{"id":13439,"date":"2009-12-11T13:00:00","date_gmt":"2009-12-11T13:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13439"},"modified":"2009-12-11T13:00:00","modified_gmt":"2009-12-11T13:00:00","slug":"13439","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/12\/13439\/","title":{"rendered":"Die &#8222;Gro&#223;e Rezession&#8220;: Arbeiterklasse soll zahlen"},"content":{"rendered":"<p>  Neue Dimension der Krise erfordert neue Dimension des Widerstands<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>&#8222;Wodurch &#252;berwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die   erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkr&#228;ften; anderseits   durch die Eroberung neuer M&#228;rkte und die gr&#252;ndlichere Ausbeutung alter   M&#228;rkte. Wodurch also? Dadurch, da&#223; sie allseitigere und gewaltigere   Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>  <b>Marx\/Engels, Kommunistisches Manifest<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Georg K&#252;mmel, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  In allen gro&#223;en Wirtschaftsr&#228;umen ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP)   zuletzt wieder gestiegen.<\/p>\n<p>  Im 3. Quartal 2009 wuchs die Wirtschaft gegen&#252;ber dem Vorquartal in den   USA um 3,5 Prozent, in Euroraum um 0,4 Prozent, in Deutschland um 0,7   Prozent. Wohlgemerkt, das ist der Anstieg gegen&#252;ber dem Vorquartal,   nicht gegen&#252;ber dem Vorjahr. Auf Jahresbasis gerechnet bleibt die   Wirtschaftsentwicklung im Minus. In Deutschland lag das BIP im 3.   Quartal um 4,8 Prozent unter dem entsprechenden Ergebnis vor einem Jahr.<\/p>\n<p>  Ob die j&#252;ngste Zunahme gegen&#252;ber dem Vorquartal eine Trendwende oder nur   ein Strohfeuer ist, kann niemand sagen. Fest steht aber, dass das was   von Wirtschaftsexperten gerne als &quot;Bodenbildung&quot; beschrieben wird, auf   Pump gekauft wurde.<\/p>\n<h4>  Aufschwung auf Pump<\/h4>\n<p>  Vernichtung von Produktivkr&#228;ften, (Abbau von &#220;berkapazit&#228;ten), Eroberung   neuer M&#228;rkte, intensivere Ausbeutung bestehender M&#228;rkte &#8211; diese   Ma&#223;nahmen wurden von Marx und Engels als die klassischen Mittel   beschrieben, um aus der Krise zu kommen. Es bestehen aber nach wie vor   gewaltige &#220;berkapazit&#228;ten, z.B. in der Autoindustrie. Neue M&#228;rkte sind   schwer zu finden, da praktisch die gesamte Welt heute kapitalistisch   ist. Gleichzeitig bleibt das Dilemma der Kapitalisten bestehen: um die   Krise zu &#252;berwinden m&#252;ssen sie gr&#246;&#223;ere vorbereiten.<\/p>\n<p>  Anders als vor 150 Jahren ist heute der Kredit, die Staatsverschuldung,   zum Hauptmittel geworden um die Krise zu &#252;berwinden. Die   Konjunkturprogramme wurden bzw. werden durch eine dramatisch wachsende   Staatsverschuldung finanziert. In Deutschland summierten sich die   Staatsschulden im Jahr 2008 auf etwas &#252;ber 1500 Milliarden Euro, das   entsprach 63 Prozent des BIP.<\/p>\n<p>  F&#252;r 2009 erwartet die Bundesbank einen Anstieg auf 72 Prozent. Bis 2011   wird eine weiteres Anwachsen des Schuldenberges auf ca. 80 Prozent des   BIP angenommen.<\/p>\n<p>  Nur durch die Aufnahme neuer Schulden war es m&#246;glich, den Banken ihre   faulen Kredite abzunehmen, Konjunkturprogramme wie die Abwrackpr&#228;mie zu   finanzieren, L&#246;cher in den Sozialversicherungskassen zu stopfen und   gleichzeitig sinkende Steuereinnahmen auszugleichen. Demn&#228;chst will man   obendrein neue Steuergeschenke f&#252;r die Wirtschaft und Reiche auf Kredit   finanzieren.<\/p>\n<p>  Diese Schulden m&#252;ssen aber mit Zinsen zur&#252;ckgezahlt werden. Der Staat   leiht sich das Geld derzeit bei denen, die viel Geld haben: sogenannte   institutionelle Anleger und reiche Privatpersonen. F&#252;r Zins und Tilgung   wird dann die breite Masse der Bev&#246;lkerung zur Kasse gebeten, &#252;ber   Erh&#246;hung von Massenverbrauchssteuer und &#252;ber K&#252;rzungen bei den   &#246;ffentlichen Ausgaben.<\/p>\n<p>  Schon daraus ergibt sich, dass die Folgen der Krise nur verschoben   wurden und sp&#228;ter mit Zins und Zinseszins von Besch&#228;ftigten,   Erwerbslosen, RentnerInnen bezahlt werden sollen. Die Schulden von heute   sind die K&#252;rzungen von morgen.<\/p>\n<p>  Neben der Staatsverschuldung war und ist die Ausweitung der Geldmenge   durch die Europ&#228;ische Zentralbank (EZB) ein wichtiges Mittel, um die   Krise zun&#228;chst einmal zu &#252;berwinden. Mehrfach konnten sich die Banken   f&#252;r die Dauer von einem Jahr Geld in praktisch unbegrenzter H&#246;he bei der   EZB leihen. Den Leitzins senkte die EZB auf das Rekordtief von nur noch   einem Prozent.