{"id":13406,"date":"2009-11-18T00:00:00","date_gmt":"2009-11-18T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13406"},"modified":"2009-11-18T00:00:00","modified_gmt":"2009-11-18T00:00:00","slug":"13406","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/11\/13406\/","title":{"rendered":"Die Uni brennt &#8211; auch in Stuttgart"},"content":{"rendered":"<p>  Die ersten beiden Tage H&#246;rsaalbesetzung in Stuttgart<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die ersten Nachrichten von den H&#246;rsaalbesetzungen in &#214;sterreich wurden   von AktivistInnen an der Uni Stuttgart mit Interesse verfolgt. Als der   Funkenflug des &#246;sterreichischen Uni-Fl&#228;chenbrands zur H&#246;rsaalbesetzung   in Heidelberg f&#252;hrte und von da ab eine H&#246;rsaalbesetzung auf die andere   folgte, stie&#223; das auf Sympathie. Aber in Stuttgart geht das doch nie&#8230;<\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein<\/i><\/h4>\n<p>  Positiv &#252;berrascht waren linke AktivistInnen aber dar&#252;ber, dass die   offizielle Studierendenvertretung FaVeVe   (FachschaftsvertreterInnenversammlung), die sie oft als sehr bremsend   erlebt hatten, sich klar mit den Besetzungen in &#214;sterreich   solidarisierte. Als der Kupferbau im nahe gelegenen T&#252;bingen besetzt   wurde, entstand so die Idee, die Solidarit&#228;t praktisch werden zu lassen.   Studierende wollten am 12. November nach T&#252;bingen fahren und eine   Soli-Volxk&#252;che (&#8222;Ohne Mampf kein Kampf&#8220;) machen. Dummerweise wurde am   selben morgen der Kupferbau vor&#252;bergehend ger&#228;umt. Was machen mit den   gekauften Lebensmitteln? Die KommilitonInnen in Stuttgart bekochen. Eine   Idee kam zur anderen: Warum nicht die im Protest gegen die   Studiengeb&#252;hren 2005 entstandene Uni-WG wiederbeleben? Um diese Frage   praktisch anzugehen, trafen sich am Sonntag um 22.00 Uhr 17 Studierende   in der Uni. Dort kam die Idee auf, statt dessen am n&#228;chsten Tag   zus&#228;tzlich zum Suppekochen in der Mittagspause ein Plenum zu   organisieren mit dem Ziel, auch in Stuttgart einen H&#246;rsaal besetzen.<\/p>\n<p>  Binnen weniger Stunden wurden die Flyer kopiert, verteilt, das Plenum im   KII-Geb&#228;ude durchgef&#252;hrt, nach kurzer Diskussion die Besetzung   beschlossen und kurz vor 14.00 Uhr in den H&#246;rsaal 17.01, den gr&#246;&#223;ten   H&#246;rsaal auf dem Uni-Campus Stadtmitte, eingezogen. Die kurzentschlossene   Aktion stellte nat&#252;rlich die Aufgabe, die &#252;brigen Studierenden von der   Besetzung zu informieren &#8211; eine Aufgabe, die in Vaihingen, dem gr&#246;&#223;eren,   natur- und ingenieurwissenschaftlich gepr&#228;gten Uni-Campus, auch nach   zwei Tagen noch nicht gel&#246;st ist. Kurzfristig war die begrenzte   Beteiligung an der Besetzung kein Problem, weil am Montag Nachmittag   keine Veranstaltungen im H&#246;rsaal eingetragen waren.