{"id":13433,"date":"2009-12-03T18:00:00","date_gmt":"2009-12-03T18:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13433"},"modified":"2009-12-03T18:00:00","modified_gmt":"2009-12-03T18:00:00","slug":"13433","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/12\/13433\/","title":{"rendered":"Ein Jahr &#8222;Krisenbek&#228;mpfung&#8220; durch die G20"},"content":{"rendered":"<p>  Das Elend f&#252;r die arbeitenden Menschen geht weiter<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Vincent Kolo, chinaworker.info<\/i><\/h4>\n<p>  Der Aufschwung an den B&#246;rsen der letzten Monate deutet darauf hin, dass   der globale Kapitalismus seine &#8222;Nahtoderfahrung&#8220; von vor einem Jahr, die   durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 ausgel&#246;st   wurde, &#252;berstanden hat. In den letzten Wochen wurden aus dem Reden &#252;ber   &#8222;gr&#252;ne Triebe&#8220; zunehmend optimistische Voraussagen einer   Wirtschaftserholung. Die Finanzm&#228;rkte haben diese unterstellte Erholung   schon eingepreist, was ihre dramatische Erholung im letzten halben Jahr   belegt. Der MSCI-World-Index, der alle f&#252;hrenden B&#246;rsen misst, ist seit   dem 8. M&#228;rz um 68 Prozent gestiegen &#8211; der gr&#246;&#223;te Anstieg, seit er 1970   eingef&#252;hrt wurde. Dies bedeutet den &#8222;gr&#246;&#223;ten Aktienboom seit den   1930ern&#8220;, rief ein Analyst aus, dem anscheinend die Ironie in diesen   Worten entging.<\/p>\n<p>  Was an den Finanzm&#228;rkten passiert, steht v&#246;llig im Widerspruch zum   wirklichen Zustand der Wirtschaft. Sie haben begonnen, die spektakul&#228;ren   Verluste der vergangenen 18 Monate auf der Grundlage einer beispiellosen   Welle von staatlich finanzierter Liquidit&#228;t wettzumachen. Banken, die   Rettungspakete im Billionenumfang erhielten, beteiligen sich wieder an   hochriskanten Spekulation und &#8222;machen Gegendruck&#8220;, um Joseph Stiglitz zu   zitieren, gegen Versuche, ihnen strengere Regulierungen und eine   Beschr&#228;nkung solcher T&#228;tigkeiten aufzuzwingen. Die politischen F&#252;hrer   und Notenbanker der Welt haben es also geschafft, durch beispiellose   Staatseingriffe eine neue Finanzblase zu schaffen, die allerdings   wahrscheinlich kurzlebig sein kann und schnell einer weiteren Welle von   Finanzpanik Platz machen kann. Dies ist besonders der Fall, wenn, wie es   am wahrscheinlichsten ist, die viel beschworere Erholung nicht   Wirklichkeit wird oder in eine Rezession mit &#8222;doppeltem Eintauchen&#8220; oder   in &#8222;W-Form&#8220; zur&#252;ck gleitet.<\/p>\n<p>  Der Internationale Gewerkschaftsdachverband (ITUC) wies in seiner   Pittsburgher Erkl&#228;rung vor dem G20-Treffen vom September darauf hin,   dass &#8222;die Saat einer neuen Krise bereits ges&#228;t wird&#8220;. Die massiven   Geldspritzen durch die Regierungen der Welt, Rettungsma&#223;nahmen f&#252;r   Banken plus Konjunkturprogramme wie Steuersenkungen und Unterst&#252;tzung   f&#252;r Wohnungs- und Autoverk&#228;ufe, haben es vor&#252;bergehend geschafft, den   wirtschaftlichen Fall abzupolstern, aber um den Preis, Rekorddefizite   aufzut&#252;rmen und schon unhaltbare Ungleichgewichte in der globalen   Wirtschaft zu verschlimmern.<\/p>\n<p>  Man sollte sich daran erinnern, dass die, die heute das Ende der   globalen Rezession verk&#252;nden, die selben &#8222;Experten&#8220; sind, denen die   Gefahrenzeichen das letzte Mal entgingen. Hier passen die Worte von   George Orwell sehr gut: &#8222;Politische Sprache dient dazu, dass L&#252;gen wahr   klingen und Mord respektabel und um dem reinen Wind einen Anschein von   Festigkeit zu geben.&#8220; In Wirklichkeit gibt es bestenfalls eine   Stabilisierung der Weltwirtschaft auf einem neuen niedrigeren Niveau,   auf das es Ende 2008 st&#252;rzte. Der Leitartikel der &#8222;Financial Times&#8220; vom   27. Juli fasste das zusammen, als er erkl&#228;rte: &#8222;Die Erholung entspricht   zu einem Gutteil dem Gesetz der Physik. Wenn man etwas auf den Boden   fallen l&#228;sst, h&#252;pft es wieder hoch.&#8220;<\/p>\n<p>  Der Welthandel, der das Wirtschaftswachstum jahrzehntelang antrieb, wird   sein erstes Schrumpfen &#252;ber einen Jahreszeitraum seit 1982 erleben, aber   diesmal wird der Fall viel gr&#246;&#223;er sein &#8211; rund 10 Prozent. Die   Europ&#228;ische Union gab k&#252;rzlich bekannt, dass ihre eigene &#8222;Erholung&#8220;   begonnen habe. Trotzdem erwartet sie immer noch ein Schrumpfen des   Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,1 Prozent dieses Jahr und ein   0,1-Prozent-Schrumpfen 2010. Die j&#252;ngste Vorhersage des IWF f&#252;r die   US-Wirtschaft ist ein Fall um 2,7 Prozent dieses Jahr. Stiglitz sagt   voraus: &#8222;Wir gehen in eine ausgedehnte Periode einer schwachen   Wirtschaft, einem wirtschaftlichen Unwohlsein.&#8220; Sein Mitkeynesianer   Nouriel Roubini warnt, dass ein &#8222;doppeltes Eintauchen&#8220; oder eine lang   gezogene &#8222;U-f&#246;rmige&#8220; Rezession am wahrscheinlichsten sind. Die   Einsch&#228;tzungen der n&#252;chterneren Bourgeois best&#228;tigen, wof&#252;r das CWI und   MarxistInnen eingetreten sind. Wir haben gewarnt, dass die Welt nicht   vor einem &#8222;normalen&#8220; Konjunkturabschwung steht, sondern vor einer   organischen, strukturellen Krise des Kapitalismus, die sich &#252;ber Jahre   erstrecken wird und weitere scharfe Schrumpfungsperioden und   vor&#252;bergehende Erholungen umfassen wird &#8211; aber schwache Erholungen, die   jede Erleichterung f&#252;r Arbeiterhaushalte weitgehend ausschlie&#223;en.