{"id":13405,"date":"2009-11-18T17:00:00","date_gmt":"2009-11-18T17:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13405"},"modified":"2009-11-18T17:00:00","modified_gmt":"2009-11-18T17:00:00","slug":"13405","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/11\/13405\/","title":{"rendered":"Ein hei&#223;er Herbst&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>  Zur Bilanz des Bildungsstreiks am 17. November 2009<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &#220;ber 85.000 Sch&#252;lerInnen und Studierende protestierten am 17.11. in der   ganzen Bundesrepublik f&#252;r eine bessere Bildung und leiteten damit ganz   offiziell den Beginn des &#8222;hei&#223;en Herbstes&#8220; ein.<\/p>\n<h4>  <i>von Paula Rauch, Sch&#252;lerin und Mitorganisatorin des Bildungsstreiks   in Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Urspr&#252;nglich als Auftakt f&#252;r eine neue Bildungsstreik-Aktionszeit   gedacht, ist der 17. November durch die Besetzungen von &#252;ber 20 H&#246;rs&#228;len   an Universit&#228;ten in den letzten Wochen eher zu einem vorl&#228;ufigen   H&#246;hepunkt geworden. Nachdem vor drei Wochen Studierende das Audimax der   Uni Wien besetzten um gegen den Bologna-Prozess und die Missst&#228;nde an   den Hochschulen zu protestieren war es in allen &#246;sterreichischen St&#228;dten   zu Besetzungen und Protestaktionen gekommen, die schlie&#223;lich auch nach   Deutschland &#8222;&#252;ber-schwappten&#8220;. Am Aktionstag beteiligten sich bundesweit   &#252;ber 60 St&#228;dte, darunter Berlin (15.000), M&#252;nchen (10.000), Wiesbaden   (10.000), Freiburg (6.000), K&#246;ln (5.000) und viele Andere. Au&#223;erdem   wurden weitere H&#246;rs&#228;le besetzt, teilweise ganze Unis, wie die Technische   Universit&#228;t (TU) in Berlin, komplett blockiert und vereinzelt kam es   sogar zu Schulbesetzungen. In Berlin war die Demonstration trotz Regen   &#252;berraschend gro&#223;, k&#228;mpferisch und mit vielen systemkritisch- bis   antikapitalistischen Redebeitr&#228;gen aus verschiedenen L&#228;ndern sehr   politisch, allerdings mangelte es an einer Perspektive f&#252;r die Proteste,   so dass sich der 17.11 f&#252;r viele nur in die &#252;ber zweij&#228;hrige   Halbjahresfolge von Aktionstagen einreihen wird.<\/p>\n<h4>  Gemeinsam k&#228;mpfen?!<\/h4>\n<p>  In Hessen streikten zeitgleich auch die LehrerInnen, und kamen zu einer   gemeinsamen Demonstration mit Sch&#252;lerInnen und StudentInnen nach   Wiesbaden, w&#228;hrend sich in Berlin die im Warnstreik befindlichen   Besch&#228;ftigten des Studentenwerks und einige Geb&#228;udereinigerInnen am   Protest beteiligt. In diesem Motto hie&#223; es auch auf einem Transparent   &#8222;Bildungsstreik &#8211; Putzstreik &#8211; Generalstreik&#8220;, und in vielen   Redebeitr&#228;gen wurde zum gemeinsamen Kampf aufgerufen. In Hessen und   Berlin ist dieser schon ein St&#252;ck weit wahr geworden, in den meisten   anderen Orten geht er allerdings noch nicht &#252;ber eine   Solidarit&#228;tserkl&#228;rung hinaus. Eine Ver&#228;nderung kann da eventuell der 12.   