{"id":13417,"date":"2009-12-28T00:00:00","date_gmt":"2009-12-27T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13417"},"modified":"2012-05-15T15:05:30","modified_gmt":"2012-05-15T13:05:30","slug":"13417","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/12\/13417\/","title":{"rendered":"Erfolgreiche Mieterproteste"},"content":{"rendered":"<p>  Gespr&#228;ch mit Ursel Beck vom Vorstand der LINKEN im Ortsverband Stuttgart   Bad-Cannstatt<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Du bist seit fast einem Jahr in der Mieter- und B&#252;rgerinitiative   Hallschlag aktiv. Wie kam es dazu?<\/h4>\n<p>  Zum Stadtbezirk meines Ortsverbands geh&#246;rt der Stadtteil Hallschlag. Das   ist ein so genannter &#8222;sozialer Brennpunkt&#8220; mit hohem Anteil an Migranten   und sozial Benachteiligten. 2007 hat der Stuttgarter Gemeinderat   entschieden, den Hallschlag in das Programm &#8222;Soziale Stadt&#8220; aufzunehmen.   Es gab dann eine B&#252;rgerversammlung, an der etwa 150 Leute teilnahmen.   Die Vertreter der Stadt und des Projektmanagments haben dann tolle Reden   dar&#252;ber gehalten, wie sie den Stadtteil aufwerten wollen. Es war aber   von Anfang ziemlich durchsichtig, um was es wirklicht geht: um die   Kommerzialisierung des Stadtteils und die Vertreibung der bisherigen   Mieter.<\/p>\n<p>  In dem Stadtteil wohnen sehr viele Leute in Wohnungen der st&#228;dtischen   Wohnungsgesellschaft SWSG. Die SWSG hat die privatrechtliche Rechtsform   einer GmbH und der Finanzb&#252;rgermeister von Stuttgart, Michael F&#246;ll, ist   der Aufsichtsratsvorsitzende. Die Vertreter der SWSG erkl&#228;rten auf der   Versammlung, dass sie die Wohnungen sanieren und zus&#228;tzlich   Eigentumswohnungen bauen wollen. In meinem Redebeitrag hab ich dann   gesagt, dass alle Planungen darauf hinauslaufen, dass die Mieten steigen   und die jetzigen Bewohner sich dann diese Wohnungen nicht mehr leisten   k&#246;nnten. An dem starken Beifall war klar, dass ich damit den Unmut und   die &#196;ngste der Bewohner zum Ausdruck gebracht habe.<\/p>\n<h4>  So habt ihr dann die Leute der Mieter- und B&#252;rgerinitiative   kennengelernt.<\/h4>\n<p>  Ein Vertreter der Initiative, Karl Meier, hat mich nach dieser   Versammlung um ein Gespr&#228;ch gebeten. Wir beiden Sprecher des   Ortsverbands haben uns dann im Sommer 2008 mit Karl Meier getroffen.   Karl Meier war damals sehr pessimistisch, ob eine Wiederbelebung der   stark &#252;beralterten Initiative m&#246;glich sei. Er meinte, die Leute im   Hallschlag w&#228;ren v&#246;llig demoralisiert.<\/p>\n<p>  In so einer Situation kann man die Leute in ihrem Pessimismus best&#228;rken.   Viele in der LINKEN h&#228;tten so reagiert. Man kann die Leute aber auch   ermutigen und unterst&#252;tzen. Das haben wir getan. Wir haben   vorgeschlagen, zu einem Treffen einzuladen. Und das haben wir dann   mitorganisiert. Im Januar 2009 gab es dann das erste Treffen. Es sind um   die 60 Leute gekommen. Es zeigte sich, dass die Leute nur darauf   warteten, irgendwo mal ihren Unmut &#252;ber die SWSG zum Ausdruck bringen zu   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Beim n&#228;chsten Treffen haben wir versucht, aus den wichtigsten Punkten   Forderungen an die SWSG abzuleiten. Wir haben gemeinsam einen Brief mit   Beschwerden und Forderungen an die SWSG formuliert und sind gleichzeitig   an die Presse gegangen. Dadurch konnten wir unter anderem erreichen,   dass 28 Mietparteien r&#252;ckwirkend bis September 2008 20 Prozent   Mietminderung bekamen.<\/p>\n<h4>  Hat sich dadurch auch die Stimmung ge&#228;ndert?<\/h4>\n<p>  Das kann man wohl sagen. Bei einer der letzten Versammlung meinten   mehrere Anwesende, dass man was erreichen k&#246;nne, wenn man es gemeinsam   macht. Und diese Meinung hat sich inzwischen aufgrund der Erfahrung   durchgesetzt.<\/p>\n<h4>  Inzwischen bist du auch im Vorstand.<\/h4>\n<p>  Klar war von Anfang an, dass wir die Initiative aktiv unterst&#252;tzen. Es   w&#228;re mir aber wegen der vielen anderen politischen Aufgaben lieber   gewesen, wenn ich nicht in den Vorstand h&#228;tte gehen m&#252;ssen. Das Problem   war jedoch, dass Karl Meier einen Schlaganfall bekam. Alle anderen   hatten aber keine Erfahrung, wie man die Initiative f&#252;hrt und weiter   aufbaut.<\/p>\n<h4>  War es auch m&#246;glich, die Leute durch die Arbeit zu politisieren?<\/h4>\n<p>  Karl Meier war bei den Gr&#252;nen und auch im Bezirksbeirat. Er war aber   total entt&#228;uscht, als wir ihn kennenlernten. Er ist dann auch kurze Zeit   sp&#228;ter zur LINKEN &#252;bergetreten. Wir haben bei allen Sitzungen immer   gesagt, dass wir von der LINKEN sind. Als im M&#228;rz die Demo &#8222;Wir zahlen   nicht f&#252;r Eure Krise&#8220; in Frankfurt anstand, haben wir bei der   Mieterversammlung darauf hingewiesen. Das Ergebnis war, dass sieben   Leute aus dem Hallschlag, die noch nie in ihrem Leben auf einer Demo   waren, mitgefahren sind.<\/p>\n<p>  Im Bundestagwahlkampf, also nachdem die ersten Erfolge der Initiative   erzielt worden waren, hatten wir in dem Wahllokal, wo wir die   Mietminderungen durchsetzten, 19,9 Prozent! Im Wahlkampf hatten wir im   Stadtteil zu einem politischen Fr&#252;hst&#252;ck eingeladen. Da waren 70 Leute   da. Wir hatten auch einen Extra-Flyer gemacht, in dem wir unsere   kritische Sichtweise des Projekts &#8222;Soziale Stadt &#8211; Zukunft Hallschlag&#8220;   erkl&#228;rten und Forderungen im Interesse der Bewohner aufstellten.<\/p>\n<h4>  Was sind die n&#228;chsten Herausforderungen f&#252;r die Initiative?<\/h4>\n<p>  Die SWSG-Gesch&#228;ftsf&#252;hrung hat angek&#252;ndigt, die Mieten im Jahr 2010 um   bis zu zehn Prozent zu erh&#246;hen. Dagegen m&#252;ssen wir jetzt Druck machen.   Eine weitere Baustelle sind die hohen Nebenkosten. Die Mieter sagen, das   sei eine zweite Miete. Und nat&#252;rlich wird es weiter darum gehen, jeden   einzelnen Versto&#223; gegen Mieterinteressen r&#252;ckg&#228;ngig zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gespr&#228;ch mit Ursel Beck vom Vorstand der LINKEN im Ortsverband Stuttgart<br \/>\n      Bad-Cannstatt\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[220],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13417"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13417"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13417\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13417"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13417"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13417"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}