<\/p>\n<h4>  Die keynesianische Erholung &#8211; wer gewinnt?<\/h4>\n<p>  Regierungen haben weltweit, angef&#252;hrt vom US-Kapitalismus, beispiellose   keynesianische (benannt nach dem britischen &#214;konomen John Maynard Keynes   1883-1946) Rettungsprogramme aufgelegt, um Banken zu st&#252;tzen, und auch   die Zinsen auf Null gesenkt und massive Geldbetr&#228;ge durch &#8222;quantitative   Lockerung&#8220; (was Laien &#8222;Geld drucken&#8220; nennen) in die Wirtschaft gepumpt.   Der IWF sch&#228;tzt, dass reiche L&#228;nder 9,2 Billionen (9.200.000.000.000)   Dollar an staatlicher Unterst&#252;tzung f&#252;r den Finanzsektor ausgegeben   haben, w&#228;hrend &#228;rmere &#8222;sich entwickelnde Wirtschaften&#8220; 1,6 Billionen   Dollar ausgegeben haben, die ebenfalls atemberaubend sind. Wie ein   Leitartikel in der &#8222;South China Morning Post&#8220; (15. September)   kommentierte: &#8222;Die Krise hat die Ideologie des freien Marktes ernsthaft   geschw&#228;cht &#8230; Sie hat Staatskapitalismus und Intervention Schwung   verliehen, eine Regierungsweise, die von vielen sich entwickelnden   L&#228;ndern, besonders von China favorisiert wird. Von den   fortgeschrittensten kapitalistischen L&#228;ndern bis zu armen   Entwicklungsl&#228;ndern hat man in einem Gro&#223;teil der Welt gesehen, dass der   Staat der vorherrschende wirtschaftliche Akteur wurde.&#8220;<\/p>\n<p>  Es wird aber t&#228;glich klarer, dass haupts&#228;chlich die Reichen, die Banker   und Spekulanten von dieser Politik gewinnen. Regierungen in den   f&#252;hrenden kapitalistischen Staaten haben Verluste des Finanzsektors in   den &#246;ffentlichen Sektor verschoben, also den Steuerzahlern aufgeb&#252;rdet.   Dies ist &#8222;Sozialismus f&#252;r die Reichen&#8220;, wie es viele   Wirtschaftskommentatoren genannt haben, oder wie andere sagen,   &#8222;Sozialismus mit amerikanischen Besonderheiten&#8220;. Es ist unn&#246;tig zu   sagen, dass diese Politik &#8211; die dazu da ist, den Kapitalismus in einer   Krisenperiode zu verteidigen &#8211; &#252;berhaupt nichts mit Sozialismus   gemeinsam hat. Aber trotz der Aufgabe des Neoliberalismus in Worten und   Angriffen auf den &#8222;Kult des Marktes&#8220;, wie das der franz&#246;sische Pr&#228;sident   Sarkozy nennt, setzen die Regierungen f&#252;r die Masse der Bev&#246;lkerung   neoliberale Angriffe in Form von Lohnk&#252;rzungen, Privatisierung und   brutalen Haushaltsk&#252;rzungen fort.<\/p>\n<p>  In der herrschenden Klasse geht eine Debatte &#252;ber eine   &#8222;Ausstiegsstrategie&#8220; weiter, die anzeigt, dass sie die gegenw&#228;rtige   keynesianische Phase als vor&#252;bergehend sehen. Die meisten   kapitalistischen Regime verstehen, dass eine &#8222;Ausstiegsstrategie&#8220; &#8211;   Haushalte wieder ausgleichen, Erh&#246;hen der Zinsen und ein Ende der   Konjunkturprogramme &#8211; in dieser Phase unm&#246;glich ist. Aber ihre   Diskussionen sind eine Warnung vor dem, was kommen wird: dieser   &#8222;Ausstieg&#8220; ist eine Umschreibung f&#252;r noch gr&#246;&#223;ere K&#252;rzungen und eine   koordinierte Kampagne, die Arbeiterklasse die Rechnung f&#252;r die heutigen   Krisenma&#223;nahmen bezahlen zu lassen. Alan Greenspan, der fr&#252;here   US-Zentralbankchef, platzte k&#252;rzlich heraus, dass an einem Punkte die   US-Regierung keine Wahl haben werde als Steuern zu erh&#246;hen und auch eine   Verbrauchssteuer einzuf&#252;hren, um sich aus den Rekorddefiziten   herauszugraben. Diese Angriffe werden in den meisten F&#228;llen in den   Farben der &#8222;nationalen Rettung&#8220; geschm&#252;ckt sein, mit Appellen, f&#252;r das   gemeinsame Wohl Opfer zu bringen, wenn sie in Wirklichkeit meinen, dass   die Armen Opfer zum Wohle der Reichen machen m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Die Fortsetzung des unverd&#252;nnten Neoliberalismus ist am   offenschtlichsten in den Wirtschaften, die durch die Krise in die N&#228;he   des Bankrotts gebracht wurden. In Lettland wurden unter der Ferse der   IWF- und EU-Programme die H&#228;lfte der Krankenh&#228;user geschlossen, um   strikte Haushaltsk&#252;rzungen zu erf&#252;llen, w&#228;hrend das Gehalt der   LehrerInnen um ein Drittel gek&#252;rzt wurde. Island wurde durch seine   privatisierten Banken ruiniert und bekam vom IWF gesagt, es solle seinen   Staatshaushalt in den n&#228;chsten drei Jahren um ein Drittel k&#252;rzen. Aber   die fortgesetzte Reichweite der neoliberalen Angriffe ist nicht auf   diese &#8222;Krisenstaaten&#8220; beschr&#228;nkt. Japan beschritt lange vor den meisten   anderen L&#228;ndern den Weg einer Form keynesianischer Konjunkturausgaben   und wieder ist es nicht die Arbeiterklasse, die den Nutzen von dieser   Politik hatte: zwischen 1994 und 2007 fiel das durchschnittliche   j&#228;hrliche Hauhaltseinkommen um 16 Prozent. Die Zunahme der Armut &#8211;   Japans Armutsrate ist jetzt die vierth&#246;chste in den 30 L&#228;ndern der OECD   &#8211; ist zweifellos ein wichtiger Faktor hinter der Erdrutschwahl, die   Liberaldemokraten im August aus dem Amt zu jagen.