotageakten, die Versorgungsengp&#228;sse   hervorriefen, und Herausforderungen auf bei Wahlen. Alle diese Versuche   der Konterrevolution wurden besiegt. Sie wurden durch eine massive,   unabh&#228;ngige, spontane Massenbewegung von unten gestoppt. Die Niederlagen   dieser Versuche einer Konterrevolution stellten wichtige Siege dar.<\/p>\n<p>  2005 ging Ch&#225;vez, angetrieben durch diese Ereignisse und den Druck der   Masse der Armen und ArbeiterInnen, weiter und erkl&#228;rte zum ersten Mal,   die Ziele der bolivarianischen Revolution seien jetzt der Aufbau des   &#8222;Sozialismus im 21. Jahrhundert&#8221;. Dies stellte zum ersten Mal seit dem   Fall der Berliner Mauer erneut die Frage des Sozialismus auf die   politische Tagesordnung und war eine positive Entwicklung.<\/p>\n<p>  Aber es ist eines, vom Sozialismus zu reden, und etwas anderes, zu   verstehen, welches Programm und welche Methoden notwendig sind, ihn zu   erreichen. MarxistInnen haben auch die Verantwortung, auf Schw&#228;chen   hinzuweisen und sie zu diskutieren, die in jeder Bewegung vorhanden sind   und als eine Barriere beim Sieg &#252;ber den Kapitalismus wirken k&#246;nnen. Es   ist notwendig, ArbeiterInnen und SozialistInnen zu helfen, den richtigen   Weg zu finden, um den Kampf vorw&#228;rts zu f&#252;hren und die sozialistische   Revolution durchzuf&#252;hren. Wirklicher Sozialismus kann durch die   Errichtung eines tats&#228;chlichen Systems von Arbeiterdemokratie und durch   das Lernen aus den internationalen und historischen Erfahrungen der   Arbeiterbewegung aufgebaut werden. MarxistInnen versuchen,   SozialistInnen in Venezuela zu helfen, aus der internationalen Erfahrung   der ArbeiterInnen in anderen K&#228;mpfen zu lernen als Mittel zur F&#246;rderung   des Kampfs f&#252;r eine sozialistische Revolution. Wir begr&#252;&#223;en auch   Kommentare und Kritik von ArbeiterInnen in Venezuela zu den K&#228;mpfen der   ArbeiterInnen in anderen L&#228;ndern.<\/p>\n<p>  Das CWI hat die positiven Schritte begr&#252;&#223;t, die in Venezuela ergriffen   wurden. Aber wir haben auch vor den Gefahren gewarnt, vor denen die   Bewegung durch Konterrevolution und Reaktion wegen der Schw&#228;chen beim   Programm, den Methoden und der Organisation der Arbeiterklasse steht.   Anders als manche auf der Linken haben wir es vermieden, in die Falle zu   tappen entweder opportunistisch zu sein &#8211; indem man als Cheerleader und   Berater von Ch&#225;vez handelt &#8211; oder andererseits Ch&#225;vez auf pers&#246;nliche   und sektiererische Weise anzugreifen.<\/p>\n<p>  Die Gefahr der Konterrevolution bleibt, weil der Kapitalismus leider   nicht besiegt und durch einen demokratisch-sozialistischen   Produktionsplan auf der Grundlage der Errichtung eines Systems von   ArbeiterInnen- und Bauerndemokratie ersetzt wurde. Jetzt hat eine neue   und kritische Phase in Venezuela begonnen, die neue Gefahren f&#252;r den   Kampf f&#252;r den Sozialismus bringt.<\/p>\n<p>  Dass der Kapitalismus nicht besiegt wurde, f&#252;hrt jetzt zu einer Reihe   von Angriffen auf die Reformprogramme und die Arbeiterklasse. Die   neureiche Elite, die sich auf dem R&#252;cken der Bewegung entwickelt hat und   ein sich immer mehr ausdehnender b&#252;rokratischer Apparat, der von   Korruption durchl&#246;chert wird, kommen zunehmend in Konflikt mit der   Arbeiterklasse und dem Kampf, die Revolution vorw&#228;rts zu bringen. Die   B&#252;rokratie und die sich herausbildende neue Elite verwenden   &#8222;sozialistische Rhetorik&#8221; und wenden zunehmend Unterdr&#252;ckungsma&#223;nahmen   gegen die Arbeiterklasse und die, die mit dem Regime in Konflikt kommen   oder es kritisieren, an.<\/p>\n<p>  Das CWI hat bei vielen Gelegenheiten erkl&#228;rt, dass eines der gr&#246;&#223;ten   Probleme der Lage in Venezuela das Fehlen einer bewussten, unabh&#228;ngigen   Organisation der Arbeiterklasse ist, die sich selbst an die Spitze des   Kampfes f&#252;r eine sozialistische Revolution stellt. Die Bolivarianische   Bewegung wurde von oben nach unten geleitet, ohne bewusste Kontrolle   durch die Arbeiterklasse. Als Ergebnis wurden b&#252;rokratische,   administrative und jetzt leider zunehmend repressive Methoden gegen die   Arbeiterklasse und diejenigen angewandt, die das Regime von links in   Frage stellen oder herausfordern.<\/p>\n<p>  Diese zwei Elemente &#8211; die Vorherrschaft des Kapitalismus und   b&#252;rokratische repressive Methoden &#8211; wurden w&#228;hrend der j&#252;ngsten Periode   verst&#228;rkt. Der revolution&#228;re Prozess, der sich besonders nach dem   Putschversuch und der Aussperrung 2002\/3 entwickelte, hat sich   gegenw&#228;rtig festgefahren. Wenn ein revolution&#228;rer Prozess nicht   voranschreitet und vorw&#228;rts geht, kann er letztlich beginnen zu   zerfallen und sogar zu verfaulen.<\/p>\n<p>  Leider beginnt sich diese Gefahr in Venezuela zu entwickeln. Als Folge   davon wird die Unterst&#252;tzung f&#252;r Ch&#225;vez ernsthaft untergraben und   unterh&#246;hlt. Selbst die Idee des Sozialismus f&#228;ngt an, bei einer Schicht   diskreditiert zu sein, weil es nicht gelingt, die Revolution   weiterzubringen. Eine qualitative Ver&#228;nderung bahnt sich an, die das   Gespenst der Konterrevolution erscheinen l&#228;sst. Aber eine   Konterrevolution, die teilweise von innerhalb der Chavistischen Bewegung   selbst angetrieben wird.<\/p>\n<h4>  <b>Die &#8222;Boli-Bourgeoisie&#8220;<\/b><\/h4>\n<p>  Dazu geh&#246;ren Teile der alten Elite, die zu Ch&#225;vez &#252;bergelaufen sind, die   sich jetzt bereichern und aus der ganzen Entwicklung massive Profite   einstreichen. Dazu muss man die &#8222;Neureichen&#8220; hinzuf&#252;gen, die sich   herausgebildet haben. Heute ist der Ausdruck &#8222;Boli-burguesia&#8220;   (Boli-Bourgeoisie) im modernen Venezuela g&#228;ngig. Es gibt ein starkes   Element des Prozesses, der sich in S&#252;dafrika entwickelte, wo sich ein   Teil des ANC (Afrikanischer Nationalkongress, ehemals linke   Befreiungsbewegung die nach dem Ende der Apartheid unter Nelson Mandela   die erste frei gew&#228;hlte Regierung stellte, A.d.