{"id":13435,"date":"2009-12-02T21:00:00","date_gmt":"2009-12-02T21:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13435"},"modified":"2009-12-02T21:00:00","modified_gmt":"2009-12-02T21:00:00","slug":"13435","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/12\/13435\/","title":{"rendered":"Spontanstreik bei Daimler in Sindelfingen"},"content":{"rendered":"<p>  Belegschaft reagiert mit Arbeitsniederlegung auf Vorstandsentscheidung,   C-Klasse-Produktion zu verlagern<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b><i>von Karl Neumann (zuerst erschienen in der Jungen Welt vom 3.   Dezember 2009)<\/i><\/b><\/h4>\n<p>  Die Besch&#228;ftigten im Daimler-Werk Sindelfingen haben am Mittwoch mit   einer spontanen Arbeitsniederlegung auf die Entscheidung des Managements   reagiert, die Produktion der C-Klasse in die USA zu verlagern. Am   Vormittag standen rund 4000 Arbeiter vor dem Verwaltungsgeb&#228;ude des   gr&#246;&#223;ten Konzernstandorts und forderten eine Stellungnahme der   Werkleitung. Teilnehmer beschrieben die Stimmung als &#8222;aufgeladen,   aggressiv&#8220;. Die Besch&#228;ftigten seien &#8222;stinksauer&#8220; &#252;ber die Entscheidung,   die laut Betriebsrat etwa 3000 Arbeitspl&#228;tze in der Fabrik gef&#228;hrdet.<\/p>\n<p>  Zuvor hatte der Vorstand der Daimler AG beschlossen, die Modelle der   C-Klasse ab 2014 nicht mehr in Sindelfingen zu bauen. &#8222;Dieser Schritt   ist aus strategisch-wirtschaftlicher Sicht unabdingbar, damit wir mit   Mercedes-Benz auch in Zukunft wettbewerbsf&#228;hig bleiben und die   Wachstumschancen nutzen k&#246;nnen&#8220;, begr&#252;ndete Konzernchef Dieter Zetsche   den Schritt. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats (GBR), Erich Klemm,   nannte die Entscheidung hingegen &#8222;grundlegend falsch und in ihrer   Wirkung fatal&#8220;. &#8222;Die Menschen brauchen Sicherheit und Perspektiven hier   am Standort&#8220;, forderte er. Von dem spontanen Wutausbruch der Belegschaft   wurde aber offenbar auch der GBR-Chef &#252;berrascht. Als erste Ma&#223;nahmen   hatte er lediglich die Streichung zus&#228;tzlicher Samstagschichten,   Abteilungsversammlungen sowie eine au&#223;erordentliche Betriebsversammlung   am kommenden Mittwoch angek&#252;ndigt.<\/p>\n<p>  Die Sp&#228;tschicht schlo&#223; sich der Aktion am Mittwochnachmittag sofort an   und nahm die Arbeit erst gar nicht auf. Bis Redaktionsschluss wurde die   Produktion nicht wieder angefahren. Aktivisten gingen davon aus, da&#223; die   B&#228;nder auch in der Nacht stillstehen w&#252;rden. Am heutigen Donnerstag will   die Belegschaft um 9 Uhr und um 16 Uhr erneut zu Kundgebungen vor dem   Werkstor zusammenkommen. Da sich die in Sindelfingen produzierte   E-Klasse derzeit gut verkauft, d&#252;rfte der durch die Bandstillst&#228;nde   verursachte &#246;konomische Schaden betr&#228;chtlich sein.<\/p>\n<h4>  <b>&#8212;&#8212;&#8212;-<\/b><\/h4>\n<h2>  <b>Kostenoptimaler Abbau<\/b><\/h2>\n<p>  <b>Daimler begr&#252;ndet Verlagerung der C-Klasse mit W&#228;hrungsschwankungen   und geringeren Produktionskosten. IG Metall, Linke und Kleinaktion&#228;ren   &#252;ben Kritik. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Karl Neumann (aus der Jungen Welt vom 3. Dezember 2009)<\/i><\/h4>\n<p>  Die Besch&#228;ftigten von Daimler in Sindelfingen sind sauer. Spontan   hielten sie am Mittwoch fr&#252;h die B&#228;nder an, nachdem die Entscheidung des   Konzernvorstands bekannt geworden war, die C-Klasse nicht mehr in der   traditionsreichen Fabrik montieren zu lassen. K&#252;nftig soll das   bestverkaufte Pkw-Modell des Stuttgarter Autobauers in Bremen,   S&#252;dafrika, China und den USA produziert werden. In der Fabrik Tuscaloosa   im US-Bundesstaat Alabama, wo derzeit die Mercedes-Modelle R-, M- und   GL-Klasse gefertigt werden, sollen hierf&#252;r laut Produktionschef Rainer   Schm&#252;ckle ab 2014 zwischen 1000 und 1200 neue Stellen geschaffen werden.<\/p>\n<p>  In Sindelfingen, wo zurzeit t&#228;glich 660 Fahrzeuge der C-Klasse vom Band   laufen, arbeiten nach Betriebsratsangaben rund 4500 der insgesamt 20 000   Produktionsmitarbeiter an diesem Modell. Durch die Verlagerung der   Montage des Premium-Roadster SL von Bremen nach Sindelfingen reduziert   sich der Arbeitsplatzverlust im S&#252;dwesten demnach auf etwa 3000. Das   Unternehmen sprach hingegen von &#8222;rund 1800 betroffenen Mitarbeitern,   denen auch zuk&#252;nftig attraktive Besch&#228;ftigungsm&#246;glichkeiten angeboten&#8220;   w&#252;rden.