<\/p>\n<p>  Die Konjunkturpolitik hatte wenig Auswirkung auf die Arbeitslosigkeit,   die in allen Teilen der Weltwirtschaft anschwillt. In China berichtet   die h&#246;chste Denkfabrik der Regierung, die Chinesische Akademie der   Sozialwissenschaft, dass in den letzten 12 Monaten 41 Millionen   Arbeitspl&#228;tze vernichtet wurden &#8211; ein Weltrekord bei   Arbeitsplatzvernichtung. Dies bedeutet umgerechnet den Verlust von 3,4   Millionen Arbeitspl&#228;tzen jeden Monat. Weniger als die H&#228;lfte, etwa 18   Millionen ArbeiterInnen fanden nach dem Bericht der CASW neue   Arbeitspl&#228;tze. In den USA gingen 7,2 Millionen Arbeitspl&#228;tze seit Ende   2007 verloren. Dies hat die reale Arbeitslosigkeit auf &#252;ber 25 Millionen   erh&#246;ht, dass hei&#223;t, wenn man die mitz&#228;hlt, die zu Teilzeitjobs gezwungen   sind, und die, die aufgegeben haben, Arbeit zu suchen. Das ist nicht nur   eine Verurteilung f&#252;r das vorherrschende Wirtschaftssystem &#8211; dass zig   Millionen aus dem wirklichen Produktionsprozess ausgeschlossen sind im   Unterschied zu den illusorischen Gewinnen, die von den Bankern und   Finanztricksern geschaffen wurden &#8211;, sondern Massenarbeitslosigkeit und   fallende Einkommen ziehen die Wirtschaft weiter herunter, pressen den   Konsum zusammen und erh&#246;hen die Zahl derjenigen, die Kredite nicht   zur&#252;ckzahlen k&#246;nnen. Steuererh&#246;hungen und eine Verbrauchssteuer, wie sie   Greenspan vorschl&#228;gt, w&#252;rden diese Trends weiter versch&#228;rfen.<\/p>\n<p>  Trotz des Geredes von einer Erholung sagt die OECD voraus, dass weitere   25 Millionen ArbeiterInnen in den fortgeschrittenen kapitalistischen   L&#228;ndern ihre Arbeitspl&#228;tze bis Ende n&#228;chstes Jahr verloren haben werden.   Abgesehen von Arbeitslosigkeit, f&#252;gen die Konzerne den ArbeiterInnen auf   vielf&#228;ltige Weise Leiden zu: mehr als ein Sechstel der US-Firmen hat   ihren ArbeiterInnen unbezahlten Urlaub aufgezwungen, und 20 Prozent   haben aufgeh&#246;rt, in die Betriebsrenten ihrer Besch&#228;ftigten einzuzahlen.   Eine wichtige Lehre von Japans lang gezogener Krise von 1990-2003 war,   dass fallende Einkommen einen Teufelskreis von niedrigerer Nachfrage und   steigender Haushaltsverschuldung schufen. Dies ist zunehmend der   Entwicklungsweg f&#252;r einen Gro&#223;teil der kapitalistischen Welt.<\/p>\n<h4>  Globale Koordination &#8211; oder Handelskrieg?<\/h4>\n<p>  Die Krise hat auch zu einer beispiellosen Zurschaustellung von globaler   Koordination geh&#246;rt, haupts&#228;chlich durch das relativ neue Forum der G20.   Dieses Gremium, das &#228;ltere westliche M&#228;chte und aufsteigende   Wirtschaftsm&#228;chte, besonders in Asien und Lateinamerika zusammen bringt,   hielt sein drittes Krisentreffen in weniger als einem Jahr in Pittsburgh   am 24-25. September ab. Der Aufstieg der G20 spiegelt den Grad der   wechselseitigen Durchdringung der Wirtschaften der Welt heute und die   Verschiebung der Wirtschaftsmacht wider, die zwischen den &#228;lteren und   neueren industrialisierten M&#228;chten, besonders in Asien, im Gange ist.   Laut McKinsey stiegen die j&#228;hrlichen Kapitalfl&#252;sse &#252;ber die Grenzen auf   11,2 Billionen Dollar 2007 an, das ist mehr als 20 Prozent des globalen   BIP. 1990 waren es noch 1,1 Billionen oder 5,2 Prozent des globalen BIP.   Die Geschwindigkeit und Zerst&#246;rungskraft der von den USA ausgehenden   Bankenkrise zeigt auch, dass die kapitalistischen Staaten in einem Grad   wechselseitig abh&#228;ngig sind, den es in der Geschichte nie gab.<\/p>\n<p>  Aber auf einer kapitalistischen Grundlage kann eine gemeinsame Aktion   &#252;ber nationale Grenzen hinweg nur gewisse begrenzte Formen annehmen.   Jede kapitalistische Regierung k&#228;mpft f&#252;r Vorteile f&#252;r ihre eigenen   Firmen und M&#228;rkte. Die Entscheidung in Pittsburgh, die Stimmrechte f&#252;r   &#228;rmere &#8222;aufstrebende Wirtschaften&#8220; im IWF auf zusammen f&#252;nf Prozent der   Gesamtsumme zu erh&#246;hen, zeigt, wie z&#246;gerlich die diese Institution   beherrschenden &#228;lteren kapitalistischen Wirtschaften der USA, der   Europ&#228;ischen Union und Japans sind, Macht und Einfluss mit neuen   Herausforderern wie China, Indien und Brasilien zu teilen. Die USA   allein haben 17 Prozent der Stimmrechte im IWF, was ihnen ein faktisches   Veto bei der Politik des Fonds gibt.<\/p>\n<p>  Wie Michael Pettis von der Guanghua Managementschule an der Peking   Universit&#228;t kommentierte, war das G20-Treffen &#8222;eine Gelegenheit f&#252;r   Weltf&#252;hrer, beruhigende Dinge &#252;ber den globalen Handel zu sagen, aber   ohne eine ernsthafte Koordination der Politik gibt es wenig, um einen   intensivierten Konflikt zu vermeiden.&#8220; [South China Morning Post, 28.   September] Dies wird unterstrichen durch den scharfen Handelskonflikt,   der zwischen China und den USA &#252;ber den Handel mit Autoreifen   ausgebrochen ist, der zu eskalieren droht und, wenn er nicht ziemlich   schnell entsch&#228;rft wird, zu Zusammenst&#246;&#223;en wegen wichtigerer Fragen, wie   Chinas Unterst&#252;tzung f&#252;r den Dollar, f&#252;hren k&#246;nnte. Das chinesische   Regime investiert weiterhin seinen Handels&#252;berschuss in   US-Staatsanleihen, obwohl die Zinsen auf einem Rekordtief sind. Chinas   gesamte Devisenreserven erreichten 2,13 Billionen Dollar letzten Monat.