{"id":13466,"date":"2010-01-19T00:00:00","date_gmt":"2010-01-19T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13466"},"modified":"2010-01-19T00:00:00","modified_gmt":"2010-01-19T00:00:00","slug":"13466","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/01\/13466\/","title":{"rendered":"Wohin entwickelt sich die Weltwirtschaft?"},"content":{"rendered":"<p>  Kapitalismus ist in neue Periode der Krise eingetreten<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Kommt die schlimmste Nachkriegskrise zu einem Ende? Sind tats&#228;chlich   erste Anzeichen einer Erholung zu sehen, wie viele Politiker uns   weismachen wollen? Die Meinung dar&#252;ber ist geteilt &#8211; einige   Kommentatoren weisen schon auf die n&#228;chste Krise hin. Klar ist, dass es   sich um eine Zeit akuter &#246;konomischer Instabilit&#228;t handelt. Jegliches   Wachstum wird langsam sein, und die Kosten werden die Regierungen und   Konzerne auf die Schultern der Arbeiterklasse abladen. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Lynn Walsh, Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale (CWI)<\/i><\/h4>\n<p>  Der globale Kapitalismus wurde von der Krise die sich seit 2007   entwickelt hat in seinen Grundfesten ersch&#252;ttert. Niemand bestreitet,   dass es sich um die schlimmste Krise seit den 30er Jahren handelt. &quot;Der   Abschwung war in seiner Reichweite global&quot;, kommentiert die OECD, eine   Gruppe von 30 Industrienationen, &quot;obwohl sein finanzielles Epizentrum im   OECD-Bereich lag. Tats&#228;chlich haben die Verflechtungen von Handel und   Finanzwelt nach dem Einfrieren der Finanzm&#228;rkte in der zweiten H&#228;lfte   2008 einen synchronen Kollaps der Handelsaktivit&#228;ten ausgel&#246;st.&quot; (OECD   Pressemeldung, 24. Juni 2009)<\/p>\n<p>  Der Welthandel, der Motor der Globalisierung, ist mit einem Minus von 16   Prozent im Jahr 2009 zusammengebrochen. Die Summe der Verluste im Output   seit Anfang 2008 sind ernst: minus 5,14 Prozent in den europ&#228;ischen   OECD-L&#228;ndern, minus 8,4 Prozent in Japan, minus 3,55 Prozent in den USA,   mit einem OECD-Durchschnitt von minus 4,7 Prozent. In Britannien   betrugen die Verluste insgesamt minus 5,54 Prozent. Die Rezession wird   hier wahrscheinlich sogar noch l&#228;nger als in den meisten   Industriel&#228;ndern andauern. Irland und Island mussten insgesamt Verluste   von 9 Prozent hinnehmen, w&#228;hrend die T&#252;rkei sogar auf ein Minus von   13,92 Prozent kommt. (Quelle: Office for National Statistics, Economic   and Labour Market Review, Oktober 2009) Es gab sogar noch h&#246;here   Verluste in einigen Osteurop&#228;ischen L&#228;ndern: 18,4 Prozent in Litauen, 16   Prozent in Lettland, 14 Prozent in der Ukraine, 13,2 Prozent in Estland.<\/p>\n<p>  Die wirtschaftliche Krise ist auch ein ernster politischer Schlag f&#252;r   den Kapitalismus, besonders f&#252;r das Prestige der Industriel&#228;nder. &quot;Der   finanzielle und wirtschaftliche Crash, der schlimmste seit 75 Jahren,   ist ein gro&#223;er geopolitischer R&#252;ckschlag f&#252;r die USA und Europa.&quot; (Roger   Altman, Der Gro&#223;e Crash 2008, Foreign Affairs, Januar\/Februar 2009)<\/p>\n<p>  Die Spitzen des Weltkapitalismus tr&#246;sten sich, dass sie eine   &quot;Nah-Tod-Erfahrung&quot; &#252;berlebt h&#228;tten, und nur eine &quot;Gro&#223;e Rezession&quot;   anstatt eine &quot;Gro&#223;e Depression&quot; &#8211; einen katastrophalen Crash und eine   lange Periode der Depression &#8211; erleben. Ermutigt wurden sie durch ein   erneutes Wachstum in den USA (3,5 Prozent im dritten Quartal) und das   Wiederaufleben des Handels an den Weltb&#246;rsen. Ihr Optimismus ist   allerdings verfr&#252;ht. Sch&#228;tzungen der OECD, des IWFs und anderer dass   eine Erholung &quot;langsam und fragil&quot; sein wird, bleiben g&#252;ltig.<\/p>\n<p>  Die R&#252;ckkehr zu Wachstum des BIP, das heuer in Europa und Japan sehr   begrenzt sein wird, ist zu einem sehr gro&#223;en Teil abh&#228;ngig von   Staatsintervention in Form von Bankenrettungspaketen und   Konjunkturprogrammen. Viele kapitalistische Kommentatoren bef&#252;rchten,   dass die Weltwirtschaft wieder in die Rezession abrutscht, sobald diese   Programme auslaufen (sofern es keine weiteren Konjunkturpakete gibt) &#8211;   und damit eine sogenannte &quot;Double-Dip&quot; Rezession ausgel&#246;st wird.