<\/p>\n<h4>  Plenum von Burschenschaftern besucht<\/h4>\n<p>  Um 19.00 Uhr fand das erste Plenum statt. Auf der Tagesordnung stand vor   allem die Diskussion &#252;ber die Forderungen. Im Zentrum der   Auseinandersetzung stand die Anwesenheit einer Gruppe von Studierenden,   die sich durch die von ihnen getragenen B&#228;nder offen als   Burschenschafter zu erkennen gaben. Das f&#252;hrte zu scharfen   Auseinandersetzungen unter den &#252;brigen Anwesenden, wie man sich ihnen   gegen&#252;ber verhalten solle. Viele Studierende stellten sich auf den   Standpunkt, das seien Studierende wie wir. Solange sie sich am Protest   beteiligten und nicht provozierend auftreten w&#252;rden, d&#252;rfe man sie nicht   ausgrenzen. Solche Ideen, den Kampf um bessere Bildung als   Einpunktbewegung ohne gesellschaftlichen Zusammenhang zu betreiben,   haben haarstr&#228;ubende Folgen. Das zeigt sich z.B. daran, dass einige   dieser Studierenden in den zahlreichen informellen Diskussionen, die   dieser Konflikt ausl&#246;ste, auf die Frage, was denn w&#228;re, wenn sich   Teilnehmer des Plenums offensiv als NPD-Mitglieder zu erkennen geben   w&#252;rden, sich mit einer klaren Antwort schwer taten. Ist es nicht klar,   dass die Burschenschafter mit ihrem offensivem Auftreten genau solche   Auseinandersetzungen unter den anderen Studierenden ausl&#246;sen und damit   den Protest schw&#228;chen wollten &#8211; was sie auch ein St&#252;ck weit erreicht   haben? Aber offenbar m&#252;ssen einige Studierende erst erleben, dass f&#252;r   die Burschenschafter ihr Auftritt beim Plenum nicht der Auftakt zu einer   Unterst&#252;tzung des Protests war. Oder hat man sie seitdem beim   &#220;bernachten im besetzten H&#246;rsaal, beim Flugbl&#228;tter verteilen, beim   Plakate aufh&#228;ngen, beim Transparente malen beobachten k&#246;nnen?   Hoffentlich f&#228;llt langsam der Groschen.<\/p>\n<p>  Zum Schluss des Plenums machten die Burschenschafter auch noch Werbung   f&#252;r eine Veranstaltung mit dem Uni-Rektor Ressel. Sie forderten die   Studierenden auf, den Rektor nicht auszubuhen, weil das undemokratisch   sei. Als darauf ein anderer Student einen Anlauf machte, &#252;ber den   Charakter von Burschenschaften aufzukl&#228;ren und konkrete Angaben &#252;ber den   politischen Hintergrund anwesender Burschenschaften machte, fanden diese   das Ausbuhen nicht mehr undemokratisch. Leider meinte auch der   Diskussionsleiter, dass man den Studierendenprotest als Einpunktbewegung   betreiben k&#246;nne und deshalb eine Auseinandersetzung &#252;ber   Burschenschaften abw&#252;rgen m&#252;sse.<\/p>\n<h4>  Trotz dieser unerquicklichen Konflikte wurden beim Plenum viele wichtige   und gute Forderungen f&#252;r den Protest beschlossen.<\/h4>\n<h4>  Besetzungsalltag (und &#8211;nacht)<\/h4>\n<p>  Die folgenden Stunden waren mit vielen politischen Diskussionen, dem   Erstellen von vielf&#228;ltigem politischen Material, Musik und Feiern   gef&#252;llt. Nur der Schlaf kam etwas kurz. Erst um f&#252;nf Uhr morgens wurde   es still. Am n&#228;chsten Morgen um acht h&#228;tte offiziell die erste Vorlesung   im besetzten H&#246;rsaal stattfinden sollen. Aber ein paar handgemalte   Plakate reichten, um die Studierenden in den benachbarten H&#246;rsaal zu   dirigieren. Weitere Vorlesungen, die im H&#246;rsaal normalerweise   stattgefunden h&#228;tten, wurden verlegt oder verschoben. Ein Mitglied des   Personalrats kam und k&#252;ndigte an, dass er auf der Personalratssitzung am   Vormittag eine Solierkl&#228;rung einbringen werde. (Das ist auch geschehen.   In ihr hei&#223;t es unter anderem: &#8222;Die derzeitige Krise zeigt, dass die   vorherrschende betriebswirtschaftliche Logik sich selbst in der   Wirtschaft als ungeeignet erwiesen hat. F&#252;r Universit&#228;ten, Bildungs- und   Forschungseinrichtungen ist sie erst recht abzulehnen.