<\/p>\n<p>  Das chinesische Regime hat heftigen Protest gegen Obamas Entscheidung   eingelegt, eine sogenannte &#8222;Schutzklausel&#8220; mit Z&#246;llen von bis zu 35   Prozent auf in China gefertigte Autoreifen festzulegen. Wenn man die   Autoreifen au&#223;er Acht l&#228;sst, die nur rund 1,8 Milliarden Dollar der   chinesischen Exporte im Wert von 340 Milliarden Dollar in die USA   ausmachen, sind die Probleme f&#252;r China viel gr&#246;&#223;er und gehen auf seine   Aufnahme in die WTO 2001 zur&#252;ck. Damals ging die fr&#252;here Regierung unter   Zhu Rongji auf einseitige und benachteiligende &#8222;Schutzklauseln&#8220; ein, die   &#252;ber WTO-Regeln hinausgehen und bis 2013 gegen China genutzt werden   k&#246;nnen. Chinas Unterh&#228;ndler akzeptierten diese Bedingungen nicht nur mit   Washington &#8211; Dutzende von Chinas anderen Handelspartnern k&#246;nnten   &#228;hnliche Ma&#223;nahmen, um Chinas Waren fernzuhalten, beschlie&#223;en &#8211; nur   z&#246;gernd. Angeregt durch Obamas Autoreifenz&#246;lle, rufen andere Gruppen wie   die Papierindustrie der USA nach &#228;hnlichen Ma&#223;nahmen gegen chinesische   Importe. Deshalb wird Beijing wahrscheinlich stark auf die   Autoreifenz&#246;lle reagieren. Anf&#228;nglich wird sie sich auf das moralische   hohe Ross in Ablehnung gegen den Protektionismus schwingen, aber es hat   schon Vergeltungsma&#223;nahmen gegen Importe von US-H&#228;hnchen und Autoteilen   angek&#252;ndigt. Die Ironie in dieser Lage ist, dass die meisten US-Firmen   in dieser Frage gegen Obama sind &#8211; mehreren US-Firmen geh&#246;ren   chinesische Reifenfabriken, die von diesen Z&#246;llen getroffen werden.<\/p>\n<p>  Nationale Gegens&#228;tze sind im kapitalistischen Handelssystem verwurzelt,   auch wenn sich diese Gegens&#228;tze dialektisch entwickeln und   wirtschaftliche und politische Ver&#228;nderungen widerspiegeln. Neue   kapitalistische B&#252;ndnisse werden geschaffen und brechen dann   auseinander. Wie vorauszusehen, gab es bei den G20 neue Forderungen, die   &#8222;Doha-Runde&#8220; der Welthandelsgespr&#228;che durch das Mittel der WTO zu   beenden, weil die Kapitalistenklasse manche Lehren aus den 30ern gelernt   hat, als ein 25-Prozent-Absturz des Welthandels die Wirtschaftskrise   massive versch&#228;rfte. Aber gleichzeitig steigen die Spannungen weit &#252;ber   den Zusammensto&#223; zwischen den USA und China um die Frage der Autoreifen   hinaus. Insgesamt haben 17 der G20-Staaten im letzten Jahr gegen   einander protektionistische Ma&#223;nahmen ergriffen. Die Flugzeugindustrien   der USA und Europ&#228;ischen Union (Boeing und Airbus) stecken in einem   heftigen Kampf um die Marktbeherrschung fest, bei dem Europa\/Airbus   k&#252;rzlich eine entscheidende WTO-Entscheidung zu &#8222;unfairen&#8220; Subventionen   verloren hat. In Wirklichkeit sind solche Subventionen und andere Formen   von Staatsunterst&#252;tzung oder &#8222;Wohlfahrt f&#252;r Konzerne&#8220; &#252;berall im   Ansteigen und oft in die j&#252;ngsten keynesianischen Konjunkturpolitiken   eingebettet.<\/p>\n<h4>  Die kranken Banken &#8211; ein &#8222;deja vu&#8220;-Erlebnis!<\/h4>\n<p>  Als Ben Bernanke von der Obama-Regierung f&#252;r eine neue vierj&#228;hrige   Amtszeit als Vorsitzender der Federal Reserve (US-Notenbank) nominiert   wurde, wurde er weithin gepriesen f&#252;r die &#8222;Abwendung einer zweiten   Gro&#223;en Depression&#8220;. Das Lob ist unverdient &#8211; Bernanke ist einer der   Architekten des Lehman Brothers Debakel und der Kreditblase, die ihm   voraus ging. Es kann sich auch als voreilig erweisen. Die Gefahr einer   richtigen Depression ist zwar kurzfristig als Ergebnis der massiven   Staatseingriffe in der Nach-Lehman-Periode zur&#252;ckgegangen, wurde aber   nicht st&#228;ndig ausgetrieben und kann es auch nicht auf einer   kapitalistischen Grundlage. Kapitalistische Regierungen bereiten neue   Krisen vor, selbst jetzt, wo sie mit der gegenw&#228;rtigen klarzukommen   versuchen.<\/p>\n<p>  Dieses Jahr sind bisher 92 US-Banken pleite gegangen, im Vergleich zu 25   letztes Jahr und drei 2007. Fast alle der Bankrotte dieses Jahr waren   Regionalbanken, aber unter ihnen war die Colonial Bank, die im August   von Staatsregulatoren geschlossen wurde, was die sechstgr&#246;&#223;te   Bankenpleite in der US-Geschichte war. Wie AFP kommentierte: &#8222;Die   Regionalbanken haben eine Explosion von faulen Krediten erlebt,   besonders in Staaten, die von der Rezession hart getroffen wurden&#8220; wie   Kalifornien und Georgia. Regionalbanken haben mehr Kredite im   Gewerbeimmobiliensektor (im Unterschied zum Eigenheimsektor, wo sich die   &#8222;subprime&#8220;-Krise entwickelte) vergeben und dies ist ein Zeichen f&#252;r   wachsende Schwierigkeiten in dem Sektor, wo die Zahlungsunf&#228;higkeit   zunimmt. Zahlungsunf&#228;higkeit von Kreditkartenkunden stellt eine weitere   tickende Bombe f&#252;r die Banken dar.<\/p>\n<p>  Inzwischen fallen die Preise f&#252;r Eigenheime in den USA weiterhin, trotz   Steuernachl&#228;ssen und anderen Ma&#223;nahmen, um den Sektor zu st&#252;tzen,   weshalb manchen der gr&#246;&#223;ten Banken weitere Schwierigkeiten drohen.   