<\/p>\n<p>  Unabh&#228;ngig von der R&#252;ckkehr zu positiven Wachstumszahlen, wird die   Arbeitslosigkeit im n&#228;chsten Jahr weiterhin scharf ansteigen. Selbst   nach offiziellen Zahlen, die die wahre Situation untersch&#228;tzen, wird es   einen Anstieg um mehr als 25 Millionen Arbeitslose gegen&#252;ber dem   Tiefpunkt von 2007 geben. Jede noch so kleine Erholung wird au&#223;erdem von   der enormen Schuldenlast die auf der Weltwirtschaft liegt   zur&#252;ckgehalten. Riesige Summen an Verlusten im privaten Sektor, von   Banken und Finanzh&#228;usern, wurden an den Staat transferiert, w&#228;hrend das   Geld das von Zentralbanken in Form von Krediten in das System gepumpt   wurde ebenso die Budgetdefizite erh&#246;hen wird. Die Konjunkturprogramme   werden die Staatsschulden ebenso enorm erh&#246;hen, was zuk&#252;nftiges Wachstum   ebenso schw&#228;chen wird. Die &quot;Sprossen&quot; der Erholung, die von vielen   Kapitalisten gepriesen werden, sind in den meisten F&#228;llen, kranke   Pfl&#228;nzchen, die in trockener Erde wurzeln.<\/p>\n<h4>  Was k&#246;nnen die Konjunkturpakete bewirken?<\/h4>\n<p>  Massive Staatsintervention hat bis jetzt einen katastrophalen Kollaps   und einen verl&#228;ngerten Konjunkturr&#252;ckgang verhindert. Die Spitzen der   Industriel&#228;nder haben die historischen Fehler von 1929 vermieden, als   ihre Vorg&#228;nger unt&#228;tig blieben und das System kollabieren lie&#223;en.   Diesmal intervenierten sie in noch nie gesehenem Ausma&#223;. Die UNO   (Situation der Weltwirtschaft und Ausblick 2009) sch&#228;tzen dass die   Regierungen weltweit 18 Billionen Dollar (oder 30 Prozent des globalen   BIP) eingesetzt haben, um Banken zu retten und das Finanzsystem zu   st&#252;tzen. Gleichzeitig haben die gr&#246;&#223;ten kapitalistischen L&#228;nder   Konjunkturpakte im Ausma&#223; von 2,6 Billionen Dollar (oder 4 Prozent der   globalen Produktion) f&#252;r 2009-11 umgesetzt. Allerdings kommentiert der   UNO Bericht dass in Wirklichkeit pro Jahr Konjunkturpakete von 2-3   Prozent des globalen BIP n&#246;tig w&#228;ren um den veranschlagten Fall der   globalen Nachfrage auszugleichen.<\/p>\n<p>  Es ist sehr wahrscheinlich, dass im besten Fall die gro&#223;en   Volkswirtschaften f&#252;nf Jahr l&#228;nger ben&#246;tigen um die Verluste von   2008\/2009 wett zumachen. Die OECD sch&#228;tzt, dass es ein Anwachsen   struktureller Langzeitarbeitslosigkeit geben und die Kapitalbasis auf   l&#228;ngere Zeit reduziert werden wird &#8211; und damit auch die   Outputkapazit&#228;ten der gro&#223;en L&#228;nder.<\/p>\n<p>  Die R&#252;ckkehr zu Wachstum in den USA, der Welt gr&#246;&#223;ter Wirtschaft, und zu   gutem Wachstum in China (wahrscheinlich 9 Prozent dieses Jahr) waren die   entscheidenden Faktoren f&#252;r die begrenzte Erholung der Weltwirtschaft.   Das Wachstum in den USA geht fast zur G&#228;nze auf das Konjunkturprogramm   zur&#252;ck. Angesichts des anhaltenden Anstiegs der Arbeitslosigkeit und der   sich aufh&#228;ufenden Schulden, wird die Wirtschaft wieder in die Rezession   abrutschen, wenn es kein neues Paket gibt. Allerdings betont Obama zur   Zeit die Notwendigkeit das Budgetdefizit zu reduzieren, anstatt auf ein   neues Konjunkturpaket zu dr&#228;ngen. Die Nachfrage der US-Konsumenten f&#252;r   Industrieprodukte (die mehr als 70 Prozent der US Wirtschaft ausmachen)   ist nach wie vor ein entscheidender Faktor f&#252;r den Welthandel. Schwaches   oder negatives Wachstum in den USA bedeutet Krise f&#252;r die gro&#223;en   Exporteure wie China, Japan oder Deutschland.<\/p>\n<p>  Wachstum in China konnte nur aufgrund massiver Staatsintervention auf   hohem Niveau gehalten werden, mit einem 585 Milliarden Dollar Paket von   Investitionen und Krediten. Das spiegelt die wichtige Rolle wieder, die   der Staat in der chinesischen Wirtschaft immer noch spielt, trotz des   j&#252;ngsten Wachstums des privaten Sektors. Allerdings konzentriert sich   ein Gro&#223;teil der Investitionen auf Infrastrukturprojekte, anstatt die   L&#246;hne und den Lebensstandard der Massen anzuheben. Das chinesische   Regime baut immer noch auf ein Revival seiner Exportm&#228;rkte USA und   Europa.