{"id":13437,"date":"2009-12-08T17:24:23","date_gmt":"2009-12-08T17:24:23","guid":{"rendered":".\/?p=13437"},"modified":"2009-12-08T17:24:23","modified_gmt":"2009-12-08T17:24:23","slug":"13437","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/12\/13437\/","title":{"rendered":"Zetsche und Co. Stoppen &#8211; Streiks fortsetzen und ausweiten"},"content":{"rendered":"<p>  <a href=\"\/media\/m\/200912081729052009-12-08-proteste-sindelfingen.pdf\">Flugblatt   der SAV Stuttgart vom 8. Dezember 2009<\/a><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h2>  Zetsche und Co. Stoppen &#8211; Streiks fortsetzen und ausweiten<\/h2>\n<h2>  Eint&#228;giger Generalstreik gegen Arbeitsplatzvernichtung, kommunale   K&#252;rzungen und &#8222;Stuttgart 21&#8220;<\/h2>\n<p>  Die Daimler-Bosse wollen die C-Klasse 2014 aus Sindelfingen wegverlagern   und damit bis zu 8.000 Arbeitspl&#228;tze vernichten. Bis Anfang Dezember   verweigerten sie Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IGM. Als vom   2. bis 4. Dezember die Arbeiter in Sindelfingen spontan die Arbeit   niederlegten und die Proteste auf Untert&#252;rkheim und Mettingen   &#252;bergriffen, konnte es Zetsche pl&#246;tzlich nicht schnell genug mit   Verhandlungen gehen. Der streikbedingte Produktionsausfall von 1.000   Autos pro Streiktag in Sindelfingen und die Folgewirkung des Stillstands   der B&#228;nder im Werk Rastatt n&#246;tigten Zetsche bei den   Betriebsversammlungen am 7.12. vor die Belegschaft zu treten und das   Blaue vom Himmel zu versprechen.<\/p>\n<p>  Trotz Verlagerung werde &#8222;kein einziger Job in Sindelfingen verloren   gehen&#8220;&#8230;&#8220;Die n&#228;chste Generation der E- und der S-Klasse wird definitiv   in Sindelfingen gebaut&#8220;&#8230;.Sindelfingen bleibe das &#8222;Herz von Mercedes&#8220;   und der &#8222;Treiber unserer technologischen Innovation, der Dreh- und   Angelpunkt f&#252;r die zweite Erfindung des Automobils&#8220; Angesichts der Wut   der Besch&#228;ftigten setzt Zetsche sogar noch das Versprechen drauf, dass   200 zus&#228;tzliche Arbeitspl&#228;tze entstehen w&#252;rden. Aber von sch&#246;nen Worten   und leeren Versprechungen l&#228;sst sich die Daimler-Belegschaft nicht mehr   t&#228;uschen und beruhigen. In beiden Schichten weigerten sich die Arbeiter   am 7.12. nach der Betriebsversammlung an die B&#228;nder zu gehen.<\/p>\n<h4>  Keine faulen Kompromisse<\/h4>\n<p>  In einer Situation, in der es in der Autoindustrie 30 Prozent   &#220;berkapazit&#228;ten gibt, Belegschaften bei den Zulieferer, im Maschinen-   und Werkzeugbau mit dem R&#252;cken zur Wand stehen, w&#228;re es fatal, wenn der   bei Daimler Sindelfingen begonnene Widerstand durch eine Vereinbarung   gebrochen wird, die nur betriebsbedingte K&#252;ndigungen ausschlie&#223;t. Seit   2004 hat der Daimler-Konzern ohne betriebsbedingte K&#252;ndigungen 30.000   Arbeitspl&#228;tze abgebaut. Bei de facto f&#252;nf Millionen Arbeitslosen gibt es   keinen sozialvertr&#228;glichen Arbeitsplatzabbau mehr. Wenn Zetsche davon   redet, Arbeitspl&#228;tze durch das Zur&#252;ckholen von ausgelagerten Bereichen   zu sichern, dann ist das keine Arbeitsplatzsicherung, sondern die   Verlagerung von Arbeitsplatzvernichtung auf Belegschaften der   Zulieferindustrie. Betriebsrat und IGM d&#252;rfen sich darauf nicht   einlassen.