{"id":13461,"date":"2010-01-24T00:00:00","date_gmt":"2010-01-24T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13461"},"modified":"2010-01-24T00:00:00","modified_gmt":"2010-01-24T00:00:00","slug":"13461","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/01\/13461\/","title":{"rendered":"Begleitung des Abbaus"},"content":{"rendered":"<p>  R&#252;ckblick auf die Gewerkschaftspolitik 2009<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &#8222;Keine Entlassungen in 2009.&#8220; Mit diesem Motto ging die   Industriegewerkschaft Metall in das Krisenjahr. Die Idee: Mit Kurzarbeit   und Arbeitszeitverk&#252;rzung &#8211; bei entsprechend gesenkten Einkommen &#8211;   sollten die Absatzkrise &#252;berbr&#252;ckt und massenhafte K&#252;ndigungen vermieden   werden. In vielen Stammbelegschaften der Gro&#223;konzerne hat das &#8211; bis   jetzt &#8211; &#8222;funktioniert&#8220;. Bei Leiharbeitern, Befristeten und Hunderten   klein- und mittelgro&#223;en Betrieben nicht.<\/p>\n<p>  2008 hatte die Metallergewerkschaft noch eine gro&#223;e Kampagne zur   Organisierung von Leiharbeitern durchgef&#252;hrt. Doch als es im Folgejahr   zu Massenentlassungen kam &#8211; innerhalb weniger Wochen wurden eine   Viertelmillion Leiharbeiter auf die Stra&#223;e gesetzt &#8211;, blieb der   Aufschrei aus. So mancher Betriebsratsf&#252;rst d&#252;rfte die zuvor so   umworbenen Kollegen gar insgeheim als &#8222;Puffer&#8220; gesehen haben, durch den   Entlassungen in der Stammbelegschaft vermieden werden k&#246;nnten.<\/p>\n<p>  Auch in anderen Punkten hat die tiefste Wirtschaftskrise seit 80 Jahren   nicht dazu gef&#252;hrt, die Gewerkschaftsspitzen von ihrem Kurs der   &#8222;Sozialpartnerschaft&#8220; abzubringen. Im Gegenteil: In vielen F&#228;llen hat   sich das Co-Management &#8211; das B&#252;ndnis mit den &#8222;eigenen&#8220; Konzernherren zur   St&#228;rkung der Wettbewerbsf&#228;higkeit auf Kosten anderer Belegschaften &#8211;   versch&#228;rft. Symbolisiert wurde dies durch den &#246;ffentlichen   Schulterschluss des IG-Metall-Vorsitzenden Berthold Huber mit der nicht   gerade als Gewerkschaftsfreundin bekannten Elisabeth Schaeffler.<\/p>\n<h4>  <b>&#8222;Sozialvertr&#228;glicher&#8220; Abbau<\/b><\/h4>\n<p>  Die M&#246;glichkeiten, Widerstand gegen Entlassungen und   Betriebsschlie&#223;ungen zu organisieren, hat die weltweit gr&#246;&#223;te   Einzelgewerkschaft gr&#246;&#223;tenteils verstreichen lassen. In den Streiks bei   den Autozulieferern Continental, Federal Mogul, Mahle, Ebersp&#228;cher und   anderen &#8211; die teilweise mit hierzulande sonst un&#252;blichen radikalen   Aktionsformen verbunden waren &#8211; schien es der Gewerkschaftsspitze vor   allem darum zu gehen, die Situa-tion m&#246;glichst schnell wieder zu   beruhigen. Gleiches galt f&#252;r die spontanen Arbeitsniederlegungen im   Daimler-Werk Sindelfingen. Die Chance, die verschiedenen   Auseinandersetzungen zusammenzuf&#252;hren und der Gewerkschaft damit   insgesamt eine gr&#246;&#223;ere Schlagkraft zu verschaffen, blieb ungenutzt.   Stattdessen stand am Ende stets die mehr oder weniger   &#8222;sozialvertr&#228;gliche&#8220; Vernichtung von Arbeitspl&#228;tzen.