<\/p>\n<h4>  Eine neue Blase?<\/h4>\n<p>  Ein gro&#223;er Teil des Optimismus unter Investmentbankern und &#246;konomischen   Kommentatoren &#252;ber die &quot;Sprossen&quot; der Erholung geht auf das   Wiederaufleben der Aktienm&#228;rkte seit M&#228;rz 2009 zur&#252;ck (diese liegen   wieder 60 Prozent &#252;ber dem Tiefpunkt, allerdings noch 25 Prozent unter   dem fr&#252;heren H&#246;chststand). Es gibt besonderen Enthusiasmus unter   Spekulanten f&#252;r Finanzprodukte (Aktien, Anleihen, an der B&#246;rse   gehandelte Waren, Immobilien, etc.) und f&#252;r Investitionen in sogenannten   &quot;Emerging Markets&quot;, also in L&#228;ndern wie China, S&#252;dostasien, Brasilien   etc.<\/p>\n<p>  Der Abschwung war in diesen L&#228;ndern nicht so heftig wie in den   entwickelten kapitalistischen L&#228;ndern. Aber der Hauptgrund f&#252;r den   Investmentboom sind die ph&#228;nomenalen Profite die dort auf der Basis von   billigen Krediten gemacht werden k&#246;nnen. Banken, Hedge Fonds und andere   Finanzinstitutionen haben dank der Bankenrettung durch die Regierungen   der USA, Britannien und Europa Unmengen an Geld. Au&#223;erdem k&#246;nnen sie auf   der Basis von Staatsgarantien Geld zu sehr niedrigen Zinsen ausborgen.   Da sie im allgemeinen noch nicht zum &#252;blichen Level an Kreditvergaben an   Unternehmen zur&#252;ckgekehrt sind, l&#228;uft das Geld in spekulative Aktivit&#228;t.<\/p>\n<p>  Die Geldspritzen der US-Federal Reserve und anderer Zentralbanken hat   ebenso die Liquidit&#228;t der Finanzh&#228;user massiv erh&#246;ht. Die US-Federal   Reserve hat bis zu 1800 Milliarden an US-Regierungsanleihen, Mortgage   Backed Securities und anderen Formen von besicherten Krediten angekauft,   haupts&#228;chlich durch das Drucken von Geld (statt der Ausgabe von   Staatsanleihen &#8211; eine Form von Kreditaufnahme). Das repr&#228;sentiert eine   massive Injektion von Liquidit&#228;t in den Finanzsektor. Angesichts der   relativ niedrigen Zinsen die auf Staatsanleihen zu verdienen sind   ben&#252;tzen die Finanzh&#228;user ihre Kredite um in Aktien, Waren und andere,   profitablere, Anlagem&#246;glichkeiten zu investieren.<\/p>\n<p>  Zu dieser Injektion von Liquidit&#228;t kommt noch der Fall des US Dollars.   Zun&#228;chst stieg der Dollar paradoxerweise im Jahr 2008, trotz des   Abschwungs der US-Wirtschaft, haupts&#228;chlich weil Regierungen und   Spekulanten international US-Staatsanleihen als &quot;sicheren Hafen&quot; f&#252;r ihr   Geld ansahen. Aber seit M&#228;rz ist der Dollar sehr rasch gefallen. Durch   Short Selling (ein Weg vom Fall des Dollars zu profitieren) haben   Spekulanten de facto zu negativen Zinsen Dollar geborgt (zum Teil bis zu   10-20 Prozent negative Zinsen). Sie haben dann ihr Cash ben&#252;tzt um   Aktien, Anleihen, Waren, W&#228;hrungen etc.. zu kaufen, sowohl in der   entwickelten Welt wie auch den &quot;Emerging Markets&quot;. Spekulanten konnten   in diesen M&#228;rkten bis zu 50-70 Prozent Profite durch diese kurzfristigen   spekulativen Gesch&#228;fte machen.<\/p>\n<p>  Diese einfachen Profite repr&#228;sentieren eindeutig eine &quot;Erholung&quot; f&#252;r   Spekulanten. Aber diese neue Blase ist weit davon entfernt f&#252;r eine   wirkliche Erholung der US- oder Weltwirtschaft zu stehen.<\/p>\n<p>  &quot;Eines Tages&quot;, warnt Nouriel Roubini, &quot;wird diese Blase platzen und zum   gr&#246;&#223;ten koordinierten B&#246;rsencrash &#252;berhaupt f&#252;hren&quot;. (Mother of All   Carry Trades Faces an Inevitable Bust, Financial Times, 1. November)   Fr&#252;her oder sp&#228;ter wird der Dollar aufh&#246;ren zu fallen und die   Spekulanten werden nicht mehr so g&#252;nstig Geld borgen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Das Quantitative Easing Programm der Federal Reserve endet im Fr&#252;hling   2010. Jegliches Anheben der US-Zinsen, das kommt wenn das BIP-Wachstum   weitergeht, w&#252;rde ebenso die spekulativen Aktivit&#228;ten unterminieren.   