{"id":13476,"date":"2010-01-12T00:00:00","date_gmt":"2010-01-12T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13476"},"modified":"2010-01-12T00:00:00","modified_gmt":"2010-01-12T00:00:00","slug":"13476","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/01\/13476\/","title":{"rendered":"Bildungsstreikagenda 2010"},"content":{"rendered":"<p>  Bericht vom bundesweiten Bildungsstreiktreffen vom 18. bis 20. Dezember   in Potsdam<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Nachdem in den letzten Monaten &#252;ber siebzig Universit&#228;ten und   Fachhochschulen in der ganzen Bundesrepublik &#8211; und auch dar&#252;ber hinaus &#8211;   besetzt wurden und wieder zehntausende Sch&#252;lerInnen und Studierende   gegen die Missst&#228;nde im Bildungssystem protestierten, trafen sich vom   18. bis 20. Dezember circa 150 AktivistInnen aus 43 St&#228;dten in den   besetzten R&#228;umen der Universit&#228;t Potsdam, um &#252;ber Probleme und   Perspektiven der aktuellen Bewegung zu beraten. <\/p>\n<h4>  <i>von Paula Rauch, Berlin <\/i><\/h4>\n<p>  &#220;berschatten von endlosen Verfahrensdebatten &#252;ber den Einsatz von   Mikrofonen, Entscheidungsfragen und ein &quot;korrektes&quot;   Diskussionsverhalten, wurde in verschiedenen Arbeitsgruppen zu Problemen   und Perspektiven des Bildungsstreiks beraten. So ging es beispielsweise   um eine Auswertung der letzten Monate, die allerdings in einer   Diskussion um Struktur und Selbstverst&#228;ndnis unterging und daraus   resultierend die Aufstellung eines neuen Protestfahrplans f&#252;r 2010. Der   von SAV-Mitgliedern und anderen eingebrachte Vorschlag f&#252;r eine   dreiteilige Eskalationsstrategie wurde in Teilen aufgegriffen. Mit einer   Fortsetzung und Eskalation der Bewegung, beginnend bei Vollversammlungen   in allen Bildungseinrichtungen Anfang Januar, einem H&#246;hepunkt am Ende   des Semesters und Schulhalbjahres mit zeitgleichen regionalen und   themenbezogenen Demonstrationen und einer strukturierten Vorbereitung   der n&#228;chsten Protestwelle w&#228;hrend der Semester- und Osterferien h&#228;tte   eine Steigerung der Proteste in Quantit&#228;t und Qualit&#228;t erm&#246;glichen   k&#246;nnen.&#160; Neben dem Bolognajubil&#228;um vom 11. bis 13. M&#228;rz in Budapest und   Wien, zu denen es einen Gegengipfel und eine internationale   Gro&#223;demonstration in Wien geben wird, wurde allerdings nur ein grober   Rahmenplan f&#252;r die Proteste im April und Juni ausgearbeitet, der auf dem   n&#228;chsten bundesweiten Treffen Anfang Februar in Bielefeld weiter   ausgearbeitet werden soll. Der Plan, anl&#228;sslich der NRW-Landtagswahl am   9. Mai mit bundesweiten Aktionen und einer zentralen Demo in NRW das   neue Semster zu beginnen um dann vorraussichtlich in der zweiten   Juni-Woche eine unbefristete Streik- und Besetzungszeit auszurufen, kann   einen besseren Aufbau und Organisation der Bewegung als im Herbst   erm&#246;glichen. Ein- oder mehrt&#228;gige Streiks an Schulen oder sogar weiter   gehende Schulbesetzungen m&#252;ssten in einen solche &quot;Bildungsstreikagenda&quot;   eingearbeitet werden. Ein weiterer von SAV-Mitgliedern unterst&#252;tzter   Termin ist der 12. Juni, an dem das &quot;Wir zahlen nicht f&#252;r eure   Krise&quot;-B&#252;ndnis einen gemeinsamen Aktionstag mit dem Bildungsstreik   vorschl&#228;gt.&#160; Wenn diesmal mehr Studierende, Sch&#252;lerInnen und   Besch&#228;ftigte mit einbezogen werden k&#246;nnen, ist ein Streik m&#246;glich, der   an Dynamik gewinnen und substantielle Verbesserungen erringen kann.