{"id":13460,"date":"2010-01-23T00:00:00","date_gmt":"2010-01-23T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13460"},"modified":"2010-01-23T00:00:00","modified_gmt":"2010-01-23T00:00:00","slug":"13460","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/01\/13460\/","title":{"rendered":"Mit einem Comic gegen Links?"},"content":{"rendered":"<p>  NRW-Verfassungsschutz warnt Sch&#252;lerInnen vor politischem Engagement<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Im November erschien die dritte Ausgabe des &#8222;Andi&#8220;-Comics, dieses Mal   dem &#8222;Linksextremismus&#8220; gewidmet. Die ersten zwei Comics sollten vor   Rechtextremismus und Islamismus warnen. Herausgeber aller Hefte ist der   nordrhein-westf&#228;lische Verfassungsschutz. &#8222;Andi 3&#8220; startet mit einer   Auflage von 100.000. Von &#8222;Andi 2&#8220; wurden bereits 200.000 Exemplare   gedruckt.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Dima Radschuk, Aachen<\/i><\/h4>\n<p>  Mit dem neuen &#8222;Andi&#8220;-Comic werden Nazis, die in Deutschland nach der   kapitalistischen Wiedervereinigung 129 Menschen umgebracht haben, und   Linke gleichgestellt! &#8222;Jugendliche sollten dazu in der Lage sein,   extremistische Propaganda zu entlarven&#8220;, erkl&#228;rte der Innenminister Ingo   Wolf. Der Verfassungsschutz in Kooperation mit dem Schul- und   Innenministerium von NRW geht damit gegen AnarchistInnen, SozialistInnen   und alle politisch links eingestellten Menschen vor.<\/p>\n<h4>  Antikommunistische Traditionen<\/h4>\n<p>  Wirklich neu sind solche Materialien nicht. In den USA wurden zum   Beispiel nach dem Zweiten Weltkrieg Propagandafilme gedreht wie &#8222;Red   Nightmare&#8220; aus dem Jahr 1962.<\/p>\n<p>  Die Bundesrepublik sollte damals zum Bollwerk gegen den &#8222;Kommunismus&#8220;   werden. Genau deswegen wurde 1956 die KPD verboten, was fast 200.000   Verfahren gegen Mitglieder oder SympathisantInnen zur Folge hatte. In   den siebziger und achtziger Jahren wurden bundesweit insgesamt 1,4   Millionen Personen infolge des Extremistenbeschlusses &#252;berpr&#252;ft.<\/p>\n<p>  Heute kristallisiert sich langsam aber sicher wieder eine wachsende Wut   gegen&#252;ber dem Profitsystem heraus. Die Linkspartei legt zu &#8211; auch wenn   sie derzeit keineswegs offensiv f&#252;r eine sozialistische Politik   eintritt. Und das Schlimmste f&#252;r viele Politiker: Immer mehr Studierende   und andere lesen wie-der Marx, gehen auf Demos und besetzen H&#246;rs&#228;le!<\/p>\n<p>  Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, sollen linke AktivistInnen   kriminalisiert werden. Dar&#252;ber hinaus versuchen die heutigen   Staatsvertreter verschiedentlich, Jugendliche und abh&#228;ngig Besch&#228;ftigte   davon abzuhalten, politisch aktiv zu werden.<\/p>\n<h4>  &#8222;Andi&#8220;-Comic<\/h4>\n<p>  Worum geht es nun in dem Comic? Andi und sein Kumpel Ben besuchen ein   Konzert in einer von Autonomen besetzten Fabrik. Dort treffen sie einen   alten Bekannten von Ben, den militanten Autonomen Klaus. Nach ein paar   Dosen Bier und gr&#252;ndlicher Diskussion mit den Anarchisten bespr&#252;ht Ben   eine Wand und wird von der Polizei auf die Wache mitgenommen. Am   Wochenende geht Ben mit Klaus zu einer antifaschistischen Demo, die   nat&#252;rlich mit Randalen und brennenden Autos endet. Ben findet das nicht   gut und will kein Autonomer mehr sein. Punkt. Dann folgen neun Seiten   mit Informationen zu den Themen Links, Marxismus, Anarchismus und sogar   Trotzkismus.<\/p>\n<h4>  &#8222;Theorie&#8220;-Teil<\/h4>\n<p>  Der &#8222;theoretische&#8220; Schlussteil des Comics basiert auf der so genannten   &#8222;Totalitarismustheorie&#8220;. Dahinter steckt eine Gleichsetzung von   Faschismus und Kommunismus (wobei die B&#252;rgerlichen sowieso gern   Stalinismus als Sozialismus verkaufen wollen). Solch eine &#8222;Theorie&#8220;   vergleicht einfach oberfl&#228;chliche Erscheinungsformen einer Gesellschaft   mit einer an-deren, ohne den Dingen auf den Grund zu gehen. F&#252;r die   B&#252;rgerlichen war das notwendig geworden, um sich vom Nationalsozialismus   distanzieren zu k&#246;nnen. Sie wollen so vernebeln, dass die   Kapitalbesitzer von Krupp, Thyssen und so weiter Hitler an die Macht   brachten, um den Kapitalismus seinerzeit zu retten.<\/p>\n<p>  Der &#8222;theoretische&#8220; Teil des Comics wimmelt von Fehlern. Leo Trotzki war   beispielsweise angeblich &#8222;der &#220;berzeugung, eine einmalige Revolution   reiche nicht aus, man m&#252;sse zu einer permanenten Revolution kommen&#8220; (was   Trotzki eigentlich unter der Theorie der Permanenten Revolution   verstand, kann hier leider nicht erl&#228;utert, aber auf unserer Website   nachgelesen werden).<\/p>\n<p>  Der letzte Artikel des Hefts bespricht das Thema &#8222;Gewalt&#8220;. &#8222;Nur der   Staat darf zur Durchsetzung des Rechts Gewalt anwenden.&#8220; Den   &#8222;Linksextremisten&#8220; wird vorgeworfen, gegen den &#8222;neutralen&#8220; Staat zu   k&#228;mpfen. Dabei belegte der &#8222;neutrale&#8220; BRD-Staat zum Beispiel im Verlauf   der f&#252;nfziger und sechziger Jahre im Zusammenhang mit dem KPD-Verbot   &#252;ber 10.000 Personen mit Haftstrafen. Die Zahl der gegen Kommunisten   gef&#228;llten Urteile war im Zeitraum 1951 bis 1968 fast sieben Mal so hoch   wie die gegen NS-T&#228;ter. So neutral ist die b&#252;rgerliche Demokratie also   nicht.<\/p>\n<h4>  Demokratie<\/h4>\n<p>  Auf den letzten Seiten des Heftes wird ein Loblied auf die   &#8222;freiheitlich-demokratische Grundordnung&#8220; angestimmt. Aber einmal alle   vier Jahre zur Wahl zu gehen und danach Korruptionsskandale und   Lobbyistengerangel im Fernsehen verfolgen zu d&#252;rfen, kann doch nicht der   Gipfelpunkt der Volksherrschaft sein. F&#252;r &#8222;Linksextremisten&#8220;, nein, f&#252;r   uns als SozialistInnen bedeutet Demokratie jedenfalls die Teilhabe von   Millionen an Entscheidungen, die unser Leben direkt betreffen: ob   Produktionsplan, gerechte Verteilung, Umweltschutz, Gesundheits- oder   Bildungspolitik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      NRW-Verfassungsschutz warnt Sch&#252;lerInnen vor politischem Engagement\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[53],"tags":[221],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13460"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13460"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13460\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}