Eine derartige &quot;L&#246;sung mag noch f&#252;r eine Weile aufgeschoben werden, da   schnelles Geld und die exzessive globale Liquidit&#228;t die Preise f&#252;r   Anlageprodukte noch eine Zeit in die H&#246;he treiben k&#246;nnen. Aber je l&#228;nger   und gr&#246;&#223;er diese Spekulationsaktivit&#228;ten und je gr&#246;&#223;er die Blase, desto   heftiger wird das Platzen dieser Blase. Die Fed und andere   Wirtschaftsspitzen merken nicht, welch ungeheure Blase sie da kreieren.   Je l&#228;nger sie blind bleiben, umso h&#228;rter werden die M&#228;rkte abst&#252;rzen.&quot;   (Roubini) Ein Crash dieser hochspekulativen Finanzm&#228;rkte w&#252;rde ohne   Zweifel jegliche Erholung der Weltwirtschaft beenden.<\/p>\n<h4>  Risiken f&#252;r den Kapitalismus<\/h4>\n<p>  Was sind die Aussichten f&#252;r die kapitalistische Weltwirtschaft? Es wird   sehr wahrscheinlich eine schwache, fragile Erholung geben, die f&#252;r ein   paar Jahre anhalten k&#246;nnte, die allerdings durch einen neuen Abschwung   zu einem Ende kommen k&#246;nnte, wenn erst einmal die staatlichen   Konjunkturpakete auslaufen. Die Spitzen des Kapitalismus sind selbst   unsicher ob es ein Revival von stabilem selbstgest&#252;tzten Wachstum geben   wird. Kurzfristige Fluktuation wird es weiter geben, wie immer im   Kapitalismus. Aber die neue Periode wird eindeutig gepr&#228;gt sein von   struktureller Arbeitslosigkeit, die gemeinsam mit gedr&#252;ckten Lohnniveau   und Sozialk&#252;rzungen die kapitalistischen M&#228;rkte untergraben wird.<\/p>\n<p>  Die Intervention der gro&#223;en kapitalistischen M&#228;chte hat bis jetzt ein   Schmelzen des Banken- und Finanzsystems verhindert. Dennoch gibt es   immer noch riesige Summen an faulen Krediten die im System versteckt   sind und die zu neuen Krisen des Bankensystem in den n&#228;chsten Jahren   f&#252;hren k&#246;nnen. Banker und Spekulanten k&#228;mpfen rigoros gegen Versuche   einer Regulierung des Finanzsektors. Die derzeitige Spekulationsblase an   den B&#246;rsen, besonders in den &quot;Emerging Markets&quot;, zeigen, dass die   Stabilit&#228;t der Weltwirtschaft von spekulativen Exzessen bedroht wird.   Viele ernsthafte Kommentatoren nehmen es f&#252;r selbstverst&#228;ndlich, dass es   nur eine Frage der Zeit ist bis zur n&#228;chsten Krise. &quot;Die Uhr tickt   unaufhaltsam in Richtung eines neuen Desasters&#8230;&quot; schreibt Francesco   Guerrera. (Countdown to Next Crisis, Financial Times, 16. Oktober)<\/p>\n<p>  Einige f&#252;rchten auch v&#246;llig zu Recht den politischen Backlash gegen ihr   System: &quot;Sobald die n&#228;chste Krise zuschl&#228;gt &#8211; und sie wird zuschlagen &#8211;   wird die frustrierte &#214;ffentlichkeit sich nicht nur gegen die Politiker   wenden die mit &#246;ffentlichen Geldern leichtsinnig um sich geworfen haben   oder gegen die Banker, sondern auch gegen das Marktsystem. Was nun auf   dem Spiel steht ist nicht nur die Zukunft des Finanzsystems, sondern die   Zukunft des Kapitalismus.&quot; (John Kay, Too Big to Fail is Too Dumb an   Idea to Keep, Financial Time, 27. Oktober)<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem wird es schwierig werden, eine Exit Strategie aus der Politik   von ultra-niedrigen Zinsen, locker sitzendem Geld und Quantitative   Easing (Geld drucken) zu finden, ohne den Kapitalismus zu gef&#228;hrden. Im   Augenblick hat Quantitative Easing keinen inflation&#228;ren Effekt, aufgrund   der deflation&#228;ren Trends in der Weltwirtschaft, wobei fallende Nachfrage   und die weltweiten &#220;berkapazit&#228;ten zu einem allgemeinen Preisverfall bei   industriellen G&#252;tern f&#252;hren. Gleichzeitig h&#228;ufen die Banken Geld an,   dass sie vom Staat in Form von Krediten erhalten haben. Sobald das   Wachstum wieder anspringt und die Banken beginnen, mehr ihrer Reserven   durch Kredite an Unternehmen in Umlauf zu bringen, wird ohne Zweifel die   Inflationsgefahr steigen. Allerdings k&#246;nnte ein fr&#252;hes Ende der   Stimulierung durch die Geldpresse einen neuen Abschwung provozieren. Auf   der andern Seite kann die Inflation explodieren wenn die   Liquidit&#228;tsspritzen weitergehen. &quot;Egal wie die Zentralbanken reagieren,   die Gefahr bleibt. Die richtige Strategie zu finden gleicht einem   Seiltanz &#252;ber den Abgrund. Und es kann gut sein, dass es keinen sicheren   Weg dar&#252;ber gibt. (Wolfgang Muchau, Countdown to the Next Crisis is   Already Under Way, Financial Times, 18. Oktober)<\/p>\n<p>  