{"id":13467,"date":"2010-01-05T16:00:00","date_gmt":"2010-01-05T16:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13467"},"modified":"2012-12-30T12:04:33","modified_gmt":"2012-12-30T11:04:33","slug":"13467","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/01\/13467\/","title":{"rendered":"&quot;Wir wollen leben &#8211; na klar&quot;"},"content":{"rendered":"<p>ewo2 &#8211; einfach nur gute linke Musik<\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p>Schon das erste Album des &#8222;kleinen elektronischen Weltorchesters&#8220; ewo2, das im Mai 2007 erschienene <em>&#8222;avantipopolo1&#8220;<\/em> \u00fcberraschte mit einer interessanten Auswahl von Arbeiterliedern in kreativer Interpretation und eingehenden eigenen St\u00fccken des Mannheimer Liedermachers Bernd K\u00f6hler, der das Herz von ewo2 ist. Das vor wenigen Monaten erschienene Folgealbum <em>&#8222;&#8230;in dieser Zeit avantipopolo2&#8220; <\/em>ist eine ebenso spannende Zusammenstellung internationaler Arbeiterlieder und K\u00f6hler-Songs &#8211; nur besser!<\/p>\n<h4><em>von Sascha Stanicic<\/em><\/h4>\n<p>K\u00f6hler singt auf dem neuen Album Italienisch, Deutsch und Franz\u00f6sisch. Er singt Lieder aus der 1848er Revolution, von Brecht und Eisler, das &#8222;Bella Ciao&#8220; der italienischen Partisanen und eigene in den K\u00e4mpfen der 1970er und 1980er Jahren entstandenen Songs. Dies macht deutlich, was ewo2 gelingt: musikalisch den Internationalismus der Arbeiterbewegung zum Ausdruck zu bringen und die Br\u00fccke aus den K\u00e4mpfen der Vergangenheit in die Gegenwart zu schlagen.<\/p>\n<p>\u201aavantipopolo2\u2019 beginnt mit einem traditionellen Lied der italienischen Arbeiterbewegung: \u201aLa Lega\u2019. Die Melodie ist auch dem deutschen Zuh\u00f6rer bekannt: O li o li o la \u2026 wir sind miteinander da \u2026in der italienischen Ursprungsfassung besingen LandarbeiterInnen die Gr\u00fcndung der \u201aLega\u2019 \u2013 der Arbeiterb\u00fcnde im Kampf gegen die Ausbeutung auf den Reisfeldern. Gefolgt wird dieses stimmungsvolle Kampflied von zwei St\u00fccken aus der 1848er Revolution: \u201aBet und arbeit\u2019 \u2013 getextet von Georg Herwegh mit der legend\u00e4ren Strophe: <em>Mann der Arbeit aufgewacht \/ und erkenne deine Macht \/ alle R\u00e4der stehen still \/ wenn dein starker Arm es will<\/em> \u2013 und das \u201aHeckerlied\u2019 \u00fcber den badischen Revolution\u00e4r Friedrich Hecker mit der wundersch\u00f6nen Textzeile <em>\u201aSchmiert die Guillotine mit Tyrannenfett \/ rei\u00dft die Konkubine aus des Pfaffens Bett \/ Ja 33 Jahre w\u00e4hrt die Knechtschaft schon \/ Nieder mit den Hunden von der Reaktion\u2019!<\/em><\/p>\n<p>Den musikalischen H\u00f6hepunkt des Albums erreicht man schon beim vierten Lied (was aber nicht gegen die darauf folgenden St\u00fccke spricht): eine fantastische Version des US-amerikanischen Folk-Klassikers \u201aSixteen Tons\u2019 \u00fcber die Arbeitsbedingungen in den Kohlegruben. Wer den Song in der kraftvollen Version der Redskins liebt, wird von dieser langsameren, aber nicht minder kraftvollen, Fassung gesungen von ewo2-Gitarrist Hans Reffert, begeistert sein.