&#220;.) nach dem Fall des   Apartheidregimes bereicherte. Aus ihm entwickelte sich eine neue obere   Mittelschicht und sogar ein Teil der Kapitalistenklasse. Dieser Prozess   ist im Namen des &#8222;Sozialismus&#8221; in Venezuela heute weit fortgeschritten.   Es gibt sogar eine Organisation, die aus &#8222;Sozialistischen Unternehmen&#8220;   besteht &#8211; Unternehmen, die sich selbst sozialistisch nennen, aber wie   kapitalistische Unternehmen t&#228;tig sind &#8211; und auch eine landesweit   organisierte Gruppe, die sich die &#8222;Mittelklassesozialisten&#8221; nennt.<\/p>\n<p>  Zu dieser Schicht geh&#246;ren Leute wie Ricardo Fernandez Barruesco, der in   der Nahrungsmittelindustrie begann, aber sich jetzt ver&#228;ndert hat und   dem jetzt die Banco Canarias, Bolivar Banco und viele andere geh&#246;ren. Es   gibt auch Mitglieder der neuen herrschenden Elite wie Wilmer Ruperti.   Vor einem Jahrzehnt war er einfach ein &#8222;Gesch&#228;ftsmann&#8220; unter vielen.   Heute ist er ein Schifffahrtsmagnat und ein Milliard&#228;r. Tats&#228;chlich ist   er der reichste Mann Venezuelas. Er machte sein Verm&#246;gen w&#228;hrend der   &#8222;Aussperrung&#8220; der Bosse und nutzte seine Tanker, um den &#8222;Streik&#8220; zu   brechen und &#214;l f&#252;r die Regierung zu verschiffen. Seitdem wurde er reich   belohnt, mit lukrativen Vertr&#228;gen mit der staatlichen &#214;lfirma PDVSA.   Auch wenn diese Schicht versucht hat, sich mit Ch&#225;vez zu vers&#246;hnen, gibt   es aber eindeutig eine weitere Sektion der alten Elite und anderer   rechter Kr&#228;fte, die entschlossen bleibt, ihn zu besiegen.<\/p>\n<p>  Das Wachstum der &#8222;Boli-burguesia&#8220; ist ein Ph&#228;nomen, das sich   wahrscheinlich in der kommenden Periode fortsetzen wird. Ch&#225;vez ist mit   einer schrumpfenden Wirtschaft konfrontiert. Angesichts einer   Industrieproduktion, die im dritten Quartal dieses Jahr wahrscheinlich   um 10,25 Prozent gefallen ist, hat er seine Appelle an den Privatsektor   gesteigert, beim Anschub der strauchelnden Wirtschaft zu helfen. Er   identifizierte 54 Themen, die angegangen werden m&#252;ssen, um die   Wirtschaft anzuschieben und appellierte an die Privatbanken &#8211; die zu den   reichsten in Lateinamerika geh&#246;ren &#8211; bei der Stimulierung der Wirtschaft   durch Vergr&#246;&#223;erung des Kredits an die kommerziellen Sektoren zu helfen.   (Ultimas Noticias 22. 9. 09).<\/p>\n<p>  Manche der von der Regierung durchgef&#252;hrten &#8222;Verstaatlichungen&#8220; haben   viel internationale Publizit&#228;t erhalten, aber tats&#228;chlich endeten die   meisten als Joint Ventures, die &#8222;empresas mixtas&#8221; (gemischte   Unternehmen) genannt werden. Der ganze Tenor der Wirtschaftspolitik der   Ch&#225;vez-Regierung war, die Staatsintervention auszudehnen, aber eine   kapitalistische Mischwirtschaft zu erhalten &#8211; und das &#8222;Sozialismus&#8221; zu   nennen.<\/p>\n<h4>  <b>Auswirkung der Krise<\/b><\/h4>\n<p>  Am Beginn der Weltwirtschaftskrise, leugnete Ch&#225;vez, dass Venezuela   durch sie betroffen sein werde.<\/p>\n<p>  Aber dieses Argument ist jetzt unhaltbar, da die Auswirkungen der   fallenden &#214;lpreise begonnen haben, die Wirtschaft zu treffen.   Unglaublicherweise steigerte die nationale staatseigene &#214;lgesellschaft   ihre Verschuldung um atemberaubende 146 Prozent im Verlauf des Jahres   2008! Es wird gesch&#228;tzt, dass PDVSA Vertragspartnern die enorme Summe   von zw&#246;lf Milliarden US-Dollar schuldet. Dies hat jetzt eine direkte   Auswirkung auf die F&#228;higkeit der Regierung, ihre anf&#228;nglich popul&#228;ren   Reformpakete aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p>  Die meisten Reformen und Sozialprogramme wurden von der PDVSA   finanziert. Die wachsende Verschuldung der PDVSA zwingt jetzt die   Regierung zu K&#252;rzungen bei ihren Sozialreformprogrammen. Die Ausgaben   f&#252;r Sozialprogramme wurden 2008 um 58 Prozent im Vergleich zu 2007   gek&#252;rzt. Weitere K&#252;rzungen sind auch in den Staatsausgaben f&#252;r 2009   geplant. Wenn die Inflation, die bei 30 Prozent liegt &#8211; die h&#246;chste in   Lateinamerika &#8211; ber&#252;cksichtigt wird, sch&#228;tzen &#214;konomen, dass der   wirkliche Wert des f&#252;r 2009 angek&#252;ndigten Budgets 30 Prozent niedriger   als 2007 sein wird!<\/p>\n<h4>  B&#252;rokratisches Missmanagement und Ineffizienz<\/h4>\n<p>  Zu diesen K&#252;rzungen muss man auch die verheerenden Folgen der   b&#252;rokratischen Methoden, Korruption und Ineffizienz hinzuf&#252;gen, die in   den letzten Jahren selbst die popul&#228;rsten &#8220;Misiones&#8221;-Reformprogramme   untergraben haben. Dazu geh&#246;ren die popul&#228;rsten Programme, wie Barrio   Adentro (Gesundheit) und Mision Robinson (die Kampagne zur Beseitigung   des Analphabetismus) und den staatlichen Supermarkt &#8211; Mercal &#8211; und die   Preiskontrollen, die die Regierung f&#252;r Waren des Grundbedarfs einf&#252;hrte.<\/p>\n<p>  Von Barrio Adentro betriebene Kliniken, die mit weit verbreitetem   Beifall in den &#8222;barrios&#8220; ge&#246;ffnet wurden, sind jetzt h&#228;ufiger   geschlossen als offen und arbeiten nicht. Beschwerden von kubanischen   &#196;rztInnen, die zur&#252;ck nach Havanna geschickt wurden, &#252;ber die Krise, die   es im Gesundheitswesen gibt, veranlassten Fidel Castro, an Ch&#225;vez zu   schreiben und ihn zu warnen, dass das Gesundheitssystem nicht   funktioniert. Ch&#225;vez gab bekannt, dass er einen Brief von Castro   erhalten hatte, der sich &#252;ber die Probleme in Barrio Adentro beklagte   und dass etwas getan werden m&#252;sse. Als ob Ch&#225;vez selbst mit dem Problem   nichts zu tun habe. Aber warum war ein Brief von Castro notwendig, um   die venezolanische Regierung auf eine Krise in ihrem eigenen   Gesundheitswesen aufmerksam zu machen!