Gemeinsam mit der finanziellen Unterst&#252;tzung f&#252;r den Finanzsektor haben   diese staatlichen Konjunkturprogramme die Budgetdefizite der Regierungen   massiv in die H&#246;he getrieben. Viele Haushaltsdefizite der   Industriel&#228;nder wurden auf &#252;ber 10 Prozent hinauf gepusht. Angesichts   des Wiederwillens der kapitalistischen Regierungen die Konzerne und   Superreichen st&#228;rker zu besteuern werden diese Defizite die Wirtschaft   f&#252;r lange Zeit belasten. Die Regierungen werden versuchen, diese   Defizite durch K&#252;rzung von Staatsausgaben zu reduzieren, was weitere   Angriffe auf den Lebensstandard der Arbeiterklasse bedeutet. Zur selben   Zeit wird ein steigender Teil der weltweiten Ersparnisse (gesch&#228;tzte 25   Prozent in den OECD L&#228;ndern) in die Finanzierung dieser Defizite laufen.   Das wird das Kapital das f&#252;r &#246;ffentliche und private Investitionen zur   Verf&#252;gung steht reduzieren.<\/p>\n<h4>  Wachsende inner-imperialistische Spannungen<\/h4>\n<p>  Eine Periode von schwachem Wachstum wird die inner-imperialistischen   Spannungen in der Weltwirtschaft verst&#228;rken. Laut des Chefs der WTO,   Pascal Lamy, gibt es bereits auf niedrigem Level Handelskriege. Das kann   in den n&#228;chsten Jahren noch intensiver werden.<\/p>\n<p>  Vor allem wird die f&#252;hrende Rolle des US-Dollar in Gefahr sein. Die   Tatsache dass die USA ihre Schulden in ihrer eigenen W&#228;hrung zahlen   kann, war ein immenser Vorteil f&#252;r den US-Imperialismus. Aber der Preis   ist die gewaltige Anh&#228;ufung von Schulden gegen&#252;ber dem Rest der Welt. Ab   einem gewissen Punkt werden diese Schulden nicht mehr aufrecht zu   erhalten sein &#8211; was einen Kollaps der US-Staatsanleihen und des Dollars   zur Folge haben kann. Die Spitzen des Kapitalismus sind sich dieses   Problems durchaus bewusst, sind aber nicht f&#228;hig in geordneter Art und   Weise zu einem anderen W&#228;hrungssystem &#252;berzugehen (sie es durch ein   gemeinsames System der gro&#223;en W&#228;hrungen wie dem Euro, Yen und Yuan oder   &#252;ber spezielle Bezugsrechte (SDR &#8211; Special Drawing Rights) die durch den   IWF verwaltet werden). Ein Kollaps des Dollar w&#252;rde ein globales   W&#228;hrungschaos bedeuten und k&#246;nnte selbst einen neuen, noch tieferen   Einbruch der Weltwirtschaft ausl&#246;sen.<\/p>\n<p>  Einige Schwellenl&#228;nder wie Brasilien, Indien und L&#228;nder in S&#252;dostasien   scheinen den schlimmsten Auswirkungen der derzeitigen Krise entgangen zu   sein. Besonders der Anstieg der Preise von G&#252;tern (durch anhaltende   Nachfrage aus China und spekulative Gesch&#228;fte mit Futures auf G&#252;ter)   scheint den Produzenten dieser G&#252;ter zugute gekommen zu sein. Aber diese   gesch&#252;tzte Position wird nicht sehr lange andauern. Die darunter   liegenden sozialen Widerspr&#252;che in diesen L&#228;ndern werden von Tag zu Tag   dr&#228;ngender.<\/p>\n<p>  Seit 1980 hat der globale Kapitalismus immer wieder Wege aus einer Serie   von Krisen gefunden durch eine Reihe von Blasen (Finanzprodukten,   Immobilien und G&#252;tern). Aber die Krise seit 2007 markiert das Ende   dieser Auswege. Es mag neue Blasen und spekulative Exzesse geben. Aber   sie werden nicht das riesige inflation&#228;re Kissen bieten wie das in den   letzten 20-30 Jahren der Fall war. Der Kapitalismus ist in eine neue   Periode der Krise eingetreten.<\/p>\n<\/p>\n<h2>  Wie lang wird Erholung der US-Wirtschaft anhalten und wie stark wird sie   ausfallen?<\/h2>\n<p>  Die US-Wirtschaft scheint den Boden der Rezession Mitte des Jahres   erreicht zu haben &#8211; nun scheint es so als ob es den Beginn einer   Erholung g&#228;be, zumindest was das BIP-Wachstum angeht. F&#252;r die   ArbeiterInnen wird die Rezession allerdings weitergehen und sich sogar   intensivieren. Die Arbeitslosigkeit wird weiter steigen, w&#228;hrend die   L&#246;hne unter Druck stehen. F&#252;r den US-Kapitalismus war dies bisher die   l&#228;ngste Rezession seit den 1930ern (von Dezember 2007 bis Juli 2009,   &#252;ber 18 Monate). Seit Beginn 2008 ist das BIP um 3,55 Prozent   zur&#252;ckgegangen (zum Vergleich der OECD-Durchschnitt: minus 4,7 Prozent).