Juni 2010 bringen, an dem das &#8222;Wir zahlen nicht f&#252;r eure Krise&#8220;-B&#252;ndnis   gemeinsam mit dem Bildungsstreik-B&#252;ndnis zu einem Aktionstag aufrufen   m&#246;chte. In seiner, auf der Demo in Berlin verlesenen   Solidarit&#228;tserkl&#228;rung hei&#223;t es unter Anderem: &#8222;nicht nur an der Bildung   wird gespart &#8211; mit Lohnk&#252;rzungen, Stellen- und Sozialabbau sollen wir   alle f&#252;r die kapitalistische Krise zahlen &#8211; setzen wir dem   Generalangriff unseren gemeinsamen Widerstand entgegen!&#8220;<\/p>\n<p>  Ver.di, der DGB, die LINKE und viele andere unterst&#252;tzen den Protest der   Sch&#252;lerInnen und Studierenden. Doch der Solidarit&#228;t in Worten muss eine   Solidarit&#228;t in Taten folgen. DIE LINKE, Linksjugend [&quot;solid] und   Linke.SDS m&#252;ssen ihre Ressourcen nutzen, um die Bildungsstreikbewegung   aufzubauen. Daf&#252;r brauchen sie auch ein unabh&#228;ngiges Profil in der   Bewegung und m&#252;ssen ihr, zum Beispiel mit Vorschl&#228;gen, wie die   Forderungen mit dem Geld der Reichen finanziert werden k&#246;nnen, politisch   eine Perspektive aufzeigen.<\/p>\n<p>  Ver.di und DGB k&#246;nnten dar&#252;ber hinaus wie die GEW in Hessen zu Streiks   aufrufen. Die Tarifrunde &#214;ffentlicher Dienst in Berlin und bundesweit   l&#228;uft bzw. Steht bald an; mit einem gemeinsamen Streik k&#246;nnte die   Schlagkraft enorm erh&#246;ht werden.<\/p>\n<h4>  Bildungsstreik international<\/h4>\n<p>  Neben der teilweise besseren Vernetzung mit anderen sozialen Bewegungen,   Gewerkschaften und Gruppen, gibt es auch eine verst&#228;rkte internationale   Kooperation zwischen verschiedenen Bewegungen: In Italien gingen am   17.11. 150.000 in 50 St&#228;dten in die Stra&#223;en, in Frankreich riefen die   Sch&#252;lerInnen zum Streik, in &#214;sterreich gab es einen gro&#223;en Aktionstag   und in weiteren 30 L&#228;ndern soll es zu verschiedenen Aktionen gekommen   sein. Mit dieser Ausbreitung der Proteste auf europ&#228;ischer Ebene zeigt   sich das Potenzial, dass der Bildungsstreik an Qualit&#228;t gewinnt und es   zeigt sich, dass Probleme wie der steigende Einfluss der Wirtschaft in   Schulen und Unis, h&#246;herer Zeit-, Leistungs- und Konkurrenzdruck,   Bildungsgeb&#252;hren, mangelnde Mit- und Selbstbestimmungsm&#246;glichkeiten,   &#252;berf&#252;llte Klassen und H&#246;rs&#228;le und soziale Selektion im Bildungssystem   kein rein deutsches Problem sind, sonder im Moment in ganz Europa f&#252;r   gro&#223;en Unmut sorgen.<\/p>\n<h4>  &#8222;Wir wollen nicht kuscheln!&#8220;<\/h4>\n<p>  Das Potenzial dieses Unmuts haben die Verantwortlichen Politiker anhand   des &#246;sterreichischen Beispiels jetzt wahrscheinlich auch erkannt und   Angst bekommen. Denn anstatt die Proteste wie im Juni mehr oder weniger   totzuschweigen, bekennen sie nun auf einmal Sympathie f&#252;r die   Protestierenden und tun sogar so, als ob sie einen Teil der Forderungen   unterst&#252;tzen.&#160;&#160; Bildungsministerin Schavan geht sogar soweit, zu   unterstellen, die Proteste gebe es nur, um die Kultusministerkonferenz   an die Umsetzung ihrer bisherigen Entschl&#252;sse zu erinnern.<\/p>\n<p>  Es scheint fast unheimlich, das die Junge Union (JU), die im Juni die   Polizei noch zu einem besonders harten Vorgehen gegen Schulstreiker   aufgerufen hatte, den Protest jetzt guthei&#223;t. In dieser   &#8222;Umarmungstaktik&#8220;, liegt aber auch die Gefahr, dass die Bewegung   &#8222;tot-gelobt&#8220; wird, das hei&#223;t von allen Seiten gut gefunden wird, sodass   die eigentlichen Forderungen nicht mehr richtig transportiert werden.