<\/p>\n<p>  Die popul&#228;ren Gesundheitsreformen verstrickten sich wie viele der   anderen Reformprogramme in einem Geflecht von B&#252;rokratie, Korruption und   &#8211; selbst in nur einem Bereich &#8211; Mangel an allgemeiner Planung. Die   Einf&#252;hrung vereinheitlichter Planung im Gesundheitswesen, die durch ein   System von demokratischer Arbeiterkontrolle und -verwaltung betrieben   w&#252;rde, k&#246;nnte ein Beispiel sein, was im Rest der Wirtschaft n&#246;tig ist.<\/p>\n<p>  Leider st&#252;rzt das Gesundheitswesen in eine immer tiefere Krise. Die   Gr&#252;ndung neuer Kliniken, die den &#228;rmsten Teilen der Bev&#246;lkerung Zugang   zu einem Arzt gaben, war von Stagnation und K&#252;rzungen im bestehenden   staatlichen Gesundheitswesen begleitet. Au&#223;erhalb von   Barrio-Adentro-Klinken bedeutet der Besuch des &#246;rtlichen Arztes eine   Rechnung f&#252;r den Arztbesuch! Die Krise im Gesundheitswesen erreicht   jetzt explosive Ausma&#223;e.<\/p>\n<p>  Einrichtungen der Grundversorgung wie Krankenhausk&#252;chen und -w&#228;schereien   wurden in einem der gr&#246;&#223;ten Krankenh&#228;user von Caracas, El Agodonal,   geschlossen oder arbeiten seit Jahren nicht richtig und verursachen   Infektionen und Seuchen. Bei einem Rundgang durch dieses Krankenhaus,   das einmal von Che Guevara besucht wurde, sieht man Reparaturprojekte   unvollendet, bei denen es seit mehr als einem Jahr keinen Fortschritt   gab. Zwischen 2007 und 2009 bewilligte die Regierung mehr als zwei   Milliarden Bolivar f&#252;r Krankenhausreparaturen und -infrastruktur. Aber   kein einziges Projekt ist nach zwei Jahren zu mehr als 30 Prozent fertig   gestellt. Dies hat eine direkte Wirkung auf das Funktionieren der   Krankenh&#228;user. El Agodonal funktioniert nur zu 30 Prozent seiner   Kapazit&#228;t.<\/p>\n<p>  Trotz der Zahl an kubanischen &#196;rzten, die in das Land geschickt werden,   gibt es landesweit immer noch einen &#196;rztemangel von 30 Prozent.<\/p>\n<p>  Das Fehlen eines Systems wirklicher demokratischer Arbeiterkontrolle und   -verwaltung f&#252;hrt zum Krebsgeschw&#252;r der Korruption und B&#252;rokratie, die   die Wirksamkeit der Reformprogramme anfressen und untergraben. Unter   Ch&#225;vez gab es ein explosionsartiges Anwachsen der Staatsb&#252;rokratie. Die   j&#252;ngste Regierungsreorganisation bedeutet, dass Ch&#225;vez sechs   Vizepr&#228;sidenten hat! Der Staat besch&#228;ftigt jetzt &#252;ber zwei Millionen   Menschen von zw&#246;lf Millionen Erwerbspersonen. Die Zahl der   Staatsverwalter hat sich stark ausgedehnt. Die Zahl der Verwalter, die   f&#252;r die staatliche &#214;lgesellschaft PDVSA arbeiten, hat sich seit 2002 um   266 Prozent vergr&#246;&#223;ert. Die verstaatlichte Elektrizit&#228;tsgesellschaft   besch&#228;ftigt sch&#228;tzungsweise 42.000 ArbeiterInnen, aber sie sind in &#252;ber   200 getrennte Verwaltungsabteilungen aufgeteilt!<\/p>\n<p>  Infrastrukturprojekte, die die Regierung h&#228;ufig begann, bleiben   unvollendet &#8211; oft als ein Ergebnis von b&#252;rokratischem Missmanagement und   Korruption. Im Zentrum von Caracas ist eine neue Busspur, die entfernt   von &#252;berf&#252;llten Stra&#223;en gebaut wurde, und angeblich dazu dienen sollte,   dass Busse schneller durch die Stadt fahren k&#246;nnen, unvollendet und   voller Autos und Motorr&#228;der &#8211; ein Opfer der Korruption und des   Umstandes, dass die russische Firma, die den Bauauftrag hatte, das Geld   einsteckte und sich aus dem Staub machte. Zu dieser traurigen Liste muss   man K&#252;rzungen bei der Strom- und Wasserversorgung hinzuf&#252;gen, die   gegenw&#228;rtig stattfinden. Das liegt teilweise am Mangel an Investitionen   in die Infrastruktur und teilweise an b&#252;rokratischem Missmanagement und   auch an klimatischen Ver&#228;nderungen und den Auswirkungen von El Ni&#241;o.<\/p>\n<p>  Dies ist ein Land, das wegen seiner gro&#223;en Fl&#252;sse und seinem riesigen   Wasserzugang potenzielle Kapazit&#228;t von mehr als ausreichender   Wasserkraft hat. Ch&#225;vez behauptet, diese Ausf&#228;lle seien die Folge sich   ver&#228;ndernder Wetterverh&#228;ltnisse. In Wirklichkeit sind diese Strom- und   Wasserausf&#228;lle ein Zeugnis f&#252;r den Mangel an ernsthaften Investitionen   in die Infrastruktur in dem Jahrzehnt, seitdem Ch&#225;vez an die Macht kam   und jahrzehntelang, bevor er an die Macht kam. Ch&#225;vez&#8217; L&#246;sung &#8211; nur drei   Minuten lang duschen. Eine Minute nass machen, eine weitere Minute   einseifen und eine dritte Minute absp&#252;len! Dabei wird vorausgesetzt,   dass man Zugang zu einer Dusche mit funktionierender Wasserversorgung   hat.<\/p>\n<p>  Selbst das begrenzte Agrarreformprogramm wurde von der Zunahme der   B&#252;rokratie behindert. Auswirkungen hatte auch der Mangel an   Investitionen in g&#252;nstige Maschinen, die die LandarbeiterInnen und   B&#228;uerInnen bezahlen k&#246;nnen. Seit 1999 hat der Staat ann&#228;hernd 2,5   Millionen Hektar Land &#252;bernommen. 1999 betrug die Menge an monatlich   produziertem Fleisch 17,4 Kilogramm pro Person. Dies war genug, fast den   gesamten Binnenmarkt zu befriedigen. Es wird erwartet, dass die   Produktion 2009 auf nur 7,8 Kilogramm pro Monat f&#228;llt&#8211; ann&#228;hernd 38   Prozent der heimischen Nachfrage. Dies hat den Staat gezwungen, mehr als   50 Prozent des in Venezuela verbrauchten Fleischs zu importieren.