<\/p>\n<p>  Die vorl&#228;ufigen Zahlen f&#252;r das 3. Quartal 2009 deuten ein BIP-Wachstum   von 3,4 Prozent an. Es hat ebenso eine Wiederbelegung an den US-B&#246;rsen   gegeben und einige der gro&#223;en Banken haben unl&#228;ngst angek&#252;ndigt dass sie   zur Profitabilit&#228;t zur&#252;ckgekehrt sind. Viele werden ihren Bossen riesige   Jahres-Boni zahlen &#8211; Goldman Sachs plant zum Beispiel 21 Milliarden   Dollar an Boni auszuzahlen. Das wird die Wut auf die Banker, die die   meisten Menschen f&#252;r die Schuldigen f&#252;r die Krise halten, verst&#228;rken.<\/p>\n<p>  Es gab keine Feierstimmung im Wei&#223;en Haus als die Zahlen f&#252;r das dritte   Quartal verlautbart wurden. &quot;Das Wei&#223;e Haus war mehr in Grabesstimmung   denn in Feierlaune &#8211; und passen sich damit der Meinung der W&#228;hler an,&quot;   kommentiert Edward Luce. (Angry Americans Feel They Are Still in Slump,   Financial Times, 29. Oktober)<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich sind die Arbeitslosenzahlen auf &#252;ber 10 Prozent gestiegen,   das sind mehr als 16 Millionen Menschen. Wenn man allerdings die   ArbeiterInnen in Kurzarbeit, Teilzeit und die neu in den Arbeitsmarkt   eingetretenen Menschen einschlie&#223;t, liegt die tats&#228;chliche Zahl bei etwa   17 Prozent. Mehr als 8 Millionen Jobs sind im Laufe der Rezession   verloren gegangen. Dies war das erste Mal seit der Gro&#223;en Depression in   den 30er Jahren dass eine Rezession das gesamte Plus an Jobs des   vorangegangenen Wirtschaftszyklus ausgel&#246;scht hat. Alles weist darauf   hin dass die Arbeitslosigkeit einige Jahre lang steigen wird selbst wenn   das Wachstum anh&#228;lt.<\/p>\n<p>  Der Anteil der Langzeitarbeitslosen steigt, die Jugendarbeitslosigkeit   liegt bei &#252;ber 50 Prozent. Einer von 9 ArbeiterInnen lebt mittlerweile   von Lebensmittelmarken.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend das BIP-Wachstum im 3. Quartal wieder angesprungen ist, fielen   die Realeinkommen um 3,4 Prozent. Sowohl die Produktivit&#228;t wie auch die   Profitabilit&#228;t der Unternehmen sind durch &quot;ungw&#246;hnlich aggressive   Kostenkontrolle&quot; gestiegen. (New York Times Leitartikel, 27. Oktober)   Kostenkontrolle bedeutet weniger Jobs, niedrigere L&#246;hne und eine   Intensivierung der Arbeit.<\/p>\n<p>  Der Hauptfaktor f&#252;r dieses Wachstum war eindeutig die Intervention der   Regierung und US-Notenbank durch das Konjunkturpaket und die finanzielle   Unterst&#252;tzung f&#252;r Hausbauer und den Immobiliensektor. Die Abwrackpr&#228;mie   hat die Zahlen bei den Autoverk&#228;ufen um &#252;ber 20 Prozent gehoben   (allerdings hat das nicht massiven Jobabbau und Lohnk&#252;rzungen in der   US-Autoindustrie verhindert). Dieses Programm hat alleine f&#252;r 1,9   Prozent von den 3,4 Prozent Wachstum im dritten Quartal gesorgt. Der   Rest ging darauf zur&#252;ck, dass Unternehmen ihre Lagerbest&#228;nde neu   aufgebaut haben, die bereits auf sehr niedrigem Niveau lagen. Die   Obama-Regierung behauptet dass das Konjunkturpaket zwischen 3 und 4   Prozent des BIP-Wachstums ausmacht. In anderen Worten, ohne das Paket   w&#252;rde es immer noch ein Negativwachstum geben. Aber das Konjunkturpaket   hat vermutlich nur weniger als eine Million Jobs gerettet.<\/p>\n<p>  Es gab auch eine Erholung auf den Immobilienm&#228;rkten, allerdings macht   dieser Sektor nun nur noch 2,4 Prozent des BIPs aus &#8211; im Unterschied zu   den 6,3 Prozent Ende 2005. Die Verk&#228;ufe gingen nach oben, zumindest   kurzfristig, durch die 8000 Dollar Kredite f&#252;r Erst-Hausk&#228;ufer und durch   die Unterst&#252;tzung der US-Notenbank f&#252;r den Hypothekenmarkt (durch den   Ankauf von strukturierten Papieren und besicherten Krediten &#8211; sie hat   damit die Rolle der Banken &#252;bernommen).<\/p>\n<p>  Das auf zwei Jahre veranschlagte Konjunkturpaket steht aber bereits bei   der H&#228;lfte seiner Laufzeit. Es sind gesch&#228;tzte 291 Milliarden Dollar   &#252;brig die in Infrastruktur und Hilfe an die Bundesstaaten gesteckt   werden k&#246;nnen, wobei 150 Milliarden Dollar noch f&#252;r Steuersenkungen   vorgesehen sind. Die gro&#223;e Frage ist, wird das Wachstum anhalten wenn   das Konjunkturpaket ausgelaufen ist? Viele b&#252;rgerliche Kommentatoren   haben ihre Zweifel. In einem Leitartikel (The Case for More Stimulus)   kommentiert die Financial Times: &quot;Ohne eine weitere Runde von   Konjunkturanreizen durch den Staat wird die schlimmste Rezession der   Nachkriegszeit wahrscheinlich bestenfalls nur zur schw&#228;chsten Erholung   der Nachkriegszeit.