Hauspreise sind seit dem H&#246;hepunkt 2006 (Case-Shiller Index) um 32   Prozent gefallen und werden laut Deutsche Bank Securities bis 2011   weiter fallen. &#8222;Man muss extrem weit in die Ferne schauen, um eine   R&#252;ckkehr der Eigenheimpreise auf den Wert, den sie auf ihrem H&#246;hepunkt   hatten, zu sehen &#8230; es k&#246;nnten auf manchen M&#228;rkten 15 bis 20 Jahre sein&#8220;,   argumentierte ein Sprecher der Immobilienfirma Zillow.com.<\/p>\n<p>  In Japan fielen die Immobilienpreise um mehr als 50 Prozent nach dem   Platzen ihrer Finanzblase 1990. sie fielen dreizehn Jahre lang weiter,   stabilisierten sich dann kurz, bevor sie ihren R&#252;ckgang nach 2007 wieder   aufnahmen. Besonders wenn ansteigende Arbeitslosenzahlen und fallende   L&#246;hne in die Gleichung einbezogen werden, ist die B&#252;hne f&#252;r mehr   Zwangsversteigerungen und neue Megaverluste f&#252;r die Banken bereitet.   Heute hat einer von vier US-Hauseigent&#252;mern h&#246;here Schulden als ihr Haus   Wert ist. Vorhersagen von weiteren 150 bis 200 US-Bankpleiten gelten als   Mainstream. Roubini glaubt, dass mehr als 1.000 Finanzinstitutionen   pleite gehen k&#246;nnten: &#8222;Das Finanzsystem ist schwer besch&#228;digt und es   sind nicht nur die Banken&#8220;.<\/p>\n<p>  In der Depression der 1930er war das schlimmste Jahr der Bankpleiten   1933, das vierte Jahr der Krise. Die gegenw&#228;rtige Krise geht jetzt in   ihr drittes Jahr. Sie hat schon viel mal mehr gekostet als die Krise der   1930er &#8211; 25 mal so viel nach den Berechnungen von TheStreet.com (23.108   Dollar pro Person in der gegenw&#228;rtigen Krise im Vergleich zu 821 Dollar   pro Person in der Gro&#223;en Depression, gemessen in Dollars von 2009).<\/p>\n<p>  Trotz populistischer Angriffe von Politikern aller Spielarten auf die   &#8222;Gier&#8220; und &#8222;Bonuskultur&#8220; der gro&#223;en Banken und beim G20 Treffen   wiederholten Rufen nach strengerer Regulierung und Kontrolle, sind alle   Faktoren, die uns in den globale Finanzkernschmelze f&#252;hrten, wieder   v&#246;llig ausgebildet. Die New York Times (12. September) wies darauf hin:   &#8222;Ein Jahr nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers Holdings ist die   &#220;berraschung nicht, wie viel sich in der US-Finanzbranche ge&#228;ndert hat,   sondern wie wenig.&#8220; Dieser Artikel kommentierte, dass die gr&#246;&#223;ten Banken   nur kosmetische Umstrukturierungen vorgenommen haben. Als Beleg daf&#252;r   hat eine neue Bonus-Welle begonnen, bei der f&#252;hrende Wall Street Banken   planen, in den kommenden Monaten 18,4 Milliarden Dollar zu verteilen.   Pr&#228;sident Obama warnt die Wall Street vor der &#8222;R&#252;ckkehr zu   r&#252;cksichtslosem und unkontrolliertem Verhalten&#8220; und sagt ihnen, es werde   &#8222;keine weiteren Rettungspakete&#8220; geben. Aber diese harte Botschaft steht   in v&#246;lligem Widerspruch zur gegenw&#228;rtigen Praxis.<\/p>\n<p>  300.000 Angestellte wurden von den gr&#246;&#223;ten Banken in den USA und Europa   entlassen, seit die Krise begann. Gleichzeitig behielten die meisten   Vorst&#228;ndler ihre Jobs und ihre Geh&#228;lter steigen auf die Niveaus vor der   Krise empor. Gillian Tett bemerkte in einem Artikel in der Financial   Times (4. September), wie wenige US-Finanziers f&#252;r Fehlverhalten w&#228;hrend   der Krise verurteilt wurden, wogegen &#252;ber 1000 Funktion&#228;re f&#252;r ihre   Rolle in dem viel kleineren Sparkassen- (S&amp;L;) Skandal der 1980er   verurteilt wurden: &#8222;Verglichen mit den Tagen von S&amp;L; scheint mit   anderen Worten das Niveau der Strafe bisher fast nicht existent zu sein&#8220;.<\/p>\n<p>  Die Politik der US und anderer Regierungen hat nicht einmal eine Delle   in die monstr&#246;sen Niveaus der faulen oder &#8222;vergifteten&#8220; Schulden   gemacht, durch die der Finanzsektor nach unten gezogen wird. Folglich   haben sie die Gefahr neuer Schocks, Bankenzusammenbr&#252;che und   Finanzpaniken auch nicht bedeutsam verringert. &#8222;Die Probleme sind   schlimmer als sie 2007 vor der Krise waren&#8220;, sagt Stiglitz. &#8222;In den US   und vielen anderen L&#228;ndern sind die Banken, die zu gro&#223; sind, um Pleite   zu gehen, noch gr&#246;&#223;er geworden.&#8220;<\/p>\n<p>  Lenin wies darauf hin, dass das Monopol eines der Merkmale des   imperialistischen Stadiums des Kapitalismus ist, ebenso wie die   Vorherrschaft des Finanzkapitals. In Lenins Studien, besonders von   deutschen Firmen und Banken vor Hundert Jahren, notierte er auch, wie   eine Krise oder Depression die Tendenz zum Monopol beschleunigen kann.   