<\/p>\n<p>In dem CD-Booklet schreibt das Plattenlabel \u201aJump Up\u2019, bei dem die ewo2-Alben erscheinen, das Motto der CD k\u00f6nne \u201aElectronic music trifft Hanns Eisler\u2019 sein. Mit dem \u201aSolidarit\u00e4tslied\u2019, der \u201aResolution der Kommunarden\u2019 und dem weniger bekannten \u201aOh, Fallada, da du hangest oder, ein Pferd klagt an\u2019 sind gleich drei Brecht\/Eisler-St\u00fccke auf \u201aavantipopolo2\u2019 zu finden. ewo2 <em>\u201ab\u00fcrstet diese Lieder gegen den Strich\u2019<\/em>, wie es in dem Booklet hei\u00dft. Das ist zumindest gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, kommt das \u201aSolidarit\u00e4tslied\u2019 doch weniger als Kampfhymne denn als nachdenklich r\u00fcber. Aber wahrscheinlich ist es genau das, was ewo2 will \u2013 zum Nachdenken, und zum Widerstand, anregen.<\/p>\n<p>Ewo2 vertonen auch den gro\u00dfen Wladimir Majakowski und leisten so hoffentlich einen Beitrag, dass dieser revolution\u00e4re Poet und Dramatiker nicht in Vergessenheit ger\u00e4t.<\/p>\n<p>Es ist kein Zufall und mehr als gerechtfertigt, dass die Gruppe schon zwei \u00fcberregionale Musikpreise erhalten haben: den Sonderpreis \u201cPrix Courage\u201c beim Weltmusikfestival Creole-S\u00fcdwest und k\u00fcrzlich den renommierten \u201cPreis der deutschen Schallplattenkritik\u201c in der Sparte Lied und Chanson.<\/p>\n<p>Der politische H\u00f6hepunkt des Albums ist jedoch, zumindest f\u00fcr den Autor dieser Zeilen, der \u201aStahlwerkersong\u2019, geschrieben f\u00fcr die gro\u00dfe Stahlarbeiterdemo im Jahr 1983. In schlichten Worten dr\u00fcckt dieser Song die St\u00e4rke, die Kollektivit\u00e4t und gesellschaftliche Bedeutung der Arbeiterklasse aus: <em>Aus unseren H\u00e4nden entsteht dieser Stahl \/ aus ihm werden Kabel gedreht \/ Und Schiffe gebaut, die die Meere befahrn \/ und Masten f\u00fcr Elektrizit\u00e4t \/ Wir kommen aus Hamburg, Salzgitter und Kiel \/ wir kommen von der Ruhr, von der Saar \/ Und wir sind Stahlarbeiter und haben ein Ziel \/ wir wollen Leben \u2013 na klar.<\/em><\/p>\n<p>Genau so war es 1983 und genau so ist es auch noch heute. Und angesichts von Krise, Kurzarbeit und Entlassungen ist es h\u00f6chste Zeit, dass ArbeiterInnen dem im \u201aStahlwerkersong\u2019 dargelegten Aufruf folgen: <em>Die Regierungen ham uns in die Krise gehetzt \/ Regierung und Kapital \/ Nun wird von uns eine Marke gesetzt \/ du hast die Wahl \u2013 Kopf oder Zahl.<\/em><\/p>\n<p>Hoffen wir, dass ewo2 bald einen Autoarbeitersong schreiben k\u00f6nnen und ihn auf einer gemeinsamen Demonstration der Autoarbeiter in Deutschland \u2013 aus Bremen, Sindelfingen und K\u00f6ln \u2013 vortragen k\u00f6nnen. H\u00f6chste Zeit daf\u00fcr ist es.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/shop.sozialismus.info\/shop\/article_511\/ewo\u00c2\u00b2---avanti-popolo-2.html\">Hier bestellen im Online-Shop<\/a><\/p>\n<p><strong>Mehr Infos: <a href=\"http:\/\/www.ewo2.de\">www.ewo2.d<\/a>e<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      ewo2 &#8211; einfach nur gute linke Musik\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[71],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13467"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13467"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13467\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13467"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13467"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13467"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}