<\/p>\n<p>  An dem Szenario des Arbeitsplatzabbaus, vor dem der Gesamtbetriebsrat   immer gewarnt habe, habe sich nichts ge&#228;ndert, erkl&#228;rte dessen   Sprecherin Silke Ernst. Zur Ank&#252;ndigung, alternative Arbeitspl&#228;tze zur   Verf&#252;gung zu stellen, sagte sie am Mittwoch gegen&#252;ber junge Welt: &#8222;Dann   sollen sie uns diese konkret nennen: Welche Produkte, welche Aufgaben   sollen nach Sindelfingen kommen, um die Arbeitsplatzverluste durch die   C-Klasse auszugleichen &#8211; und zwar komplett?&#8220; Sie forderte den Konzern   auf, den langfristigen Ausschlu&#223; betriebsbedingter K&#252;ndigungen   vertraglich festzuschreiben und ein tragf&#228;higes Besch&#228;ftigungskonzept   vorzulegen.<\/p>\n<p>  &#8222;Aufgrund des starken Wettbewerbs im Segment der C-Klasse ist f&#252;r uns   eine kostenoptimale Aufstellung der Produktion f&#252;r die Zukunft enorm   wichtig&#8220;, lie&#223; Schm&#252;ckle wissen. &#8222;Dies gilt neben den Produktionskosten   auch f&#252;r die mit dem Standort in Verbindung stehenden Zoll- und   Logistikvorteile.&#8220; Zentrale Begr&#252;ndung f&#252;r die Verlagerung in die USA   ist, da&#223; Daimler damit unabh&#228;ngiger vom Wechselkurs werde. Aktuell   verteuern sich infolge des starken Euro die Exporte in den   nordamerikanischen Markt, in dem der deutsche Autobauer &#8222;zus&#228;tzliche   Wachstumschancen&#8220; ausmacht.<\/p>\n<p>  Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth bezifferte die Kostenreduzierung   durch die Verlagerung in die USA auf 2000 Euro pro Fahrzeug. Er k&#252;ndigte   am Mittwoch an, in den kommenden Tagen Gespr&#228;che mit dem Betriebsrat   &#252;ber die Zukunft von Sindelfingen zu f&#252;hren. Einen Lohnverzicht wie 1996   und 2004 &#8211; als der Konzern mit der Drohung, die C-Klasse zu verlagern,   Einkommensk&#252;rzungen und Arbeitszeitflexibilisierung durchgesetzt hatte &#8211;   wird es laut Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm dabei nicht geben. &#8222;Wenn   wir jetzt erneut &#252;ber die Sicherung von Besch&#228;ftigung am Standort   Sindelfingen verhandeln m&#252;ssen, dann werden wir definitiv nicht &#252;ber   Zugest&#228;ndnisse der Besch&#228;ftigten sprechen.&#8220; Der Vorstand stehe in der   Verantwortung f&#252;r die Sindelfinger Belegschaft und m&#252;sse sich dieser   stellen, &#8222;statt als Jobkiller aufzutreten&#8220;, so Klemm.<\/p>\n<p>  Kritik an der Verlagerung kommt auch von der Partei Die Linke und vom   &#8222;Dachverband der kritischen Aktion&#228;re Daimler&#8220; (KAD). Richard Pitterle,   Bundestagsabgeordneter der Linksfraktion aus Sindelfingen, erkl&#228;rte, der   Konzern verabschiede sich &#8222;St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck vom Produktionsstandort   Deutschland &#8211; das ist nicht hinnehmbar&#8220;. KAD-Sprecher J&#252;rgen Gr&#228;llin   sagte am Mittwoch in Stuttgart: &#8222;Anstatt die Arbeitspl&#228;tze im Werk   Sindelfingen durch neue, verbrauchsarme und damit konkurrenzf&#228;hige   Automobile zu sichern, setzt der Daimler-Vorstand auf Rendite um jeden   Preis. Diese Konzernstrategie geht auf Kosten der Besch&#228;ftigten.&#8220;<\/p>\n<p>  Der Zweite Bevollm&#228;chtigte der Stuttgarter IG Metall, Uwe Meinhardt,   warf dem Daimler-Management &#8222;Arroganz und Mi&#223;achtung der Besch&#228;ftigten&#8220;   vor. Entlassungen m&#252;&#223;ten ausgeschlossen werden. Bis zur Unterzeichnung   einer solchen Vereinbarung werde die Gewerkschaft &#8222;keine Ruhe geben&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Belegschaft reagiert mit Arbeitsniederlegung auf Vorstandsentscheidung,<br \/>\n      C-Klasse-Produktion zu verlagern\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13435"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13435"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13435\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13435"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13435"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13435"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}