<\/p>\n<h4>  Forderungen durchk&#228;mpfen!<\/h4>\n<p>  Eine Schw&#228;che der Bewegung war, dass sie die Forderungen nach au&#223;en   nicht genug zugespitzt hat und sie an einer vagen Kritik am Bachelor-   und Mastersystem stehen blieb. Wenn sich Schavan, die Kultusminister   oder die Junge Union sich den Forderungskatalog aus dem Juni nochmal   anschauen, w&#252;rde sie das ganz sicher nicht unterst&#252;tzen. Es geht n&#228;mlich   nicht nur um die verkorkste Umsetzung einer Hochschulreform. Es geht   darum, dass diese Reform von vornherein schon ein falscher Ansatz war   und darum, das Bildungssystem, die Schulen und Universit&#228;ten grundlegend   zu ver&#228;ndern. Geld muss f&#252;r Bildung statt f&#252;r Banken ausgegeben werden   und von den Reichen zur Bildung f&#252;r alle umverteilt werden. Genau darum   geht es aber beim Bildungsstreik &#8211; und um diese Forderungen   durchzusetzen ist mehr n&#246;tig als halbj&#228;hrlich einen Aktionstag zu   veranstalten, so gro&#223; er auch sei.<\/p>\n<p>  Mit ungenauen, breiten Forderungen, wird vielleicht auch gleichzeitig   ein komplett neues Bildungssystem gefordert, mit zugespitzten und   konkretisierten Forderungen l&#228;sst es sich aber sehr viel leichter   mobilisieren und sie sind auch nicht so leicht zu vereinnahmen. Die   Forderung nach zum Beispiel 100.000 LehrerInnen bundesweit mehr, kann   nicht so leicht von der Politik abgehakt werden, wie die unbestimmtere   Forderung &#8222;mehr LehrerInnen&#8220;. Au&#223;erdem muss die Vernetzung mit   Gewerkschaften und anderen sozialen Bewegungen, wie sie in Hessen und   Berlin schon begonnen hat, weiter vorangetrieben werden.<\/p>\n<p>  Und die von allen geforderte Demokratisierung der Bewegung muss wirklich   umgesetzt werden und eng vernetzte, demokratische Strukturen geschaffen   werden. Das w&#252;rde die Selbstorganisation der Sch&#252;lerInnen und   Studierenden bef&#246;rdern und mehr AktivistInnen einbeziehen und   politisieren.&#160; Das w&#228;re die Voraussetzung eine Schlagkraft zu   entwickeln, die &#252;ber einen Aktionstag hinaus eine Streikbewegung   lostritt, die erst endet, wenn die Forderungen durchgesetzt sind.<\/p>\n<\/p>\n<h4>  Fotos uns Videos:<\/h4>\n<\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Tt6pQB03dJ0\">Video 1 aus Berlin<\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/picasaweb.google.com\/awgberlin\/BildungsstreikBerlin17November#\">Fotos   aus Berlin <\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Tt6pQB03dJ0\"> <\/a><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4VY473EcHo4&feature;=channel\">Video   aus Berlin<\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YFdgEUSg9Eo&feature;=channel\">Video   aus K&#246;ln<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Zur Bilanz des Bildungsstreiks am 17. November 2009\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[50],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13405"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13405"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13405\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13405"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13405"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13405"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}