&quot; (27. Oktober) Der Artikel hat zu weiteren   Konjunkturma&#223;nahmen aufgerufen.<\/p>\n<p>  Die Erholung an den B&#246;rsen seit Jahresbeginn bedeutet keineswegs eine   gesunde Wirtschaft. Die gro&#223;en Banken und Finanzh&#228;user haben Unmengen an   Geld durch die Geldspritzen der US-Notenbank (im Prinzip hat dieses die   Geldpresse angeworfen um mehr Kredite an Banken zu erm&#246;glichen). Die   Banken sind allerdings nach wie vor sehr zur&#252;ckhaltend was die Kredite   an Unternehmen (besonders an mittlere und kleine) angeht. Mehr und mehr   ihrer Geldreserven wird daher in die B&#246;rsen gesteckt, wo sie h&#246;here   Renditen bekommen als wenn sie das Geld bei der Notenbank deponieren   oder in Staatsanleihen anlegen. Hier entsteht eine weitere Blase und sie   wird wahrscheinlich sehr bald platzen.<\/p>\n<p>  Keines der tiefer liegenden Probleme des US-Kapitalismus wurde gel&#246;st.   Ob es stabiles Wachstum gibt, wird davon abh&#228;ngen ob der Privatkonsum,   der mehr als 70 Prozent des BIP in den USA ausmacht, wieder anspringt.   Wachsende Arbeitslosigkeit, gedr&#252;ckte L&#246;hne und ein riesiger   Schuldenberg wird die Konsumausgaben in den n&#228;chsten Jahren drosseln.   Steigende Hauspreise werden diesmal kein Ausweg sein.<\/p>\n<p>  Der Fall des Dollars macht US-Exporte auf dem Weltmarkt billiger.   Allerdings hat die Deindustrialisierung der letzten Periode die   F&#228;higkeit des US-Kapitalismus, seine Marktanteile bei Industrieg&#252;tern zu   steigern, geschm&#228;lert. Eine R&#252;ckkehr zu Wachstum wird, wenn es stabil   sein soll, ein erneutes Ansteigen des US-Handelsdefizit und seiner   Verschuldung gegen&#252;ber dem Rest der Welt bedeuten.<\/p>\n<\/p>\n<h2>  China: Billige G&#252;ter und billige Kredite<\/h2>\n<p>  Ende 2008, als die Kreditklemme die Weltwirtschaft lahmlegte, wurde   China von einem massiven Absturz der Exporte getroffen (minus 15-20   Prozent). Das war das Resultat einer Krise der Konsumnachfrage in den   USA und Europa, ein schwerer Schlag f&#252;r Chinas exportorientierte   Wirtschaft.<\/p>\n<p>  Ein Jahr sp&#228;ter hat sich die chinesische Wirtschaft erholt, mit 8,9   Prozent Wachstum im dritten Quartal und der Wahrscheinlichkeit, dass das   gesamte Wachstum 2009 zumindest 8 Prozent betr&#228;gt. Das steht im   Gegensatz zu den meisten gro&#223;en L&#228;ndern die trotz j&#252;ngstem Wachstum mit   einem generellen Schrumpfen des BIPs 2009 konfrontiert sein werden.<\/p>\n<p>  Dieses Wachstum ist das Resultat einer massiven Intervention des Staats   der immer noch eine entscheidende Rolle in der chinesischen Wirtschaft   einnimmt. Im November 2008 hat das Regime ein riesiges Konjunkturpaket   im Rahmen von vier Billionen Yuan oder 585 Milliarden Dollar   angek&#252;ndigt. Das sind zum einen Teil Staatsausgaben und anderen Teil   eine immense Erh&#246;hung der Ausgabe von Krediten durch das staatlich   kontrollierte Bankwesen. Mehr als drei F&#252;nftel des Konjunkturpakets wird   in Infrastruktur investiert: Stra&#223;en, Br&#252;cken, Kraftwerke und ein   massiver Ausbau des Hochgeschwindigkeitsbahnnetzes. Zur selben Zeit hat   die Regierung eine sehr gro&#223;z&#252;gige Geldpolitik beibehalten, mit   niedrigen Zinsen und einer gro&#223;en Erh&#246;hung der im Umlauf befindlichen   Geldmenge. Es hat ebenso die Vergabe billiger Kredite f&#252;r   Industrieexporteure ausgedehnt.<\/p>\n<p>  Ein Ergebnis des Konjunkturpakets war, dass die fixen Investitionen, die   bereits hoch waren, um mehr als 30 Prozent im letzten Jahr gestiegen   sind. Es ist das Wachstum an Investitionen, dass die wahre Lokomotive   von Chinas Wirtschaft ist.