<\/p>\n<p>  Die Arbeiterklasse w&#228;re zweifellos bereit, f&#252;r eine vor&#252;bergehende   Zeitperiode Opfer und sogar eine Verringerung des Lebensstandards zu   akzeptieren, wenn das unter gewissen Umst&#228;nden notwendig w&#228;re. Ein   Beispiel ist die Lage nach der Russischen Revolution 1917, als die   Revolution isoliert und bedroht war, als einundzwanzig Armeen des   Imperialismus intervenierten, um die Revolution zu zerschlagen. Aber   damit die Arbeiterklasse solche H&#228;rten akzeptiert, muss sie &#252;berzeugt   sein, dass sie notwendig sind, um die sozialistische Revolution zu   verteidigen und das Gef&#252;hl haben, dass die F&#252;hrerInnen und AktivistInnen   auch bereit sind, solche Opfer zu bringen. Wenn es wachsende   Ungleichheit, Korruption und die Bereicherung eines Teils der   Bev&#246;lkerung gibt, werden die ArbeiterInnen Angriffe und K&#252;rzungen im   Lebensstandard nicht akzeptieren. Die weiter bestehende Massenarmut, die   es in Caracas gibt, die Korruption und das Fehlen eines klaren Wegs   vorw&#228;rts, spiegeln sich im Ausma&#223; von Verbrechen und Gewalt wider, das   zu den h&#246;chsten in Lateinamerika geh&#246;rt.<\/p>\n<p>  Das CWI begr&#252;&#223;te die Reformprogramme, als sie eingef&#252;hrt wurden, als   einen positiven Schritt vorw&#228;rts. Aber wir warnten auch, dass sie nicht   aufrecht erhalten und weiter entwickelt werden k&#246;nnten, wenn nicht der   Kapitalismus gest&#252;rzt und ein wirkliches System der ArbeiterInnen- und   Bauerndemokratie eingef&#252;hrt w&#252;rde. Jetzt werden sie unter dem Eindruck   der sich vertiefenden Wirtschaftskrise zur&#252;ckgedreht.<\/p>\n<p>  Die Preiskontrollen, die Ch&#225;vez einf&#252;hrte, bleiben zwar oft formell   bestehen, haben aber keine Beziehung zu den tats&#228;chlichen Preisen, zu   denen Waren wegen Engp&#228;ssen, Spekulation und Schiebergesch&#228;ften auf den   Stra&#223;en verkauft werden. Selbst die popul&#228;ren Mercal-Superm&#228;rkte haben   ihre Preise f&#252;r viele Waren des Grundbedarfs erh&#246;ht. Der Reispreis wurde   um 29 Prozent, Milch um 68 Prozent und Nudeln um 78 Prozent erh&#246;ht.   Diese Staatssuperm&#228;rkte verlangen immer noch viel billigere Preise,   trotzdem wirken sich diese Erh&#246;hungen direkt auf die &#228;rmsten Teile der   Bev&#246;lkerung aus. Ironischerweise machen die Engp&#228;sse, leeren Regale und   gro&#223;en Schlangen zwanzig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer einen   Besuch in einem Mercal-Supermarkt zu einer Erinnerung an die fr&#252;heren   stalinistischen Regimes in Osteuropa und der fr&#252;heren Sowjetunion. Es   ist nicht un&#252;blich, dass man vier oder f&#252;nf L&#228;den abklappern muss, nur   um Milch zu finden. An einem Sonntag ist sie unm&#246;glich zu kriegen. Ohne   die demokratische Planung der Wirtschaft sind solche Engp&#228;sse   unvermeidlich.<\/p>\n<p>  Teilweise sind die Engp&#228;sse ein Ergebnis der Wirtschaftssabotage durch   Teile der beteiligten rechten kapitalistischen Firmen. Aber teilweise   sind sie auch eine Folge von B&#252;rokratie, schlechter Verwaltung und   Korruption.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend der Regierung von Salvador Allende in Chile zwischen 1970 und   1973 entwickelten sich Engp&#228;sse bei manchen Waren als Folge von Sabotage   und Boykotten durch die Arbeitgeber, die den Boden f&#252;r den Milit&#228;rputsch   gegen die Regierung bereiteten. In Chile wurden die Folgen dieser   Engp&#228;sse teilweise &#252;berwunden durch die demokratischen ArbeiterInnen-   und Volksorganisationen, die es damals gab. Die Fabrikkomitees, Cordones   &#8211; und die JAPs (Juntas de Abastecimientos y Precios &#8211;   Rationierungsbeh&#246;rd zu Zeiten der Allende-Regierung, A.d.&#220;.), die in den   Slums gebildet wurden &#8211; organisierten Nahrungsverteilung auf der   Grundlage von Bed&#252;rfnis und Verf&#252;gbarkeit. Preisspekulation wurde von   den JAPs f&#252;r eine begrenzte Zeitperiode kontrolliert, w&#228;hrend der sie   Grundpreise f&#252;r Nahrungsmittel schufen. Leider gibt es diese Arten   Organisationen nicht in Venezuela. Solche Organisationen sind notwendig,   um mit Nahrungsengp&#228;ssen fertig zu werden, die sowohl von Arbeitgebern   als auch durch die Korruption und die Ineffizienz der B&#252;rokratie erzeugt   werden.<\/p>\n<h4>  Die Lehren der Geschichte &#8211; die Arbeiterklasse muss die F&#252;hrung   &#252;bernehmen<\/h4>\n<p>  Die Ch&#225;vez-Regierung st&#246;&#223;t auf den unvers&#246;hnlichen Widerspruch, der sich   aus dem Versuch ergibt, Reformen einzuf&#252;hren und aufrechtzuerhalten,   aber dabei nicht den Kapitalismus zu st&#252;rzen und eine demokratische,   sozialistische Planwirtschaft einzuf&#252;hren. MarxistInnen begr&#252;&#223;en alle   Reformen, die der Arbeiterklasse und den Armen n&#252;tzen. Aber unter dem   Kapitalismus werden alle erreichten Reformen und Zugest&#228;ndnisse bedroht   sein und k&#246;nnen beseitigt werden. Das kapitalistische System kann sich   ein st&#228;ndig weitergehendes Programm anhaltender Reformen nicht leisten   und wird es nicht erlauben. Dies zeigte sich w&#228;hrend der massiven   revolution&#228;ren Bewegungen, die Mexiko 1910 bis 1920 und Bolivien 1952   ersch&#252;tterten. In beiden F&#228;llen f&#252;hrte das Scheitern, Kapitalismus und   Gro&#223;grundbesitz zu st&#252;rzen, zum Zur&#252;ckdrehen und Zerst&#246;ren der enormen   Errungenschaften und Reformen, die w&#228;hrend beider Revolution erreicht   worden waren. Derselbe Prozess findet gegenw&#228;rtig in Venezuela statt.<\/p>\n<p>  Dieser Widerspruch wurde in Venezuela durch die Methoden, die seit   Beginn dieser &#8222;Revolution&#8221; angewendet wurden weiter versch&#228;rft. Sie   wurde von oben nach unten &#8222;gef&#252;hrt&#8220; unter Verwendung von   administrativen, b&#252;rokratischen Methoden ohne die bewusste, unabh&#228;ngige   Organisation der Arbeiterklasse und der Massen und ohne Kontrolle von   unten.