<\/p>\n<p>  Auch gegen&#252;ber dem Versuch der Konzerne, die von ihnen verursachte Krise   durch Lohnsenkungen auf die Besch&#228;ftigten abzuw&#228;lzen, zeigte sich die   Gewerkschaftsspitze offen. Bei Daimler &#8211; dessen Management anderthalb   Jahre zuvor 6,2 Milliarden Euro durch Aktienr&#252;ckkaufprogramme verbrannte   und kurz darauf &#252;ber Liquidit&#228;tsprobleme klagte &#8211; akzeptierte sie ohne   jeglichen Widerstand Einkommensk&#252;rzungen von zwei Milliarden Euro. Und   bei Opel war die IG-Metall-F&#252;hrung im Zuge der Verhandlungen mit Magna   gar dazu bereit, den Fl&#228;chentarifvertrag deutlich zu unterschreiten.   Auch f&#252;r die Zukunft kommen aus der Frankfurter Vorstandsetage der   Metallergewerkschaft alles andere als k&#228;mpferische Signale. Bereits f&#252;nf   Monate vor Beginn der Tarifrunde in der Branche k&#252;ndigte Huber an,   Lohnsteigerungen st&#252;nden f&#252;r ihn nicht im Vordergrund.<\/p>\n<h4>  <b>Vorbild Geb&#228;udereiniger<\/b><\/h4>\n<p>  Mit den Kita-Angestellten hat gerade ein gewerkschaftlich weniger gut   organisierter Bereich wochenlange Streiks durchgehalten. Es wurde zwar   nur ein Teil der Streikziele erreicht. Einer breiten &#214;ffentlichkeit   wurde jedoch bewusst, unter welchen Bedingungen ErzieherInnen t&#228;glich   arbeiten m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Von den rund 860.000 Geb&#228;udereinigern waren zu Beginn der   Auseinandersetzung sogar nur 57.000 in der IG BAU organisiert. Mehr als   die H&#228;lfte putzt in Minijobs. Dennoch gelang es der Baugewerkschaft &#8211;   unter anderem mit Mitteln des &#8222;Organizing&#8220; &#8211; Arbeitsniederlegungen und   Aktionen auf die Beine zu stellen, die in der &#214;ffentlichkeit gro&#223;es   Aufsehen und Unterst&#252;tzung fanden. Damit erzielte diese Berufsgruppe   mitten in der Krise Gehaltssteigerungen, die sich im Vergleich mit IG   Metall und Co. sehen lassen k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Programmatische Kehrtwende n&#246;tig<\/h4>\n<p>  2010 wird f&#252;r die Gewerkschaften ein Jahr der Entscheidungen: Wollen sie   weiter der l&#228;ngst verlorenen &#8222;Sozialpartnerschaft&#8220; mit dem Kapital   nachlaufen oder auf kollektive Gegenwehr setzen? Die Kampfbereitschaft   der Belegschaften ist &#8211; das hat sich 2009 immer wieder gezeigt &#8211; in   vielen F&#228;llen vorhanden. Doch um diese zu nutzen, ist auch eine   programmatische Kehrtwende vonn&#246;ten. Wer die Ideologie vertritt, der   &#8222;eigene&#8220; Standort m&#252;sse gegen die Konkurrenz verteidigt und gest&#228;rkt   werden, kann nicht zu ernsthaftem Widerstand mobilisieren. Wer   akzeptiert, dass Wirtschaft und Gesellschaft nach Profitprinzipien   organisiert sind, kann der Arbeitsplatzvernichtung in Krisenzeiten   nichts entgegensetzen. Deshalb wird entscheidend sein, linke und   sozialistische Vorstellungen &#8211; die &#252;ber den bestehenden kapitalistischen   Rahmen hinausweisen &#8211; unter den Besch&#228;ftigten und in den Gewerkschaften   wieder zu etablieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      R&#252;ckblick auf die Gewerkschaftspolitik 2009\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[221],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13461"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13461"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13461\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13461"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13461"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13461"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}