<\/p>\n<h4>  Schluss mit Verzichtspolitik<\/h4>\n<p>  Jeder Arbeitsplatz in Sindelfingen und in allen in- und ausl&#228;ndischen   Daimler-Werken muss verteidigt werden. Die ganze Politik von   Lohnverzicht und Arbeitsintensivierung muss gestoppt werden. Das f&#252;r   2009 und 2010 angek&#252;ndigte milliardenschwere   Personalkostenk&#252;rzungsprogramm muss weg! Statt 10% Kapitalrendite muss   das Ziel hei&#223;en: sichere Arbeitspl&#228;tze f&#252;r alle, humane   Arbeitsbedingungen, k&#252;rzere Arbeitszeiten bei vollem Lohn- und   Personalausgleich, die &#220;bernahme aller Azubis und mehr Ausbildungspl&#228;tze.<\/p>\n<h4>  Bosse feuern<\/h4>\n<p>  Immer wieder ert&#246;nten bei den Demos am 4.12. in Sindelfingen und   B&#246;blingen Sprechch&#246;re: &#8222;Zetsche raus&#8220;, &#8222;Vorstand raus&#8220;. Und diese   Manager geh&#246;ren tats&#228;chlich gefeuert. Denn sie vertreten die Interessen   der Gro&#223;aktion&#228;re. Und so lange die Profitinteressen der Aktion&#228;re   Daimler und die Wirtschaft bestimmen, haben die arbeitende Menschen und   die Jugend keine Perspektive. Die Krise bei Daimler ist Teil der   Systemkrise. Diese Krise bedeutet f&#252;r den Mittleren Neckarraum eine   Deindustrialisierung. Das Tempo der Arbeitsplatzvernichtung wird noch   schneller und die Auswirkungen noch schlimmer sein als der Niedergang   des Bergbaus und der Stahlindustrie im Ruhrgebiet. Obendrein soll die   arbeitende Bev&#246;lkerung f&#252;r die krisenbedingten Steuerausf&#228;lle bluten. In   Stuttgart soll am 17. und 18. Dezember ein Haushalt verabschiedet   werden, der die Einwohner mit 75 Millionen K&#252;rzungen bzw.   Geb&#252;hrenerh&#246;hungen belastet. Gleichzeitig wird daran festgehalten mit   dem Wahnsinnsprojekt S 21 die Profitinteressen der Konzerne und   Immobilienspekulanten zu bedienen.<\/p>\n<h4>  Volle Kampfkraft in die Waagschale werfen<\/h4>\n<p>  Die spontanen Streiks bei Daimler Sindelfingen am 2.und 3., die   Demonstrationen nach Sindelfingen und B&#246;blingen mit 15.000 bzw. 8.000   Kolleginnen und Kollegen am 4.12., die spontane Arbeitsniederlegung in   einem Bereich in Mettingen in der Nachtschicht vom 4. auf den 5.12. 12.   haben das Vertrauen in die eigene St&#228;rke enorm aufgebaut und die   Stimmung radikalisiert. Aufgabe der IGM ist es, die k&#228;mpferische   Stimmung zu nutzen, um die Bewegung entschlossen weiter aufzubauen und   die Kampfschritte zu steigern. Aus den Belegschaften heraus muss daf&#252;r   Druck aufgebaut werden. Dazu ist es n&#246;tig, dass sich k&#228;mpferische   Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben zusammenschlie&#223;en,   Betriebsgruppen wie die &#8222;Alternative&#8220; bilden, Kampfvorschl&#228;ge machen,   eigene Flugbl&#228;tter und Zeitungen herausgeben, weitere Streiks und   Kampfschritte initiieren und sich betriebs&#252;bergreifend vernetzen.<\/p>\n<p>  Wir meinen: eine Streikbewegung, wie in Sindelfingen ist &#252;berf&#228;llig. Sie   muss fortgef&#252;hrt und auf andere Metallbetriebe in der Region, auf alle   Daimler-Standorte, auf Opel und alle andere Belegschaften und   Gewerkschaften ausgedehnt werden. Radikale Angriffe aus den Chefetagen   verlangen radikale Kampfma&#223;nahmen. Die Politik des Co.Management durch   Betriebsr&#228;te und Gewerkschaftsfunktion&#228;re muss beendet werden. In den   Abteilungen und Werken sollten demokratisch legitimierte Streikleitungen   gew&#228;hlt werden, die die Streiks und regelm&#228;ssige Abteilungs- und   Betriebsversammlungen organisieren. Die Mitglieder dieser   Streikleitungen sollten jederzeit abw&#228;hlbar sein.