<\/p>\n<h4>  Forderungen und Verbreitung<\/h4>\n<p>  In weiteren Arbeitsgruppen wurde &#252;ber die Einbeziehung von   Besch&#228;ftigten, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen debattiert, andere   besch&#228;ftigten sich mit einer Neuaufstellung der bundesweiten   Forderungen, die jetzt in eine l&#228;ngerfristig arbeitende Arbeitsgruppe   gegeben wurde. Wieder ein anderes Thema ist Ausgrenzung der Sch&#252;lerInnen   aus der Bewegung: Sie wurden von Medien und Politikern zwar bewusst,   durch die Studierenden, aber gr&#246;&#223;tenteils unbewusst und ungewollt   ausgegrenzt. Um dem entgegen zu wirken soll ihnen jetzt mehr   Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dass Sch&#252;lerInnen und ihre Forderungen   schon seit dem Juni in der Berichterstattung und durch die   verantwortlichen PolitikerInnen nicht mehr zur Geltung kommen und wie   dies in Zukunft verhindert werden kann, kam allerdings wenig zur   Sprache. Hier h&#228;tte es eigentlich darum gehen m&#252;ssen, wie die   Forderungen der Sch&#252;lerInnen so unmissverst&#228;ndlich klar und in einem auf   die Kernforderungen reduzierten Katalog zugespitzt werden k&#246;nnen, dass   es unm&#246;glich wird sie zu ignorieren. Und es ist n&#246;tig, Strukturen zu   schaffen, in denen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler einen Platz finden, den sie   selbst&#228;ndig ausf&#252;llen und durch den sie ihre spazifischen Forderungen   und Anliegen zum Ausdruck bringen k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Sozialistische Ideen f&#252;r den Widerstand<\/h4>\n<p>  Zu Beginn der Konferenz gab es wegen dem Verkauf der Solidarit&#228;t &#8211;   Sozialistische Zeitung, eine Diskussion, ob politische Gruppen   Materialien verbreiten d&#252;rfen. Es ist sicher verst&#228;ndlich, dass die   Ablehnung etablierter Parteien und negative Erfahrungen mit   Vereinnahmungsversuchen durch politische Gruppen bei AktivistInnen   Skepsis gegen&#252;ber organisierten politischen Gruppen haben entstehen   lassen. Aber der freie Austausch von Meinungen und Ideen ist eine   notwendige Voraussetzung f&#252;r den Aufbau und den Erfolg einer   demokratischen Widerstandsbewegung. Gemeinsam mit anderen verteidigten   SAV-Mitglieder die Notwendigkeit f&#252;r Meinungsfreiheit in der Bewegung   und dass Organisationen und weitergehende Ideen ihre Berechtigung im   Bildungsstreik haben. Das in Potsdam geltende Materialverbot wurde   daraufhin teilweise aufgehoben. Bildung ist nicht losgel&#246;st von   gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen und wenn wir f&#252;r bessere Bildung   k&#228;mpfen, m&#252;ssen wir die Verteilung von Reichtum, die Frage, wer &#252;ber   Bildungsinhalte und Gestaltung bestimmt und das Profitsystem als ganzes   debattieren. Deshalb st&#228;rkt eine sozialistische Perspektive die Bewegung und   ist es sinnvoll, dass sich Sch&#252;lerInnen und Studierende auch   sozialistisch organisieren.<\/p>\n<p>  Insgesamt war das Treffen mit &#252;ber 150 AktivistInnen aus &#252;ber 40 St&#228;dten   sehr gut besucht, was auf die St&#228;rke der Bewegung in den letzten zwei   Monaten zur&#252;ckgeht, allerdings wurden Produktivit&#228;t und Motivation der   TeilnehmerInenn durch die endlosen Verfahrensdebatten ged&#228;mpft. Anstatt   sich stundenlang &#252;ber den Entscheidungsfindungsmodus zu streiten m&#252;ssen   wir endlich zu einer inhaltlichen Diskussion zur&#252;ckkehren, aus der wir   alle auch viel mehr mitnehmen k&#246;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bericht vom bundesweiten Bildungsstreiktreffen vom 18. bis 20. 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