Die kleinen &#8222;Fische&#8220; und selbst manche gro&#223;en werden von den gr&#246;&#223;ten   gefressen. Heute, nach 18 Monaten von riesigen Rettungspaketen und   Fusionen haben drei Banken &#8211; JPMorgan Chase, Wells Fargo und Bank of   America &#8211; jetzt 30 Prozent aller US-Einlagen. Ihre Marktmacht hat sich   enorm vergr&#246;&#223;ert. Aber trotz einer Welle von Fusionen bleibt der Bestand   der Banken an faulen Krediten unvermindert. Praktisch haben sich die   US-Regierung und die meisten anderen daf&#252;r entschieden, sich durch die   Bankenkrise &#8222;durchzuwursteln&#8220; und alle Hoffnungen auf eine Erholung (und   daran liegt der Haken!) zu setzen, die es den Banken erm&#246;glichen soll,   durch Wachstum ihren Weg aus der Krise zu finden. Stiglitz erkl&#228;rt:<\/p>\n<p>  &#8222;Die Banken wiederholen das Sparkassen-Debakel der 1980er Jahre, indem   sie schlechte Buchf&#252;hrungspraktiken verwenden (ihnen wurde zum Beispiel   erlaubt, de facto wertlose Verm&#246;genswerte in ihren B&#252;chern ohne   Wertberichtigung stehen zu lassen mit der Idee, dass sie bis zur   F&#228;lligkeit gehalten werden k&#246;nnten und bis dahin wieder an Wert gewinnen   k&#246;nnten). Schlimmer noch, sie k&#246;nnen zu niedrigen Zinsen Kredite von der   US-Notenbank aufnehmen auf der Grundlage von minderwertigen Sicherheiten   und zugleich riskante Gesch&#228;fte machen&#8230; Aber damit wird man die   Wirtschaft nicht schnell wieder in Fahrt bringen. Und wenn die Wetten   schief gehen, werden die Kosten f&#252;r die US-Steuerzahler noch gr&#246;&#223;er   sein.&#8220; (Joseph Stiglitz, Project Syndicate, 11. Mai 2009).<\/p>\n<p>  Die Banken sind also heute wieder bei ihren alten Tricks. Die gro&#223;en   Banken haben eine kurzfristige R&#252;ckkehr zu Profiten gehabt, die   weitgehend auf &#8222;kreativer&#8220; Buchf&#252;hrung beruht &#8211; die f&#252;nf gr&#246;&#223;ten   US-Banken verdoppelten ihre Profite im zweiten Quartal im Vergleich zum   selben Quartal 2008. Die R&#252;ckkehr zum Profit kommt von der Seite der   Investmentbanken (im Zusammenhang mit Finanz&#8217;innovation&quot; dass hei&#223;t   Spekulation) und nicht durch kommerzielle Bankkredite (verbunden mit der   Wirtschaft insgesamt). Der Boom an den Aktien- und Anleihem&#228;rkten, der   Anstieg der Rohstoffpreise und ein Wiederbeginn von Fusionen   (Firmen&#252;bernahmen) hat wieder saftige Spekulationsm&#246;glichkeiten   geschaffen. F&#252;r die Banken ist das eine &#8222;bei Kopf gewinnen sie, bei Zahl   verlieren wir&#8220;-Situation. Wie Stiglitz in dem obigen Artikel   argumentiert, werden sie wieder gerettet werden, wenn ihre Wetten wieder   daneben gehen &#8211; was auch immer Obama sagt &#8211; w&#228;hrend alle Profite ihnen   geh&#246;ren und sie sie verwenden, wie sie wollen (dass hei&#223;t h&#246;here Boni   und riskantere Wetten).<\/p>\n<p>  Stiglitz weist darauf hin, dass die Banken heute nicht nur &#8222;zu gro&#223;   sind, um pleite zu gehen&#8220; (dass hei&#223;t die Regierung hat keine Wahl als   sie zu retten), sondern jetzt auch &#8222;zu gro&#223; sind, um gemanagt zu   werden&#8220;. Es ist zwar nicht Stiglitz&quot; Absicht, aber seine Argumente sind   ein m&#228;chtiges Argument f&#252;r die Verstaatlichung der Banken unter   demokratischer Arbeiterkontrolle und -verwaltung &#8211; dass hei&#223;t wirkliche   Verstaatlichung, nicht mehr Wohlfahrt f&#252;r Konzerne. Die f&#252;hrenden Banken   sind so wenig &#8222;zu managen&#8220;, dass nicht nur die Regulatoren st&#228;ndig das   Nachsehen haben; selbst die eigenen Vorst&#228;nde der Banken &#252;ben keine   wirkliche Kontrolle aus, so komplex sind manche ihrer Gesch&#228;fte.   Stiglitz m&#246;chte gemeinsam mit manchen f&#252;hrenden europ&#228;ischen Politikern   die Gr&#246;&#223;e der Banken begrenzen. Solche Politiken sind schon fr&#252;her   versucht wurden, aber kapitalistische Monopolkonzerne finden immer Wege,   das zu umgehen &#8211; angesichts der erdr&#252;ckenden Macht, die sie innerhalb   einer kapitalistischen Wirtschaft haben. Dies war zum Beispiel der Fall   in den 1930er Jahren, als Franklin D. Roosevelt Anti-Trust-Gesetze   einf&#252;hrte. Aber wie Leo Trotzki betonte: &#8222;Roosevelts Kampf gegen   Monopole war mit nicht mehr Erfolg gekr&#246;nt als der Kampf aller seiner   Vorg&#228;nger&#8220;. [Trotzki, Marxismus in unserer Zeit, 1938]<\/p>\n<p>  Es ist eine Banalit&#228;t, dass man nicht kontrollieren kann, was einem   nicht geh&#246;rt, ganz zu schweigen von der effektiven Planung der Dinge.   Deshalb verlangen SozialistInnen eine wirkliche Verstaatlichung der   Banken und der gr&#246;&#223;eren Industriekonzerne, mit minimaler Entsch&#228;digung   (nichts f&#252;r die Gelds&#228;cke) und unter demokratischer Kontrolle als Teil   einer weiteren sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft im   Interesse der Lohnabh&#228;ngigen und ProduzentInnen, nicht der Geldleute.   Die Idee der Verstaatlichung ist in den letzten Jahrzehnten von der   neoliberalen Propaganda angegriffen worden, die Staatseigentum &#8211; oft mit   v&#246;llig abstrusen Statistiken &#8211; als &#8222;verschwenderisch&#8220; und &#8222;ineffizient&#8220;   und Privateigentum als &#252;berlegen darstellte. Der Zusammenbruch der   fr&#252;heren stalinistischen Staaten in der fr&#252;heren Sowjetunion und   Osteuropa diente auch als ideologische St&#252;tze f&#252;r den Kapitalismus. Aber   in der n&#228;chsten Periode wird Unterst&#252;tzung f&#252;r &#246;ffentliches Eigentum in   der politischen Debatte immer mehr Boden gewinnen.<\/p>\n<h4>  China als Rettung?