<\/p>\n<p>  Diese Methoden wurden von Ch&#225;vez von Anfang an angewandt und spiegeln   seinen milit&#228;rischen Hintergrund und das Fehlen einer organisierten,   unabh&#228;ngigen und bewussten Bewegung der Arbeiterklasse und der Armen   wider. Die besten Traditionen der Arbeiterklasse in jedem Land m&#252;ssen in   eine k&#252;hne revolution&#228;re Bewegung mit dem f&#252;r einen Sieg &#252;ber den   Kapitalismus notwendigen Programm und Methoden integriert werden.   Gleichzeitig ist es notwendig, alle bestehenden Schw&#228;chen und M&#228;ngel zu   &#252;berwinden. Eine sozialistische Revolution kann nicht erfolgreich   durchgef&#252;hrt werden, indem man die bestehenden Probleme und Hindernisse   wegwischt und ignoriert.<\/p>\n<p>  In der Geschichte Venezuelas war die unabh&#228;ngige Organisation der   Arbeiterklasse auf betrieblicher und politischer Ebene, anders als in   Chile, Bolivien oder Brasilien, sehr schwach. Der erste wirkliche   venezolanische Gewerkschaftsdachverband, CTV, wurde erst 1936 gebildet   und begann erst in den 1950ern seine reale T&#228;tigkeit. Die Kommunistische   Partei wurde erst 1931 gebildet &#8211; unter Untergrundbedingungen und von   Anfang an als stalinistische Partei. Es gibt keine herausragenden   historischen Arbeiterf&#252;hrerInnen wie Luis Recabarren in Chile, der eine   zentrale Rolle im Aufbau einer unabh&#228;ngigen Arbeiterbewegung spielte,   zahlreiche Arbeiterzeitungen gr&#252;ndete und beim Aufbau der Gewerkschaften   und der Kommunistischen Partei half und der nach Russland zu den   Kongressen der Komintern reiste und Lenin und Trotzki traf.<\/p>\n<p>  Diese Schw&#228;che war einer der Faktoren, die erm&#246;glichten, dass Ch&#225;vez und   seine Unterst&#252;tzerInnen die F&#252;hrung der Bewegung &#252;bernahmen und ihren   Charakter seit den fr&#252;hen 1990ern pr&#228;gten. Dieser Punkt wurde   veranschaulicht von dem historischen linken venezolanischen   Guerillaf&#252;hrer, Douglas Bravo, der mit Ch&#225;vez und anderen   zusammenarbeitete. Der britische Schriftsteller Richard Gott zitiert in   seinem Buch &#8222;In the shadow of the Liberator&#8221; [Im Schatten des Befreiers]   Douglas Bravo, der an ein Treffen mit Ch&#225;vez erinnerte. Sie diskutierten   die Frage eines Generalstreiks und der Initiierung eines Aufstands gegen   das alte Regime. Gott kommentiert: &#8222;Das war genau, was Ch&#225;vez nicht   wollte. Absolut nicht. Ch&#225;vez wollte nicht, dass ZivilistInnen als eine   konkrete Kraft teilnehmen&#8221;. Bravo erinnerte sich, dass sich eine hei&#223;e   Diskussion entwickelte, w&#228;hrend der Ch&#225;vez dazwischenrief und sagte   dass, &#8222;Zivilisten nur im Weg stehen&#8221;. (&#8216;Shadow of the Liberator&#8217;, Seite   64\/65).<\/p>\n<p>  In Diskussion in Caracas mit dem Verfasser dieser Zeilen, die k&#252;rzlich   stattgefunden haben, ging Bravo weiter und veranschaulichte, wie Ch&#225;vez   alles M&#246;gliche machte, um die aktive Beteiligung der Massen zu   vermeiden. 1992 begann Ch&#225;vez eine radikale populistische   Milit&#228;rrebellion, die besiegt wurde. Nach Bravo nahmen an dem von Gott   erw&#228;hnten Treffen verschiedene Studierenden-, zivile und andere   Organisationen und auch niederrangige Offiziere der Armee wie Ch&#225;vez   teil. Ein bestimmtes Datum im Februar f&#252;r einen gemeinsamen zivilen und   milit&#228;rischen Aufstand wurde vereinbart. Aber um die Beteiligung der   &#8222;Zivil&#8221;bev&#246;lkerung zu vermeiden, machte Ch&#225;vez einen Fr&#252;hstart und   organisierte seinen gescheiterten populistischen Putsch ein paar Tage   fr&#252;her.<\/p>\n<p>  Leider haben Bravos Guerillaerfahrungen und nationale wie auch   internationale Entwicklungen ihn dazu gebracht, sich vom   &#8222;Marxismus-Leninismus&#8221; loszusagen und &#8222;linken Humanismus&#8221; als   Alternative zum Ch&#225;vez-Regime zu vertreten.<\/p>\n<p>  Diese militaristische &quot;top-down&quot; Herangehensweise der Bolivarianischen   Bewegung war eines ihrer Merkmale, seit Ch&#225;vez an die Macht kam. Das CWI   warnte in vielen Artikeln und Dokumenten vor den Folgen dieser Gefahr.   Zum Beispiel warnten wir: &#8222;&#8230; ohne demokratische Kontrolle der   Arbeiterklasse k&#246;nnen jene Teile des Milit&#228;rs, die sich in einer   f&#252;hrenden Stellung wieder finden unausweichlich administrative oder   b&#252;rokratische Tendenzen zum Herumkommandieren entwickeln. Ohne ein   klares Verst&#228;ndnis der Rolle der Arbeiterklasse in der Revolution und   ohne demokratischen Kontrollen unterworfen zu sein, k&#246;nnen selbst   Offiziere mit den besten Ansichten solche Tendenzen entwickeln und   versuchen, ihren Willen von oben der Arbeiterklasse aufzuzwingen.&#8221;   (&#8222;Revolution&#228;re SozialistInnen und die venezolanische Revolution&#8220; &#8211;   2004).<\/p>\n<p>  Heute hat der repressive Staats- und Parteiapparat begonnen, dies direkt   gegen Teile der ArbeiterInnen zu nutzen, die in den Kampf getreten sind,   um ihre L&#246;hne, Arbeitsbedingungen und demokratische Rechte zu   verteidigen.<\/p>\n<h4>  Repression und &#8222;stalinismus&#228;hnliche&#8220; Methoden<\/h4>\n<p>  Leider hat die von Ch&#225;vez gef&#252;hrte Staatsmaschine sowohl auf der   betrieblich-gewerkschaftlichen als auch der politischen Ebene begonnen,   &#8222;stalinismus&#228;hnliche&#8220; Formen der Repression gegen die Arbeiterklasse und   diejenigen anzuwenden, die die Regierung von links kritisieren. Unter   dem Vorwand der Verteidigung der &#8222;sozialistischen Revolution&#8221; werden   KritikerInnen auf der Linken als &#8222;konterrevolution&#228;r&#8221; oder &#8222;Agenten des   Imperialismus, von CIA und MI5&#8221; angeprangert. Innerhalb der PSUV ist es   ein h&#228;ufiger Angriff von Teilen der B&#252;rokratie gegen die, die die Frage   wirklicher Arbeiterkontrolle aufwerfen, gegen Korruption reden oder   Trotzki erw&#228;hnen. In einem Fall wurde einem Unterst&#252;tzer des CWI von   einem PSUV-Funktion&#228;r gesagt, es sei nur zul&#228;ssig, von &#8222;Ch&#225;vez, Fidel,   Che, Mao, aber nicht von dem Konterrevolution&#228;r Trotzki&#8221; zu reden. Dabei   hat Ch&#225;vez Trotzki in einer fr&#252;heren Rede unterst&#252;tzt. Einfache   Mitglieder der PSUV (Vereinigte Sozialistische Partei von Venezuela),   die sich gegen Korruption ausgesprochen haben, wurden einfach als   &#8222;Konterrevolution&#228;re&#8221; angegriffen.