&#8220;)<\/p>\n<p>  Am Mittag erschien der Rektor und teilte mit, die Besetzung zu dulden.   Die BesetzerInnen konnten auf seine W&#252;nsche aber nicht eingehen. Weder   waren sie bereit, in einen anderen H&#246;rsaal zu gehen, noch, die Besetzung   f&#252;r den Unitag am Mittwoch zu unterbrechen. So muss Rektor Ressel seine   Begr&#252;&#223;ungsrede im Foyer statt im H&#246;rsaal halten. Die BesetzerInnen   ihrerseits wollen im H&#246;rsaal ihren Beitrag zum Unitag leisten, indem sie   die erwarteten Tausenden Sch&#252;lerInnen sowohl &#252;ber den Protest als auch   &#252;ber das Studium aus studentischer Sicht informieren. &#220;berhaupt ist der   Unitag eine vorz&#252;gliche Gelegenheit, um Sch&#252;lerInnen &#252;ber die   landesweite Bildungsdemo am 21. November zu informieren.<\/p>\n<h4>  Andere Veranstaltungen lassen sich in die Besetzung integrieren, z.B.   eine Vorf&#252;hrung des Uni-Kinos oder eine Probe des Uni-Orchesters am   Donnerstag.<\/h4>\n<h4>  Politikerbesuche<\/h4>\n<p>  F&#252;r Dienstag Mittag hatte sich auch Gr&#252;nen-Vorsitzender Cem &#214;zdemir (der   sich in Stuttgart vergeblich um ein Bundestags-Direktmandat beworben   hatte, nachdem ihm seine Partei keinen sicheren Listenplatz gegeben hat)   angesagt. Da die BesetzerInnen der Ansicht waren, dass das Plenum   abstimmen muss, ob er reden darf, musste er sich bis zum Beginn des   Plenums um 13.00 Uhr gedulden. Im Blitzlichtgewitter der Fotografen wird   er sich nicht unwohl gef&#252;hlt haben. Da er in seiner Rede vor allem die   Anliegen der Studierenden f&#252;r berechtigt erkl&#228;rte und den anderen   Parteien vorwarf, nicht genug f&#252;r sie zu tun, konnte er sich gro&#223;en   Beifalls sicher sein. Aber wenn ein Politiker Beifall kriegt, wenn er   Studierende unterst&#252;tzt, hei&#223;t das nat&#252;rlich nicht, dass die   Studierenden ihn auch unterst&#252;tzen w&#252;rden. Daf&#252;r ist das Misstrauen   gegen&#252;ber Politikern doch zu hoch. Das gleiche gilt f&#252;r die   stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Mattheis, die beim Abend-Plenum   ihren Auftritt hatte. So wurde auf dem Abend-Plenum am Dienstag auch die   Unterst&#252;tzung der Proteste am Donnerstag (Kundgebung um 16.00 Uhr und   ArtParade) gegen kommunale K&#252;rzungen beschlossen, die auch Studierende   betreffen und an denen die Parteifreunde von &#214;zdemir und Mattheis   kr&#228;ftig mitwirken.<\/p>\n<p>  Die H&#246;rsaalbesetzung der Studierenden f&#252;hrte dazu, dass die Proteste der   Sch&#252;lerInnen in der Aufmerksamkeit etwas untergingen. Einige   Sch&#252;lerInnen besuchten zum Abschluss ihrer Aktion den besetzten H&#246;rsaal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die ersten beiden Tage H&#246;rsaalbesetzung in Stuttgart\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[50],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13406"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13406"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13406\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13406"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13406"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13406"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}