<\/h4>\n<p>  Es gibt weit verbreitete Hoffnung unter den Kapitalisten international,   dass China die Welt aus der Rezession herausziehen wird. Sie ist nicht   berechtigt. Im Vergleich mit den Problemen der US- und europ&#228;ischen   Wirtschaften scheint nat&#252;rlich allein die Tatsache, dass China auf dem   Weg ist, dieses Jahr rund acht Prozent BIP-Wachstum zu haben,   beeindruckend zu sein. Aber wie immer sagen die Schlagzeilen nicht die   ganze Geschichte oder auch nur die halbe Geschichte. Erinnern wir uns   daran, dass vor zwei Jahren Chinas Ministerpr&#228;sident Wen Jiabao sagte,   dass seine Wirtschaft &#8222;unausgeglichen, unstabil, unkoordiniert und   unnachhaltig&#8220; sei. Dies war zu einer Zeit, als China fast doppelt so   schnell wie heute wuchs.<\/p>\n<p>  Das chinesische Regime legte letzten November sein eigenes Rettungspaket   im Wert von ungef&#228;hr 600 Milliarden Dollar auf. Vor einem Jahr fiel die   Wirtschaft &#8222;von einer Klippe herunter&#8220; &#8211; zu Beginn dieses Jahren kam das   BIP-Wachstum wahrscheinlich auf Null (unabh&#228;ngig davon, was die   offiziellen Daten behaupten). Aber die seitdem erreichte Kehrtwende ist   haupts&#228;chlich durch eine Rekordinjektion von Kredit durch die   staatseigenen Banken unter der &#8222;moderat lockeren&#8220; Geldpolitik des   Regimes erreicht worden &#8211; 8,15 Billionen RMB (etwa 1,19 Billionen   Dollar) in den ersten acht Monaten 2009. Diese neue Kreditvergabe und   nicht das Novemberpaket ist die wirkliche Story in China. Der Betrag   neuer Kredite ist ein Weltrekord, er entspricht fast 25 Prozent des BIP,   wobei die Banken &#8222;Geld aus der T&#252;r schaufeln&#8220;, wie es ein Kommentator   formuliert.<\/p>\n<p>  Dies hat den Zusammenbruch der Produktion teilweise umgekehrt, den es   als Ergebnis des Verlusts seiner Exportm&#228;rkte erlitt (Chinas Exporte   waren im selben achtmonatigen Zeitraum um 23 Prozent niedriger). Aber es   hat auch mehr Probleme f&#252;r die Zukunft aufgeh&#228;uft. Chinas Problem ist   nicht die Notwendigkeit, die Produktion zu steigern oder neue   Produktionskapazit&#228;t zu erh&#246;hen. Sein Problem ist eines der Nachfrage:   wer wird seine Produkte kaufen angesichts des niedrigen Niveaus der   chinesischen L&#246;hne und des scharfen R&#252;ckgangs im Welthandel? Die   Regierung kann diesen Kreis &#252;ber einen gewissen Zeitraum quadrieren,   aber nicht unbeschr&#228;nkt. Besonders, wenn Provinzrivalit&#228;ten,   Verschwendung, Verdoppelung von Projekten und Korruption ins Spiel   kommen hat die riesige Kreditexpansion der j&#252;ngsten Monate die vier &#8222;un&#8220;   ungeheuer versch&#228;rft, die Wen Jiabao 2007 anf&#252;hrte (&#8222;unausgeglichen,   unstabil, unkoordiniert und unnachhaltig&#8220;).<\/p>\n<p>  Das krasseste Ungleichgewicht, das auch noch w&#228;chst, ist das zwischen   Investitionen (45 Prozent des BIP) und Konsum (nur 35 Prozent des BIP).   Investitionen, die von der lockeren Kreditpolitik des Regimes erzeugt   worden sind, machten in der ersten H&#228;lfte dieses Jahres fast 90 Prozent   des BIP-Wachstums aus, was ebenfalls beispiellos ist. Das Ausma&#223;, in dem   diese Investitionen, einschlie&#223;lich Infrastruktur und neue   Industrieprojekte, verschwendet wird, wird oft von   Wirtschaftskommentatoren untersch&#228;tzt, die von dem Ausma&#223; der   betreffenden Summe hypnotisiert sind. Wie der Sekret&#228;r der   Kommunistischen Partei von Guangdong, Wang Yang, k&#252;rzlich in einer Rede   notierte: &#8222;Zum Beispiel ist der Bau einer Br&#252;cke BIP; sie zu zerst&#246;ren,   ist mehr BIP; sie dann wieder aufzubauen, ist auch BIP. Eine Br&#252;cke trug   dreimal zum BIP bei, wobei riesige gesellschaftliche Ressourcen   vergeudet wurden, aber nur einmal wirklicher gesellschaftlicher Reichtum   geschaffen wurde.&#8220;<\/p>\n<p>  Im Stahlsektor gibt es eine Schwemme neuer Projekte, die illegal gebaut   werden, nachdem die Regierung versucht, gegen unkontrollierbare &#8211; und   letztlich verschwenderische &#8211; Expansion gegenzusteuern. &#8222;Manche Regionen   haben illegal gehandelt. Wir sehen erneut F&#228;lle von illegitimer   Zustimmung, von Baubeginn, bevor es best&#228;tigt wurde, und von Baubeginn,   w&#228;hrend der Best&#228;tigungsprozess noch l&#228;uft&#8220;, beklagte sich die Website   der Regierung am 30. September.<\/p>\n<h4>  Eine kurze Krise?<\/h4>\n<p>  Das chinesische Regime handelt in dem Glauben, dass die globale Krise   vor&#252;bergehend ist und sie sich wieder mit ihrer riesigen und wachsenden   Industriekapazit&#228;t mit dem globalen Markt wieder verbunden wird, wenn   die Wirtschaft wieder normal l&#228;uft. Wir MarxistInnen bestreiten dieses   Szenario und w&#252;rden argumentieren, dass die kapitalistische Welt in eine   v&#246;llig neue Periode getreten ist; die Krise ist nicht vor&#252;bergehend, und   eine R&#252;ckkehr zur wirtschaftlichen Normalit&#228;t auf der Grundlage der   Bedingungen der ersten Jahre nach 2000 ist ausgeschlossen.<\/p>\n<p>  Stahlproduktion &#8211; das Skelett einer industrialisierten Gesellschaft &#8211;   ist ein Beispiel der schwerwiegenden Ungleichgewichte, die schon in   China sichtbar sind. Die Branche hat eine atemberaubende Ausdehnung   erlebt: China hat jetzt 7.000 Stahlwerke, doppelt so viele wie 2002.   