<\/p>\n<p>  Dies sind quasi-stalinistische Methoden, die an die der F&#252;hrer der   Kommunistischen Partei im spanischen B&#252;rgerkrieg erinnern. In Spanien   erhob sich die Arbeiterklasse gegen die faschistische Franco-Rebellion   und brachte die Revolution vorw&#228;rts &#8211; und kontrollierte schlie&#223;lich vier   F&#252;nftel des Landes. Der alte b&#252;rgerliche Staat lag in Tr&#252;mmern, w&#228;hrend   die Arbeiterklasse die Revolution voranbrachte. Aber die Arbeiterklasse   schaffte es nicht, ihren eigenen Staat zu errichten und die Macht v&#246;llig   in ihre eigenen H&#228;nde zu nehmen. Die Politik der Stalinisten bestand   darin, die sozialistische Revolution zur&#252;ckzuhalten und ein Abkommen mit   einem Teil der &#8222;fortschrittlichen&#8220; Kapitalistenklasse zu treffen. Als   eine Folge dieser Politik wurde der b&#252;rgerliche Staat wiederhergestellt   und die Revolution besiegt und Francos Faschisten &#252;bernahmen die Macht.   Diejenigen, die die Politik der Kommunistischen Partei ablehnten wurden   als &#8222;Konterrevolution&#228;re&#8220; angeprangert und in vielen F&#228;llen hingerichtet.<\/p>\n<p>  Dies ist nicht die Lage im heutigen Venezuela, aber die   quasi-stalinistischen Methoden sind ein Schatten von Methoden, die   w&#228;hrend des spanischen B&#252;rgerkriegs angewandt wurden, wo sowohl der   Kapitalismus als auch der b&#252;rgerliche Staat intakt blieben.<\/p>\n<p>  Unterdr&#252;ckungsmethoden werden jetzt auch zunehmend direkt gegen die   Arbeiterklasse angewandt, wenn Teile von ihr den Kampf zur Verteidigung   ihrer Rechte f&#252;hren. In diesem Jahr ist die Zahl von ArbeiterInnen, die   in den Streik wegen L&#246;hnen, Arbeitsbedingungen und zur Verteidigung   ihrer Rechte getreten sind, betr&#228;chtlich gestiegen. Nach manchen   Sch&#228;tzungen gab es in den zw&#246;lf Monaten bis August 2009 mehr als 400   Arbeitsk&#228;mpfe. Die TeilnehmerInnen kamen aus der Stahl-, Elektrizit&#228;ts-,   Eisenerz-, Aluminium-, Transport-, Gesundheits- und anderen Branchen.   Als Reaktion hat der Staat Unterdr&#252;ckungsmethoden gegen sie eingesetzt.<\/p>\n<p>  Als sich U-Bahn-ArbeiterInnen in Caracas auf einen Streik vorbereiteten,   um ihren Tarifvertrag zu verteidigen, drohte Ch&#225;vez, sie unter   Milit&#228;rrecht zu stellen und ihnen das Streikrecht zu nehmen. Unter   Verwendung der Gesetze zur &#8222;nationalen Sicherheit&#8221; wurden strategisch   wichtige Gebiete wie die U-Bahn oder Krankenh&#228;user zu &#8222;zonas de   emergencia&#8221; (Notstandsgebieten, A.d.&#220;.) erkl&#228;rt, in denen Proteste und   Streiks verboten sind.<\/p>\n<p>  Im Bundesstaat Zulia, wo Erd&#246;larbeiterInnen streikten, um zu fordern,   dass der Tarifvertrag auf sie ausgedehnt werde, griffen vierzig   Mitglieder der Nationalgarde die ArbeiterInnen an und nahmen die   Gewerkschaftsf&#252;hrer fest, die siebzehn Stunden festgehalten wurden.<\/p>\n<p>  Die Weltmedien schenkten dem Start des neuen &#8222;sozialistischen&#8221; Handys,   Viagra, viel Aufmerksamkeit, dessen Produktion am 1. Mai 2008 begann. Es   gab wenig Berichterstattung zu den haarstr&#228;ubenden Arbeitsbedingungen   und der Unterdr&#252;ckung der ArbeiterInnen in der Firma, wo es hergestellt   wird &#8211; Vtelca. Ohne Verpflichtung, die ArbeiterInnen zu bezahlen, nutzt   das Management jede ihr zur Verf&#252;gung stehende Unterdr&#252;ckungsmethode   gegen die Besch&#228;ftigten, die versuchten einen Arbeiterrat zu bilden und   Delegierte w&#228;hlten, um Gesundheits- und Sicherheitsfragen anzugehen. In   einer Situation wurde die Nationalgarde gegen die Besch&#228;ftigten   eingesetzt und entgegen aller Arbeitsgesetze wurden schlie&#223;lich sechzig   ArbeiterInnen entlassen wegen &#8222;Mangel an Engagement und Arbeitseifer&#8221;.<\/p>\n<p>  Teile der Arbeiterklasse wurden zu verzweifelten Aktionen getrieben, um   auf ihre Beschwerden aufmerksam zu machen. Darunter waren die 27   ArbeiterInnen von 1.400, die an einem Arbeitskampf gegen die PDVSA   teilnahmen. Die ArbeiterInnen forderten, dass der Tarifvertrag auf sie   ausgedehnt wird und sie nicht in einer &#8222;Holding&#8220; ohne Tarifvertrag   verbleiben.<\/p>\n<p>  Diese ArbeiterInnen hatten kein Vertrauen, dass die   Gewerkschaftsf&#252;hrerInnen f&#252;r ihre Sache k&#228;mpfen w&#252;rden und traten in   einen Hungerstreik. Sie n&#228;hten ihre Lippen mit Nadel und Faden zusammen,   um sich selbst am Essen zu hindern!<\/p>\n<p>  Zu der Zeit, als diese Bewegung stattfand, gingen Teile der von Rechten   gef&#252;hrten Universit&#228;tsstudierenden auf die Stra&#223;e, um gegen die im neuen   Bildungsgesetz der Regierung enthaltenen milden Verbesserungen zu   protestieren. Manche von ihnen traten auch in einen Hungerstreik. Ch&#225;vez   und die Regierung warfen einfach den ArbeiterInnen vor, von den rechten   konterrevolution&#228;ren Universit&#228;tsstudierenden manipuliert zu sein!<\/p>\n<p>  Diese Angriffe auf Angeh&#246;rige der Arbeiterklasse, die zur Verteidigung   ihrer Rechte aktiv geworden sind und die Reaktion der Regierung hat die   T&#252;r f&#252;r eine weitere Gefahr durch rechte, reaktion&#228;re Kr&#228;fte ge&#246;ffnet,   die versucht haben, Ch&#225;vez zu st&#252;rzen. W&#228;hrend ArbeiterInnen im Kampf   als &#8222;Konterrevolution&#228;re&#8221; angeprangert wurden, konnten sich die Rechten   als die &#8222;Freunde&#8220; der Arbeiterklasse darstellten.