{"id":13455,"date":"2010-01-28T00:00:00","date_gmt":"2010-01-28T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13455"},"modified":"2010-01-28T00:00:00","modified_gmt":"2010-01-28T00:00:00","slug":"13455","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2010\/01\/13455\/","title":{"rendered":"1968 als Vorbild?"},"content":{"rendered":"<p>  Die Studierendenbewegung damals und heute<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b>Der 68er-Bewegung schwebten radikale Ver&#228;nderungen vor. Allerdings   ist ihr politisches Erbe noch einzul&#246;sen.<\/b><\/h4>\n<h4>  <i>von Max Brym, M&#252;nchen<\/i><\/h4>\n<p>  In der Bundesrepublik war fast das komplette Lehrpersonal der Nazis   nahtlos &#252;bernommen worden. Der Lehrstoff wurde von alten   Nazi-Professoren bearbeitet. Doch Mitte der sechziger Jahre wurde der   Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) immer st&#228;rker. Parolen   wurden laut wie: &#8222;Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren.&#8220; Die   Studierenden wollten einen anderen Unterricht und ein anderes   Lehrpersonal.<\/p>\n<h4>  Polarisierung<\/h4>\n<p>  Am 2. Juni 1967 gab es den Schah-Besuch in Westberlin. Viele   StudentInnen protestierten dagegen. Angeh&#246;rige des iranischen   Geheimdienstes SAVAK pr&#252;gelten, gedeckt von der deutschen Polizei, auf   die DemonstrantInnen ein. Am Abend wurde der unbewaffnete Student Benno   Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. Dieser Tag stellte eine Z&#228;sur   f&#252;r die damalige Studierendenbewegung dar, sie entwickelte sich deutlich   nach links. Mehr und mehr stellten den b&#252;rgerlichen Staat und den   Kapitalismus in Frage. Kampagnen gegen Notstandsgesetze, Vietnam-Krieg   und die damals erstarkende NPD spielten eine gro&#223;e Rolle.<\/p>\n<p>  Das Establishment reagierte mit H&#228;rte. Nach dem gro&#223;en Vietnam-Kongress   des SDS in Westberlin und der anschlie&#223;enden Demonstration im Februar   1968 kochten die Reaktion&#228;re &#252;ber. BILD schrieb von &#8222;den langhaarigen   Affen Ulbrichts&#8220;. Der Berliner Senat veranstaltete eine Kundgebung gegen   die Studierendenbewegung. Der charismatische Studentenf&#252;hrer Rudi   Dutschke wurde als &#8222;Volksfeind Nr. 1&#8220; angegriffen. Parolen wie &#8222;T&#246;tet   Dutschke&#8220; waren keine Seltenheit. Im Fr&#252;hjahr 1968 kam es dann zu einem   Attentat auf Dutschke. Daraufhin wurden in vielen westdeutschen   Gro&#223;st&#228;dten die Druckzentren von BILD belagert. Die Parole hie&#223;:   &#8222;Enteignet Springer!&#8220; In M&#252;nchen wurden anl&#228;sslich der Belagerung durch   die Polizei zwei Menschen get&#246;tet.<\/p>\n<h4>  Verbindung zu den Besch&#228;ftigten?<\/h4>\n<p>  Das Jahr 1968 war der Scheitelpunkt einer internationalen Bewegung.   Ph&#228;nomenal, wie fast zeitgleich Ende der sechziger Jahre in Westeuropa,   Japan oder Mexiko die Jugend revoltierte, in den USA Massenproteste   gegen den Vietnam-Krieg tobten, in Osteu-ropa der &#8222;Prager Fr&#252;hling&#8220;   Hoffnungen weckte und in Afrika die Befreiungsbewegung einen Aufschwung   nahm.<\/p>\n<p>  Was den StudentInnen in der Bundesrepublik in all dieser Zeit nicht   gelang, war eine relevante Verbindung zur Arbeiterklasse herzustellen.   Anders als in Frankreich zum Beispiel, wo die Studierendenunruhen in   Generalstreik und Betriebsbesetzungen m&#252;ndeten. Dabei gab es vor dem   Hintergrund der Rezession 1966\/67 auch in der BRD mit den   Massenprotesten der Bergleute beispielsweise ausreichend Ans&#228;tze.