Ende dieses Jahres werden die chinesischen Werke einschlie&#223;lich der 58   Millionen Tonnen unter Verletzung des Regierungsverbots gebauter   &#8222;illegaler&#8220; Extrakapazit&#228;t die Kapazit&#228;t haben, j&#228;hrlich 700 Millionen   Tonnen Stahl zu produzieren. Aber nach dem Ministerium f&#252;r Industrie und   Informationstechnologie wird die Gesamtnachfrage f&#252;r den   Inlandsverbrauch und den Export gerade 462 Millionen Tonnen dieses Jahr   betragen, selbst mit der massiven Injektion durch das   Konjunkturprogramm. Entsprechend wird die Kapazit&#228;tsauslastung auf 74   Prozent dieses Jahr von 83 Prozent n&#228;chstes Jahr fallen. Der Eisen- und   Stahlverband von China warnte vor bevorstehenden harten Zeiten, wenn das   gegenw&#228;rtige lockere Kreditregime zu einem Ende kommt. &#8222;&#220;berkapazit&#228;t   ist das vorherrschende Thema f&#252;r Chinas Stahlindustrie&#8220;, sagt der   Chef&#246;konom des Verbands, Li Shijun. &#8222;Hohe Niveaus der Stahlproduktion   k&#246;nnen nicht aufrechterhalten werden, wenn sich Anlageninvestitionen   wegen geringerer Bankkredite verlangsamen.&#8220;<\/p>\n<p>  Es ist genau diese Furcht, dass die Regierung gezwungen sein wird, die   Kreditbedingungen zu versch&#228;rfen, die scharfe Schwankungen an der   Shanghaier B&#246;rse in den letzten Wochen ausgel&#246;st hat. Wie Professor Xu   Xiaonian von der China Europe International Business School in Shanghai   warnte: &#8222;China wird Dampf verlieren und sich verlangsamen. Acht Prozent   scheinen leicht zu erreichen, aber sie werden bald ein Luxus werden.   &#220;berkapazit&#228;t ist schon ein Problem &#8230; und jeder wird die Krise f&#252;hlen.   Die Erholung ist nicht nachhaltig; die Regierung dehnt den Kredit wie   verr&#252;ckt aus.&#8220;<\/p>\n<p>  Nach einer Untersuchung von RBS sind fast die H&#228;lfte der neuen Kredite   (&#252;ber 4 Billionen RMB!) in rein spekulative Kan&#228;le gegangen &#8211; den   Aktien- und Immobilienmarkt. Wenn diese neue Finanzblase platzt, was   unvermeidlich ist (die Kurse an der Shanghaier B&#246;rse sind 2009 um   unwahrscheinliche 90 Prozent gestiegen), wird ein Anstieg an faulen   Krediten das wahrscheinliche Ergebnis sein. &#196;hnlich ist der j&#252;ngste   Anstieg der Immobilienpreise weitgehend durch die lockere Geldpolitik   angetrieben und die Preise k&#246;nnen ihren Fall wieder aufnehmen, sobald   das gegenw&#228;rtige lockere Kreditregime endet.<\/p>\n<p>  Chinas &#8222;Erholung&#8220; ist daher zerbrechlich (wie auch Wen Jiabao anerkennt)   und voller Potential f&#252;r ein Umschlagen, das nicht so verschieden von   der allgemeinen Weltlage ist. Die Idee, die von kapitalistischen   OptimistInnen vertreten wird, dass China die globale Wirtschaft aus der   Krise ziehen wird, ist Fantasie. Chinas &#8222;pygm&#228;enhafter&#8220; Konsumsektor hat   einen Wert von etwa 1,5 Billionen US-Dollar, im Vergleich zu zusammen 22   Billionen Dollar in den USA und der Europ&#228;ischen Union. Daher w&#252;rde es   eine Steigerung der Konsumausgaben in China um 15 Prozent erfordern, um   einen R&#252;ckgang um 1 Prozent in den reichen L&#228;ndern auszugleichen. Aber   die Konjunkturpolitik des Regimes hatte eine minimale Wirkung auf die   Schaffung von Arbeitspl&#228;tzen und eine Vergr&#246;&#223;erung der Endnachfrage,   dass hei&#223;t der Konsumption. Es ist ein relativ d&#252;nnes Segment von   vielleicht 10 Prozent der Bev&#246;lkerung &#8211; wohlhabendere StadtbewohnerInnen   &#8211; die den L&#246;wenanteil des Konsums in China ausmachen. ArbeiterInnen habe   Lohnk&#252;rzungen wie ihresgleichen in anderen L&#228;ndern erlitten und f&#252;hlen   sich nicht wirtschaftlich &#8222;stimuliert&#8220;.<\/p>\n<p>  Diese wenigen Fakten unterstreichen, wie Prozesse in der chinesischen   Wirtschaft mit den Weltprozessen verwoben sind. China ist nicht immun   oder &#8222;abgekoppelt&#8220; von der globalen kapitalistischen Krise und die   Versuche des Regimes, zu &#252;berbr&#252;cken, was sie irrt&#252;mlich als einen Fleck   von extremen aber vor&#252;bergehenden wirtschaftlichen Turbulenzen sehen,   sind zum Scheitern verurteilt und erzeugen neue wirtschaftliche Schocks.   Ein solcher Schock k&#246;nnte der Beginn einer chinesischen Bankenkrise   sein, die gerade von der gegenw&#228;rtig praktizierten &#8222;gem&#228;&#223;igt lockeren&#8220;   Politik herbeigef&#252;hrt wird. Ein anderer k&#246;nnte eine Eskalation der   Handelsspannungen sein, die dazu f&#252;hren, dass das chinesische Regime   beginnt, seine riesigen Dollarreserven abzubauen, wodurch eine globale   Flucht aus dem Dollar drohen w&#252;rde. Diese Schocks werden wiederum   Auswirkungen auf die globale Ebene haben und Hoffnungen in China als   Retter f&#252;r den Weltkapitalismus ersch&#252;ttern. Die Notwendigkeit einer   sozialistischen Alternative weltweit, einer demokratisch geplanten   &#246;kologisch sicheren Wirtschaft war nie wichtiger und dringender.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Das Elend f&#252;r die arbeitenden Menschen geht weiter\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13433"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13433"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13433\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13433"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13433"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13433"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}