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend ein Teil der alten Elite versucht hat, sich mit dem Chavismus zu   vers&#246;hnen, hat ein Teil der alten rechten Gewerkschaften dasselbe   gemacht. K&#252;rzlich wurden wichtige Wahlen f&#252;r die F&#252;hrung der FUTPV &#8211; der   nationalen &#214;larbeitergewerkschaft &#8211; abgehalten. An der Spitze der   erfolgreichen Kandidatenliste stand Wills Rangel. Er wurde von der   Regierung und der PSUV unterst&#252;tzt. Rangel ist ein fr&#252;heres Mitglied des   Gewerkschaftsb&#252;ros der sozialdemokratischen Partei Acion Democratica,   einer der Hauptparteien, die das politische Establishment in der Zeit   vor Ch&#225;vez bildeten. Rangel brach erst 2003 mit der AD.<\/p>\n<p>  In Venezuela entwickelt sich eine Lage, in der Teile der ArbeiterInnen   im Namen des Sozialismus als &#8222;Konterrevolution&#228;re&#8221; angeprangert werden,   w&#228;hrend Kr&#228;ften des reaktion&#228;ren Kapitalismus erm&#246;glicht wird, sich als   Verteidiger der demokratischen Rechte der ArbeiterInnen und &#8222;Freunde&#8221;   der Arbeiterklasse darzustellen.<\/p>\n<p>  Bei einem Zulieferer der verstaatlichten SIDOR-Firma wurden hunderte   ArbeiterInnen von Tarifvertr&#228;gen ausgeschlossen und traten in den Streik   und waren mit Polizeirepression und Festnahmen konfrontiert. Ein   Gewerkschaftsf&#252;hrer &#8211; der kritisch gegen&#252;ber der Regierung ist &#8211;   erkl&#228;rte: &#8222;Sozialismus im 21. Jahrhundert bedeutet ArbeiterInnen in   Handschellen&#8221;.<\/p>\n<p>  Diese Entwicklungen haben die Unterst&#252;tzung f&#252;r Ch&#225;vez und die Spitzen   des Regimes untergraben. Aber unausweichlich ziehen verschiedene   Schichten der ArbeiterInnen und der Armen verschiedene   Schlussfolgerungen aus diesem Prozess. W&#228;hrend eine wachsende Zahl von   ArbeiterInnen sich vom Regime distanziert, fiebert eine Schicht der am   meisten Geknechteten und Unterdr&#252;cktesten vor Unterst&#252;tzung f&#252;r Ch&#225;vez.   Teile von ihnen wurden in manchen Gebieten in die neu gebildeten   &#8222;sozialistischen Patrouillen&#8221; aufgenommen, die als &#246;rtliche   Stadtteilgruppen der PSUV gebildet wurden.<\/p>\n<p>  Es gibt zwar klar verschiedene Schichten der chavistischen Bewegung,   aber manche Teile dieser Stadtteil&#8220;wach&#8220;gruppen wurden gelegentlich   mobilisiert und in die U-Bahn und manche Krankenh&#228;user gesandt, um zu   verhindern, dass Versammlungen von ArbeiterInnen organisiert werden.   Manchmal bestehen sie aus den Unterdr&#252;cktesten, die bei der Verteidigung   von Ch&#225;vez fanatisch sind und durch Propaganda aufgepeitscht sind, die   solche Gruppen von ArbeiterInnen als privilegierte Schichten darstellt,   die die Konterrevolution unterst&#252;tzen.<\/p>\n<p>  Es w&#228;re ein Fehler, diese Tendenz zu &#252;bertreiben, aber sie entwickelt   sich in manchen Gebieten und es ist eine Warnung vor der sich   entwickelnden Gefahr, dass die Arbeiterklasse und die st&#228;dtischen Armen   durch diese Herangehensweise gespalten werden. Es gab eine schnelle   Beschleunigung solcher Methoden in der PSUV und durch die Staatsmaschine   allgemein. Die PSUV gibt jetzt eine Mitgliedschaft von f&#252;nf Millionen   an. Sie ist gespalten in drei Kategorien &#8211; eine volle Mitgliedschaft,   SympathisantInnen und &#8211; am gr&#246;&#223;ten &#8211; &#8222;die Reserve&#8221; &#8211; was widerspiegelt,   wie weit sich die Militarisierung des Prozesses entwickelt. Die   b&#252;rokratisch-administrativen Ma&#223;nahmen spiegeln sich in der PSUV wider.   Zum Beispiel wurden KandidatInnen f&#252;r Delegiertenpositionen f&#252;r den   kommenden Kongress der Partei von jedem regionalen Vizepr&#228;sidenten der   Partei ausgew&#228;hlt, was zu Protesten dagegen f&#252;hrte, dass manche   Parteimitglieder mit abweichenden Meinungen von den Listen   ausgeschlossen wurden. Manche dieser Methoden kopierten anf&#228;nglich das   kubanische Regime.<\/p>\n<p>  Aber es scheint, dass jetzt viel vom Regime in China &#252;bernommen wird,   dessen Einfluss zugenommen hat, weil Ch&#225;vez Handelsabkommen und Joint   Ventures f&#252;r Infrastrukturprojekte mit China verst&#228;rkt hat. Die Chinesen   bauen eine Reihe von Hochgeschwindigkeitsbahnverbindungen in Venezuela.   Ch&#225;vez pries k&#252;rzlich die &#8222;revolution&#228;re Regierung&#8221; in China und   schickte einhundert PSUV-Spitzenfunktion&#228;re f&#252;r &#8222;ideologisches Training&#8221;   nach China. China scheint zunehmend sein &#8222;Modell&#8221; zu sein. Die Regierung   ver&#246;ffentlichte offizielle Zeitungsanzeigen zum Jahrestag der   chinesischen Revolution, die die chinesische Regierung von Hu Jintao   priesen!<\/p>\n<h4>  Freunde an schlechten Orten<\/h4>\n<p>  Aber es ist nicht nur das chinesische Regime, das die begeisterte   Unterst&#252;tzung von Ch&#225;vez gewinnt. Eine der internationalen Strategien   seiner Regierung war der Versuch, einen Block von jedem Regime zu   bilden, das im Konflikt mit dem US-Imperialismus ist. Eine wirklich   revolution&#228;re sozialistische Regierung, egal in welchem Land, kann f&#252;r   eine Zeitperiode isoliert sein, bis sich die Revolution in anderen   L&#228;ndern entwickelt. Unter solchen Bedingungen ist nichts Falsches daran,   wenn ein Arbeiterstaat Handels- und Gesch&#228;ftsvereinbarungen schlie&#223;t,   die ihm aufgezwungen sein m&#246;gen. Das Ausnutzen von Spaltungen und   Differenzen zwischen verschiedenen imperialistischen M&#228;chten w&#228;re unter   solchen Bedingungen v&#246;llig legitim. Die Bolschewiki und Lenin und   Trotzki waren angesichts der Isolation der Russischen Revolution zu   solchen Abkommen gezwungen.<\/p>\n<p>  Aber die Schaffung von formellen Handelsabkommen oder kommerziellen   Beziehungen ist nicht dasselbe wie brutale Regime &#252;berschw&#228;nglich mit   Lob zu &#252;bersch&#252;tten, die ihre eigene Bev&#246;lkerung unterdr&#252;cken und gegen   sie handeln, wenn sie k&#228;mpft. Handelsabkommen erfordern nicht, jemanden   wie Ahmadinedschad im Iran als gro&#223;en revolution&#228;ren F&#252;hrer zu preisen.   