<\/p>\n<p>  Die Profitabilit&#228;t der Industrieunternehmen hat begonnen sich zu   erholen, w&#228;hrend es ein Plus der privaten Investitionen (+30 Prozent von   Jahresbeginn bis August) gab, vor allem im Immobiliensektor und der   Bauwirtschaft. Es besteht wenig Zweifel, dass ein Teil des Geldes des   Konjunkturpakets in den Immobiliensektor gesteckt wird, allerdings   verbunden mit dem Auftreten von Blasensymptomen. Der spekulative   Immobiliensektor zieht ebenfalls Kapital von &#220;bersee an, mit der   Aussicht auf Profite und einer m&#246;glichen Neubewertung des Yuan\/Renminbi,   der chinesischen W&#228;hrung.<\/p>\n<p>  Es gibt ebenso ein Revival der Industrieproduktion sowie der Exporte von   Industrieg&#252;tern. Es gibt massive &#220;berkapazit&#228;ten in vielen Sektoren der   Industrie und das hatte scharfe Preissenkungen durch die Exporteure zur   Folge. Die Exporteure haben ebenso profitiert von der Tatsache, dass der   Yuan an den Dollar gebunden ist, und der Dollar in den letzten Monaten   im Wert gesunken ist. Damit sind die Preise f&#252;r chinesische Exporte auf   dem Weltmarkt gesunken. Chinesische Exporteure gewinnen so Marktanteile   auf Kosten anderer Exporteure (wie etwa Japan, Italien, Kanada und   Mexiko). Anstatt mit China in der Niedriglohnproduktion zu konkurrieren,   konzentrieren sich L&#228;nder wie Japan allerdings mehr und mehr auf den   Export von Kapitalg&#252;tern (Produktionsmittel, Komponenten von Maschinen   etc.). Eine Erholung von Chinas Wirtschaft wird daher einen   stimulierenden Effekt auf Japan und andere s&#252;dostasiatische L&#228;nder haben.<\/p>\n<p>  Obwohl China ein erhebliches BIP-Wachstum aufrecht erhalten hat, ist das   Konjunkturpaket eine Nofallma&#223;nahme, die die tiefen Ungleichgewichte der   chinesischen Wirtschaft nicht ausgleichen wird. Es wird auch die   sozialen Spannungen nicht l&#246;sen. Es wird die riesige Kluft zwischen   Land- und Stadtbev&#246;lkerung nicht verkleinern. Die Nachfrage die die   Wirtschaft nun aufrecht erh&#228;lt geht haupts&#228;chlich auf die Investitionen   in Infrastruktur zur&#252;ck und nicht auf eine Entwicklung im chinesischen   Binnenmarkt.<\/p>\n<p>  Angeblich sind auch die Ausgaben f&#252;r Soziales erheblich erh&#246;ht worden,   aber von einer sehr niedrigen Ausgangsbasis. Diese Ausgaben machen nur   20 Prozent des Konjunkturpakets aus. Aus Angst vor sozialen Unruhen auf   dem Land hat das Regime die Getreidepreise &#252;ber dem Weltmarktniveau   gehalten um die B&#228;uerInnen zu unterst&#252;tzen. Allerdings hatte der Anstieg   der Arbeitslosigkeit als Ergebnis des Abschwungs Ende 2008 einen   vernichtenden Effekt auf die l&#228;ndlichen Gegenden. Zu Beginn dieses   Jahres wurde gesch&#228;tzt dass 45 Millionen LandbewohnerInnen ihre Jobs   verloren oder ihren Ausstieg aus der Landwirtschaft verschoben haben. Im   August dieses Jahres hatten 32 Millionen einen Job gefunden, allerdings   zu meist niedrigeren L&#246;hnen als zuvor (um mindestens 10 Prozent   niedriger).<\/p>\n<p>  Die riesigen Summen an Investitionen und die billigen Kredite die mit   dem Konjunkturpaket zusammenh&#228;ngen haben die enorme Korruption, die in   China besteht, weiter gef&#246;rdert. Sie sind ebenso der Boden f&#252;r   spekulative Investitionen, besonders im Immobiliensektor.<\/p>\n<p>  Die Investitionen in Infrastruktur werden aber nicht das Ungleichgewicht   zwischen den USA und China aufl&#246;sen. Chinas Anteil an US-Importen ist   weiter gestiegen (China stellt nun 19 Prozent der US-Importe). Sein   Handels&#252;berschuss gegen&#252;ber den USA ist ebenfalls weiter gestiegen.   Dieses Jahr hat China seine Fremdw&#228;hrungsreserven in Dollar um weitere   741 Milliarden Dollar erh&#246;ht. Damit sitzt China auf insgesamt 2,27   Billionen Dollar W&#228;hrungsreserven (zum gr&#246;&#223;ten Teil gehalten in Dollar).   In anderen Worten, China st&#252;tzt weiter mit billigen G&#252;tern und billigen   Krediten den US-Konsum auf Kosten der chinesischen Arbeiterklasse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Kapitalismus ist in neue Periode der Krise eingetreten\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13466"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13466"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13466\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13466"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13466"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13466"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}