<\/p>\n<p>  Heute genie&#223;en die Forderungen der Studierenden &#8211; anders als 1968 &#8211;   Massensympathie in der Bev&#246;lkerung. Allerdings ist diese Sympathie   bislang im Wesentlichen passiv. Es gibt zwar jede Menge Gru&#223;worte von   den Gewerkschaften, aber von dieser Seite kommen fast keine Vorschl&#228;ge   f&#252;r gemeinsame soziale Proteste. Auch bei vielen StudentInnen ist das   Verst&#228;ndnis bez&#252;glich der Notwendigkeit eines kollektiven Widerstands   noch unterbelichtet. Trotzdem gibt es wichtige Debatten in den Plena der   H&#246;rs&#228;le zu dieser Frage. In M&#252;nchen wurde die Frage aufgeworfen, ob man   wirklich &#8222;f&#252;r freie Bildung und gleichzeitig f&#252;r Hartz IV und   Niedrigl&#246;hne sein&#8220; k&#246;nne. Viele StudentInnen merken, dass der Kontakt zu   den Arbeitenden und Arbeitslosen wichtig ist. Dieses Bewusstsein gilt es   auszubauen.<\/p>\n<h4>  Kapitalismus-Kritik<\/h4>\n<p>  In den sechziger Jahren setzte in der BRD sowohl unter den Studierenden   als auch unter den Besch&#228;ftigten eine Linksentwicklung ein, die &#8211; nach   dem Ende der Gro&#223;en Koalition &#8211; der SPD\/FDP-Regierung einige Reformen   abtrotzen konnte. Darunter die Einf&#252;hrung des BAf&#246;G im Jahr 1971. Die   bis 1970 &#252;blichen Pr&#252;gelstrafen an den Hauptschulen wurden verboten.   Zudem entstand ein anderes Verh&#228;ltnis zur Sexualit&#228;t, der   Kupplerparagraf (der Sex vor der Ehe untersagen wollte) wurde   abgeschafft.<\/p>\n<p>  Die Studierendenaktivisten von heute definieren sich selbst gro&#223;teils   nicht als links. Dies ist ein gravierender Unterschied zu 1968. Dennoch   ist jeder Akt des sozialen und demokratischen Protestes objektiv links.   Letzteres merken auch schon viele Student-Innen. Vor vierzig Jahren   stand immer die Systemfrage im Hintergrund. Weil die BRD sich als   Frontstaat gegen&#252;ber dem Ostblock beweisen musste. Aber auch, weil eine   gesellschaftliche Radikalisierung einsetzte. Die relativen Erfolge der   damaligen Bewegung lagen jedenfalls gerade auch an diesen Faktoren.<\/p>\n<h4>  Marx entdecken<\/h4>\n<p>  Ende der sechziger Jahre gab Willy Brandt aus: &#8222;Holt sie uns von der   Stra&#223;e.&#8220; Viele folgten diesem Ruf und wurden in das System integriert.   Andere bildeten maoistische Kleingruppen oder organisierten sich in   anderen antikapitalistischen Zusammenh&#228;ngen; zudem entstand die   Rote-Armee-Fraktion.<\/p>\n<p>  Es gab damals leider keine schonungslose Kritik am Stalinismus. Das   erleichterte es der Spitze von Gewerkschaften und SPD, die Bewegung zu   spalten.<\/p>\n<p>  Auch heute setzt wieder ein gr&#246;&#223;eres Interesse an marxistischer Theorie   ein. Um so wichtiger ist es &#8211; auf Grund der Erfahrungen von 1968 &#8211;, die   gesellschaftliche Alternative, die Notwendigkeit einer sozialistischen   Demokratie weltweit, klar herauszuarbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Studierendenbewegung damals und heute\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[50,90],"tags":[221],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13455"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13455"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13455\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13455"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13455"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13455"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}