Die Massenbewegung gegen sein Regime war laut Ch&#225;vez ein Teil einer   imperialistischen Verschw&#246;rung. Auf dem letzten Gipfel   lateinamerikanischer und afrikanischer Staatschefs (ASA) f&#252;gte Ch&#225;vez   ein paar weitere Freunde zu seiner Liste hinzu, einschlie&#223;lich des   libyschen F&#252;hrers Muammar Gaddafi.<\/p>\n<p>  Weder sein Regime noch das auf Kuba waren auch nur bereit, das brutale   Gemetzel der Regierung von Sri Lanka am tamilischen Volk zu verurteilen   und gegen es in der UNO zu stimmen!<\/p>\n<p>  Die Unterst&#252;tzung solcher Regime wie der iranischen und libyschen   Diktaturen durch eine Regierung, die beansprucht, den &#8222;revolution&#228;ren   Sozialismus&#8221; zu verteidigen ist nicht zu entschuldigen und kann nur der   Idee des Sozialismus in der Arbeiterklasse in diesen L&#228;ndern und   international Schaden zuf&#252;gen.<\/p>\n<p>  Die Zukunft von Ch&#225;vez&#8217; Regime h&#228;ngt in der Schwebe. Die Methoden und   Beschr&#228;nkungen seines Programms untergraben nun ernsthaft seine   Unterst&#252;tzung. Parlamentswahlen f&#252;r die Nationalversammlung stehen 2010   auf der Tagesordnung. Ch&#225;vez strebt an, sich eine Zweidrittelmehrheit zu   sichern. Dies scheint im Moment unwahrscheinlich. Aber um sein Ziel zu   erreichen, hat sein Regime das Wahlverfahren ge&#228;ndert und das   Verh&#228;ltniswahlrecht beseitigt, das bisher bestand. Solche Schritte   untergraben seine Unterst&#252;tzung nur weiter und verst&#228;rken die Idee, dass   er jetzt ein Unterdr&#252;ckungsregime aufbaut. Dies spielt den Rechten in   die H&#228;nde. Die Gefahr einer &#8222;schleichenden Konterrevolution&#8221; bleibt,   wenn wachsende Teile der Bev&#246;lkerung frustrierter, unzufriedener und   desillusionierter mit dem gegenw&#228;rtigen Regime werden.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig ist in der gegenw&#228;rtigen Lage die Aussicht, dass mehr   Klassenschlachten und noch gr&#246;&#223;ere soziale Explosionen als Reaktion auf   die Angriffe der Regierung ausbrechen, angelegt. Unter solchen   Bedingungen kann es, besonders bei einer scharfen Wirtschaftsrezession,   nicht ausgeschlossen werden, dass Ch&#225;vez wieder zu weiteren radikalen   populistischen Ma&#223;nahmen einschlie&#223;lich weiterer Verstaatlichungen oder   Enteignungen schreitet und andere Ma&#223;nahmen gegen die &#8222;Boli-burguesia&#8221;   und die Korruption ergreift. Das ist trotz seiner j&#252;ngsten Anpassung an   diese &#8222;neue Bourgeoisie&#8221; und die B&#252;rokratie m&#246;glich.<\/p>\n<h4>  Programm f&#252;r eine sozialistische Revolution notwendig<\/h4>\n<p>  Aber jeder solche Schritt w&#252;rde nicht das grundlegende Problem l&#246;sen,   wenn er nicht auf einer bewussten unabh&#228;ngigen Bewegung der   Arbeiterklasse mit einem Programm zur Durchf&#252;hrung der sozialistischen   Revolution beruht. Selbst wenn der Kapitalismus v&#246;llig ausgel&#246;scht   w&#252;rde, w&#252;rde das Fehlen einer wirklichen Arbeiterdemokratie den Aufbau   von Sozialismus verhindern.<\/p>\n<p>  <b>Ein Programm f&#252;r eine sozialistische Revolution in Venezuela m&#252;sste   umfassen:<\/b><\/p>\n<p>  &#8211; Die Einf&#252;hrung eines wirklichen Systems der Arbeiterkontrolle durch   Komitees von gew&#228;hlten und jederzeit abw&#228;hlbaren Delegierten, die die   t&#228;gliche Leitung der Betriebe kontrollieren. Die &#214;ffnung der   Gesch&#228;ftsb&#252;cher aller Firmen &#8211; einschlie&#223;lich verstaatlichter Firmen &#8211;   f&#252;r die Inspektion durch Komitees von ArbeiterInnen zur Beendigung von   Korruption und zur Vertreibung der B&#252;rokratie.<\/p>\n<p>  &#8211; Diese Komitees sollten sich auf stadtweiter, Landes- und Bundesebene   verbinden. Staatliche Betriebe sollten auf der Grundlage eines Systems   demokratischer Arbeiterverwaltung geleitet werden, bei dem die Vorst&#228;nde   solcher Firmen aus gew&#228;hlten VertreterInnen der ArbeiterInnen in der   Branche, breiteren Teilen der Arbeiterklasse und der Armen und einer   ArbeiterInnen- und Bauernregierung bestehen.<\/p>\n<p>  &#8211; Alle Funktion&#228;re sollten gew&#228;hlt und jederzeit wieder abw&#228;hlbar sein   und nicht mehr als einen durchschnittlichen Facharbeiterlohn erhalten.<\/p>\n<p>  &#8211; Die Enteignung der Banken, multinationalen Konzerne und einhundert   reichsten Familien, die immer noch die venezolanische Wirtschaft   kontrollieren und die Einf&#252;hrung eines demokratisch-sozialistischen   Produktionsplans.<\/p>\n<p>  &#8211; Die Bildung eines unabh&#228;ngigen demokratischen   Gewerkschaftsdachverbandes mit einer gew&#228;hlten F&#252;hrung, die unter der   Kontrolle der Basismitglieder steht und ihnen rechenschaftspflichtig ist.<\/p>\n<p>  Der Kampf f&#252;r ein solches Programm dr&#228;ngt, um frisches Leben in die   venezolanische Revolution zu bringen und ihre Stagnation, ihr Verrosten   und die Gefahr der Konterrevolution zu verhindern.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>Dieser Text ist auch als <a href=\"http:\/\/shop.sozialismus.info\/shop\/article_518\/Wie-weiter-in-Venezuela_.html?sesp=GYCYGJ9ZrSNFSRLrAyCjPALVsAI4lnPDoNDQM9wvDgKnunfjlBYIKncJNxGHnEK6&#038;shop_param=cid%3D1%26aid%3D518%26\">Brosch&#252;re   <\/a>erh&#228;ltlich. <\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      B&#252;rokratisierung und Gefahr einer Konterrevolution\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[41],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13480"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13480"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13480\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}