<\/p>\n<h4>  Regionaler eint&#228;giger Generalstreik<\/h4>\n<p>  Zeitgleich mit der Kundgebung bei Daimler-Sindelfingen gab es bei   K&#252;hler-Behr am 1.12. eine Protestbetriebsversammlung gegen die   Vernichtung von 440 Arbeitspl&#228;tzen und weiteren Verzicht. Nach der   Betriebsversammlung blockierten 200 Kollegen f&#252;r ca. 20 Minuten die   B10\/B27 zum Pragsattel. Zeitgleich mit den Betriebsversammlungen und   Arbeitsniederlegungen bei Daimler-Sindelfingen am 7.12. gab es vor der   Konzernzentrale von Mahle eine Protestaktion gegen   Arbeitsplatzvernichtung. Die Belegschaft beim Filterhersteller Mann +   Hummel in Ludwigsburg k&#252;ndigte Widerstand gegen die Vernichtung von 400   Arbeitspl&#228;tzen an. In Stuttgart und in Sindelfingen gibt es Proteste   gegen kommunale K&#252;rzungen. Am 9.12. soll die Entscheidung &#252;ber S 21   fallen. Jeden Montag gibt es derzeit von 18.00 bis 18.30 am Stuttgarter   Bahnhof eine Protestaktion. Die Zahl der Protestierer war am 7.12. auf   &#252;ber 2.500 angestiegen. An der Uni Stuttgart halten Studierende seit   Mitte November einen H&#246;rsaal besetzt. Es w&#228;re wichtig und notwendig die   Proteste all dieser zugespitzten Auseinandersetzungen zusammenzuf&#252;hren.   Ein eint&#228;giger Generalstreik Mitte Dezember und eine Gro&#223;demonstration   in Stuttgart w&#228;re die richtige Antwort eines geb&#252;ndelten und   gesteigerten Widerstands.<\/p>\n<h4>  Krisenursachen beseitigen &#8211; Kapitalismus abschaffen<\/h4>\n<p>  Wenn die Unternehmer sagen, der Konkurrenzkampf und die Krise zwinge sie   dazu Arbeitspl&#228;tze zu vernichten und Lohnkosten zu senken, spricht das   nicht f&#252;r Arbeitsplatzvernichtung und Lohnsenkung, sondern gegen das   Profit- und Konkurrenzsystem. Wenn das Privateigentum an   Produktionsmitteln dazu f&#252;hrt, dass der Masse der Bev&#246;lkerung die   Existenzgrundlage entzogen wird, dann muss den Unternehmern die   Kontrolle &#252;ber die Produktionsmittel entzogen werden. Nicht umsonst   steht in &#167; 2, Absatz 4 der Satzung der IGM als Ziel: &#8222;&#220;berf&#252;hrung von   Schl&#252;ssel- und anderen markt- und wirtschaftsbeherrschenden   Unternehmungen in Gemeineigentum&#8220; Nur wenn die Autoindustrie   verstaatlicht und unter demokratische Verwaltung und Kontrolle der   Belegschaften und der Allgemeinheit gestellt werden, ist es m&#246;glich die   Kapazit&#228;ten f&#252;r den gesellschaftlichen Bedarf von &#246;ffentlichen   umweltfreundlichen Verkehrsmitteln und anderen staatlich finanzierten   Produkten umzustellen. Profite, die bisher von den Aktion&#228;ren   abgesch&#246;pft werden, stehen dann zur Finanzierung von   Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich, f&#252;r humane   Arbeitsbedingungen, f&#252;r Forschung und Entwicklung von sinnvollen und   gesellschaftlich n&#252;tzlichen Produkten zur Verf&#252;gung.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>Stuttgart, den 08. Dezember 2009<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <a href=\"\/media\/m\/200912081729052009-12-08-proteste-sindelfingen.pdf\">Flugblatt<br \/>\n      der SAV Stuttgart vom 8. 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