<\/p>\n<p>  Das hatte eine enorme Ausdehnung der Geldbasis zur Folge. (Geldbasis:   Geldmenge, die von der Zentralbank in Umlauf gebracht wird). Die   Geldbasis im Euroraum hat sich von seit Mitte 2008 verdoppelt, von unter   600 Milliarden Euro auf &#252;ber 1100 Milliarden Ende September 2009.   (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.11.2009). Die Banken nehmen   das Geld und investieren es in neue Spekulationsgesch&#228;fte an den   Aktien-, Rohstoff-, Immobilien- und Devisenm&#228;rkten. Im Moment f&#252;hrt das   zu Kurssteigerungen an diesen M&#228;rkten. Sp&#228;ter kann das aber auch einen   steilen Anstieg der Inflation zur Folge haben.<\/p>\n<h4>  Wer zahlt?<\/h4>\n<p>  Wir leben in einer Klassengesellschaft. Deshalb stellt sich die Frage:   Wer soll die Krise zahlen? Die Besitzenden oder die Besch&#228;ftigten bzw.   Besch&#228;ftigungungslosen? Das Ausma&#223; der Krise wird deutlich, wenn man sie   mit fr&#252;heren R&#252;ckg&#228;ngen der Wirtschaft vergleicht. In allen Rezessionen   der Nachkriegszeit ist das das BIP der Bundesrepublik in einem Jahr nie   um mehr als 0,9 Prozent geschrumpft. 2009 wird es um fast f&#252;nf Prozent   zur&#252;ckgehen.<\/p>\n<p>  Die Kapitalisten haben nat&#252;rlich nicht vor, ihre Krise selber zu   bezahlen. Andererseits war in ihren Reihen die Bef&#252;rchtung gro&#223;, dass   eine schnelle und harte K&#252;rzungspolitik zu einer dramatischen Vertiefung   der Wirtschaftskrise f&#252;hren k&#246;nnte mit unkalkulierbaren politischen   Folgen.<\/p>\n<p>  Deshalb wurde und wird zum Mittel der Staatsverschuldung gegriffen.<\/p>\n<p>  Aber auch die jetzt schon sp&#252;rbaren Krisenfolgen sind hart. Rund 600.000   Menschen, die ihren Arbeitsplatz in den letzten 12 Monaten verloren und   keinen neuen Job gefunden haben, sind direkt zu Hartz-IV-Empf&#228;ngern   geworden.<\/p>\n<p>  Die Real-Einkommen der Besch&#228;ftigten werden auch 2009 sinken, trotz   Tariferh&#246;hungen und niedriger Inflationsrate. Ursache sind Kurzarbeit,   unbezahlte Arbeitszeitverk&#252;rzung und Abbau &#252;bertariflicher Leistungen.<\/p>\n<p>  Offiziell waren im November 3,2 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet,   227.000 mehr als vor einem Jahr.<\/p>\n<p>  Immer noch gibt es mehr als eine Million Kurzarbeiter. Bei einem   Arbeitsausfall von knapp einem Drittel bedeutet dies, dass es ohne   Kurzarbeit rund 320.000 Arbeitslose mehr geben w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Zahlreiche Firmen haben f&#252;r die n&#228;chsten Monate Stellenabbau und   Entlassungen angek&#252;ndigt. F&#252;r 2010 wird ein Anstieg der Arbeitslosenzahl   um durchschnittlich 600.000 erwartet, allerdings unter der   Voraussetzung, dass die Wirtschaft wieder um &#252;ber ein Prozent w&#228;chst.<\/p>\n<p>  Der sogenannte &#8222;sozialvertr&#228;gliche Stellenabbau&#8220; den viele gro&#223;e   Konzerne planen, bedeutet, dass noch mehr Jugendliche zu   Dauerarbeitslosigkeit oder Billigjobs verurteilt werden<\/p>\n<p>  W&#228;hrend auf Bundesebene neue Schulden gemacht und Probleme auf sp&#228;ter   verschoben werden, stehen viele Kommunen schon jetzt vor der Pleite.   Welche Auswirkungen das haben kann, zeigt das Beispiel Wuppertal. Die   Stadt hat 1,8 Milliarden Euro Schulden. Jetzt hat der Oberb&#252;rgermeister   ein radikales K&#252;rzungspaket vorgelegt. Unter anderem sollen f&#252;nf, (von   elf), Schwimmb&#228;der und einige Schulen geschlossen werden. Die Stadt will   das Schauspielhaus aufgeben, die F&#246;rderung f&#252;r Sportvereine und   Sozialinitiativen k&#252;rzen und die Kita-Beitr&#228;ge erh&#246;hen.<\/p>\n<p>  Das Jahr 2010 wird noch h&#228;rter als 2009. Selbst im g&#252;nstigsten Fall   werden wir mit massiver Arbeitsplatzvernichtung, sinkenden Einkommen,   Geb&#252;hrenerh&#246;hungen, kommunalen K&#252;rzungen konfrontiert sein. Die   wirtschaftliche Lage kann sich jederzeit wieder zum Schlechteren wenden.<\/p>\n<p>  Die Krise hat eine neue Dimension, der Widerstand dagegen muss ebenfalls   eine neue Dimension haben. Radikaler, massenhafter Protest,   einschlie&#223;lich Streik und Generalstreik, sind n&#246;tig, damit wir nicht f&#252;r   eine Krise zahlen, die wir nicht zu verantworten haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Neue Dimension der Krise erfordert neue Dimension des Widerstands\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13439"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13439"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13439\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13439"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13439"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13439"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}